Geschichte

Reichskirche: Mittelalter und NS-Zeit unterscheiden

Reichskirche: Mittelalter und NS-Zeit unterscheiden
Reichskirche: Mittelalter und NS-Zeit unterscheiden
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Der Begriff Reichskirche bezeichnet nicht immer dasselbe. Im Mittelalter meint er eine reichsunmittelbare kirchliche Institution oder ein herrscherorientiertes Netzwerk aus Bistümern und Abteien. In der NS-Zeit bezeichnet er dagegen die 1933 geschaffene, zentralisierte Deutsche Evangelische Kirche.

Auf dieser Seite lernst du, beide Bedeutungen am historischen Zusammenhang zu erkennen und nicht miteinander zu verwechseln.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Welche Bedeutung hat Reichskirche im Mittelalter?

Im mittelalterlichen Deutschen Reich konnte eine Reichskirche eine reichsunmittelbare kirchliche Institution sein. Reichsunmittelbar bedeutet hier: Die Institution gehörte unmittelbar zum Reich.

Definition

Reichskirche im Mittelalter

Im engeren Sinn ist eine Reichskirche eine einzelne reichsunmittelbare kirchliche Institution. Im weiteren Sinn bezeichnet der Begriff ein gewöhnlich gut organisiertes Netzwerk aus Bistümern und Abteien eines Reichs oder Staates.

Dieses Netzwerk war typischerweise auf den Willen des jeweiligen Herrschers ausgerichtet. Geistliche Einrichtungen gehörten damit zugleich zu einer politischen Herrschaftsordnung.

Merke

Achte auf drei Hinweise: Mittelalter, Bistümer und Abteien sowie die Ausrichtung auf einen Herrscher.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Beschreibung passt zur mittelalterlichen Bedeutung?
Lösung: Ein Netzwerk aus Bistümern und Abteien ist auf den Willen eines Herrschers ausgerichtet. — Die mittelalterliche Bedeutung erkennst du an kirchlichen Institutionen eines Reichs und ihrer Beziehung zum Herrscher.
Welche Einrichtungen gehörten dazu?

Die mittelalterlichen Reichskirchen wurden in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Höhere Reichskirchen: Bistümer und Abteien
  • Niedere Reichskirchen: Stifte und Pfarrkirchen

Die Bezeichnungen „höher“ und „nieder“ ordnen hier Arten kirchlicher Institutionen ein. Sie bewerten nicht den Glauben oder die persönliche Bedeutung ihrer Mitglieder.

Beispiel

Du sollst ein Bistum und eine Pfarrkirche zuordnen.

  1. Ein Bistum zählt zu den höheren Reichskirchen.
  2. Eine Pfarrkirche zählt zu den niederen Reichskirchen.
  3. Entscheidend ist die überlieferte Einteilung der Institutionen, nicht ihre Größe in einem einzelnen Ort.
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Frage 1 von 2LeichtWelche Zuordnung ist richtig?
Lösung: Abtei – höhere Reichskirche — Bistümer und Abteien gehören zu den höheren, Stifte und Pfarrkirchen zu den niederen Reichskirchen.
Frage 2 von 2MittelEine Liste nennt Bistum, Abtei, Stift und Pfarrkirche. Welche beiden gehören zur Gruppe der niederen Reichskirchen?
Lösung: Stift und Pfarrkirche — Prüfe jedes Wort einzeln: Stift und Pfarrkirche sind niedere Reichskirchen.
Was bedeutet Reichskirche in der NS-Zeit?

In Texten über den Nationalsozialismus hat „Reichskirche“ eine andere Bedeutung. Gemeint ist die 1933 geschaffene zentralisierte Deutsche Evangelische Kirche.

Zuvor waren 28 evangelische Landeskirchen nur locker im Deutschen Evangelischen Kirchenbund verbunden. Die neue Reichskirche sollte sie stärker vereinheitlichen. Die nationalsozialistisch geprägten Deutschen Christen gewannen am 23. Juli 1933 die Kirchenwahlen. Am 27. September 1933 wurde Ludwig Müller Reichsbischof.

Müller wollte das Führerprinzip in der Kirche durchsetzen. Der Versuch, alle Landeskirchen einzugliedern, scheiterte jedoch. Widerstand gegen seine Kirchenleitung kam unter anderem aus dem Pfarrernotbund und der entstehenden Bekennenden Kirche.

Definition

Deutsche Christen

Die Deutschen Christen waren eine protestantische Bewegung, die nationalsozialistische und völkisch-antisemitische Ziele innerhalb der evangelischen Kirche vertrat.

Gut zu wissen

Die Bekennende Kirche verteidigte vor allem Bibel, Bekenntnis und kirchliche Eigenständigkeit. Das bedeutete bei ihrer Mehrheit noch keinen grundsätzlichen politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

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Frage 1 von 1MittelWarum sollte 1933 eine evangelische Reichskirche geschaffen werden?
Lösung: Die zuvor organisatorisch zersplitterten Landeskirchen sollten zentralisiert werden. — Ausgangspunkt waren 28 nur locker verbundene evangelische Landeskirchen. Die neue Organisation sollte sie vereinheitlichen.
Wie unterscheidest du beide Bedeutungen?

