Kubakrise 1962: Ursachen, Verlauf und Folgen
Die Kubakrise war eine gefährliche Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion im Oktober 1962. Sowjetische Atomraketen auf Kuba, amerikanische Raketen in der Türkei und militärische Zwischenfälle brachten die Welt an den Rand eines Atomkriegs. Verhandlungen ermöglichten schließlich einen Kompromiss.
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Warum entstand die Kubakrise?
Die Krise entstand nicht plötzlich. Kuba, die USA und die Sowjetunion verfolgten unterschiedliche Sicherheitsinteressen.
Nach der kubanischen Revolution von 1959 wurde Kuba unter Fidel Castro zu einem sozialistischen Staat. Verstaatlichungen und Enteignungen verschärften den Konflikt mit den USA. Kuba näherte sich daraufhin der Sowjetunion an.
Im April 1961 scheiterte ein von der CIA vorbereiteter Angriff exilkubanischer Truppen in der Schweinebucht. Für die kubanische Regierung zeigte dieser Angriff, dass eine weitere US-Intervention möglich war. Kuba suchte deshalb militärischen Schutz bei der Sowjetunion.
Auch die beiden Supermächte hatten eigene Ziele:
- Die USA wollten keine sowjetischen Atomraketen rund 150 Kilometer vor ihrer Küste dulden.
- Die Sowjetunion wollte Kuba schützen und ein militärisches Gegengewicht zu amerikanischen Raketen in der Türkei schaffen.
- Kuba wollte seine Revolution und staatliche Selbstständigkeit gegen einen weiteren Angriff sichern.
Kuba war nicht nur ein Schauplatz des Kalten Krieges. Die kubanische Regierung handelte aus einem eigenen Sicherheitsinteresse und stimmte der sowjetischen Raketenstationierung zu.
Wie verlief die Krise?
Am 14. Oktober 1962 fotografierte ein amerikanisches U-2-Aufklärungsflugzeug im Bau befindliche sowjetische Raketenstellungen auf Kuba. Damit begann die geheime Entscheidungsphase in Washington.
Die eigentliche Dauer wird unterschiedlich abgegrenzt: 14. bis 28. Oktober umfasst Entdeckung, Beratung und Einigung. 22. bis 28. Oktober bezeichnet die akute öffentliche Konfrontation von Kennedys Fernsehansprache bis zur sowjetischen Zustimmung zum Abzug.
- 14. Oktober 1962US-Luftaufnahmen zeigen sowjetische Raketenstellungen auf Kuba.
- 22. Oktober 1962Präsident John F. Kennedy informiert die Öffentlichkeit, fordert den Raketenabzug und kündigt eine Seesperre an.
- 24. Oktober 1962Die als „Quarantäne“ bezeichnete Seeblockade beginnt; sowjetische Frachtschiffe drehen ab.
- 26. Oktober 1962Chruschtschow bietet den Raketenabzug gegen eine amerikanische Nichtinvasionszusage an.
- 27. Oktober 1962Eine amerikanische U-2 wird über Kuba abgeschossen; geheime Verhandlungen führen zum entscheidenden Kompromiss.
- 28. Oktober 1962Die Sowjetunion stimmt dem Abzug ihrer Raketen zu.
- 20. November 1962Nach dem Raketenabzug heben die USA die Blockade auf.
Kennedys Berater prüften auch einen Luftangriff. Der Präsident entschied sich jedoch für eine begrenzte Seeblockade. Sie sollte weitere sowjetische Transporte stoppen und zugleich Zeit für Verhandlungen lassen.
Die Quellen nennen unterschiedliche Zahlen für die sowjetischen Raketen und Soldaten auf Kuba. Die Abweichungen werden im Ausgangsmaterial nicht erklärt. Für den Kernverlauf entscheidend ist: Die Sowjetunion hatte auf Kuba Raketen stationiert, die Atomwaffen tragen konnten, und die USA verlangten ihren Abzug.
Warum war die Lage so gefährlich?
Die Gefahr bestand nicht nur in einem geplanten Angriff. Ein Krieg konnte auch durch Missverständnisse, unklare Befehle oder eigenmächtige Entscheidungen entstehen.
Am 27. Oktober, dem sogenannten Schwarzen Samstag, wurde eine amerikanische U-2 über Kuba abgeschossen. Die US-Regierung wusste zunächst nicht, dass sowjetische Kommandeure vor Ort eigenmächtig gehandelt hatten. Kennedy stoppte einen militärischen Gegenschlag.
