Diagramm auswerten in Geschichte: 4 Schritte
Ein historisches Diagramm wertest du zuverlässig aus, wenn du vier Dinge trennst: einordnen, beschreiben, erklären und kritisch beurteilen. So erkennst du, was die Daten tatsächlich zeigen – und welche Aussage erst durch historisches Wissen möglich wird.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
1. Zuerst das Diagramm einordnen
Bevor du einzelne Zahlen nennst, klärst du den Rahmen. Prüfe:
- Diagrammart: Kreis-, Säulen-, Balken- oder Liniendiagramm?
- Thema: Was verraten Titel oder Unterschrift?
- Urheber und Quelle: Wer hat die Darstellung erstellt, und woher stammen die Daten?
- Zeit und Raum: Welcher Zeitraum, Zeitpunkt, Ort oder Staat ist gemeint?
- Größen und Einheit: Werden Prozent, Personen, Tonnen oder Werte „in Tausend“ gezeigt?
- Legende und Kategorien: Was bedeuten Farben, Linien und Gruppen?
Historisches Diagramm
Ein historisches Diagramm stellt Daten zu Vergangenheit grafisch dar. Es kann zeitgenössisch entstanden sein oder später aus historischen Daten erstellt worden sein. Diese Unterscheidung hilft dir, die Darstellung richtig einzuordnen.
Schreibe nicht sofort über Ursachen. Kläre zuerst, was, wann, wo und in welcher Einheit dargestellt wird.
2. Dann die Daten genau beschreiben
Beim Beschreiben bleibst du beim Sichtbaren. Nenne nicht wahllos jede Zahl, sondern wähle Werte aus, die eine Aussage tragen:
- Anfangs- und Endwerte,
- Höchst- und Tiefstwerte,
- starke Anstiege oder Rückgänge,
- gleichbleibende Werte,
- auffällige Unterschiede zwischen Gruppen.
Belege eine Beobachtung möglichst mit zwei passenden Zahlen. Trenne dabei Beobachtung und Deutung.
Ein Diagramm zeigt für zwei Zeitpunkte eine Wahlbeteiligung von 70 % und 75 %.
Sachliche Beschreibung: „Die Wahlbeteiligung steigt von 70 % auf 75 %. Die Differenz beträgt fünf Prozentpunkte.“
Noch keine Beschreibung: „Die Menschen interessierten sich stärker für Politik.“ Dieser Satz nennt eine mögliche Erklärung, die das Diagramm allein nicht belegt.
Steigt ein Anteil von 70 % auf 75 %, sind das fünf Prozentpunkte Unterschied. Ein relativer Anstieg um fünf Prozent wäre etwas anderes.
3. Historisch erklären, ohne zu viel zu behaupten
Nun fragst du: Wie lässt sich die Entwicklung historisch erklären? Dafür brauchst du Sachwissen oder weiteres Material. Ein Diagramm zeigt eine Entwicklung, aber gewöhnlich nicht deren Ursache.
Gehe in drei Schritten vor:
- Formuliere den sichtbaren Befund.
- Nenne passendes historisches Kontextwissen.
- Erkläre, wie dieses Wissen den Befund verständlich machen könnte.
Nutze vorsichtige Formulierungen wie: „Ein möglicher Grund ist …“ oder „Im Zusammenhang mit … lässt sich die Entwicklung so deuten …“
Korrelation und Kausalität
Eine Korrelation ist ein gemeinsames Auftreten oder eine parallele Entwicklung. Kausalität bedeutet, dass ein Faktor einen anderen verursacht. Aus einem gleichzeitigen Verlauf folgt nicht automatisch eine Ursache.
Befund: Die Wahlbeteiligung steigt von 70 % auf 75 %.
Zulässige Folgerung: Am zweiten Zeitpunkt beteiligte sich ein größerer Anteil der Wahlberechtigten.
Nicht belegte Ursache: Warum der Anteil stieg, lässt sich ohne historischen Kontext nicht entscheiden. Dafür wären weitere Informationen nötig.
4. Die Darstellung kritisch prüfen
Auch korrekte Zahlen können durch ihre Darstellung unterschiedlich wirken. Prüfe deshalb:
- Ist die Datenquelle genannt und für die Frage geeignet?
- Ist erkennbar, auf welcher Datenbasis die Werte beruhen?
- Sind Kategorien, Einheit und Bezugsgröße eindeutig?
- Ist die Achse vollständig und verständlich beschriftet?
- Unterstützt die Skalierung einen fairen Vergleich?
- Passen Legende, Farben und Diagrammart zu den Daten?
- Welche Aussage rückt die Gestaltung besonders in den Vordergrund?
- Fehlen Daten, die für ein Urteil wichtig wären?
Eine kritische Prüfung bedeutet nicht, jedes Diagramm für manipuliert zu halten. Du begründest genau, was zuverlässig ist und wo Grenzen bleiben.
Zwei Darstellungen können dieselben Werte 70 % und 75 % zeigen. Für die Auswertung reicht der optische Eindruck „großer Sprung“ oder „kleiner Sprung“ nicht. Entscheidend sind die Achsenbeschriftung und die abgelesenen Werte: Die sachliche Differenz bleibt fünf Prozentpunkte.
5. Eine vollständige Auswertung schreiben
Nutze für deinen Text diese Reihenfolge:
- Einordnung: „Das Säulendiagramm zeigt … im Zeitraum … in … . Die Werte werden in … angegeben.“
- Beschreibung: „Zu Beginn beträgt … . Danach steigt oder sinkt … . Auffällig ist … .“
- Erklärung: „Ein möglicher historischer Grund ist … . Dieser Zusammenhang ist plausibel, weil … .“
- Kritische Beurteilung: „Für die Aussagekraft spricht … . Einschränkend ist … .“
- Ergebnis: „Zusammenfassend zeigt das Diagramm … .“
Einordnung: Das Übungsdiagramm vergleicht die Wahlbeteiligung zu zwei Zeitpunkten. Die Werte werden in Prozent angegeben.
Beschreibung: Die Wahlbeteiligung steigt von 70 % auf 75 %. Das entspricht einer Differenz von fünf Prozentpunkten.
Erklärung: Über die Ursache lässt sich aus diesen beiden Werten allein nichts Sicheres sagen. Dafür müsste passendes historisches Kontextwissen herangezogen werden.
Kritische Beurteilung: Ohne Angaben zu Ort, Zeitpunkten, Urheber und Datenquelle bleibt die historische Aussagekraft begrenzt.
Ergebnis: Sicher erkennbar ist nur, dass der Anteil am zweiten Zeitpunkt höher liegt.
Daten zuerst, Deutung danach: Jede Erklärung muss zu einem genau beschriebenen Befund passen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Diagramm auswerten
- Einordnen: Art, Thema, Zeit, Raum, Einheit, Quelle
- Beschreiben: Werte, Vergleiche, Trends, Auffälligkeiten
- Erklären: Kontextwissen begründet verknüpfen
- Beurteilen: Datenbasis, Skalierung, Gestaltung, Grenzen
- Festhalten: Hauptaussage passend zur Aufgabe formulieren
Abschluss-Check
Kannst du jetzt ein neues Diagramm einordnen, zwei auffällige Werte korrekt beschreiben, eine Erklärung vorsichtig begründen und die Aussagekraft kritisch prüfen? Dann beherrschst du den vollständigen Lernweg.
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