Conquista: Eroberung Amerikas einfach erklärt
Die Conquista war die gewaltsame Eroberung und koloniale Neuordnung großer Teile Amerikas durch spanische Unternehmungen. Kleine spanische Gruppen siegten nicht aus eigener Kraft: Militärische Vorteile, Terror, indigene Bündnisse, politische Konflikte und eingeschleppte Seuchen wirkten zusammen. Indigene Menschen waren dabei nicht nur Opfer oder Hilfskräfte, sondern verfolgten auch eigene Ziele.
Auf dieser Seite untersuchst du, wie die Conquista organisiert war, warum bestimmte Großreiche rasch zusammenbrachen und weshalb daraus nicht sofort eine flächendeckende spanische Herrschaft entstand.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet Conquista?
Conquista
Conquista bedeutet „Eroberung“. Der Begriff bezeichnet einen mehr als hundertjährigen Prozess, in dem spanische Unternehmungen im 16. und 17. Jahrhundert große Teile Mittel- und Südamerikas eroberten, erschlossen und kolonial neu ordneten. Die beteiligten Eroberer heißen Konquistadoren.
Zwei bekannte Eroberungszüge richteten sich gegen die damals jungen Großreiche der Mexica, oft Azteken genannt, und der Inka:
- 1519 brach Hernán Cortés von Kuba nach Mexiko auf.
- 1521 nahmen Cortés, seine spanischen Gefolgsleute und indigene Verbündete Tenochtitlán ein.
- 1532 zog Francisco Pizarro mit weniger als 200 Konquistadoren nach Peru.
- Von 1532 bis 1536 wurde das Inkareich, das Tawantinsuyu, zum Ziel der Eroberung.
Diese schnellen Siege waren nur ein Teil der Geschichte. In anderen Regionen dauerte die Eroberung sehr viel länger oder scheiterte.
Wie waren die Eroberungszüge organisiert?
Konquistadoren waren im Regelfall keine Angehörigen einer großen königlichen Armee. Kleine Gruppen organisierten und finanzierten ihre Unternehmungen weitgehend privat. Die Teilnehmer mussten Waffen, Pferde, Verpflegung und Versorgung selbst bezahlen. Viele liehen sich dafür Geld.
Der Anführer, der capitán, investierte meist besonders viel. Er beschaffte zusätzliche Mittel und verlieh Geld an seine Gefolgsleute. So entstand ein Netz aus Schulden, Gewinnhoffnungen und Abhängigkeiten.
Als Gegenleistung für das hohe Risiko erwarteten die Teilnehmer Anteile an der Beute, gesellschaftlichen Aufstieg und Rechte an Land, Tributen oder Arbeit. Besonders wichtig war die encomienda.
Encomienda
Eine encomienda verlieh ihrem Inhaber Nutzungsrechte an Tributen und an der Arbeit eines indigenen Gemeinwesens. Sie konnte Einkommen und hohes Ansehen verschaffen, bedeutete aber Ausbeutung und Zwang für die betroffene Bevölkerung.
Die spanische Krone beanspruchte zugleich einen Anteil an den Erträgen. Der Quinto Real, das „königliche Fünftel“, betrug ein Fünftel der kolonialen Erträge.
Die Konquistadoren handelten nicht nur als Abenteurer. Ihre Eroberungszüge waren risikoreiche Unternehmen, in denen Investition, Verschuldung und erwarteter Gewinn eng zusammenhingen.
Wie verliefen die Eroberungen in Mexiko und Peru?
Cortés brach 1519 mit 11 kleineren Schiffen, etwa 650 Männern und 16 Pferden von Kuba auf. Diese Gruppe allein hätte ein Reich mit Millionen Einwohnern nicht beherrschen können.
In Mexiko gewann Cortés indigene Partner. Die Totonaken waren Tenochtitlán unterworfen und erhofften sich von dem Bündnis eine Befreiung. Die Tlaxcalteca kämpften zunächst gegen Cortés, verbündeten sich dann aber mit ihm gegen einen gemeinsamen Gegner.
Eine zentrale Vermittlerin war Malintzin, auch doña Marina oder Malinche genannt. Sie übersetzte nicht nur Wörter. Als politische Vermittlerin half sie, Interessen zu erkennen, Verhandlungen zu führen und Bündnisse herzustellen.
Cortés nahm den Mexica-Herrscher Motecuhzoma gefangen. Dadurch versuchte er, bestehende Herrschaftsstrukturen für die eigene Kontrolle zu nutzen.
Auch Pizarro setzte in Peru auf die Gefangennahme des Herrschers. Er nahm Atahuallpa fest. Dabei traf er auf ein bereits geschwächtes Reich: Pocken hatten den Herrscher Huayna Capac und dessen vorgesehenen Nachfolger getötet. Zwischen Atahuallpa und Huáscar war anschließend ein Krieg um die Herrschaft ausgebrochen.
Frage: Zeigt das Bündnis der Tlaxcalteca, dass indigene Menschen nur Befehle der Spanier ausführten?
Denkweg: Die Tlaxcalteca kämpften zunächst gegen Cortés. Erst danach entschieden sie sich für ein Bündnis gegen einen gemeinsamen Gegner. Sie verfolgten damit ein eigenes politisches Ziel.
