Reformation: Ursachen, Verlauf und Folgen
Die Reformation war eine Erneuerungsbewegung des 16. Jahrhunderts. Martin Luther wollte Missstände in der katholischen Kirche beseitigen und den Glauben stärker an der Bibel ausrichten. Daraus entstanden jedoch verschiedene evangelische Kirchen, politische Machtkämpfe und eine dauerhafte Spaltung der westlichen Christenheit.
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Warum geriet die Kirche in die Kritik?
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gehörten die meisten Menschen in West- und Mitteleuropa zur katholischen Kirche. Der Papst stand an ihrer Spitze. Priester und Bischöfe hatten als Kleriker kirchliche Ämter; Kirchenmitglieder ohne ein solches Amt hießen Laien.
Viele Menschen sorgten sich um ihr Seelenheil und fürchteten Strafen nach dem Tod. Gleichzeitig kritisierten Gläubige den Reichtum der Kirche, den Lebenswandel mancher Geistlicher und die Käuflichkeit kirchlicher Ämter. Reformversuche hatte es deshalb schon vor Martin Luther gegeben.
Besonders umstritten war der Ablasshandel. Ein Ablass versprach den Erlass von Sündenstrafen und wurde häufig gegen Geld erworben. Kritiker warfen der Kirche vor, aus der Angst der Menschen ein Geschäft zu machen.
Reformation
„Reformation“ bedeutet Erneuerung. Im historischen Zusammenhang bezeichnet das Wort die kirchliche Reformbewegung des 16. Jahrhunderts und die Veränderungen, die daraus entstanden.
Die Reformation hatte nicht nur eine Ursache. Religiöse Ängste, kirchliche Missstände, neue Medien und politische Interessen wirkten zusammen.
Was kritisierte Martin Luther?
Martin Luther war Mönch, Priester und Professor in Wittenberg. Im Jahr 1517 veröffentlichte er 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses. Der 31. Oktober 1517 gilt deshalb als symbolischer Beginn der Reformation.
Ob Luther die Thesen tatsächlich an eine Kirchentür schlug, ist umstritten. Sicher ist: Die Thesen wurden veröffentlicht und verbreitet.
Luther vertrat die Auffassung, dass nicht Geld oder ein Ablass über das Seelenheil entscheide. Entscheidend seien Gottes Gnade und der Glaube. Er verlangte eine Rückkehr zu den Grundlagen der Bibel und stellte die alleinige Deutungshoheit von Papst und Amtskirche infrage.
Luther wollte zunächst keine neue Kirche gründen. Er wollte die bestehende Kirche erneuern. Die Auseinandersetzung verschärfte sich jedoch. 1521 schloss der Papst Luther aus der Kirche aus.
Ein Mensch kauft einen Ablassbrief, weil er Strafen nach dem Tod fürchtet. Luther würde einwenden: Eine Geldzahlung kann Gottes Gnade nicht erkaufen. Damit greift seine Kritik nicht nur einen einzelnen Verkäufer an, sondern die religiöse Vorstellung hinter dem Geschäft.
Warum verbreiteten sich die Ideen so schnell?
Der um 1450 entwickelte Buchdruck ermöglichte es, Texte schneller und günstiger zu vervielfältigen als zuvor. Luthers Thesen, Flugschriften und Bilder erreichten dadurch ein großes Publikum.
Der Buchdruck allein erklärt den Erfolg aber nicht. Luthers Texte erschienen auch auf Deutsch und waren damit für mehr Menschen zugänglich als rein lateinische Schriften. Seine Bibelübersetzung stärkte die Bedeutung der deutschen Schriftsprache.
Die Forderung, Gläubige sollten die Bibel selbst lesen, erhöhte außerdem die Bedeutung von Lesen, Schreiben und Bildung. Ein allgemeiner Schulbesuch für alle Kinder entstand dadurch allerdings noch nicht.
Ohne Drucktechnik müsste eine Flugschrift einzeln abgeschrieben werden. Mit dem Buchdruck lassen sich viele gleiche Exemplare herstellen. Werden sie zusätzlich in verständlicher Sprache verfasst, können mehr Menschen die Argumente lesen, besprechen und weitertragen.
Buchdruck plus verständliche Sprache führte zu schneller Verbreitung und größerer Beteiligung an religiösen und politischen Debatten.
Wie wurde aus Reform eine Kirchenspaltung?
Luthers Lehre fand Anhänger unter Gläubigen, Städten und Fürsten. Andere hielten an der katholischen Kirche fest. So entstanden katholische und protestantische Lager.
Die Reformation führte nicht zu einer einzigen evangelischen Kirche. Neben den Lutheranern entwickelten sich weitere protestantische Richtungen, darunter die Zwinglianer und die Calvinisten.
Auch die katholische Kirche reagierte. Sie griff Kritikpunkte auf, setzte eigene Reformen durch und bekämpfte zugleich die Ausbreitung des Protestantismus. Dieser Prozess wird häufig Gegenreformation genannt.
