Geschichte

Keilschrift: Entstehung, Zeichen und Bedeutung

Keilschrift: Entstehung, Zeichen und Bedeutung
Keilschrift: Entstehung, Zeichen und Bedeutung
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Die Keilschrift ist eine der ältesten bekannten Schriften. Sie entstand im späten 4. Jahrtausend v. Chr. im südlichen Mesopotamien. Ihre Zeichen wurden mit einem Griffel in weichen Ton gedrückt und konnten ganze Wörter oder einzelne Silben ausdrücken.

Auf dieser Seite erfährst du, warum die Schrift entstand, wie sie funktionierte und was erhaltene Tontafeln über Verwaltung, Handel und Alltag verraten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Warum Menschen Dinge schriftlich festhielten

Stell dir eine wachsende Handelsstadt vor: Viele Menschen liefern Getreide, Tiere oder andere Waren ab. Wenn sich nicht mehr alle persönlich kennen, reicht das Gedächtnis nicht aus. Mengen, Abgaben und Leistungen müssen zuverlässig festgehalten werden.

Um etwa 3500 v. Chr. verwendeten Menschen in Uruk kleine Zählmarken aus Lehm. Sie waren Vorläufer der Schrift, aber noch keine vollständig entwickelte Schrift. Im späten 4. Jahrtausend v. Chr. entstanden dann beschriftete Tontafeln.

Definition

Piktogramm

Ein Piktogramm ist ein vereinfachtes Bildzeichen. Es stellt zunächst einen Gegenstand oder ein Lebewesen dar, etwa Getreide, einen Fuß oder ein Schaf.

Die frühesten Tafeln enthielten vor allem Verwaltungslisten. Eine vereinfachte Aufzeichnung konnte eine Anzahl mit einem Zeichen für Getreide verbinden. So ließ sich später noch prüfen, welche Menge abgegeben worden war.

Merke

Stadt- und Handelswachstum führte zu mehr Verwaltungsaufgaben. Der Bedarf an zuverlässigen Aufzeichnungen förderte die Entwicklung der Schrift.

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Frage 1 von 1LeichtWelcher Bedarf trug besonders zur Entstehung der frühen Schrift in Mesopotamien bei?
Lösung: Waren, Mengen und Leistungen dauerhaft festzuhalten — Die frühesten erhaltenen Texte waren vor allem Listen und andere Aufzeichnungen für die Verwaltung.
Wie aus Bildern keilförmige Zeichen wurden

Die ältesten Zeichen wurden zunächst in feuchten Ton geritzt. Runde und gebogene Linien ließen sich darin jedoch nicht besonders praktisch und schnell herstellen.

Schreibende drückten deshalb die Kante eines zugeschnittenen Schilf- oder Holzgriffels in den weichen Ton. Dabei entstanden gerade, keilförmige Eindrücke. Aus diesen Keilen wurden die Zeichen zusammengesetzt. Die Form gab der Keilschrift ihren heutigen Namen.

Definition

Griffel

Ein Griffel ist das Schreibwerkzeug, mit dem Zeichen in eine Oberfläche eingeritzt oder eingedrückt werden. Für Tontafeln wurden unter anderem Griffel aus Schilfrohr oder Holz benutzt.

Nach dem Schreiben trocknete die Tafel. Manche Tafeln wurden zusätzlich gebrannt. Ton war deshalb nicht nur ein Schreibmaterial, sondern auch ein wichtiger Grund dafür, dass so viele Texte erhalten blieben.

Zeitstrahl
  1. um 3500 v. Chr.Zählmarken aus Lehm dienen als Vorläufer der Schrift.
  2. spätes 4. Jahrtausend v. Chr.Frühe Schriftzeichen entstehen im südlichen Mesopotamien.
  3. ab dem 3. Jahrtausend v. Chr.Keilförmige Eindrücke und Lautwerte prägen die weitere Entwicklung.
  4. 1. Jahrhundert n. Chr.Aus dieser Zeit stammen die letzten bekannten Keilschrifttexte.
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Frage 1 von 1LeichtWarum erhielten die Zeichen ihre typische Keilform?
Lösung: Die Kante eines Griffels wurde in weichen Ton gedrückt. — Die Keile sind einzelne Abdrücke des Griffels. Mehrere Abdrücke bilden zusammen ein Zeichen.
Warum Keilschrift kein gewöhnliches Alphabet ist

In einem Alphabet stehen Zeichen hauptsächlich für einzelne Laute. Die verbreiteten Keilschriftsysteme funktionierten anders: Ein Zeichen konnte für ein ganzes Wort, für eine Silbe oder für eine nicht mitgesprochene Bedeutungsangabe stehen.

