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Merkantilismus

Merkantilismus einfach erklärt: Wirtschaftspolitik im Absolutismus, Förderung von Export, Handel und staatlichen Einnahmen.

Stell dir vor, ein König baut ein riesiges Schloss, bezahlt viele Soldaten und beschäftigt viele Beamte. Dafür braucht er ständig Geld. Im Geschichtsunterricht taucht dann oft die Frage auf: Wie wollte ein Staat früher reicher und mächtiger werden? Genau darum geht es beim Merkantilismus.

Deine Lernziele
  • Du kannst erklären, warum Herrscher im Absolutismus viel Geld brauchten.
  • Du kannst beschreiben, was Merkantilismus bedeutet.
  • Du kannst Export, Import, Zölle und Manufakturen am Beispiel erklären.
  • Du kannst beurteilen, wem der Merkantilismus nutzte und wem er schadete.

Warum der Staat im Absolutismus Geld brauchte

In der Frühen Neuzeit, also ungefähr vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, regierten viele europäische Herrscher sehr mächtig. Besonders wichtig war dabei der Absolutismus. Absolutismus bedeutet: Ein König oder Fürst beansprucht fast die ganze Macht im Staat für sich.

Ein absoluter Herrscher wollte stark wirken. Er brauchte Geld für Schlösser, Feste, Beamte, Straßen, Kanäle und ein stehendes Heer. Ein stehendes Heer ist eine Armee, die auch in Friedenszeiten dauerhaft bezahlt und bereitgehalten wird.

Definition

Absolutismus ist eine Herrschaftsform, bei der ein König oder Fürst fast allein entscheidet und nur wenig kontrolliert wird.

Stehendes Heer bedeutet: Soldaten sind dauerhaft angestellt und müssen regelmäßig bezahlt werden.

Beispiel

König Ludwig XIV. von Frankreich ließ das Schloss Versailles ausbauen. Außerdem führte Frankreich Kriege und bezahlte viele Beamte. Dafür brauchte der Staat sehr hohe Einnahmen.

Merke

Im Absolutismus war viel Geld ein Machtmittel. Wer Heer, Verwaltung und Hof bezahlen konnte, konnte seine Herrschaft stärker durchsetzen.

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Was Merkantilismus bedeutet

Jetzt kommt der zentrale Begriff. Merkantilismus ist eine Wirtschaftspolitik der frühen Neuzeit. Wirtschaftspolitik bedeutet: Der Staat greift mit Regeln, Förderung und Verboten in die Wirtschaft ein.

Beim Merkantilismus sollte das eigene Land möglichst reich werden. Viele Menschen dachten damals: Ein Staat wird stärker, wenn viel Geld, Gold oder Silber ins Land kommt und möglichst wenig davon hinausgeht. Deshalb wollte der Staat mehr Waren ins Ausland verkaufen als aus dem Ausland kaufen.

Definition

Merkantilismus ist eine Wirtschaftspolitik im Zeitalter des Absolutismus. Der Staat lenkt Handel und Produktion, damit mehr Geld in die Staatskasse kommt und das eigene Land wirtschaftlich stärker wird.

Beispiel

Frankreich kauft billige Rohstoffe im Ausland ein. Französische Betriebe verarbeiten sie zu feinen Stoffen, Glaswaren oder Luxuswaren. Diese fertigen Waren werden teuer ins Ausland verkauft.

Gut zu wissen

Der Begriff hängt mit Handel zusammen. Wichtig ist aber: Merkantilismus meint nicht einfach Handel, sondern eine vom Staat gelenkte Wirtschaftspolitik.

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Export, Import und Handelsbilanz

Wenn du etwas ins Ausland verkaufst, nennt man das Export. Wenn du etwas aus dem Ausland kaufst, nennt man das Import. Diese Begriffe brauchst du, um den Merkantilismus zu verstehen.

Die Handelsbilanz vergleicht den Wert der Exporte mit dem Wert der Importe. Wenn ein Land mehr verkauft als kauft, spricht man von einem Handelsüberschuss. Merkantilistische Staaten wollten genau das erreichen.

Definition

Export bedeutet: Waren werden in ein anderes Land verkauft.

Import bedeutet: Waren werden aus einem anderen Land gekauft.

Handelsbilanz bedeutet: Man vergleicht, wie viel ein Land durch Exporte einnimmt und wie viel es für Importe ausgibt.

Handelsüberschuss bedeutet: Ein Land verkauft Waren ins Ausland für mehr Geld, als es für ausländische Waren ausgibt.

Beispiel

Ein Land kauft Wolle für 100 Münzen ein. Daraus werden hochwertige Tücher hergestellt. Diese Tücher verkauft das Land für 300 Münzen ins Ausland. Dann bleiben mehr Einnahmen im Land.

Merke

Merkantilistische Regel: Möglichst billige Rohstoffe hinein, möglichst teure Fertigwaren hinaus.