Religiöse Überzeugungen hatten sichtbare Folgen. In manchen reformierten Gebieten wurden Heiligenbilder und Statuen aus Kirchen entfernt. Bei gewaltsamen Bilderstürmen wurden Kunstwerke beschädigt, verbrannt oder verkauft.
Konfession
Eine Konfession ist eine Glaubensrichtung innerhalb des Christentums, zum Beispiel katholisch, lutherisch oder calvinistisch.
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Luther wollte die Kirche zunächst . Aus dem Streit entstanden mehrere . Die katholische Reaktion auf die Reformation wird häufig genannt.
Wie verbanden sich Religion und Macht?
Viele Fürsten unterstützten reformatorische Ideen aus Glaubensüberzeugung. Zugleich konnten sie damit den Einfluss von Papst und Kaiser in ihren Gebieten zurückdrängen. Religiöse und politische Interessen ließen sich daher oft nicht sauber voneinander trennen.
Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 legten protestantische Reichsstände Kaiser Karl V. das Augsburger Bekenntnis vor. Nachdem ein Ausgleich zunächst scheiterte, gründeten protestantische Herrscher 1531 den Schmalkaldischen Bund als Schutzbündnis.
Der Augsburger Religionsfriede von 1555 brachte eine begrenzte Regelung. Der jeweilige Landesherr bestimmte die Konfession seines Herrschaftsgebiets. Vereinfacht wird dieses Prinzip mit „Wessen Land, dessen Glaube“ beschrieben. Untertanen konnten ihre Religion also nicht frei wählen; Andersgläubige mussten ihre Konfession wechseln oder auswandern.
Auch der Bauernkrieg von 1524/25 zeigt unterschiedliche Interessen. Bauern beriefen sich auf Luthers Worte über die Freiheit eines Christenmenschen und verbanden sie mit Forderungen nach gesellschaftlicher Befreiung. Luther verstand diese Freiheit religiös und unterstützte die Aufstände nicht. Derselbe Begriff erhielt dadurch verschiedene Bedeutungen.
Wie führten die Konflikte zu Krieg und Frieden?
Die Glaubensspaltung löste die Spannungen nicht. Verfolgungen, Vertreibungen und Kriege begleiteten die Konfessionsbildung in Europa. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts standen sich unter anderem die protestantische Union und die katholische Liga gegenüber.
Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 begann als konfessioneller Konflikt. Im Verlauf kämpften europäische Mächte jedoch zunehmend auch um politischen Einfluss und Vormacht. Der Krieg verursachte Zerstörung, Hunger und einen starken Bevölkerungsrückgang in vielen deutschen Gebieten.
Der Westfälische Frieden von 1648 beendete den Krieg. Er regelte das Verhältnis der Konfessionen neu und stärkte die Stellung der einzelnen Staaten und Reichsstände. Damit begrenzte er sowohl religiöse als auch politische Konflikte, beseitigte sie aber nicht einfach aus der Geschichte.
Wer den Dreißigjährigen Krieg nur „Religionskrieg“ nennt, erfasst seinen Beginn, aber nicht seine gesamte Entwicklung. Eine vollständigere Erklärung lautet: Konfessionelle Gegensätze lösten Konflikte aus; später bestimmten auch Bündnisse und Machtinteressen europäischer Herrscher den Krieg.
Wie untersuchst du eine reformatorische Quelle?
Historische Bilder und Texte zeigen nicht automatisch neutral, „wie es wirklich war“. Du musst beachten, wer eine Darstellung mit welchem Ziel geschaffen hat.
Ein reformatorisches Bildpaar von 1521 stellte Christus und den Papst als Gegensätze dar: Christus vertreibt Händler aus dem Tempel, während der Papst als Verkäufer geistlicher Güter angegriffen wird. Die Darstellung verbindet Bibelbezug und Ablasskritik.
Sie beweist, wie scharf Reformatoren das Papsttum kritisierten. Sie beweist aber nicht, dass jede einzelne Anschuldigung eine neutrale Tatsachenbeschreibung war. Das Werk ist eine polemische Quelle: Es will Gegner zuspitzen und das Publikum überzeugen.
Trenne bei einer Quelle drei Schritte: beschreiben, Absicht untersuchen, Aussagekraft begrenzen.
Karteikasten
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Alles auf einen Blick
- Reformation
- Ursachen
- kirchliche Missstände
- Ablasskritik
- religiöse Ängste
- Verbreitung
- Buchdruck
- deutsche Sprache
- Konflikte
- Kirchenspaltung
- politische Machtinteressen
- Verfolgung und Krieg
- Regelungen
- Augsburger Religionsfriede 1555
- Westfälischer Frieden 1648
- langfristige Folgen
- mehrere Konfessionen
- Veränderungen von Bildung, Sprache und Politik
- Ursachen
Abschluss-Check
Du hast den Zusammenhang verstanden, wenn du nicht nur Ereignisse aufzählst, sondern erklären kannst, wie Kritik, Medienwandel, Glaubensfragen und Machtinteressen gemeinsam die Reformation und ihre Folgen prägten.
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