Definition

Logogramm

Ein Logogramm ist ein Zeichen für ein vollständiges Wort. Ein Zeichen konnte zum Beispiel das Wort für einen Mann ausdrücken.

Definition

Phonogramm

Ein Phonogramm ist ein Laut- oder Silbenzeichen. Es gibt an, wie ein Teil des Wortes klingt, etwa die Silbe da.

Definition

Determinativ

Ein Determinativ ist ein stummes Hinweiszeichen. Es wird nicht als Teil des Wortes ausgesprochen, hilft aber dabei, die Bedeutung einzuordnen, etwa als Person oder Beruf.

Ein sternförmiges Zeichen zeigt die Mehrdeutigkeit besonders gut. Im Sumerischen konnte es AN für Himmel oder DINGIR für Gottheit bedeuten. Weil das sumerische Wort für Himmel an lautete, konnte dasselbe Zeichen außerdem die Silbe an ausdrücken. Im Akkadischen war auch der Lautwert il möglich.

Der Zusammenhang des Textes musste zeigen, welche Funktion gemeint war. Über die gesamte lange Geschichte existierten ungefähr 900 bis 1.000 Zeichen. Tatsächlich verwendete man je nach Zeit, Ort und Aufgabe kleinere Teilmengen. Die unterschiedlichen Zahlen sind daher kein Widerspruch.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein Zeichen für ein ganzes Wort heißt . Ein Zeichen für eine Silbe heißt . Ein stummer Hinweis auf eine Bedeutungsklasse heißt .

Lösungen: Lücke 1: Logogramm; Lücke 2: Phonogramm; Lücke 3: Determinativ. Frage jeweils: Steht das Zeichen für ein Wort, für einen Laut oder nur für eine Bedeutungsklasse?
Wie dieselbe Schrift mehreren Sprachen diente

Keilschrift ist eine Schrift, aber keine einzelne Sprache. Sie wurde zuerst für Sumerisch entwickelt. Später übernahmen unter anderem Menschen mit akkadischer und hethitischer Sprache das System und passten es an ihre Sprachen an.

Ein Wortzeichen konnte dabei in verschiedenen Sprachen unterschiedlich ausgesprochen werden. Das Zeichen bezeichnete einen Mann. Das gesprochene Wort dafür lautete im Sumerischen, Akkadischen und Hethitischen jeweils anders. Das Zeichen konnte trotzdem dieselbe Grundbedeutung tragen.

Silbenzeichen machten das System noch anpassungsfähiger. Mit ihnen ließen sich gesprochene Wörter und grammatische Formen zusammensetzen. Deshalb konnten auch Sprachen verschriftlicht werden, die sich deutlich vom Sumerischen unterschieden.

Gut zu wissen

Die meisten hier behandelten Keilschriftsysteme waren Wort-Silben-Schriften. Es gab jedoch auch eine alphabetische Keilschrift in Ugarit. Sie ist eine Sonderform und ändert nichts an der Grundregel für die verbreiteten mesopotamischen Systeme.

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Frage 1 von 1MittelWarum konnte die Keilschrift für verschiedene Sprachen angepasst werden?
Lösung: Zeichen konnten Wörter und Silben ausdrücken und neu kombiniert werden. — Besonders die Silben- und Lautwerte ermöglichten es, Wörter verschiedener Sprachen schriftlich wiederzugeben.
Was Tontafeln über das Leben verraten

Auf Tontafeln stehen nicht nur Namen von Herrschern. Erhalten sind auch Briefe, Lieferscheine, Rechtsentscheidungen, Verträge, wissenschaftliche Texte, religiöse Texte und Literatur. Dadurch erfahren wir etwas über Verwaltung, Handel, Familie und Alltag.

Ein Beispiel ist das Archiv des altassyrischen Händlers Ennam-Aschur. In einem Brief verlangte er von seiner Schwester Auskunft über das Testament des verstorbenen Vaters. Der Text zeigt, dass Keilschrift auch für persönliche und rechtliche Angelegenheiten verwendet wurde.

