Geschichte

Athenische Demokratie: Aufbau und Grenzen

Athenische Demokratie: Aufbau und Grenzen
Athenische Demokratie: Aufbau und Grenzen
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In Athen entschieden politisch berechtigte Bürger unmittelbar über viele Angelegenheiten ihrer Polis. Diese direkte Demokratie entstand schrittweise und ermöglichte außergewöhnlich viel Beteiligung. Sie galt jedoch nur für eine Minderheit der Bevölkerung: Frauen, Sklaven und Zugewanderte ohne Bürgerrecht waren ausgeschlossen.

Deine Lernziele

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Vom Adel zur Herrschaft der Bürger

Wie wurde aus einer von Adeligen beherrschten Polis eine Demokratie? Der Wandel geschah nicht auf einmal. Soziale Konflikte und mehrere Reformen öffneten die politische Ordnung schrittweise.

Definition

Polis

Eine Polis war ein griechischer Stadtstaat mit eigenem politischen Gemeinwesen. Zur Polis Athen gehörten die Stadt und das umliegende Gebiet Attika.

Viele Bauern waren bei Adeligen verschuldet. Wer seine Schulden nicht bezahlen konnte, geriet unter Umständen in Schuldknechtschaft: Die betroffene Person verlor ihre Freiheit und musste für den Gläubiger arbeiten.

Solon schwächt die Adelsherrschaft

594 v. Chr. führte Solon Reformen durch. Er ließ Schuldenlasten beseitigen, schaffte die Schuldknechtschaft ab und teilte die Bürger nach Vermögen statt ausschließlich nach Herkunft ein. Untere Bürgergruppen erhielten mehr Beteiligungsrechte. Bedeutende Ämter blieben aber vom Vermögen abhängig.

Merke

Solon führte noch keine vollständige Demokratie ein. Seine Reformen schwächten jedoch die Vorherrschaft weniger Adelsfamilien und bereiteten weitere Veränderungen vor.

Kleisthenes ordnet die Bürgerschaft neu

508/507 v. Chr. löste Kleisthenes alte politische Verbände auf, die stark von Herkunft und adligen Abhängigkeiten geprägt waren. Er ordnete die Bürger nach ihrem Wohnort in Demen, also Gemeinden mit lokaler Selbstverwaltung.

Je 50 Vertreter aus zehn neu gebildeten Bürgerverbänden kamen in den Rat der 500. Dadurch sollten verschiedene Gebiete Attikas gemeinsam vertreten sein. Die Neuordnung erschwerte es einzelnen Adelsfamilien, ihre alten Gefolgschaften politisch zu beherrschen.

Unter Perikles wurde die Beteiligung weiter ausgebaut. Diäten, also Tagegelder, glichen Verdienstausfälle aus. So konnten auch weniger wohlhabende Bürger eher an Versammlungen, Gerichten und Ämtern teilnehmen.

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Frage 1 von 2LeichtWarum gilt Solon als Wegbereiter und nicht als alleiniger Erfinder der athenischen Demokratie?
Lösung: Er schwächte die Adelsherrschaft und erweiterte Rechte, ließ politische Teilhabe aber weiterhin vom Bürgerstatus und teilweise vom Vermögen abhängen. — Die Demokratie entstand in mehreren Schritten. Solon öffnete die Ordnung, Kleisthenes gestaltete später ihre politischen Strukturen grundlegend um.
Frage 2 von 2MittelWelche Wirkung hatte die Neuordnung durch Kleisthenes?
Lösung: Sie schwächte alte adlige Bindungen und verband Bürger verschiedener Regionen in neuen politischen Einheiten. — Demen und neue Bürgerverbände ordneten die politische Bürgerschaft stärker nach dem Wohnort und weniger nach Abstammung oder persönlicher Abhängigkeit.
Wer durfte politisch mitentscheiden?

Das Wort Demokratie bedeutet Volksherrschaft. Doch mit „Volk“ waren in Athen nicht alle Einwohner gemeint.