Urteil: Das Bündnis macht indigene Handlungsmacht sichtbar. Zugleich entstand es in einer gewaltgeprägten Situation und führte nicht automatisch zu einer gleichberechtigten kolonialen Ordnung.
Warum konnten kleine spanische Gruppen siegen?
Eine Erklärung mit nur einer Ursache greift zu kurz. Mehrere Faktoren verstärkten sich gegenseitig.
Militärische Vorteile und Terror
Stahlschwerter, Pferde und europäische Gruppentaktiken verschafften den Spaniern in bestimmten Situationen Vorteile. Arkebusen erzeugten durch Lärm und Feuerblitz großen Schrecken, waren aber unzuverlässig und nicht allein kriegsentscheidend.
Hinzu kamen Terrortaktiken: Dörfer wurden niedergebrannt und unbewaffnete Menschen getötet. Manche indigene Herrscher sahen deshalb ein Bündnis als das kleinere unmittelbare Risiko an.
Indigene Bündnisse und Eigeninteressen
Die Reiche der Mexica und Inka vereinten verschiedene Völker und politische Interessen. Unterworfene oder rivalisierende Gruppen konnten in den Spaniern mögliche Partner gegen bestehende Herrscher sehen. Ohne Tausende indigene Kämpfer, Versorgung, Ortskenntnis und Vermittlung wären die spanischen Unternehmungen nicht erfolgreich gewesen.
Die Behauptung, indigene Gesellschaften hätten die Spanier einfach für Götter gehalten, erklärt diese politischen Entscheidungen nicht. Bündnisse beruhten auf Interessen, Hoffnungen, Zwang und der Abwägung von Gefahren.
Seuchen und politische Krisen
Eingeschleppte Krankheiten trafen auf Bevölkerungen ohne entwickelte Immunabwehr gegen diese Erreger. Epidemien verursachten massenhafte Todesfälle, schwächten Gemeinschaften und destabilisierten Herrschaftsordnungen.
In Peru erreichten die Pocken die Inka vor Pizarros Truppe. Die Todesfälle in der Herrscherfamilie und der anschließende Thronkrieg erleichterten Pizarros Eingreifen.
Kleine spanische Gruppen siegten durch das Zusammenwirken von militärischen Vorteilen, Terror, indigenen Bündnissen, politischen Konflikten und Seuchen. Keiner dieser Faktoren erklärt die Conquista allein.
Welche Folgen und Grenzen hatte die Conquista?
Die Conquista führte zu kolonialer Gewalt, Zwangsarbeit und zur Ausbeutung von Gold- und Silbervorkommen. Zusammen mit eingeschleppten Infektionskrankheiten verursachten diese Bedingungen einen massiven Bevölkerungsrückgang.
Für Mexiko beziehungsweise Neuspanien liegen unterschiedliche Schätzungen vor: Eine Angabe nennt einen Rückgang von etwa 25 Millionen indigenen Einwohnern im Jahr 1519 auf eine Million im Jahr 1600. Eine andere nennt mehr als 20 Millionen und weniger als zwei Millionen. Die Größenordnungen sind Schätzungen; ihre Unterschiede dürfen nicht als exakt gesicherte Messwerte behandelt werden.
Bartolomé de Las Casas, zunächst selbst encomendero und später Dominikaner, klagte die Gewalt der Eroberer an. 1542 wurden neue Schutzgesetze erlassen, die ihre beabsichtigte Wirkung jedoch verfehlten.
Die Siege über Tenochtitlán und das Inkareich bedeuteten keine sofortige Kontrolle über den ganzen Kontinent. Gelände, Versorgung, Widerstand und fehlende staatliche Strukturen erschwerten weitere Eroberungen. Guatemala und Yucatán wurden nur teilweise unterworfen. In Florida scheiterten im 16. Jahrhundert mehr als sechs Expeditionen.
Auch Siedlungsversuche konnten zusammenbrechen. Pedro de Mendoza gründete 1536 Buenos Aires mit mehr als 2.000 Siedlern. Nach einer Hungersnot überlebten nur etwa 500, und die Siedlung wurde vorerst aufgegeben. Manche Regionen blieben bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts unter indigener Kontrolle.
Historisches Urteil: Die Conquista war gewaltförmig und zerstörerisch. Gleichzeitig verlief sie nicht als einfacher Kampf „der Spanier“ gegen „die Indigenen“. Kooperation, Verhandlung, Widerstand, Zwang und wechselnde Interessen bestanden nebeneinander.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Conquista
- Organisation: private Finanzierung, Schulden und Gewinnbeteiligung
- Vorgehen: Gewalt, Gefangennahme von Herrschern und koloniale Neuordnung
- Indigene Akteure: Bündnisse, Vermittlung, Eigeninteressen und Widerstand
- Eroberungsdynamik: militärische Vorteile, Terror, Konflikte und Seuchen
- Folgen: Ausbeutung, Zwangsarbeit und Bevölkerungsrückgang
- Grenzen: gescheiterte Expeditionen und regional unvollständige Kontrolle
Abschluss-Check
Prüfe deine Erklärung zum Schluss mit drei Fragen: Nennst du mehrere Ursachen? Zeigst du indigene Handlungsmöglichkeiten? Unterscheidest du einen militärischen Sieg von dauerhafter Herrschaft? Wenn du alle drei Fragen begründet beantworten kannst, hast du den Kern der Conquista verstanden.
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