Geschichte

Historische Karte auswerten: Methode und Beispiel

Historische Karte auswerten: Methode und Beispiel
Historische Karte auswerten: Methode und Beispiel
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Eine historische Karte wertest du aus, indem du zuerst ihre Herkunft und Darstellung untersuchst, dann ihre Inhalte geordnet beschreibst und erst danach deutest. Zum Schluss prüfst du kritisch, welche Perspektive die Karte zeigt und was sie nicht aussagen kann.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Historische Karte oder Geschichtskarte?

Nicht jede Karte über die Vergangenheit ist selbst alt. Deshalb musst du zuerst klären, wann und wozu die Karte entstanden ist.

Definition

Historische Karte

Eine historische Karte entstand in der Vergangenheit. Sie kann zum Beispiel ein alter Stadtplan, eine Reise-, Eisenbahn- oder Weltkarte sein. Als Quelle zeigt sie nicht nur räumliche Informationen, sondern möglicherweise auch den Kenntnisstand, die Interessen und das Weltbild ihrer Entstehungszeit.

Definition

Geschichtskarte

Eine Geschichtskarte wurde später erstellt, um vergangene räumliche Verhältnisse darzustellen. Sie fasst Ergebnisse historischer Forschung zusammen. Dabei wählt und ordnet der Kartenautor Informationen; die Karte ist deshalb keine neutrale oder vollständige Abbildung der Vergangenheit.

Eine Geschichtskarte kann mit zunehmendem Alter selbst zu einer historischen Quelle werden. Dann lässt sich zusätzlich fragen, wie Menschen zur Entstehungszeit dieser Karte Geschichte dargestellt haben.

Beispiel

Ein Stadtplan aus dem Jahr 1876 ist eine historische Karte, weil er aus der dargestellten Vergangenheit stammt. Eine heutige Karte, die territoriale Veränderungen im 19. Jahrhundert zusammenfasst, ist eine Geschichtskarte.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage unterscheidet beide Kartenarten richtig?
Lösung: Eine historische Karte stammt aus der Vergangenheit; eine Geschichtskarte stellt vergangene Verhältnisse nachträglich dar. — Frage zuerst nach der Entstehungszeit und der Funktion. Auch eine wissenschaftlich erstellte Geschichtskarte wählt und reduziert Informationen.
Schritt 1: Die Karte erschließen

Beginne nicht sofort mit einer Deutung. Sammle zunächst die Angaben, die dir eine sichere Einordnung ermöglichen.

Prüfe, soweit die Informationen vorhanden sind:

  1. Hersteller: Wer hat die Karte erstellt?
  2. Auftraggeber und Adressaten: Für wen und in wessen Auftrag entstand sie?
  3. Entstehungszeit: Wann wurde sie hergestellt oder veröffentlicht?
  4. Thema: Welcher Gegenstand wird dargestellt?
  5. Raum: Welches Gebiet zeigt die Karte?
  6. Zeitbezug: Welchen Zeitpunkt oder Zeitraum bildet sie ab?
  7. Kartentyp: Zeigt sie einen Zustand oder eine Entwicklung?
  8. Darstellung: Welche Legende, Ausrichtung, Größenangabe, welcher Maßstab oder welches Gradnetz sind vorhanden?

Fehlt eine dieser Angaben, hältst du das fest. Du darfst sie nicht aus Vermutungen ergänzen.

Merke

Die Legende ist der Schlüssel zur Zeichensprache der Karte. Ohne sie kannst du Farben, Linien, Flächen und Symbole leicht falsch verstehen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Vor der Deutung bestimme ich zuerst das , den dargestellten und den . Farben und Symbole entschlüssele ich mithilfe der .

Lösungen: Lücke 1: Thema; Lücke 2: Raum; Lücke 3: Zeitbezug; Lücke 4: Legende. Die formale Erschließung beantwortet zuerst: Was wird wo und für welche Zeit dargestellt, und wie sind die Zeichen zu lesen?
Schritt 2: Den Karteninhalt geordnet beschreiben

Beim Beschreiben hältst du fest, was zu sehen ist. Du erklärst noch nicht, warum es so dargestellt ist.

Wähle eine nachvollziehbare Ordnung, zum Beispiel:

  • vom Zentrum nach außen,
  • von Norden nach Süden,
  • nach Gebieten,
  • nach Informationsschichten,
  • zuerst Flächen, dann Linien, Symbole und Beschriftungen.

Benenne auffällige Verteilungen und Beziehungen präzise. Formulierungen wie „im Norden“, „entlang des Flusses“, „im Zentrum“ oder „an der Grenze“ machen deine Beschreibung überprüfbar.

