Christentum: Glaube, Entstehung und Geschichte
Das Christentum entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. aus dem Judentum. Im Mittelpunkt steht Jesus von Nazaret. Seine Anhänger glaubten, dass er der von Gott gesandte Messias sei und nach seiner Kreuzigung auferstanden sei. Aus kleinen Gemeinden entwickelte sich eine weltweit verbreitete Religion mit unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen.
Auf dieser Seite unterscheidest du zwischen historisch untersuchbaren Entwicklungen und christlichen Glaubensaussagen. Außerdem erfährst du, wie sich das Christentum ausbreitete, aufspaltete und Gesellschaften prägte.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entstand das Christentum?
Jesus von Nazaret war Jude. Er trat ungefähr zwischen 28 und 30 n. Chr. als Wanderprediger auf. Er sprach vom Reich Gottes, wandte sich Ausgestoßenen zu und verband die Liebe zu Gott mit der Liebe zum Mitmenschen. Wahrscheinlich wollte er keine eigene Religion gründen.
Nach seiner Hinrichtung am Kreuz berichteten seine Anhänger, Jesus sei ihnen lebend begegnet. Sie deuteten ihn als Messias, also als den von Gott Gesalbten und erwarteten Retter. Das griechische Wort für „Gesalbter“ lautet Christus. Daher kommt die Bezeichnung „Christentum“.
Historische Aussage und Glaubensaussage
Eine historische Aussage wird mit überlieferten Texten, Gegenständen und ihrem geschichtlichen Zusammenhang untersucht. Dass Jesus Jude war, öffentlich wirkte und gekreuzigt wurde, gehört zu diesem historischen Kern.
Eine Glaubensaussage drückt aus, was Gläubige als religiöse Wahrheit verstehen. Die Auferstehung Jesu und seine Bezeichnung als Sohn Gottes sind zentrale christliche Glaubensaussagen. Geschichtswissenschaft kann untersuchen, wann Menschen diesen Glauben bezeugten und welche Folgen er hatte. Sie entscheidet aber nicht, ob die Glaubensaussage wahr ist.
Die ersten Anhänger Jesu waren ebenfalls Juden. Paulus und andere Missionare wandten sich später verstärkt an Nichtjuden. So entstanden Gemeinden aus jüdischen und nichtjüdischen Christusgläubigen. Das Christentum löste sich dabei allmählich von seinem jüdischen Ausgangspunkt und wurde zu einer eigenständigen Religion.
Die Aussage „Jesu Anhänger glaubten an seine Auferstehung“ ist historisch untersuchbar: Frühe christliche Texte bezeugen diesen Glauben.
Die Aussage „Jesus ist von den Toten auferstanden“ formuliert dagegen den Glaubensinhalt selbst. Wer Geschichte untersucht, muss diese beiden Ebenen auseinanderhalten.
Was glauben Christen?
Christliche Kirchen unterscheiden sich in Lehre und Praxis. Die meisten verbindet jedoch der Glaube an Jesus Christus, an seinen Tod und seine Auferstehung sowie an einen Gott.
Die meisten Christen verstehen Gott als Dreieinigkeit oder Trinität: Vater, Sohn und Heiliger Geist werden unterschieden und zugleich als der eine Gott bekannt. Kleinere christliche Gruppen vertreten andere Auffassungen.
Jesus gilt im mehrheitlichen christlichen Glauben zugleich als wahrhaft menschlich und wahrhaft göttlich. Sein Kreuzestod wird als Versöhnung zwischen Gott und den Menschen gedeutet. Seine Auferstehung steht für die Hoffnung, dass Tod und Schuld nicht das letzte Wort haben.
Für das Handeln ist besonders die Verbindung von Gottesliebe, Nächstenliebe und Feindesliebe wichtig. Die Botschaft Jesu richtet sich nach christlichem Selbstverständnis an Menschen unabhängig von Herkunft oder gesellschaftlicher Stellung.
Beschreibe religiöse Überzeugungen mit Formulierungen wie „Christen glauben“, „nach christlichem Verständnis“ oder „die Bibel berichtet“. So gibst du eine Glaubensaussage genau wieder, ohne sie mit einem historischen Befund zu verwechseln.
Warum ist die Bibel wichtig?
