Reindustrialisierung einfach erklärt | Geographie
Reindustrialisierung bedeutet, nach dem Rückgang traditioneller Industrie neue Industriezweige aufzubauen oder bestehende Industrieunternehmen technisch neu auszurichten. Am Ruhrgebiet erkennst du, wie dadurch eine einseitige Wirtschaftsstruktur vielfältiger werden kann.
Auf dieser Seite lernst du, Reindustrialisierung zu erkennen, von Deindustrialisierung und Tertiärisierung abzugrenzen und ihre Chancen sowie Grenzen zu beurteilen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum braucht eine Industrieregion einen Neuanfang?
Eine Region kann stark von wenigen Industriezweigen abhängen. Im Ruhrgebiet waren dies vor allem Kohlebergbau, Stahlindustrie und weitere Teile der Montanindustrie. Schrumpfen solche Branchen, gehen Arbeitsplätze verloren und bisherige Industriestandorte werden nicht mehr wie zuvor genutzt.
Monostruktur
Eine Monostruktur liegt vor, wenn die Wirtschaft einer Region stark von einem einzigen Wirtschaftszweig oder wenigen eng verbundenen Branchen abhängt. Gerät die dominierende Branche in eine Krise, trifft das die gesamte Region besonders stark.
Der Rückgang der alten Industrie heißt Deindustrialisierung. Er kann sich in sinkender Industrieproduktion, weniger Industriebeschäftigten oder einem geringeren Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft zeigen.
Neue wirtschaftliche Perspektiven können anschließend auf zwei unterschiedlichen Wegen entstehen: durch neue Industrie und durch mehr Dienstleistungen.
Was bedeutet Reindustrialisierung genau?
Reindustrialisierung
Reindustrialisierung ist der gezielte Aufbau neuer, zukunftsorientierter Industriezweige oder die grundlegende technische Erneuerung bestehender Industrie. Sie soll eine frühere industrielle Monostruktur überwinden und den Wirtschaftsraum neu ausrichten.
Industrie gehört zum sekundären Sektor. In diesem Wirtschaftssektor werden Rohstoffe verarbeitet und Güter hergestellt. Dazu zählen Industrie und Handwerk.
Zum Vergleich:
- Der primäre Sektor gewinnt Rohstoffe, etwa in Landwirtschaft oder Bergbau.
- Der sekundäre Sektor verarbeitet Rohstoffe und stellt Güter her.
- Der tertiäre Sektor bietet Dienstleistungen an, etwa Handel, Forschung, Banken oder Versicherungen.
Reindustrialisierung bedeutet nicht einfach „mehr Wirtschaft“. Entscheidend ist, dass neue oder grundlegend erneuerte industrielle Produktion entsteht.
Der Aufbau der Elektroindustrie ist ein Beispiel für Reindustrialisierung. Entsteht auf einer ehemaligen Industriefläche dagegen nur ein Kulturzentrum, handelt es sich um einen Nutzungswandel, aber nicht um neue industrielle Produktion.
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Reindustrialisierung stärkt den Sektor. Der Rückgang alter Industrie heißt . Wachsen vor allem Dienstleistungen, spricht man von . Ein neues Werk der Elektroindustrie ist daher ein Beispiel für .
Auf welchen Wegen entsteht neue Industrie?
Für das Ruhrgebiet lässt sich Reindustrialisierung in drei miteinander verbundene Schritte gliedern:
- Neue Branchen siedeln sich an. Unternehmen aus bisher nicht prägenden Industriezweigen kommen in die Region.
- Bestehende Unternehmen verändern sich. Frühere Ruhrgebietsunternehmen entwickeln sich zu Technologiekonzernen oder richten ihre Produktion neu aus.
- Das industrielle Erscheinungsbild wandelt sich. Andere Betriebe, Technologien und Produktionsformen prägen die Region. Dieses sichtbare und funktionale Erscheinungsbild heißt Industriephysiognomie.
Diese Gliederung beschreibt mögliche Wege des Wandels. Sie enthält keine feste Datierung und bedeutet nicht, dass jede Region die Schritte genau gleich durchläuft.
Eine Region war lange von Kohle und Stahl abhängig. Nach Betriebsschließungen siedelt sich ein Unternehmen der Elektroindustrie an. Gleichzeitig stellt ein bestehender Industriebetrieb auf neue Technologien um.
Das ist Reindustrialisierung, weil sowohl ein neuer Industriezweig entsteht als auch bestehende Industrie technisch erneuert wird. Die Wirtschaftsstruktur wird vielfältiger; die Region hängt weniger ausschließlich von den alten Branchen ab.
Welche Standortfaktoren beeinflussen den Aufbau?
Neue Industriebetriebe wählen ihren Standort nicht zufällig. Sie prüfen Bedingungen, die ihre Kosten, ihre Arbeit und ihre Entwicklungsmöglichkeiten beeinflussen.
Standortfaktoren
Standortfaktoren sind Eigenschaften eines Ortes, die für die Ansiedlung oder Entwicklung eines Betriebes wichtig sind.
