Welthandel verstehen: Chancen und Ungleichheiten
Welthandel ist der Austausch von Gütern, Dienstleistungen und Finanzmitteln über Staatsgrenzen hinweg. Er verbindet Märkte und ermöglicht wirtschaftliche Entwicklung, doch seine Chancen und Belastungen sind ungleich verteilt.
Auf dieser Seite untersuchst du, wie Welthandel entsteht, wie Handelsregeln wirken und warum ein Handelsgeschäft verschiedene Beteiligte unterschiedlich treffen kann.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du Welthandel?
Viele alltägliche Waren und Dienstleistungen überschreiten Staatsgrenzen: Bananen können aus Ecuador stammen, ein Gerät kann in China hergestellt und eine technische Beratung von einem indischen Callcenter angeboten werden.
Welthandel
Welthandel umfasst die Güter-, Dienstleistungs- und Finanztransfers zwischen den Staaten der Erde.
Ein Export ist aus Sicht eines Landes die Ausfuhr in ein anderes Land. Ein Import ist die Einfuhr aus einem anderen Land. Dieselbe Ware ist deshalb für das Herkunftsland ein Export und für das Zielland ein Import.
Geflügelfleisch wird aus Europa nach Ghana verkauft.
- Aus europäischer Sicht wird das Fleisch exportiert.
- Aus ghanaischer Sicht wird es importiert.
Die Bezeichnungen hängen also von der betrachteten Seite der Grenze ab.
Warum hat sich der Welthandel ausgeweitet?
Mit der Industrialisierung nahm die Arbeitsteilung zu: Nicht mehr alle Arbeitsschritte finden am selben Ort statt. Produktion wird räumlich ausgeweitet oder verlagert, bestehende Märkte werden vernetzt und neue Märkte erschlossen.
So entstehen grenzüberschreitende Produktions- und Handelsverflechtungen. Unternehmen verbinden Kapital, Entwicklung, Herstellung und Absatz über mehrere Länder hinweg. Auch Dienstleistungen und Finanzmittel können Grenzen überschreiten.
Mehr Arbeitsteilung und räumlich verteilte Produktion führen zu mehr Austausch zwischen Ländern. Welthandel ist deshalb nicht nur der Transport fertiger Waren, sondern ein Netzwerk aus Waren-, Dienstleistungs- und Finanzbeziehungen.
Internationale Direktinvestitionen gehören ebenfalls zu diesem Netzwerk. Dabei fließt Kapital in Unternehmen oder Produktionsstandorte eines anderen Landes. Solche Investitionen sind räumlich ungleich verteilt. Außerdem schaffen Beteiligungen und Unternehmensfusionen nicht automatisch neue Fertigungskapazitäten oder Arbeitsplätze.
Wenn sich wirtschaftliche Macht auf wenige große Anbieter konzentriert, kann ein internationales Oligopol entstehen. Ein Oligopol ist ein Markt, der von wenigen großen Anbietern geprägt wird.
Wie beeinflussen Regeln den Handel?
Staaten schließen Handelsabkommen und setzen Regeln für den Austausch. Die Welthandelsorganisation WTO überwacht zentrale Regeln des Welthandels, vermittelt bei Streitigkeiten zwischen Staaten und strebt möglichst wenige Handelshemmnisse an.
Ein Handelshemmnis erschwert den grenzüberschreitenden Austausch. Man unterscheidet:
- tarifliche Handelshemmnisse, besonders Zölle;
- nichttarifliche Handelshemmnisse, also andere beschränkende Regeln.
Ein Importzoll ist eine Abgabe auf eingeführte Waren. Er verteuert die Einfuhr und kann dadurch Anbieter im Inland vor ausländischer Konkurrenz schützen.
Auch Subventionen verändern den Wettbewerb. Das sind staatliche Unterstützungen für bestimmte Unternehmen oder Wirtschaftszweige. Sie können dazu beitragen, dass geförderte Waren günstiger angeboten werden.
Bei manchen Handelsstrukturen steigt der Zoll mit dem Verarbeitungsgrad. Dann kann auf Schokolade ein höherer Importzoll liegen als auf unverarbeitetem Kakao.
Das erschwert es einem kakaoexportierenden Land, statt des Rohstoffs ein stärker verarbeitetes Produkt zu verkaufen. Ein größerer Teil der Verarbeitung und damit der Wertschöpfung findet dann möglicherweise anderswo statt.
Warum sind die Folgen ungleich verteilt?
Welthandel kann neue Absatzmärkte, Einnahmen und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen. Die Einbindung in den Weltmarkt war etwa für Südkorea und Taiwan mit großen Entwicklungssprüngen verbunden. Ein vollständiger Rückzug aus dem Welthandel ist deshalb keine allgemeine Lösung.
