Polis: Stadtstaaten im antiken Griechenland
Eine Polis war eine selbstverwaltete Gemeinschaft im antiken Griechenland. Zu ihr gehörten eine Stadt, das umliegende Land und vor allem die Menschen des Bürgerverbandes. Die Mehrzahl heißt Poleis.
Auf dieser Seite erfährst du, wie eine Polis aufgebaut war, wer politisch mitwirken durfte und warum die Poleis trotz gemeinsamer Kultur eigenständig blieben.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Stadt, Umland und Bürgerverband
Stell dir eine kleine Stadt mit Feldern, Dörfern und Weideflächen in ihrer Umgebung vor. Erst zusammen bildeten diese Bereiche die Polis.
Polis
Eine Polis war eine politische Gemeinschaft mit einem städtischen Kern und dem zugehörigen Umland. Sie regelte viele ihrer Angelegenheiten durch eigene Gesetze und Einrichtungen.
Der städtische Kern hieß asty, das Umland chora. Viele Menschen lebten und arbeiteten auf dem Land. Stadt und Umland bildeten deshalb eine wirtschaftliche und politische Einheit.
Entscheidend war nicht nur das Gebiet. Die Polis verstand sich besonders als Bürgerverband. Daher sprachen die Griechen etwa von „den Athenern“ oder „den Korinthern“ statt nur von einem Staatsgebiet.
Eine Polis musste keine Großstadt sein. Frühe Poleis konnten nur einige Hundert Einwohner haben; in der klassischen Zeit waren mehrere Tausend Menschen typisch.
Ein Bauer lebt außerhalb der Stadtmauer und bearbeitet Felder im Umland. Trotzdem kann er zur Polis gehören. Sein Wohnort außerhalb des Zentrums macht ihn nicht automatisch zu einem Fremden.
Akropolis, Agora und politische Einrichtungen
Wo wurde beraten, entschieden oder Schutz gesucht? Verschiedene Orte und Einrichtungen erfüllten unterschiedliche Aufgaben.
Die Akropolis war ursprünglich eine befestigte Höhensiedlung beziehungsweise Oberstadt. Sie konnte Schutz bieten und war häufig auch religiös bedeutsam.
Die Agora war der zentrale Platz. Sie war ein Mittelpunkt des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens. Dort konnten Handel, Rechtsprechung und politische Versammlungen stattfinden.
Fast allen Poleis waren drei Arten politischer Einrichtungen gemeinsam:
- Die Volksversammlung beriet oder entschied über öffentliche Angelegenheiten.
- Ein Rat bereitete Entscheidungen vor oder übernahm weitere Leitungsaufgaben.
- Amtsträger, auch Magistrate genannt, führten Beschlüsse aus und erledigten öffentliche Aufgaben.
Die genaue Machtverteilung war von Polis zu Polis und von Zeit zu Zeit verschieden. Eine Volksversammlung bedeutete daher nicht automatisch, dass alle Einwohner gleichberechtigt entschieden.
Gemeinsame Einrichtungen machten nicht alle Poleis politisch gleich. Ihre Verfassungen konnten aristokratisch, oligarchisch, tyrannisch oder demokratisch geprägt sein.
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Die befestigte Oberstadt hieß . Der zentrale Platz hieß . Ein konnte Entscheidungen vorbereiten, während öffentliche Beschlüsse ausführten.
Wer durfte politisch mitwirken?
„Die Bürger entschieden“ klingt zunächst umfassend. In der Polis bezeichnete Bürger im engeren politischen Sinn jedoch nicht alle Einwohner.
Politisch vollberechtigt waren gewöhnlich volljährige freie Männer mit Bürgerrecht. Je nach Verfassung konnten zusätzlich Herkunft, Besitz oder militärische Pflichten darüber entscheiden, wie weit ein Bürger mitwirken durfte.
Von der politischen Selbstverwaltung ausgeschlossen waren unter anderem:
- Frauen und Kinder,
- freie Zugezogene ohne Bürgerrecht,
- vorübergehende Gäste und Ausländer,
- unfreie Menschen und Sklaven.
Freie dauerhaft Zugezogene wurden etwa in Athen Metöken genannt. Sie arbeiteten häufig in Handel und Handwerk und mussten Pflichten wie Steuern oder Militärdienst erfüllen, besaßen aber kein Vollbürgerrecht. In Athen durften sie grundsätzlich keinen Grundbesitz erwerben.