Die Bibel ist die zentrale Schrift des Christentums. Sie besteht aus zwei Hauptteilen:
- Das Alte Testament enthält Schriften, die das Christentum mit dem Judentum verbinden. Sein Umfang unterscheidet sich je nach christlicher Konfession etwas.
- Das Neue Testament enthält die Evangelien über Jesus, die Apostelgeschichte, Briefe und die Offenbarung.
Die Schriften des Neuen Testaments entstanden nicht während Jesu Kindheit als fertiges Buch. Erinnerungen, Predigten und Glaubensbekenntnisse wurden zunächst weitergegeben und später schriftlich festgehalten. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts war eine Sammlung neutestamentlicher Schriften weit entwickelt. Über ihren heutigen Kern bestand in den ersten Jahrhunderten zunehmend Einigkeit.
Neben der Bibel können Glaubensbekenntnisse, Konzilsentscheidungen und kirchliche Traditionen wichtig sein. Wie stark diese Quellen gewichtet werden, unterscheidet sich zwischen den Konfessionen.
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Jesus von Nazaret war . Seine Anhänger nannten ihn Christus, also den . Die Bibel besteht aus dem Alten und dem Testament. Die Lehre von Vater, Sohn und Heiligem Geist heißt .
Wie wurde aus kleinen Gemeinden eine verbreitete Religion?
Im Römischen Reich konnten Menschen, Waren und Ideen über weite Strecken reisen. Das erleichterte auch die Ausbreitung christlicher Botschaften. Gleichzeitig gerieten christliche Gemeinden zeitweise unter politischen und gesellschaftlichen Druck. Ihre Zugehörigkeit war in den ersten drei Jahrhunderten im Allgemeinen verboten, doch die Verfolgung war nicht überall und zu jeder Zeit gleich stark.
Die letzte große römische Christenverfolgung dauerte von 303 bis 311. Unter Kaiser Konstantin I. änderte sich die Lage: Seit dem frühen 4. Jahrhundert wurde das Christentum anerkannt und zunehmend gefördert. Seit 380 besaß es im Römischen Reich den Rang einer Staatsreligion.
Christianisierung
Christianisierung bezeichnet den Prozess, in dem Menschen, Herrscher oder ganze Gebiete das Christentum annahmen und christliche Einrichtungen entstanden. Das war kein einzelnes Ereignis. Mission, persönliche Überzeugung, politische Entscheidungen, Herrschaft und mitunter Zwang wirkten unterschiedlich zusammen.
- um 30Jesus wirkt, wird gekreuzigt, und seine Anhänger verkünden seine Auferstehung.
- 1. JahrhundertJünger, Apostel, Paulus und andere verbreiten die Botschaft unter Juden und Nichtjuden.
- Ende 2. JahrhundertGemeinden besitzen eine festere Organisation; neutestamentliche Schriften werden gesammelt.
- 303–311Letzte große römische Christenverfolgung.
- Ab 312Konstantin erkennt und fördert das Christentum zunehmend.
- 380Das Christentum wird Staatsreligion des Römischen Reiches.
Die Entwicklung im Römischen Reich lässt sich nicht passend mit „erst verboten, dann sofort überall durchgesetzt“ zusammenfassen. Genauer ist:
- Christliche Gemeinden breiteten sich über einen längeren Zeitraum aus.
- Sie wurden zeitweise und regional unterschiedlich verfolgt.
- Im 4. Jahrhundert folgten Anerkennung und staatliche Förderung.
- Seit 380 war das Christentum Staatsreligion, doch die Veränderung des religiösen Alltags blieb ein längerer Prozess.
Warum entstanden verschiedene Kirchen?
Mit der Ausbreitung des Christentums mussten Gemeinden klären, wie sie zentrale Glaubensaussagen verstehen und wie Kirche organisiert sein sollte. Hinzu kamen unterschiedliche Sprachen, politische Räume und Gottesdienstformen.
Auf Konzilien, also Versammlungen von Bischöfen, wurden wichtige Lehrfragen beraten. Die Konzilien von Nizäa 325 und Konstantinopel 381 prägten die Trinitätslehre. Ephesus 431 und Chalcedon 451 behandelten die Frage, wie Jesus zugleich göttlich und menschlich verstanden werden könne.
