Antike: Zeitraum, Griechenland und Rom erklärt
Was ist die Antike? Die Antike bezeichnet im engeren Sinn die griechisch-römische Welt ungefähr vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis ins 6. oder 7. Jahrhundert n. Chr. Diese Grenzen sind Orientierungshilfen: Politische Ordnungen, Religionen und Lebensweisen änderten sich je nach Region zu unterschiedlichen Zeiten.
„V. Chr.“ bedeutet „vor Christus“, „n. Chr.“ bedeutet „nach Christus“. Diese Abkürzungen helfen dir, Jahreszahlen einzuordnen.
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Was gehört zur Antike?
Wenn du „Antike“ hörst, denkst du vielleicht an Pyramiden, griechische Tempel und römische Straßen. Für die zeitliche Einordnung ist jedoch eine Unterscheidung wichtig.
Antike
Im engeren Sinn meint Antike vor allem die griechisch-römische Welt: ungefähr von 800 v. Chr. bis 600 oder ins 7. Jahrhundert n. Chr. Der Mittelmeerraum bildet dabei den Schwerpunkt.
Der weitere Begriff Altertum schließt auch ältere Hochkulturen ein, etwa Ägypten und den Alten Orient – die frühen Kulturen im Nahen Osten – seit der Entstehung erster Schriften im 4. Jahrtausend v. Chr. Deshalb sind Zeitangaben wie „ab 3000 v. Chr.“ nicht automatisch falsch: Sie verwenden meist einen weiteren Begriff als die klassische Antike.
Eine Epoche ist ein größerer Zeitabschnitt der Geschichte, kein Naturgesetz. Menschen gliedern Geschichte in Epochen, damit lange Entwicklungen überschaubar werden. Je nach Fragestellung und Region können Anfang und Ende verschieden angesetzt werden.
Die griechisch-römische Geschichte lässt sich grob so ordnen:
- ca. 800–500 v. Chr.Archaische Zeit Griechenlands
- ca. 500–330 v. Chr.Klassische Zeit Griechenlands
- ca. 330–30 v. Chr.Hellenismus
- ca. 500–27 v. Chr.Römische Republik
- 27 v. Chr.–284 n. Chr.Römischer Prinzipat
- 284–ins 6./7. Jahrhundert n. Chr.Spätantike
Die Phasen überschneiden sich, weil die griechische und die römische Geschichte nicht nacheinander wie getrennte Kapitel verliefen. Während es griechische Stadtstaaten und später hellenistische Reiche gab, wuchs Rom gleichzeitig zur Mittelmeermacht heran.
Wie prägte Griechenland die antike Welt?
Das antike Griechenland war kein einheitlicher Staat. Viele Poleis (Einzahl: Polis), also Stadtstaaten mit eigener politischer Ordnung und einem zugehörigen Umland, prägten die griechische Welt. Athen und Sparta sind bekannte Beispiele, unterschieden sich aber deutlich in ihrer Ordnung und Machtpolitik.
In der archaischen Zeit entstanden und entwickelten sich zahlreiche Poleis. Griechische Siedlungen wurden zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert v. Chr. im Mittelmeerraum und am Schwarzen Meer gegründet. Auch Kontakte zum Vorderen Orient waren wichtig; die Griechen entwickelten ihr Alphabet aus der phönizischen Buchstabenschrift.
Athen: Beteiligung mit Grenzen
Solons Reformen 594/593 v. Chr. begrenzten die Macht des Adels, schufen aber noch keine vollständig entwickelte Demokratie. Kleisthenes legte mit seinen Reformen 508/507 v. Chr. wichtige Grundlagen der athenischen Demokratie. Die Bürger konnten in der Volksversammlung selbst über politische Fragen abstimmen.
Behauptung: „In Athen durften alle Menschen politisch gleichberechtigt entscheiden.“
Prüfung: Politisch mitentscheiden durften erwachsene männliche Bürger. Frauen, versklavte Menschen und zugewanderte Menschen ohne Bürgerrecht waren ausgeschlossen. Die Behauptung verwechselt Bürgerrecht mit dem bloßen Wohnen in Athen.
Verbesserte Aussage: Athen entwickelte eine frühe Form der Demokratie, an der erwachsene männliche Bürger beteiligt waren. Diese Beteiligung schloss nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner ein.
Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde Athen zu einem Zentrum von Theater, Kunst, Philosophie und Wissenschaft. Zugleich machte es den Attischen Seebund, ein Bündnis griechischer Städte, zu einem Werkzeug seiner eigenen Vorherrschaft. Demokratie im Inneren und Vorherrschaft nach außen konnten also gleichzeitig bestehen.
