Judentum: Glaube, Geschichte und jüdisches Leben
Das Judentum ist eine alte monotheistische Religion: Im Mittelpunkt steht der Glaube an einen einzigen Gott. Zugleich bezeichnet Judentum eine Gemeinschaft, die durch Religion, Herkunft, Kultur, Tradition und eine lange gemeinsame Geschichte verbunden ist. Deshalb gibt es nicht die eine jüdische Lebensweise.
Auf dieser Seite lernst du, religiöse Überlieferungen von historisch datierten Ereignissen zu unterscheiden und wichtige Wendepunkte der jüdischen Geschichte zu erklären.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet „jüdisch“?
„Jüdisch“ kann mehrere miteinander verbundene Dinge meinen: eine Religion, die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, eine kulturelle Tradition, eine Familiengeschichte oder eine Lebensweise. Ein jüdischer Mensch kann sehr religiös, weniger religiös oder nicht religiös leben.
Nach traditionellem jüdischem Religionsrecht gilt als jüdisch, wer eine jüdische Mutter hat. Auch ein Übertritt, der Giur, ist möglich. Wie Zugehörigkeit genau bestimmt wird, ist innerhalb des Judentums jedoch nicht in jeder Strömung gleich beantwortet.
Jüdische Menschen bilden keine einheitliche Gruppe. Herkunft, Staatsangehörigkeit, religiöse Überzeugung und persönliche Lebensweise sind verschiedene Merkmale.
Lea feiert mit ihrer Familie jüdische Feste, bezeichnet sich aber als wenig religiös. David ist durch einen Giur zum Judentum übergetreten und hält viele religiöse Gebote ein. Beide können jüdisch sein, obwohl ihre Herkunft und ihr Alltag verschieden sind.
Wie prägen Glaube und Schriften das Leben?
Jüdinnen und Juden glauben an einen einzigen Gott als Schöpfer. Gott soll nicht bildlich dargestellt werden. Aus Ehrfurcht wird der Gottesname in religiöser Praxis nicht einfach ausgesprochen.
Eine zentrale Vorstellung ist der Bund: In der religiösen Überlieferung schließt Gott einen Bund mit Abraham und erneuert ihn durch Mose am Sinai. Der Bund verbindet eine Zusage Gottes mit der Verpflichtung, nach seinen Weisungen zu leben.
Tora, Tanach und Talmud
Die Tora umfasst die fünf Bücher Mose und bildet den ersten Teil des Tanach, der jüdischen Heiligen Schrift. Der Talmud sammelt rabbinische Diskussionen und Auslegungen zu religiösen Gesetzen und Lebensfragen. Tora und Tanach sind daher nicht dasselbe, und der Talmud ist keine Fortsetzung der biblischen Erzählung.
In der Synagoge versammelt sich eine Gemeinde zum Gebet, zum Lernen und zum Feiern. Rabbinerinnen und Rabbiner sind gelehrte Lehr- und Gemeindepersonen. Ihre Aufgabe entspricht nicht einfach der eines Priesters im christlichen Sinn.
Religiöse Gebote können viele Lebensbereiche betreffen:
- Der Schabbat dauert von Freitagabend bis Samstagabend und ist der wöchentliche Ruhetag.
- Koscher bedeutet „geeignet“ oder „zugelassen“ und bezeichnet unter anderem Speisen, die den jüdischen Speiseregeln entsprechen.
- Jom Kippur ist der Versöhnungstag. Reue und die Versöhnung mit anderen Menschen stehen im Mittelpunkt.
- Eine Kippa kann beim Gebet oder im Alltag Ehrfurcht vor Gott ausdrücken.
Nicht alle jüdischen Menschen befolgen diese Regeln auf dieselbe Weise. Orthodoxe, liberale beziehungsweise progressive und konservative Strömungen gewichten Tradition, Auslegung und Anpassung unterschiedlich.
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Die fünf Bücher Mose heißen . Die gesamte jüdische Heilige Schrift heißt . Rabbinische Auslegungen und Diskussionen finden sich im . Der wöchentliche Ruhetag heißt .
