Truman-Doktrin: Ziele, Inhalt und Folgen
Die Truman-Doktrin war ein außenpolitischer Grundsatz der USA: Präsident Harry S. Truman kündigte am 12. März 1947 an, sogenannte freie Völker gegen bewaffnete Minderheiten und äußeren Druck zu unterstützen. Damit richteten die USA ihre Politik auf die Eindämmung sowjetischen und kommunistischen Einflusses aus.
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Warum änderten die USA 1947 ihren Kurs?
Im Zweiten Weltkrieg kämpften die USA und die Sowjetunion gemeinsam gegen das nationalsozialistische Deutschland. Diese Zusammenarbeit verdeckte jedoch politische Gegensätze. Nach Kriegsende stritten beide Mächte zunehmend über Einfluss und politische Ordnung, besonders in Ost- und Südosteuropa.
Mehrere Krisen verstärkten in den USA die Sorge vor einer Ausweitung sowjetischen Einflusses:
- Im Iran zog die Sowjetunion ihre Truppen nach Kriegsende zunächst nicht wie vereinbart ab. Der Abzug erfolgte 1946.
- Die Türkei stand unter sowjetischem Druck und war mit territorialen Forderungen konfrontiert.
- In Griechenland herrschte Bürgerkrieg. Großbritannien konnte die dortige Regierung ab 1947 nicht mehr allein unterstützen.
Griechenland und die Türkei waren der unmittelbare Anlass für Trumans Rede. Die Irankrise gehörte zur Vorgeschichte des amerikanischen Kurswechsels.
Doktrin
Eine Doktrin ist ein politischer Grundsatz, der als längerfristige Richtlinie für Entscheidungen dient. Die Truman-Doktrin war deshalb mehr als eine einzelne Hilfsmaßnahme.
Was versprach die Truman-Doktrin?
Truman erklärte vor dem US-Kongress, die USA sollten freie Völker unterstützen, die sich einer Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder äußeren Druck widersetzten.
Die Rede verband damit drei Gedanken:
- Die Ausweitung sowjetischen beziehungsweise kommunistischen Einflusses sollte aufgehalten werden.
- Gefährdete Regierungen und antikommunistische Kräfte sollten Unterstützung erhalten.
- Die USA beanspruchten eine Führungsrolle in der westlich-demokratischen Welt.
Die angekündigte Hilfe sollte laut Rede vor allem wirtschaftlich und finanziell sein. In der praktischen Politik kamen jedoch auch Waffen, Ausrüstung und Militärberater zum Einsatz.
Containment
Containment bedeutet Eindämmung. Die USA wollten verhindern, dass sich der sowjetische beziehungsweise kommunistische Einfluss auf weitere Staaten ausweitete.
Die Truman-Doktrin war der strategische Grundsatz. Einzelne Hilfsprogramme und Eingriffe waren Mittel zu seiner Umsetzung.
Wie teilte Truman die Welt in zwei Lager?
Truman stellte zwei gegensätzliche Lebensformen gegenüber. Das war keine neutrale Beschreibung, sondern eine politische Deutung.
| Trumans Darstellung des westlichen Wegs | Trumans Darstellung des gegnerischen Wegs |
|---|---|
| Mehrheitswille und repräsentative Regierung | Herrschaft einer Minderheit |
| freie Wahlen | manipulierte Wahlen |
| persönliche, politische und religiöse Freiheit | Terror, Unterdrückung und Zensur |
Durch diese Gegenüberstellung erschien die amerikanische Seite als frei und die gegnerische Seite als unfrei. So begründete Truman, warum ein Eingreifen der USA notwendig sein sollte.
Auch die sowjetische Seite entwickelte eine Zwei-Lager-Deutung. Andrei Schdanow bezeichnete das amerikanische Lager als imperialistisch und das kommunistische Lager als demokratisch und antiimperialistisch. Beide Seiten beschrieben sich selbst positiv und die Gegenseite negativ.
Beobachtung: Truman verbindet die eigene Seite mit freien Wahlen und persönlichen Freiheiten.
Deutung: Diese Wortwahl rechtfertigt den Führungsanspruch der USA moralisch. Sie beweist für sich allein jedoch nicht, dass jede von den USA unterstützte Regierung tatsächlich demokratisch handelte.