Definition

Bürger

Ein politisch berechtigter Bürger war ein erwachsener freier Mann mit athenischem Bürgerstatus, der in die Bürgerliste seiner Deme eingetragen war. Nur diese Bürger durften an der Volksversammlung teilnehmen, Richter werden und grundsätzlich Ämter übernehmen.

Ausgeschlossen waren:

  • Frauen, auch wenn sie aus athenischen Familien stammten;
  • Sklaven, die rechtlich unfrei waren;
  • Metöken, also dauerhaft in Athen lebende Zugewanderte ohne Bürgerstatus.

Unter Perikles gab es ungefähr 30.000 bis 35.000 erwachsene Bürger. Insgesamt lebten jedoch etwa 200.000 Menschen im Gebiet Athens. Politische Gleichheit bestand daher nur innerhalb der begrenzten Bürgerschaft.

Beispiel

Ein athenischer Handwerker mit Bürgerstatus durfte in der Volksversammlung sprechen und abstimmen. Eine wohlhabende zugewanderte Händlerin durfte das nicht. Vermögen allein entschied also nicht über das Bürgerrecht; Geschlecht, Freiheit und rechtlicher Status waren ausschlaggebend.

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Frage 1 von 1MittelZwei Menschen leben dauerhaft in Athen. Ein armer erwachsener Mann besitzt das Bürgerrecht, ein reicher zugewanderter Mann nicht. Wer darf an der Volksversammlung teilnehmen?
Lösung: Der arme Mann mit Bürgerrecht. — Für die Teilnahme war der anerkannte Bürgerstatus entscheidend. Die athenische Demokratie schloss viele freie Einwohner ebenso wie Frauen und Sklaven aus.
Wie trafen die Bürger Entscheidungen?

Athen besaß kein modernes Parlament und keine politischen Parteien. Die Bürger versammelten sich selbst, berieten Anträge, übten Ämter aus und wirkten an Gerichten mit.

Die Volksversammlung entscheidet

Die Ekklesia, die Volksversammlung, war das Zentrum der Demokratie. Sie tagte ungefähr 40-mal im Amtsjahr auf der Pnyx. Jeder teilnahmeberechtigte Bürger hatte Rede- und Stimmrecht. Abgestimmt wurde durch Handheben.

Gewöhnlich nahmen mindestens 6.000 Bürger teil. Die Versammlung behandelte unter anderem die Sicherheit und Versorgung Athens, Gesandtschaften, politische Anklagen und die Kontrolle von Amtsträgern.

Der Rat bereitet Entscheidungen vor

Der Rat der 500, auch Boule genannt, bereitete die Volksversammlung vor. Er beriet Themen, formulierte vorläufige Beschlüsse und legte die Tagesordnung fest. Je 50 Mitglieder kamen aus den zehn Bürgerverbänden.

Eine Gruppe von 50 Ratsmitgliedern führte jeweils für einen Teil des Jahres die laufenden Geschäfte. Diese geschäftsführende Gruppe hieß Prytanie. Ihr Vorsitzender wurde täglich neu ausgelost.

Gerichte und Amtsträger setzen die Ordnung um

Die Dikasterien waren große Laiengerichte ohne Berufsrichter. Jährlich wurden 6.000 Bürger über 30 Jahre als Richter ausgelost. Sie entschieden nach den geltenden Gesetzen und Beschlüssen.

Etwa 700 Amtsträger übernahmen jedes Jahr Verwaltungsaufgaben. Die meisten Ämter wurden ausgelost und nur für kurze Zeit vergeben. Ämter, die besonderes Fachwissen verlangten, wurden dagegen gewählt. Dazu gehörten etwa die Finanzverwaltung, die Wasserversorgung und die militärischen Strategen.