Frage zuerst: Von welcher Zeit und von welcher Organisationsform handelt der Text?

  • Hinweise wie Mittelalter, reichsunmittelbar, Bistum, Abtei, Stift oder Pfarrkirche sprechen für die ältere Bedeutung.
  • Hinweise wie 1933, Deutsche Evangelische Kirche, Deutsche Christen, Ludwig Müller oder Reichsbischof sprechen für die Bedeutung in der NS-Zeit.
Beispiel

Gegeben ist die Aussage: „Mehrere Landeskirchen sollen unter einem Reichsbischof vereinheitlicht werden.“

  1. „Landeskirchen“ und „Reichsbischof“ weisen auf die evangelische Kirchenorganisation hin.
  2. Die geplante Zentralisierung passt zum Jahr 1933.
  3. Deshalb ist die Reichskirche der NS-Zeit gemeint, nicht das mittelalterliche Netzwerk aus Bistümern und Abteien.
Merke

Dasselbe Wort kann verschiedene historische Strukturen bezeichnen. Entscheide deshalb nie nur nach dem Wort „Reich“, sondern immer nach Zeit, Akteuren und Organisationsform.

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Frage 1 von 2MittelIn einem Text heißt es: „Bistümer und Abteien bildeten ein Netzwerk, das auf den Herrscher ausgerichtet war.“ Welche Bedeutung ist gemeint?
Lösung: die mittelalterliche Reichskirche — Die Kombination aus Bistümern, Abteien und Herrscherorientierung kennzeichnet die mittelalterliche Reichskirche.
Frage 2 von 2SchwerEin Text verwendet nur den Satz „Die Reichskirche sollte vereinheitlicht werden.“ Was brauchst du für eine sichere Zuordnung?
Lösung: zusätzliche Hinweise auf Zeit, Akteure oder Organisationsform — Der Begriff ist mehrdeutig. Erst der historische Zusammenhang ermöglicht eine sichere Zuordnung.
Welche Fehlschlüsse solltest du vermeiden?

Der häufigste Fehler ist, beide Bedeutungen gleichzusetzen. Die mittelalterliche Reichskirche und die Deutsche Evangelische Kirche von 1933 sind verschiedene historische Organisationsformen.

Vermeide außerdem diese Fehlschlüsse:

  • „Reichskirche“ meint immer eine einzelne Kirche. Im Mittelalter kann der Begriff auch ein ganzes Netzwerk bezeichnen.
  • Kirchliche Selbstbehauptung war automatisch Widerstand gegen das NS-Regime. Viele Beteiligte verteidigten vor allem Lehre und Organisation, ohne das Regime grundsätzlich abzulehnen.
  • Die Reichskirche von 1933 setzte sich vollständig durch. Der Versuch, alle Landeskirchen einzugliedern, scheiterte.
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Frage 1 von 1SchwerEine Landeskirche wehrt ihre Eingliederung in die Reichskirche ab. Welches Urteil ist allein daraus zulässig?
Lösung: Sie behauptet in diesem Konflikt ihre kirchliche Eigenständigkeit. — Aus der Abwehr einer Eingliederung folgt zunächst nur die Verteidigung kirchlicher Eigenständigkeit. Für ein weitergehendes Urteil wären zusätzliche Handlungen zu prüfen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Reichskirche
    • Mittelalter: einzelne reichsunmittelbare Institution oder Netzwerk
      • höhere Reichskirchen: Bistümer und Abteien
      • niedere Reichskirchen: Stifte und Pfarrkirchen
    • NS-Zeit: zentralisierte Deutsche Evangelische Kirche ab 1933
      • Deutsche Christen gewinnen Kirchenwahlen
      • Ludwig Müller wird Reichsbischof
      • vollständige Eingliederung der Landeskirchen scheitert
    • Unterscheidung
      • Zeit prüfen
      • Akteure prüfen
      • Organisationsform prüfen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Einrichtung zählt zu den höheren Reichskirchen des Mittelalters?
Lösung: Abtei — Bistümer und Abteien sind höhere Reichskirchen; Stifte und Pfarrkirchen sind niedere Reichskirchen.
Frage 2 von 3MittelWelche Angabe weist am deutlichsten auf die Reichskirche der NS-Zeit hin?
Lösung: Ludwig Müller wird 1933 Reichsbischof. — Ludwig Müller, das Amt des Reichsbischofs und das Jahr 1933 gehören zur zentralisierten Deutschen Evangelischen Kirche.
Frage 3 von 3SchwerEin Text nennt eine „Reichskirche“, aber weder Zeit noch Akteure. Wie gehst du fachlich korrekt vor?
Lösung: Ich suche im Text nach weiteren Hinweisen auf Institutionen und Organisationsform, bevor ich den Begriff zuordne. — Eine sichere historische Einordnung beruht auf dem Zusammenhang. Prüfe besonders Zeitangaben, genannte Einrichtungen und beteiligte Personen oder Gruppen.

Wenn du die Zeit, die Akteure und die Organisationsform prüfst, kannst du den mehrdeutigen Begriff „Reichskirche“ zuverlässig einordnen.

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