Wie wurde der Grundsatz umgesetzt?
Griechenland und Türkei
Truman beantragte wirtschaftliche und militärische Hilfe für Griechenland und die Türkei. In Griechenland lieferten die USA Waffen und Ausrüstung, entsandten Berater und nahmen erheblichen Einfluss auf den Aufbau und die Planung der Armee. Die von den USA unterstützte monarchistische Regierung gewann den Bürgerkrieg 1949.
Marshallplan
Der Marshallplan war ein wirtschaftliches Wiederaufbauprogramm für Europa. Zwischen 1948 und 1952 flossen etwa 12,4 Milliarden US-Dollar nach Europa. Die Hilfe sollte wirtschaftliche Stabilität fördern und westliche Staaten politisch binden.
Truman-Doktrin: Sie beantwortete die strategische Frage: Welches Ziel verfolgen die USA? Antwort: sowjetischen und kommunistischen Einfluss eindämmen.
Marshallplan: Er beantwortete eine praktische Frage: Mit welchem wirtschaftlichen Mittel lässt sich dieses Ziel unterstützen? Antwort: Wiederaufbau und Stabilisierung europäischer Staaten.
Der Marshallplan und die Truman-Doktrin waren also nicht dasselbe. Sie gehörten aber zur gleichen Eindämmungspolitik.
Welche Folgen hatte die Truman-Doktrin?
Die Doktrin bedeutete eine deutliche Abkehr von der früheren amerikanischen Zurückhaltung gegenüber europäischen Konflikten. Sie gab den USA einen weit gefassten Anspruch, weltweit gegen kommunistischen Einfluss vorzugehen.
- 1946Irankrise und Kennans Warnung vor sowjetischer Expansion
- 12. März 1947Truman verkündet den neuen außenpolitischen Grundsatz
- 1948–1952Marshallplan unterstützt den europäischen Wiederaufbau
- 1949Gründung der NATO und Ende des griechischen Bürgerkriegs
- 1950–1953Koreakrieg verschärft die Ost-West-Konfrontation
- 1955Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und Gründung des Warschauer Pakts
Die Doktrin trug zur politischen und ideologischen Blockbildung bei. Spätere amerikanische Militäreinsätze, etwa im Korea- und Vietnamkrieg, wurden mit der Eindämmung des Kommunismus begründet. Gleichzeitig unterstützten die Sowjetunion und China kommunistische Kräfte. Anstelle eines direkten Krieges zwischen den Supermächten entstanden so häufig Stellvertreterkriege.
Die Folgen waren widersprüchlich:
- Wirtschaftliche Hilfe konnte Wiederaufbau und Stabilität fördern.
- Der amerikanische Führungsanspruch konnte Schutz bieten, erlaubte aber auch weitreichende Eingriffe in andere Staaten.
- Die Einteilung in zwei Lager vereinfachte unterschiedliche lokale Konflikte und verschärfte die Konfrontation.
Die Truman-Doktrin war ein wichtiger Wegmarker zu Beginn des Kalten Krieges. Sie allein „verursachte“ den Kalten Krieg jedoch nicht. Der Konflikt entwickelte sich aus mehreren Krisen, Machtinteressen und gegenseitigen Feindbildern.
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Alles auf einen Blick
- Truman-Doktrin
- Anlass
- Griechenland und Türkei
- Irankrise als Vorgeschichte
- Ziel
- sowjetischen Einfluss eindämmen
- amerikanische Führungsrolle begründen
- Begründung
- zwei gegensätzliche Lebensformen
- wertende politische Sprache
- Mittel
- wirtschaftliche und finanzielle Hilfe
- militärische Unterstützung und Beratung
- Marshallplan als Wirtschaftsprogramm
- Folgen
- Blockbildung
- weltweite Eingriffe
- Stellvertreterkriege
- Urteil
- wichtiger Wegmarker
- nicht alleinige Ursache des Kalten Krieges
- Anlass
Abschluss-Check
Du hast das Thema verstanden, wenn du die Doktrin nicht nur wiedergeben, sondern auch ihre wertende Sprache, ihre Instrumente und ihre begrenzte Rolle bei der Entstehung des Kalten Krieges erklären kannst.
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