Vom klassischen Griechenland zum Hellenismus
Nach langen Kriegen zwischen den Poleis gewann Makedonien unter Philipp II. 338 v. Chr. die Vorherrschaft. Alexander eroberte anschließend ein Reich, das von Ägypten über Persien bis in das Gebiet des Indus reichte. Nach seinem Tod 323 v. Chr. zerfiel es in langwierigen Kämpfen in mehrere Reiche.
Die Epoche von Alexanders Eroberungen und vor allem der folgenden Nachfolgereiche heißt Hellenismus. Häufig wird ihr Beginn mit Alexanders Tod 323 v. Chr. angesetzt. Griechische Sprache und Kultur verbreiteten sich weit, verbanden sich aber auch mit regionalen Traditionen. Rom beseitigte die hellenistischen Reiche nach und nach als politische Mächte; griechische Kultur und Griechisch als Verkehrssprache blieben im östlichen Mittelmeerraum bestehen.
Wie wurde Rom zur Mittelmeermacht?
Bei Roms Anfang musst du Gründungslegende und archäologische Forschung unterscheiden. Die bekannte Überlieferung nennt 753 v. Chr. als Gründungsjahr. Funde belegen jedoch schon frühere Siedlungen. Aus diesen entwickelte sich allmählich eine Stadt am Tiber. Die Etrusker, ein Volk im antiken Italien, beeinflussten Roms frühe Entwicklung.
Republik: Ämter, Senat und Versammlungen
Die römische Republik entwickelte sich seit etwa 500 v. Chr. schrittweise. In der entwickelten Republik standen zwei jährlich gewählte Konsuln an der Spitze der Amtsträger. Der Senat, eine Versammlung einflussreicher Männer, prägte die Politik. Auch Volksversammlungen entschieden mit. Volkstribunen sollten die Plebejer, also die nicht zum alten Adel gehörenden Bürger, schützen. Mit einem Veto konnten sie bestimmte Entscheidungen blockieren.
„Republik“ bedeutete in Rom nicht, dass alle Menschen gleich viel Macht hatten. Politische Institutionen teilten Zuständigkeiten, doch eine wohlhabende Führungsschicht blieb besonders einflussreich.
Rom unterwarf Italien südlich der Poebene und gewann in den Punischen Kriegen gegen Karthago die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer. Straßen verbanden Städte und erleichterten Truppenbewegungen und Handel. Römische Siedlungen in eroberten Gebieten halfen, die Herrschaft zu sichern.
Von der Krise zum Prinzipat
Die Expansion, also die Ausdehnung des Herrschaftsgebiets, brachte Reichtum, verschärfte aber auch Ungleichheit und Konkurrenz innerhalb der Führungsschicht. Politische Gewalt nahm zu; Bürgerkriege folgten. Caesar erlangte nahezu die Macht eines Alleinherrschers und wurde 44 v. Chr. ermordet.
Octavian, später Augustus, setzte sich in den folgenden Machtkämpfen durch. Ab 27 v. Chr. begann der Prinzipat: Augustus herrschte faktisch allein, ließ republikanische Einrichtungen wie den Senat aber formal weiterbestehen. Die äußeren Formen der Republik blieben also bestehen, während die entscheidende Macht beim Kaiser lag.
Eine Erklärung des Übergangs darf nicht nur lauten: „Augustus wurde Kaiser.“ Der entscheidende Zusammenhang ist länger:
Expansion des Reiches → stärkere soziale und politische Konflikte → Gewalt und Bürgerkriege → Machtkonzentration bei Augustus.
Damit wird aus einer bloßen Jahreszahl eine begründete Entwicklung.
Warum endete die Antike nicht an einem Tag?
Seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. geriet das Römische Reich in schwere Krisen und wandelte sich. Diokletian, Kaiser seit 284, stabilisierte es durch Reformen. Konstantin förderte später das zuvor verfolgte Christentum. Unter Theodosius I. wurde 380 das Christentum nach dem Bekenntnis von Nizäa zur verbindlichen religiösen Norm erklärt. Damit setzte sich eine bestimmte christliche Glaubensrichtung als Staatsreligion durch. 391/392 folgten Verbote traditioneller nichtchristlicher Kulte. Gesetze veränderten den Alltag aber nicht sofort: Nichtchristliche Glaubensgemeinschaften bestanden noch lange.