Nicht alle Kirchen nahmen die Beschlüsse von Chalcedon an. Daraus gingen eigenständige orientalisch-orthodoxe Traditionen hervor, darunter die armenische, koptische, syrische, äthiopische und eritreische Kirche. Sie sind nicht mit den später getrennten östlich-orthodoxen Kirchen gleichzusetzen.
Die Trennung von Ost und West
Zwischen dem griechischsprachigen Osten und dem lateinischsprachigen Westen wuchsen politische, sprachliche, rechtliche, liturgische und theologische Unterschiede. Im Westen gewann der Papst in Rom eine besondere Leitungsstellung. Im Osten bestanden mehrere eigenständige Kirchen; der Patriarch von Konstantinopel erhielt einen Ehrenvorrang, aber keine mit dem Papst vergleichbare Zentralgewalt.
Im Jahr 1054 exkommunizierten sich Vertreter Roms und Konstantinopels gegenseitig. Dieses Datum gilt gewöhnlich als sichtbare Wegmarke der Trennung zwischen der westlichen lateinischen und der östlichen orthodoxen Kirche. Die Entfremdung hatte jedoch schon lange vorher begonnen.
Die Reformation im Westen
Seit etwa 1517 führten Kritik an kirchlichen Missständen und Streit über Lehre und Papstmacht zur Reformation. Martin Luther, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin gaben unterschiedlichen reformatorischen Bewegungen wichtige Impulse.
Die Reform der gesamten westlichen Kirche gelang nicht. Stattdessen entstanden evangelische Kirchen. Sie betonten die Bibel als maßgebliche Glaubensnorm und erkannten meist Taufe und Abendmahl als Sakramente an. Auch zwischen lutherischen und reformierten Kirchen bestanden Unterschiede. Weitere Freikirchen entwickelten sich seit dem 16. Jahrhundert und danach.
Kirchenspaltungen haben selten nur eine Ursache. Glaubensfragen, Macht, Sprache, Politik, regionale Entwicklung und kirchliche Organisation können gleichzeitig wirken.
Wie wirkten Religion, Staat und Gesellschaft zusammen?
Seit der Spätantike war das Christentum vielerorts eng mit politischer Herrschaft verbunden. Herrscher förderten Kirchen, und kirchliche Einrichtungen konnten Herrschaft religiös stützen. Zugleich stritten Päpste, Kaiser, Könige, Bischöfe und Fürsten immer wieder darüber, wer entscheiden durfte.
Diese Verbindung war weder überall gleich noch dauerhaft konfliktfrei. In der mittelalterlichen Westkirche gewann der Papst großen Einfluss. In orthodox geprägten Gebieten war die Kirche traditionell eng mit dem Staat verbunden. Die tatsächlichen Machtverhältnisse unterschieden sich jedoch je nach Zeit und Region.
Nach der Reformation bestimmten Landesherren in vielen Gebieten wesentlich die Konfession ihrer Untertanen. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 stärkte dieses landesherrliche Kirchenregiment. Der Westfälische Frieden von 1648 festigte viele konfessionelle Grenzen.
In Deutschland beendete die Weimarer Reichsverfassung 1919 das landesherrliche Kirchenregiment und schaffte die Staatskirche ab. Verbindungen blieben bestehen, etwa beim staatlichen Einzug der Kirchensteuer, beim Religionsunterricht und beim Schutz von Sonn- und Feiertagen. Viele dieser Regelungen wurden 1949 in das Grundgesetz übernommen.
Keine Staatskirche bedeutet nicht automatisch, dass Staat und Religionsgemeinschaften keinerlei Kontakt haben. Trennung und Zusammenarbeit können gleichzeitig bestehen. Für eine genaue Beurteilung musst du immer fragen: Wer besitzt welche Befugnis, und um welche Zeit und Region geht es?
Behauptung: „Seit 1919 haben Kirchen und Staat in Deutschland nichts mehr miteinander zu tun.“
Prüfung: Die Staatskirche und das landesherrliche Kirchenregiment wurden abgeschafft. Trotzdem bestehen geregelte Formen der Zusammenarbeit.