Beispiel

Eine Übungskarte zeigt drei Städte als Sterne, eine Eisenbahnlinie als schwarze Linie und Bergbaugebiete als graue Flächen.

Eine passende Beschreibung lautet: „Zwei der drei markierten Städte liegen an der Eisenbahnlinie. Die grauen Bergbaugebiete befinden sich überwiegend in der Nähe dieser Linie. Die dritte Stadt liegt weiter östlich und besitzt nach der Legende keine direkte Eisenbahnverbindung.“

Der Satz beschreibt zunächst nur die räumliche Verteilung. Eine Erklärung für die Nähe von Bergbaugebieten und Eisenbahn folgt erst bei der Interpretation.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWelche Formulierung ist eine überprüfbare Beschreibung?
Lösung: Drei markierte Orte liegen entlang der eingezeichneten Verbindungslinie. — Eine Beschreibung nennt sichtbare Kartenmerkmale. Ursachen, Absichten und Folgen gehören erst in die Deutung und müssen begründet werden.
Schritt 3: Befunde deuten

Nun verbindest du deine Beobachtungen mit der Fragestellung und mit gesichertem Vorwissen. Aus einem Kartenbefund wird dadurch eine Interpretation.

Trenne dabei drei Ebenen:

  1. Beobachtung: Was zeigt die Karte tatsächlich?
  2. Deutung: Welche Bedeutung könnte dieser Befund haben?
  3. Begründung: Welche Kartenmerkmale und welches gesicherte Wissen stützen die Deutung?
Beispiel

Beobachtung: Zwei Städte und mehrere Bergbaugebiete liegen an derselben eingezeichneten Eisenbahnlinie.

Deutung: Die Linie könnte für den Transport zwischen Fördergebieten und Städten wichtig gewesen sein.

Begründung: Die räumliche Nähe spricht für einen möglichen Zusammenhang. Die Karte allein zeigt jedoch weder die tatsächlich transportierten Güter noch den Grund für den Bau der Strecke.

Eine vorsichtige Formulierung lautet deshalb: „Die räumliche Anordnung legt einen Zusammenhang nahe, beweist ihn aber nicht.“

Bei einer historischen Karte fragst du zusätzlich:

  • Welche Funktion könnte die Karte erfüllt haben?
  • Welche Vorstellungen oder Kenntnisse ihrer Entstehungszeit werden sichtbar?
  • Was ist hervorgehoben, ungenau dargestellt oder ausgelassen?
  • Welche Botschaft könnte der Hersteller vermitteln wollen?
Merke

Eine räumliche Nähe ist noch kein Beweis für eine Ursache. Formuliere weitergehende Schlüsse als begründete Vermutung oder Hypothese.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Karte zeigt mehrere Städte entlang eines Flusses. Welcher Schluss ist angemessen?
Lösung: Die Lage legt nahe, dass der Fluss für die Städte bedeutsam gewesen sein könnte; den genauen Zusammenhang zeigt die Karte allein nicht. — Karten können räumliche Muster sichtbar machen. Für eine sichere Erklärung von Ursachen brauchst du jedoch tragfähige zusätzliche Informationen.
Schritt 4: Darstellung kritisch prüfen

Karten müssen Wirklichkeit auswählen, vereinfachen und in Zeichen übersetzen. Frage deshalb, wie die Darstellung deinen Eindruck beeinflusst.

Achte besonders auf:

  • Auswahl: Welche Informationen wurden aufgenommen oder weggelassen?
  • Zeitraum: Zeigt die Karte einen Zeitpunkt, mehrere Phasen oder eine Entwicklung?
  • Grenzen: Stehen Linien für politische, sprachliche, religiöse oder andere Abgrenzungen?
  • Bewegungssymbole: Zeigen Pfeile eine Wanderung, Flucht, Eroberung oder nur eine Richtung?
  • Farben und Größen: Welche Gebiete oder Vorgänge wirken dadurch besonders wichtig?
  • Informationsdichte: Lassen sich verschiedene Schichten sicher unterscheiden?
  • Perspektive und Funktion: Welche Sichtweise und Absicht könnten hinter der Gestaltung stehen?
Gut zu wissen

Eine Zeitpunktkarte zeigt übersichtlich einen Zustand, aber nicht dessen Entstehung. Eine dynamische Karte kann Veränderungen mit Pfeilen oder Linien sichtbar machen, erhöht jedoch die Abstraktion: Anfang, Verlauf und Bedeutung einer Bewegung können dadurch eindeutiger wirken, als sie tatsächlich belegt sind.