EinrichtungHauptaufgabe
Volksversammlungberaten, abstimmen und zentrale politische Entscheidungen treffen
Rat der 500Themen und Beschlüsse der Volksversammlung vorbereiten
DikasterienRecht sprechen und politische Beschlüsse kontrollieren
AmtsträgerBeschlüsse ausführen und einzelne Verwaltungsaufgaben übernehmen
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Frage 1 von 2LeichtWelche Einrichtung bereitete die Tagesordnung der Volksversammlung vor?
Lösung: Der Rat der 500. — Der Rat beriet Themen und formulierte Vorlagen. Die endgültigen politischen Debatten und viele Entscheidungen fanden in der Volksversammlung statt.
Frage 2 von 2MittelEin Bürger soll für ein Jahr eine gewöhnliche Verwaltungsaufgabe übernehmen. Welches Verfahren war dafür typisch?
Lösung: Er wurde ausgelost und musste anschließend Rechenschaft über seine Amtsführung ablegen. — Gewöhnliche Ämter wurden meist durch Los vergeben. Fachämter, etwa militärische Kommandos, wurden dagegen gewählt.
Wie sollte Macht begrenzt werden?

Direkte Beteiligung bedeutete nicht, dass jede Entscheidung ohne Kontrolle blieb. Die Athener nutzten mehrere Verfahren, um dauerhafte persönliche Macht und rechtswidrige Beschlüsse zu begrenzen.

Los, kurze Amtszeit und Rechenschaft

Das Los gab geeigneten Bürgern grundsätzlich gleiche Chancen auf viele Ämter. Kurze Amtszeiten verhinderten, dass eine Person eine gewöhnliche Amtsstelle dauerhaft behielt. Nach der Amtsführung konnten Amtsträger kontrolliert und zur Verantwortung gezogen werden.

Merke

Das Los sollte politische Gleichheit fördern. Bei Aufgaben mit besonderem Fachwissen setzte Athen dennoch Wahlen ein.

Das Scherbengericht

Beim Ostrakismos, dem Scherbengericht, konnten Bürger einen politisch einflussreichen Mann für zehn Jahre aus Athen verbannen. Zuerst entschied die Volksversammlung, ob in diesem Jahr ein Scherbengericht stattfinden sollte. Später ritzten die Bürger den Namen der betreffenden Person auf Tonscherben.

Das Verfahren sollte einer als gefährlich empfundenen Machtkonzentration vorbeugen. Es war kein gewöhnliches Strafgericht und setzte nicht zwingend den Nachweis einer Straftat voraus.

Rechtliche Kontrollen

Mit der graphe paranomon konnte ein Bürger gegen einen vermutlich gesetzeswidrigen Beschluss klagen. Ein Volksgericht durfte den Beschluss aufheben und den Antragsteller bestrafen.

Nach schweren politischen Krisen wurden 403/402 v. Chr. außerdem Nomotheten eingesetzt. Diese aus dem Kreis der Richter bestimmten Gesetzgeber sollten wichtige Gesetze sorgfältiger prüfen. Solche Sicherungen reagierten auf die Gefahr, dass Redner Stimmungen in der Volksversammlung für eigene Ziele ausnutzten.

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Frage 1 von 2MittelWelches Beispiel zeigt eine rechtliche Kontrolle der Volksversammlung?
Lösung: Ein Gericht kann nach einer Klage einen gesetzeswidrigen Beschluss aufheben. — Obwohl die Bürger unmittelbar entschieden, entwickelten die Athener Verfahren gegen rechtswidrige oder übereilte Beschlüsse.
Frage 2 von 2SchwerWarum wurden Fachämter eher gewählt, obwohl das Los als demokratisch galt?
Lösung: Manche Aufgaben verlangten besondere Kenntnisse, die bei einer Wahl berücksichtigt werden konnten. — Los und Wahl erfüllten verschiedene Zwecke: Das Los förderte gleiche Chancen, die Wahl berücksichtigte besondere Fähigkeiten.
Demokratie – aber für alle?

Kann man Athen wirklich eine Demokratie nennen? Eine gute Antwort muss Leistung und Grenzen der Ordnung zusammen betrachten.

Was demokratisch war

Politisch berechtigte Bürger konnten unmittelbar beraten, abstimmen, Ämter übernehmen und als Richter entscheiden. Das Los, wechselnde Amtsinhaber und öffentliches Rederecht sollten gleiche Einflusschancen innerhalb der Bürgerschaft schaffen.

Perikles beschrieb diese Ordnung als Herrschaft vieler Bürger, in der Herkunft oder Armut einen fähigen Bürger nicht vom Dienst für die Polis abhalten sollten. Diese Rede formuliert jedoch ein Idealbild. Sie beweist nicht, dass alle Einwohner gleichberechtigt beteiligt waren.