Verbessertes Urteil: „Seit 1919 gibt es in Deutschland keine Staatskirche. Staat und Kirchen sind institutionell unterschieden, arbeiten in bestimmten Bereichen aber weiterhin zusammen.“
Wie lässt sich die Wirkung des Christentums beurteilen?
Das Christentum prägte über viele Jahrhunderte Kunst, Musik, Sprache, Bildung, Feste und gesellschaftliche Einrichtungen. Klöster verbanden Gebet und Arbeit. Kirchliche Gemeinschaften wirkten am Armen- und Gesundheitswesen mit. Bibelübersetzungen förderten das Lesen und prägten Sprachen; Luthers Übersetzung beeinflusste besonders die deutsche Sprache.
Zu dieser Geschichte gehören zugleich Gewalt, Ausgrenzung und Unterdrückung. Kreuzzüge, Inquisition, Verfolgungen angeblicher Ketzer und Hexen sowie kirchliches Versagen gegenüber der nationalsozialistischen Judenverfolgung gehören zur historischen Bilanz. Christliche Lehren wurden außerdem zur Abwertung von Juden missbraucht. Für Jesu Hinrichtung war historisch die römische Besatzungsmacht verantwortlich; die Vorstellung einer kollektiven Schuld lebender Juden führte zu Verfolgung und ist sachlich falsch.
Historisches Urteil
Ein historisches Urteil ist eine begründete Einschätzung. Es nennt einen Maßstab, berücksichtigt den zeitlichen Zusammenhang und stützt sich auf konkrete Beobachtungen. Eine pauschale Behauptung wie „Das Christentum war nur gut“ oder „nur schlecht“ ist kein tragfähiges historisches Urteil.
Christen, Kirchen und christlich geprägte Gesellschaften bildeten nie einen unveränderlichen Block. Zwischen Konfessionen, Regionen, Zeiten und einzelnen Menschen bestanden große Unterschiede. Auch die Beziehungen zu jüdischen und muslimischen Gemeinschaften umfassten Austausch, Zusammenleben, Konkurrenz und Konflikt.
Frage: „Welche Wirkung hatten christliche Institutionen in der Geschichte?“
Ein begründetes Urteil könnte lauten: „Christliche Institutionen unterstützten unter anderem Bildung, Armenfürsorge und Krankenversorgung. Zugleich waren Kirchen an Ausgrenzung und Verfolgung beteiligt oder verhinderten sie nicht. Ihre Wirkung muss deshalb an konkreten Beispielen und nach Zeit, Ort und beteiligten Gruppen beurteilt werden.“
Das Urteil nennt positive und negative Befunde, ohne sie einfach gegeneinander aufzurechnen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Christentum
- Ursprung
- Judentum und Jesus von Nazaret
- Glaube der Anhänger an Auferstehung und Messias
- Grundlagen
- Bibel mit Altem und Neuem Testament
- Jesus Christus und Trinität
- Gottes-, Nächsten- und Feindesliebe
- Ausbreitung
- Mission unter Juden und Nichtjuden
- Verfolgung, Anerkennung und Staatsreligion
- Vielfalt
- frühe Konzilien und orientalisch-orthodoxe Kirchen
- Ost-West-Trennung
- Reformation und evangelische Kirchen
- Geschichte
- Verflechtung von Kirche und Herrschaft
- kulturelle und soziale Beiträge
- Konflikte, Ausgrenzung und Gewalt
- Ursprung
Das Christentum begann als jüdische Bewegung um Jesus und wurde durch Mission zu einer eigenständigen Religion. Seine Geschichte verlief nicht geradlinig: Verfolgung, staatliche Förderung, Lehrstreit, Kirchenspaltungen, politische Macht und gesellschaftlicher Wandel beeinflussten einander. Eine faire Beurteilung trennt Glaubensaussagen von historischen Befunden und vermeidet pauschale Urteile über alle Christen und Epochen.
Abschluss-Check
Prüfe dich zum Schluss: Kannst du den Weg jüdischer Ausgangspunkt → Glaube an Jesus als Christus → Mission → Gemeinden → eigenständige Religion erklären? Kannst du außerdem begründen, warum Glauben, Kirche, Staat und Gesellschaft zwar zusammenhängen, aber nicht dasselbe sind? Dann hast du die zentralen Zusammenhänge verstanden.
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