Sklaven galten als Eigentum ihrer Herren und besaßen keine politischen Rechte. Ihre Arbeit war in manchen Poleis wirtschaftlich bedeutend und erleichterte einigen Vollbürgern die zeitaufwendige Teilnahme an Politik und Krieg. Politische Beteiligung beruhte damit auch auf starker sozialer Ungleichheit.
Die athenische Demokratie war keine Demokratie im heutigen Sinn. Sie ermöglichte einem Teil der männlichen Bürger direkte Mitwirkung, schloss aber große Teile der Bevölkerung aus.
Eine freie Handwerkerin lebt dauerhaft in Athen. Sie gehört zur Bevölkerung und zum Wirtschaftsleben der Polis. Als Frau darf sie jedoch nicht an der politischen Selbstverwaltung teilnehmen. Wohnort und persönliche Freiheit allein verleihen also noch kein politisches Bürgerrecht.
Warum gab es so viele Poleis?
Gebirge, Hügel, Täler und kleinräumige fruchtbare Ebenen trennten viele Siedlungsgebiete voneinander. Diese Landschaft begünstigte kleine politische Einheiten mit eigenen Interessen und Einrichtungen.
Die Bewohner verstanden sich deshalb häufig zuerst als Athener, Spartaner oder Korinther. Einen dauerhaft geeinten griechischen Staat bildeten die Poleis nicht. Sie konkurrierten miteinander und führten auch Kriege gegeneinander.
Trotzdem gab es kulturelle Gemeinsamkeiten. Sprache, Religion, Mythen und gemeinsame Veranstaltungen verbanden viele Griechen über die Grenzen ihrer Poleis hinweg.
Politische Trennung und kulturelle Gemeinsamkeit sind kein Widerspruch: Die Poleis konnten selbstständig handeln und sich zugleich als kulturell verbunden verstehen.
Athen und Sparta waren eigenständige Poleis mit unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Ordnungen. Gemeinsame Sprache und Religion machten sie nicht zu einem einheitlichen Staat.
Entstehung, Kolonisation und Fortbestand
Die Wurzeln der Polis reichen weiter zurück, doch ihre klassische Form entwickelte sich nach verbreiteter Forschungsauffassung im 8. Jahrhundert v. Chr. Der genaue Zeitpunkt war regional verschieden.
Zwischen ungefähr 750 und 550 v. Chr. gründeten Griechen im Mittelmeerraum und an den Küsten des Schwarzen Meeres neue Siedlungen. Als Ursachen werden unter anderem Bevölkerungswachstum, schlechte Ernten und Hungersnöte genannt. Solche Neugründungen heißen genauer Apoikien.
Die ursprüngliche Polis galt als Mutterstadt. Zwischen ihr und der Neugründung konnten kulturelle und religiöse Bindungen fortbestehen. Die Apoikie war jedoch nicht einfach ein ferner Stadtteil der Mutterstadt.
Auch die Unterordnung unter größere Reiche beendete die Polis nicht sofort. Unter hellenistischen Königen und später unter römischer Herrschaft verloren viele Poleis außenpolitische Freiheit, behielten aber lange lokale Einrichtungen und Verwaltungsaufgaben.
Ob eine Polis unbedingt außenpolitisch unabhängig sein musste und ob sie einem modernen Staat entspricht, ist in der Forschung umstritten. Sicher ist: Bürgerverband, eigene Institutionen, Stadt und Umland blieben wichtige Merkmale.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Polis
- Raum: Stadt und Umland
- Gemeinschaft: Bürgerverband und weitere Einwohner
- Ordnung: Gesetze, Volksversammlung, Rat und Ämter
- Teilhabe: politische Rechte nur für einen begrenzten Personenkreis
- Vielfalt: unterschiedliche Verfassungen und Interessen
- Verbindung: gemeinsame Sprache, Religion und Kultur
- Entwicklung: Entstehung, Kolonisation und Fortbestand unter Großreichen
Abschluss-Check
Prüfe nun, ob du Aufbau, politische Ordnung und gesellschaftliche Grenzen der Polis zusammen erklären kannst.
Du kannst eine Polis sicher erklären, wenn du drei Ebenen zusammenführst: Raum, politische Gemeinschaft und ungleiche Teilhabe. So vermeidest du die verkürzte Vorstellung, eine Polis sei lediglich eine griechische Stadt oder bereits eine moderne Demokratie.
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