Wo die Grenzen lagen

Die Mehrheit der Bevölkerung besaß keine politischen Rechte. Außerdem kannte Athen keine unveräußerlichen Menschenrechte und keinen abgesicherten Minderheitenschutz im modernen Sinn. Die Mehrheit konnte weitreichende Entscheidungen treffen und stimmte in den Krisen von 411 und 404 v. Chr. sogar zeitweise für die Abschaffung der Demokratie.

Athen war daher eine Demokratie für seine männlichen Vollbürger, aber keine Demokratie für alle Einwohner.

Warum Athen nicht einfach eine moderne Demokratie war

Athenische DemokratieModerne repräsentative Demokratie
berechtigte Bürger entscheiden häufig selbst in der VersammlungBürger wählen gewöhnlich Abgeordnete, die politische Entscheidungen treffen
kein Parlament und keine politischen ParteienParlament und Parteien bündeln politische Interessen
Frauen, Sklaven und Metöken ausgeschlossenpolitische Gleichberechtigung erwachsener Staatsbürger ist ein Grundprinzip
kein moderner Grund- und MinderheitenrechtsschutzVerfassungen sichern Grundrechte und begrenzen Mehrheitsmacht

Die klassische Demokratie bestand mit Unterbrechungen von 508/507 bis 322 v. Chr. Bereits 338 v. Chr. geriet Athen unter makedonische Vorherrschaft. Als entscheidendes Ende der selbstständigen demokratischen Ordnung gilt hier 322 v. Chr., als Makedonien nach militärischen Niederlagen eine Oligarchie der Vermögenden durchsetzte.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Beurteilung trifft die athenische Demokratie am genauesten?
Lösung: Sie ermöglichte männlichen Vollbürgern weitreichende direkte Beteiligung, schloss aber den größten Teil der Bevölkerung politisch aus. — Ein historisches Urteil darf weder die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger übersehen noch den Ausschluss von Frauen, Sklaven und Metöken verschweigen.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Athenische Demokratie
    • Entstehung: Solon öffnet die Ordnung, Kleisthenes ordnet die Bürgerschaft neu
    • Beteiligung: männliche Vollbürger beraten, entscheiden, richten und übernehmen Ämter
    • Einrichtungen: Volksversammlung, Rat der 500, Gerichte und Amtsträger
    • Machtbegrenzung: Los, kurze Amtszeiten, Rechenschaft und gerichtliche Kontrolle
    • Ausschluss: Frauen, Sklaven und Metöken ohne politische Rechte
    • Urteil: direkte Demokratie innerhalb einer begrenzten Bürgerschaft
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Rat der 500 – Vorbereitung der Volksversammlung. — Die Boule bereitete Themen und Beschlussvorlagen vor; beraten und abgestimmt wurde anschließend in der Volksversammlung.
Frage 2 von 3MittelWarum ergänzten sich Losverfahren und Rechenschaftspflicht?
Lösung: Das Los verteilte Chancen, während die Rechenschaft eine spätere Kontrolle der Amtsführung erlaubte. — Demokratische Beteiligung und Machtkontrolle gehörten zusammen: Viele Bürger sollten Ämter übernehmen können, aber niemand sollte unkontrolliert handeln.
Frage 3 von 3SchwerEine Person behauptet: „Weil in Athen das Volk entschied, hatten alle Einwohner gleiche politische Rechte.“ Wie antwortest du?
Lösung: Die Aussage verwechselt die politisch berechtigte Bürgerschaft mit der gesamten Bevölkerung; Frauen, Sklaven und Metöken waren ausgeschlossen. — „Volksherrschaft“ bezog sich in Athen auf männliche Vollbürger. Deshalb war die Ordnung zugleich ein bedeutender Schritt politischer Beteiligung und eine Demokratie mit deutlichen Ausschlüssen.

Du kannst die athenische Demokratie nun beurteilen, wenn du immer zwei Fragen verbindest: Wie konnten Bürger mitwirken? Und: Wer galt überhaupt als Bürger?

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