Man unterscheidet zwei Gruppen:
| Standortfaktoren | Kennzeichen | Beispiele |
|---|---|---|
| harte Standortfaktoren | messbar und unmittelbar für die Bilanz wichtig | Rohstoffverfügbarkeit, Transportkosten |
| weiche Standortfaktoren | schwerer messbar und eher indirekt wirksam | regionales Image, Kulturangebot, Lebensqualität |
Welche Faktoren besonders wichtig sind, hängt vom Betrieb ab. Ein Unternehmen mit vielen Transporten gewichtet Transportkosten möglicherweise stärker als das Kulturangebot. Für die Gewinnung von Fachkräften können Lebensqualität und regionales Image dennoch bedeutsam sein.
Auch Cluster-Bildung kann den Wandel unterstützen. Dabei vernetzen sich Unternehmen einer Region miteinander. Diese räumliche Verbindung kann ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Wie zeigt sich der Wandel im Ruhrgebiet?
Im Ruhrgebiet folgte auf den Rückgang von Bergbau und Montanindustrie nicht nur eine einzige Entwicklung. Der Strukturwandel verbindet mehrere Vorgänge:
- Deindustrialisierung: Traditionelle Industrie und Bergbau verlieren an Bedeutung; viele Arbeitsplätze gehen verloren.
- Reindustrialisierung: Neue Industriezweige wie die Elektroindustrie werden aufgebaut und bestehende Unternehmen technisch verändert.
- Tertiärisierung: Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung, unter anderem durch Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Technologieparks und Forschungszentren können hochqualifizierte Dienstleistungsarbeitsplätze schaffen. Sie gehören deshalb zunächst zur Tertiärisierung. Unterstützen Forschung und Wissen neue Industriebetriebe, können Dienstleistungen und Reindustrialisierung jedoch zusammenwirken.
Eine ehemalige Zeche wird als Kulturzentrum genutzt. Diese Umnutzung revitalisiert den Standort, erzeugt aber keine neue Industrieproduktion. Sie ist deshalb keine Reindustrialisierung.
Auf einer anderen früheren Industriefläche wird ein Betrieb gegründet, der technische Güter herstellt. Hier entsteht industrielle Produktion im sekundären Sektor: Das ist Reindustrialisierung.
Ein neuer Zweck auf einer alten Industriefläche ist nicht automatisch Reindustrialisierung. Frage immer: Werden dort Güter industriell hergestellt oder entsteht hauptsächlich eine Dienstleistung?
Welche Chancen und Grenzen musst du beachten?
Reindustrialisierung kann eine einseitig geprägte Region wirtschaftlich breiter aufstellen. Neue Branchen und Technologien schaffen Entwicklungsmöglichkeiten und können gemeinsam mit Dienstleistungen die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Sie beseitigt die Folgen der Deindustrialisierung jedoch nicht automatisch. Neue Betriebe können andere Qualifikationen verlangen als die früheren Kohle- und Stahlunternehmen. Deshalb folgt aus einem neuen Industriezweig nicht zwingend, dass alle verlorenen Arbeitsplätze ersetzt werden oder alle Beschäftigten unmittelbar passende Arbeit finden.
Auch Automatisierung zeigt diese Grenze: Technik kann Produktion schneller und kostengünstiger machen, zugleich aber den Bedarf an Arbeitskräften verringern. Industrielle Produktion und Industriebeschäftigung müssen sich deshalb nicht gleich entwickeln.
Eine sorgfältige Beurteilung betrachtet nicht nur neu eröffnete Betriebe. Sie fragt auch nach wirtschaftlicher Vielfalt, benötigten Qualifikationen, Beschäftigung und dem Zusammenspiel mit Dienstleistungen.
So beurteilst du ein Raumbeispiel
- Beschreibe, welche alte Industrie zurückgeht.
- Bestimme die neue Tätigkeit und ordne sie einem Wirtschaftssektor zu.
- Prüfe, ob ein neuer Industriezweig entsteht oder ein Industriebetrieb grundlegend erneuert wird.
- Untersuche, ob die Wirtschaftsstruktur vielfältiger wird.
- Benenne Chancen und mögliche Grenzen für Beschäftigte und Region.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Reindustrialisierung
- Ausgangslage
- Deindustrialisierung
- industrielle Monostruktur
- Wege
- neue Branchen ansiedeln
- bestehende Unternehmen erneuern
- Industriephysiognomie verändern
- Voraussetzungen
- harte Standortfaktoren
- weiche Standortfaktoren
- regionale Vernetzung
- Einordnung
- Industrie im sekundären Sektor
- Dienstleistungen im tertiären Sektor
- Nutzungswandel nicht automatisch Reindustrialisierung
- Beurteilung
- wirtschaftliche Diversifizierung
- neue Qualifikationsanforderungen
- Produktion und Beschäftigung getrennt prüfen
- Ausgangslage
Abschluss-Check
Du kannst Reindustrialisierung sicher erklären, wenn du nicht nur eine neue Nutzung erkennst, sondern die wirtschaftliche Tätigkeit, den Sektor und die Folgen des Wandels begründet untersuchst.
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