Wie beginnen Überlieferung und historische Rekonstruktion?
Die Anfänge des Judentums werden auf zwei Arten erzählt. Religiöse Überlieferungen erklären die Bedeutung von Abraham, Mose, Bund und Auszug aus Ägypten. Historische Forschung arbeitet dagegen mit datierbaren Texten, Inschriften, Bauwerken und archäologischen Funden.
Religiöse Überlieferung
Eine religiöse Überlieferung erzählt, wie eine Glaubensgemeinschaft ihre Beziehung zu Gott und ihre Herkunft versteht. Sie ist nicht automatisch dasselbe wie ein historisch unabhängig bestätigter Bericht.
In der jüdischen Überlieferung gilt Abraham als Stammvater. Mose führt die Israeliten aus Ägypten und empfängt am Sinai Gottes Weisung. Diese Erzählungen begründen religiös den Bund und die Bedeutung der Tora.
Eine ägyptische Quelle nennt um 1200 v. Chr. eine Gruppe namens Israel. Um 1000 v. Chr. entstand ein Königreich. David machte Jerusalem zum politischen Zentrum; seinem Sohn Salomo wird der Bau des Ersten Tempels zugeschrieben. Nach Salomos Tod zerfiel das Reich in Israel im Norden und Juda im Süden.
Die Aussage „Gott erneuerte am Sinai den Bund durch Mose“ gehört zur religiösen Überlieferung. Die Aussage „Eine ägyptische Quelle nennt um 1200 v. Chr. Israel“ bezieht sich dagegen auf ein datierbares historisches Zeugnis. Beide Aussagen beantworten unterschiedliche Fragen.
Warum wurden Exil und Tempelzerstörung zu Wendepunkten?
587 v. Chr. eroberte der babylonische König Nebukadnezar Juda, zerstörte den Ersten Tempel und ließ Teile der Bevölkerung nach Babylon bringen. Diese erzwungene Fremde heißt Babylonisches Exil.
Im Exil gewann die Tora als gemeinsamer Bezugspunkt an Bedeutung. Nach der persischen Eroberung Babylons 539 v. Chr. durften Menschen zurückkehren. Ein Teil blieb in Babylon. Um 500 v. Chr. entstand in Jerusalem der Zweite Tempel.
70 n. Chr. zerstörten römische Truppen den Zweiten Tempel. Nach einem weiteren Aufstand und dem Verlust des territorialen Zentrums 135 n. Chr. lebten noch mehr jüdische Menschen als Minderheiten außerhalb Judäas.
Diaspora
Diaspora bedeutet „Zerstreuung“ und bezeichnet jüdisches Leben außerhalb des Landes Israel. Jüdische Gemeinden außerhalb Judäas bestanden bereits vor der römischen Tempelzerstörung; 70 und 135 n. Chr. verstärkten diese Entwicklung.
Ohne Tempel wurden Tora, Gebet, Synagoge und Auslegung noch wichtiger. Um 200 n. Chr. entstand die Mischna, eine Sammlung religiöser Gesetzeslehren. Auf ihr beruhen später der palästinensische und der babylonische Talmud. Rabbinen übernahmen als Schriftgelehrte eine zentrale Rolle.
- um 1200 v. Chr.Eine ägyptische Quelle nennt Israel
- um 1000 v. Chr.Entstehung eines Königreichs
- 587 v. Chr.Zerstörung des Ersten Tempels und Babylonisches Exil
- 539 v. Chr.Rückkehr wird unter persischer Herrschaft möglich
- um 500 v. Chr.Bau des Zweiten Tempels
- 70 n. Chr.Römische Zerstörung des Zweiten Tempels
- 135 n. Chr.Weiterer Verlust des territorialen Zentrums
- um 200 n. Chr.Entstehung der Mischna
Wie lebten jüdische Gemeinden in Antike und Frühmittelalter?