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Zölle und Manufakturen

Damit der Plan funktionierte, griff der Staat stark ein. Ein wichtiges Mittel waren Zölle. Ein Zoll ist eine Abgabe, die an einer Grenze auf Waren erhoben wird.

Hohe Zölle auf fremde Fertigwaren sollten diese teurer machen. Dann kauften die Menschen eher Waren aus dem eigenen Land. Niedrige Zölle auf Rohstoffe waren dagegen nützlich, weil die eigenen Betriebe diese Rohstoffe weiterverarbeiten konnten.

Ein zweites wichtiges Mittel waren Manufakturen. Eine Manufaktur ist eine frühe Form eines größeren Betriebs. Viele Menschen arbeiteten dort an einem Produkt, oft mit Arbeitsteilung, aber noch nicht wie in modernen Fabriken mit Maschinen.

Definition

Zoll ist eine Abgabe auf Waren, die über eine Grenze gebracht werden.

Manufaktur ist ein größerer Herstellungsbetrieb der frühen Neuzeit. Dort arbeiten viele Menschen an Waren, oft in einzelnen Arbeitsschritten.

Beispiel

Der Staat erhebt hohe Zölle auf ausländische Stoffe. Gleichzeitig fördert er eigene Tuchmanufakturen. So sollen französische Stoffe gekauft und später ins Ausland verkauft werden.

Gut zu wissen

Viele Staaten verbesserten auch Straßen, Kanäle, Maße, Gewichte und Münzen. Dadurch sollte der Handel im eigenen Land leichter funktionieren.

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Colbert und Frankreich

Ein besonders bekanntes Beispiel ist Frankreich unter Ludwig XIV. Sein Finanzminister hieß Jean-Baptiste Colbert. Ein Finanzminister ist ein Politiker, der sich um Einnahmen, Ausgaben und Geldfragen des Staates kümmert.

Colbert förderte Handel, Gewerbe und Manufakturen. Gewerbe bedeutet hier: handwerkliche und gewerbliche Produktion, also zum Beispiel die Herstellung von Stoffen, Glas oder Luxuswaren. Colbert ließ auch die Staatsfinanzen ordnen, damit Einnahmen und Ausgaben besser überblickt werden konnten.

Definition

Jean-Baptiste Colbert war der Finanzminister Ludwigs XIV. in Frankreich. Er gilt als einer der bekanntesten Vertreter des Merkantilismus.

Gewerbe meint wirtschaftliche Tätigkeiten, bei denen Waren hergestellt oder verarbeitet werden.

Beispiel

Colbert wollte, dass Frankreich weniger teure Luxuswaren aus dem Ausland kauft. Stattdessen sollten französische Manufakturen selbst hochwertige Waren herstellen und verkaufen.

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Folgen und Grenzen

Der Merkantilismus hatte Vorteile für den Staat. Er konnte Einnahmen steigern, Betriebe fördern und den Handel besser organisieren. Manche Städte, Händler und Manufakturen profitierten davon.

Aber viele Menschen hatten Nachteile. Besonders stark belastet war oft der Dritte Stand. Dritter Stand nennt man in Frankreich vor der Revolution die große Bevölkerungsgruppe, die nicht zum Adel und nicht zum Klerus gehörte. Dazu zählten Bauern, Handwerker, Händler und viele Stadtbewohner.

Bauern und einfache Leute zahlten oft hohe Steuern und Abgaben. Die Landwirtschaft wurde in manchen Ländern weniger beachtet als Handel und Gewerbe. Außerdem führte der Versuch, immer mehr zu verkaufen und wenig zu kaufen, leicht zu Streit mit anderen Staaten.

Definition

Dritter Stand nennt man in Frankreich vor der Revolution die Menschen, die weder Adel noch Klerus waren. Viele von ihnen mussten hohe Abgaben tragen.

Beispiel

Ein Bauer aus dem Dritten Stand zahlt Steuern, damit der Staat Heer und Hof finanzieren kann. Gleichzeitig bekommt seine Landwirtschaft weniger Förderung als eine Manufaktur, die Luxuswaren für den Export herstellt.

Merke

Merkantilismus stärkte oft den Staat und bestimmte Betriebe. Für viele einfache Menschen bedeutete er aber hohe Belastungen.

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Zusammenfassung

Merkantilismus war eine Wirtschaftspolitik im Zeitalter des Absolutismus. Der Staat griff stark in Handel und Produktion ein, damit mehr Geld in die Staatskasse kam. Besonders wichtig waren Exporte, Zölle und Manufakturen.

Absolutistische Herrscher brauchten viel Geld für Heer, Verwaltung, Hofhaltung und Kriege. Deshalb wollten sie die eigene Wirtschaft stärken. Billige Rohstoffe sollten ins Land kommen, dort verarbeitet und als teure Fertigwaren verkauft werden.

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