Die Beteiligten verfügen jedoch nicht über dieselbe Wettbewerbsfähigkeit und politische Durchsetzungsmacht. Wohlhabende Staaten können eigene Märkte schützen und zugleich heimische Produzenten unterstützen. Weniger entwickelte Länder erhalten außerdem einen geringeren Anteil internationaler Direktinvestitionen. Solche Unterschiede können räumliche Disparitäten verstärken.
Räumliche Disparität
Eine räumliche Disparität ist ein deutlicher Unterschied zwischen Regionen oder Ländern, zum Beispiel bei Einkommen, Investitionen oder wirtschaftlichen Chancen.
Das Geflügelbeispiel als Wirkungskette
Ein vereinfachtes Beispiel aus Ghana zeigt eine mögliche Folge von Agrarsubventionen:
- Ein europäischer Geflügelbetrieb erhält Subventionen.
- Weniger nachgefragte Fleischteile werden günstig auf dem Weltmarkt angeboten.
- Die Ware gelangt über Großhändler nach Ghana.
- Dort ist sie billiger als Geflügel einheimischer Kleinbetriebe.
- Lokale Produzenten verlieren Kundschaft; einige geben ihre Betriebe auf.
- Dadurch kann die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten wachsen.
Ein niedriger Preis ist für Käufer zunächst vorteilhaft. Für konkurrierende Produzenten kann derselbe Preis existenzbedrohend sein. Eine Beurteilung muss deshalb mehrere Perspektiven berücksichtigen.
Rohstoffexportierende Länder stehen vor einem weiteren Risiko. Die Nachfrage und die Weltmarktpreise von Kaffee, Kupfer, Öl, Baumwolle oder Diamanten können stark schwanken. Genannte Ursachen sind Knappheit, Überproduktion, Naturkatastrophen und Spekulation. Schwankende Exporterlöse erschweren die Planung.
Wie kannst du Handelsansätze beurteilen?
Zwei wirtschaftspolitische Strategien reagieren unterschiedlich auf internationalen Wettbewerb:
- Importsubstitution zielt darauf, bisher eingeführte Waren verstärkt im eigenen Land herzustellen.
- Exportorientierung richtet die Produktion stärker auf den Verkauf im Ausland aus.
Welche Strategie sinnvoll ist, hängt von ihren Voraussetzungen und konkreten Folgen ab. Aus den Begriffen allein lässt sich kein sicheres Erfolgsurteil ableiten.
Fair Trade setzt an den Handelsbedingungen bestimmter Produkte an. In dem hier beschriebenen Modell sollen mehrjährige Abnahmevereinbarungen und Preise oberhalb des Weltmarktniveaus den Produzenten mehr Sicherheit geben. Im Gegenzug verpflichten sie sich zu sozialen, ökologischen und arbeitsbezogenen Standards. Höhere Einkaufspreise können durch weniger Zwischenhandel und höhere Endpreise ausgeglichen werden.
Du beurteilst Fair Trade bei Kaffee aus drei Perspektiven:
- Produzenten: längerfristige Abnahme und stabilere Preise können die Planung erleichtern; zugleich müssen Standards eingehalten werden.
- Unternehmen: höhere Einkaufspreise stehen der Nutzung des Siegels und einer verlässlicheren Handelsbeziehung gegenüber.
- Verbraucher: sie zahlen möglicherweise mehr und unterstützen damit bestimmte soziale und ökologische Bedingungen.
Das Urteil lautet nicht einfach „gut“ oder „schlecht“. Es muss zeigen, für wen welche Wirkung entsteht.
Deine Analyse
Ein Staat erhebt auf unverarbeiteten Kakao einen niedrigeren Zoll als auf Schokolade. Gleichzeitig schwankt der Kakaopreis stark.
Erkläre zwei Probleme für das kakaoexportierende Land und nenne einen möglichen Ansatz aus diesem Wiki.
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Alles auf einen Blick
Welthandel verbindet Räume, aber er verteilt Chancen, Risiken und wirtschaftliche Macht nicht automatisch gleich.
- Welthandel
- Austausch
- Güter, Dienstleistungen und Finanzmittel
- Import und Export
- Voraussetzungen
- Arbeitsteilung und räumlich verteilte Produktion
- Handelsabkommen und internationale Regeln
- Eingriffe
- Zölle und andere Handelshemmnisse
- Subventionen
- Chancen
- neue Märkte und Entwicklungsmöglichkeiten
- internationale Investitionen
- Risiken
- ungleicher Wettbewerb und räumliche Disparitäten
- Rohstoffabhängigkeit und Preisschwankungen
- Konzentration auf wenige große Anbieter
- Handlungsansätze
- Importsubstitution und Exportorientierung
- Fair Trade
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