Nach dem Tod des Kaisers Theodosius 395 regierten seine Söhne im Westen und Osten. Diese dauerhafte Aufteilung der Herrschaft wird oft „Reichsteilung“ genannt. West- und Ostreich entwickelten sich unterschiedlich. Im Westen schwächten Bürgerkriege, Provinzverluste und sinkende Steuereinnahmen die Zentralregierung. Regionale Militärführer und verbündete Kriegerverbände übernahmen immer mehr Macht.
476 setzte der Heerführer Odoaker Romulus Augustulus ab, den letzten in Italien regierenden weströmischen Kaiser. Der zuvor vertriebene Kaiser Julius Nepos behielt seinen Anspruch noch bis 480. Trotzdem gilt 476 meist als Merkdatum für das Ende Westroms. Römische Kultur, Recht, Städte und Verwaltungsformen verschwanden dadurch nicht plötzlich.
Im Osten bestand das von Konstantinopel regierte Reich weiter. Unter Justinian wurden im 6. Jahrhundert sogar Teile des Westens vorübergehend zurückerobert. Die arabisch-islamischen Eroberungen des 7. Jahrhunderts führten zum Verlust vieler östlicher Provinzen und veränderten das Reich weiter. Das fortbestehende Oströmische Reich wird auch Byzantinisches Reich genannt; es war kein plötzlich neu gegründeter Staat.
Darum setzen Forschende das Ende der Antike unterschiedlich an: bei 476, bei Justinians Tod 565, um 600 oder im 7. Jahrhundert. Sinnvoll ist oft ein regional verschiedener Übergangszeitraum ungefähr vom 5. bis zum 7. Jahrhundert.
Wie gewinnen wir Wissen über die Antike?
Unser Wissen ist lückenhaft. Ein großer Teil der antiken Literatur ging verloren, und viele Texte sind nur durch viel spätere mittelalterliche Handschriften erhalten. Historikerinnen und Historiker müssen deshalb unterschiedliche Quellenarten vergleichen.
- literarische Texte, Geschichtswerke, Reden, Gesetze und Briefe;
- Inschriften auf Stein oder Metall;
- Papyri, also beschriebene Blätter aus dem Pflanzenmaterial Papyrus;
- Bauwerke, Keramik, Gräber und andere archäologische Funde;
- Münzen, etwa mit Herrscherbildern und Aufschriften.
Historische Quelle
Eine historische Quelle ist ein Zeugnis aus oder über die Vergangenheit, aus dem sich mit kritischen Fragen Erkenntnisse gewinnen lassen. Eine Quelle liefert nicht automatisch die ganze Wahrheit: Entstehungszeit, Zweck, Perspektive und Überlieferung beeinflussen ihre Aussagekraft.
Frage: Wurde Rom im Jahr 753 v. Chr. gegründet?
Überlieferung: Die römische Überlieferung nennt 753 v. Chr. als Gründungsjahr.
Sachquellen: Archäologische Funde belegen Siedlungen schon vor 753 v. Chr. und eine längere Entwicklung zur Stadt.
Auswertung: Die Jahreszahl gehört zur Gründungsüberlieferung. Die Funde zeigen dagegen eine längere Siedlungsgeschichte. Sie beweisen kein punktgenaues Gründungsjahr. Eine begründete Antwort lautet deshalb: 753 v. Chr. ist ein überliefertes Datum; Roms Entstehung war ein längerer Prozess.
Dass Quellen fehlen oder sich widersprechen, bedeutet nicht, dass jede Aussage gleich gut ist. Eine begründete Rekonstruktion stützt sich auf mehrere passende Belege, nennt Unsicherheiten und trennt Beobachtung von Schlussfolgerung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Antike
- Begriff und Zeit → enger als Altertum, Grenzen je nach Region verschieden
- Griechenland → Poleis, begrenzte Bürgerdemokratie, Hellenismus
- Rom → Republik, Expansion, Bürgerkriege, Prinzipat
- Spätantike → Christianisierung, Reichsteilung, regionaler Übergang
- Nachwirkung → Kultur und politische Strukturen enden nicht im Jahr 476
- Erkenntnis → verschiedene Quellen vergleichen und Unsicherheit benennen
Abschluss-Check
Merke dir: Die Antike umfasst vor allem Griechenland und Rom. Ihre Grenzen sind Orientierungshilfen. Gute historische Erklärungen verbinden Daten, Zusammenhänge und kritisch geprüfte Quellen.
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