Die Diaspora war kein einzelner Ort. Jüdische Gemeinden entstanden in unterschiedlichen politischen und sprachlichen Umgebungen. In Alexandria wurde Griechisch gesprochen; bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. lag mit der Septuaginta eine griechische Übersetzung der jüdischen Heiligen Schrift vor.
Für Köln belegen kaiserliche Erlasse aus den Jahren 321 und 331 n. Chr. jüdische Bürger und religiöse Amtsträger. Aus solchen Dokumenten lässt sich auf eine organisierte Gemeinde schließen. Ihre genaue Größe nennen die Erlasse jedoch nicht.
Im frühen Frankenreich waren jüdische Händler in weiträumige Handelsbeziehungen eingebunden. Zugleich schränkten kirchliche und weltliche Regeln das Zusammenleben ein. Sie konnten gemeinsame Mahlzeiten, öffentliche Ämter oder den Besitz christlicher Sklaven verbieten. Im 7. Jahrhundert sind auch Zwangstaufen, Verfolgungen und Vertreibungen belegt.
Schutz und Ausgrenzung konnten gleichzeitig bestehen. Eine Obrigkeit konnte den Gottesdienst oder eine Synagoge schützen und jüdische Menschen dennoch von Ämtern oder Rechten ausschließen. Historische Verhältnisse waren daher widersprüchlich.
Wie hängen Vielfalt, Verfolgung und Gegenwart zusammen?
Jüdische Gemeinden entwickelten in verschiedenen Ländern unterschiedliche Sprachen, Bräuche und religiöse Auslegungen. Seit der Aufklärung traten Unterschiede zwischen orthodoxen, liberalen beziehungsweise progressiven und konservativen Richtungen deutlicher hervor. Diese Bezeichnungen erklären einen Teil der Vielfalt, aber nicht jede persönliche Lebensweise.
Judenfeindschaft hat eine lange Geschichte. Religiös begründete Feindschaft gegen das Judentum wird häufig Antijudaismus genannt. Der moderne Antisemitismus entwickelte sich besonders im 19. Jahrhundert und richtet sich gegen jüdische Menschen, denen pauschal erfundene, abwertende Eigenschaften zugeschrieben werden.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Jüdinnen und Juden entrechtet, verfolgt, deportiert und systematisch ermordet. Etwa sechs Millionen jüdische Menschen wurden im Holocaust, auch Shoah genannt, getötet. Antisemitismus besteht weiterhin und muss als Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit erkannt werden.
1948 wurde der Staat Israel gegründet. Israel ist ein Staat; Judentum bezeichnet eine Religion und eine vielfältige Gemeinschaft. Deshalb dürfen jüdische Menschen weltweit nicht mit der israelischen Regierung gleichgesetzt oder für deren Entscheidungen verantwortlich gemacht werden.
Kritik an einer konkreten politischen Entscheidung ist etwas anderes als die Abwertung jüdischer Menschen. Antisemitisch wird eine Aussage unter anderem dann, wenn sie allen Jüdinnen und Juden gemeinsame Schuld, geheime Macht oder minderwertige Eigenschaften zuschreibt.
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Alles auf einen Blick
- Judentum
- Glaube an einen Gott und Vorstellung des Bundes
- Tora, Tanach und Talmud als zentrale Bezugspunkte
- Synagoge, Schabbat und Gebote im religiösen Leben
- Religion, Herkunft, Kultur und Tradition als Formen der Zugehörigkeit
- Abraham und Mose in der religiösen Überlieferung
- Königreiche, Tempel, Exil und römische Herrschaft in der Geschichte
- Diaspora mit vielfältigen Gemeinden und Sprachen
- Rabbinische Lehre nach der Tempelzerstörung
- Antijudaismus, Antisemitismus und nationalsozialistische Verfolgung
- Vielfältiges jüdisches Leben in der Gegenwart
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du Judentum zugleich als Religion und vielfältige Gemeinschaft beschreiben, religiöse Überlieferung von historischen Belegen unterscheiden und die Bedeutung von Exil, Diaspora, Schrift und Synagoge erklären kannst.
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