So prüfst du eine historische Aussage

  1. Beobachtung: Was ist auf der Tafel oder in einem Archiv tatsächlich erkennbar?
  2. Schlussfolgerung: Welche Erklärung wird durch diese Beobachtung gestützt?
  3. Grenze: Was bleibt unsicher oder nur wahrscheinlich?
Beispiel

In Ennam-Aschurs Familienarchiv treten wiederholt individuelle Zeichenformen auf. Durch den Vergleich der Handschriften lässt sich begründet annehmen, dass er viele Texte selbst schrieb und Schreibarbeiten für seinen Vater übernahm.

Dass er dabei in jungen Jahren wie ein Sekretär arbeitete, bleibt jedoch eine mögliche Rekonstruktion. Die Tafeln nennen keine moderne Berufsbezeichnung. Aus einem Hinweis darf deshalb keine sichere Tatsache gemacht werden.

Auch Zahlen brauchen eine solche Prüfung. Die Angabe von ungefähr einer Million entdeckten Tontafeln ist eine Schätzung, keine vollständig gezählte und endgültige Gesamtzahl.

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Frage 1 von 1MittelWelche Aussage geht vorsichtig und fachlich richtig mit den Tafeln um?
Lösung: Unterschiedliche Handschriften und Fehler können auf verschieden ausgeprägte Schreibfähigkeiten hinweisen. — Historische Quellen liefern Belege, aber selten Antworten auf jede Frage. Eine gute Deutung nennt deshalb auch ihre Grenzen.
Warum die Keilschrift allmählich verschwand

Keilschrift wurde mehr als 3.000 Jahre lang verwendet. Ihre Verdrängung geschah nicht an einem einzigen Tag.

Jüngere Silben- und Buchstabenschriften kamen mit deutlich weniger Zeichen aus. Gleichzeitig änderten sich die Schreibmaterialien: Papyrus, Tinte und Feder eigneten sich für andere Zeichenformen als weicher Ton und Griffel.

Bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. wurden noch Keilschrifttexte angefertigt. Danach war das Wissen über ihre Lesung lange verloren. Erhaltene Tafeln blieben jedoch im Boden oder in Ruinen bestehen und konnten später wieder untersucht und entziffert werden.

Merke

Neue Schriftsysteme und neue Schreibmaterialien verdrängten die Keilschrift schrittweise. Der haltbare Ton bewahrte dennoch viele ihrer Texte.

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Frage 1 von 1MittelWelche Erklärung für das Ende der Keilschrift ist am genauesten?
Lösung: Zeichensparsamere Schriften und neue Schreibmedien verdrängten sie allmählich. — Schrift und Schreibmaterial beeinflussen sich gegenseitig. Mit Papyrus, Tinte und Feder verbreiteten sich andere Schriftformen.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Keilschrift
    • Entstehung: Verwaltung, Handel und Zählmarken
    • Technik: Griffel drückt Keile in weichen Ton
    • System: Wortzeichen, Silbenzeichen und Determinative
    • Sprachen: zuerst Sumerisch, später unter anderem Akkadisch und Hethitisch
    • Texte: Listen, Briefe, Recht, Wissenschaft und Literatur
    • Quellenwert: Belege auswerten und Unsicherheiten nennen
    • Ende: neue Schriftsysteme und Schreibmedien
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Beschreibung trifft die verbreiteten Keilschriftsysteme am besten?
Lösung: Sie verbanden Zeichen für Wörter mit Zeichen für Silben oder Laute. — Keilschrift entwickelte sich von bildhaften Zeichen zu einem vielseitigen Wort- und Silbensystem.
Frage 2 von 3MittelEin Zeichen bedeutet als Wort Himmel, wird in einem anderen Wort aber wegen seines Klangs als an gelesen. Welche Funktion hat es dort?
Lösung: Es dient als Phonogramm. — Sobald das Zeichen für den Klang an steht, übernimmt es eine Laut- beziehungsweise Silbenfunktion.
Frage 3 von 3SchwerEine neu untersuchte Tafel nennt Waren und Mengen. Was lässt sich daraus am sichersten ableiten?
Lösung: Schrift wurde in diesem Fall zum Erfassen wirtschaftlicher Vorgänge verwendet. — Beginne mit dem Inhalt der Quelle. Aussagen über eine ganze Bevölkerung benötigen zusätzliche Belege.

Du hast den Kern verstanden, wenn du diese Kette erklären kannst: Verwaltungsbedarf führte zu Aufzeichnungen, der Griffel formte Keile im Ton, und Wort- sowie Silbenzeichen machten daraus ein anpassungsfähiges Schriftsystem.

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