Zugleich kam es zu einer gefährlichen Begegnung zwischen amerikanischen Kriegsschiffen und einem sowjetischen U-Boot. Beide Seiten standen unter großem Zeitdruck, während wichtige Informationen verspätet oder unvollständig ankamen.
Atomare Abschreckung
Atomare Abschreckung bedeutet: Ein Gegner soll auf einen Angriff verzichten, weil er mit einem vernichtenden Gegenschlag rechnen muss. Das kann einen geplanten Angriff verhindern, schützt aber nicht sicher vor Irrtümern und unkontrollierter Eskalation.
Ein abgeschossenes Aufklärungsflugzeug konnte in Washington wie ein befohlener sowjetischer Angriff wirken. Tatsächlich hatten Kommandeure vor Ort eigenmächtig gehandelt. Hätten die USA sofort zurückgeschlagen, hätte die Sowjetunion dies wiederum als Beginn eines größeren Angriffs verstehen können. So hätte eine einzelne Handlung eine Kette gegenseitiger Reaktionen ausgelöst.
Wie gelang der Kompromiss?
Die Einigung bestand aus öffentlichen und geheimen Zusagen:
- Die Sowjetunion zog ihre Raketen und Atomsprengköpfe aus Kuba ab.
- Die USA versprachen öffentlich, Kuba nicht gewaltsam anzugreifen.
- Die USA sagten außerdem zu, ihre Jupiter-Raketen aus der Türkei nach einer angemessenen Frist abzuziehen. Dieser Zusammenhang sollte zunächst nicht öffentlich werden.
Damit erhielten alle drei beteiligten Seiten etwas Wichtiges: Die USA beseitigten die unmittelbare Raketenbedrohung, die Sowjetunion erreichte später den Abzug amerikanischer Raketen aus der Türkei, und Kuba erhielt eine Sicherheitsgarantie.
Der Kompromiss gelang, weil beide Supermächte auf einen vollständigen öffentlichen Sieg verzichteten und zwischen öffentlichen und vertraulichen Zusagen unterschieden.
Was änderte sich nach der Krise?
Die Kubakrise zeigte beiden Supermächten, wie leicht eine Konfrontation außer Kontrolle geraten konnte. Deshalb verbesserten sie ihre direkte Kommunikation.
Im Juni 1963 entstand eine direkte Fernschreibverbindung zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml. Sie wurde als Heißer Draht bekannt. Der verbreitete Ausdruck „Rotes Telefon“ ist missverständlich: Anfangs handelte es sich nicht um ein Telefon.
Die Krise förderte außerdem die Entspannungspolitik sowie Gespräche über Rüstungskontrolle und Rüstungsbegrenzung. Die atomare Konkurrenz war damit jedoch nicht beendet.
Ein historisches Urteil bilden
Die Einigung lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln beurteilen:
- Für die USA war der sowjetische Raketenabzug ein sichtbarer Erfolg.
- Für die Sowjetunion waren die Nichtinvasionszusage und der spätere Abzug der US-Raketen aus der Türkei wichtige Ergebnisse.
- Für Kuba erhöhte die Sicherheitsgarantie den Schutz vor einem US-Angriff. Über den entscheidenden Kompromiss verhandelten jedoch vor allem die beiden Supermächte.
Ein begründetes Urteil berücksichtigt deshalb mehrere Akteure und unterscheidet zwischen der öffentlichen Darstellung und den tatsächlichen Zugeständnissen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kubakrise 1962
- Vorgeschichte
- Kubanische Revolution
- Schweinebucht-Invasion
- US-Raketen in der Türkei
- Interessen
- USA: Raketenbedrohung beseitigen
- Sowjetunion: Kuba schützen und Gegengewicht schaffen
- Kuba: weiteren Angriff verhindern
- Eskalation
- Raketenentdeckung
- Seeblockade
- Militärische Zwischenfälle
- Kompromiss
- Sowjetischer Raketenabzug
- Amerikanische Nichtinvasionszusage
- Späterer Abzug der US-Raketen aus der Türkei
- Folgen
- Heißer Draht
- Entspannungspolitik
- Gespräche über Rüstungskontrolle
- Vorgeschichte
Abschluss-Check
Du hast die Kubakrise verstanden, wenn du nicht nur Daten aufzählen kannst, sondern die Interessen aller drei Akteure, das Risiko unbeabsichtigter Eskalation und die gegenseitigen Zugeständnisse des Kompromisses erklären kannst.
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