Beispiel

Ein breiter Pfeil fällt sofort auf. Er zeigt zunächst nur eine durch die Legende bestimmte Bewegung oder Richtung. Ohne Mengenangabe darfst du aus seiner Breite keine genaue Personenzahl ableiten. Ohne Erläuterung darfst du außerdem nicht entscheiden, ob er Flucht, Wanderung oder einen militärischen Vormarsch bezeichnet.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEine Karte enthält einen großen roten Pfeil, aber keine Mengenangabe. Was ist die beste Kartenkritik?
Lösung: Der Pfeil kann Bewegung und Richtung hervorheben, erlaubt aber ohne weitere Angabe keine genaue Aussage über die Menge. — Prüfe die Legende und die Aussagegrenze jedes Symbols. Farbe, Richtung und Größe können den Eindruck lenken, ohne alle nötigen Informationen zu liefern.
Frage 2 von 2SchwerEine Karte zeigt nur Staatsgrenzen und Herrschaftsgebiete. Welche Frage prüft ihre Aussagegrenze am besten?
Lösung: Welche sozialen, wirtschaftlichen oder religiösen Unterschiede innerhalb der Gebiete bleiben unsichtbar? — Karten beantworten nur Fragen zu den Informationen, die sie tatsächlich darstellen. Fehlende Themen, Zeiten, Räume und Mengen gehören ausdrücklich in die Beurteilung.
Schritt 5: Ein begründetes Fazit schreiben

Im Fazit beantwortest du die Fragestellung knapp. Wiederhole nicht einfach die gesamte Beschreibung.

Ein vollständiges Fazit enthält:

  1. den wichtigsten Kartenbefund,
  2. seine begründete Bedeutung,
  3. eine Grenze der Aussage.
Beispiel

„Die Karte macht sichtbar, dass die eingezeichneten Bergbaugebiete überwiegend an der Eisenbahnlinie liegen. Diese Verteilung legt einen Zusammenhang zwischen Rohstoffförderung und Verkehrsverbindung nahe. Da die Karte weder Transportmengen noch Baugründe nennt, kann sie die genaue Ursache dieser räumlichen Nähe nicht allein erklären.“

Formulierungshilfen

  • „Die Karte stellt … im Raum … während des Zeitraums … dar.“
  • „Nach der Legende bedeutet das Zeichen …“
  • „Auffällig ist die Verteilung von …“
  • „Dieser Befund legt die Deutung nahe, dass …“
  • „Dafür spricht in der Karte …“
  • „Die Karte gibt jedoch keine Auskunft über …“
  • „Insgesamt lässt sich zur Fragestellung festhalten, dass …“
Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWelches Fazit ist methodisch am stärksten?
Lösung: Das Fazit beantwortet die Fragestellung mit einem Kartenbefund, einer begründeten Deutung und einer Aussagegrenze. — Ein Fazit bündelt die Ergebnisse und bewertet ihre Tragweite. Es zeigt sowohl, was die Karte erkennen lässt, als auch, was offenbleibt.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Historische Karte auswerten
    • Einordnen: Herkunft, Entstehungszeit und Kartenart bestimmen
    • Erschließen: Thema, Raum, Zeitbezug und Legende prüfen
    • Beschreiben: Inhalte und räumliche Beziehungen ordnen
    • Deuten: Beobachtung, Erklärung und Begründung trennen
    • Kritisieren: Auswahl, Symbole, Perspektive und Lücken untersuchen
    • Fazit: Befund, Bedeutung und Aussagegrenze bündeln
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWomit beginnt eine zuverlässige Kartenauswertung?
Lösung: Mit der Einordnung von Kartenart, Thema, Raum, Zeitbezug und Zeichensprache. — Zuerst klärst du, was für eine Karte vorliegt und wie ihre Zeichen zu lesen sind.
Frage 2 von 3MittelEine Kartenlegende erklärt eine gestrichelte Linie als „umstrittene Grenze“. Welche Beschreibung ist korrekt?
Lösung: Die Karte kennzeichnet die Grenze als umstritten. — Verwende genau die Bedeutung aus der Legende. Weitergehende Deutungen brauchen zusätzliche Belege.
Frage 3 von 3SchwerEine historische Karte stellt eine Stadt stark vergrößert im Zentrum dar. Wie gehst du damit um?
Lösung: Ich beschreibe die Hervorhebung und prüfe, ob sie mit Funktion, Perspektive oder Weltbild der Karte zusammenhängen könnte. — Auffällige Anordnung und Größe gehören zum Befund. Ihre Bedeutung formulierst du vorsichtig und fragestellungsbezogen.

Wenn du im Abschluss-Check sicher zwischen Beobachtung, Deutung und Kritik getrennt hast, kannst du eine historische Karte nachvollziehbar auswerten.

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