Richtig zitieren in Geschichte: Regeln und Beispiele
Beim Zitieren machst du sichtbar, welche Gedanken und Informationen von anderen stammen und wo sie überprüft werden können. Das gilt für wörtliche Zitate ebenso wie für Paraphrasen in eigenen Worten.
Die wichtigste Grundregel lautet: Prüfe zuerst die Vorgaben deiner Lehrkraft, deines Fachbereichs oder der Publikation. Wähle dann ein passendes Zitierverfahren und wende es durchgehend einheitlich an.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Zuerst den Zitierstil klären
In der Geschichtswissenschaft gibt es nicht für jede Situation nur eine zulässige Form. Verbreitet sind vor allem ein Fußnotensystem und eine Autor-Jahr-Zitation in Klammern. Fachgebiete wie die Alte Geschichte verwenden teilweise eigene Kurzbelege.
Vorgabe vor Gewohnheit: Die Regeln deiner Lehrkraft, deines Fachgebiets oder des Publikationsorgans haben Vorrang. Innerhalb der Arbeit musst du gleichartige Fälle gleich behandeln.
Unabhängig vom gewählten Stil gelten drei Grundprinzipien:
- Nachprüfbarkeit: Eine andere Person kann das verwendete Werk und die konkrete Fundstelle finden.
- Vollständigkeit: Alle zur Identifikation nötigen Angaben sind vorhanden.
- Einheitlichkeit: Namen, Reihen, Seitenangaben und Kurzbelege folgen immer demselben Muster.
Zitiere die Ausgabe, die du tatsächlich benutzt hast. Übernimm Katalogangaben nicht ungeprüft, denn auch sie können Fehler enthalten.
Direkte Zitate wortgetreu übernehmen
Ein direktes Zitat übernimmt den Wortlaut einer Vorlage genau. Es steht gewöhnlich in doppelten Anführungszeichen und erhält einen Beleg mit genauer Fundstelle.
Direktes Zitat
Eine wortgetreue Übernahme aus einer Quelle oder Darstellung. Rechtschreibung, Formulierungen und besondere Schreibweisen des Originals bleiben erhalten.
Ein Zitat innerhalb eines Zitats steht in einfachen Anführungszeichen:
„Zitate können die eigene Position ‚absichern‘.“
Eingriffe musst du sichtbar machen:
[…]kennzeichnet eine Auslassung. Sie darf den Sinn nicht verändern.[Wort]kennzeichnet eine eigene Ergänzung oder grammatische Anpassung.[sic!]weist auf einen auffälligen Fehler im Original hin.- Eigene Hervorhebungen oder Übersetzungen müssen als solche gekennzeichnet werden.
Ausgangsformulierung:
„Zitate und Paraphrasen können die eigene Position absichern.“
Gekürztes Zitat:
„Zitate […] können die eigene Position absichern.“
Die ausgelassenen Wörter sind markiert. Entscheidend ist, dass der gekürzte Ausschnitt weiterhin denselben Sinn wie die Vorlage trägt.
Längere Zitate von ungefähr drei Zeilen an werden häufig als eigener eingerückter Absatz gesetzt. Ob dabei die Anführungszeichen entfallen, hängt von den geltenden Vorgaben ab.
Wörtlich solltest du vor allem dann zitieren, wenn der genaue Wortlaut wichtig ist: etwa bei einer prägnanten These, einem historischen Begriff oder einer Formulierung, die du anschließend analysierst. Für bloße Sachinformationen ist meist eine Paraphrase geeigneter.
Paraphrasen eigenständig formulieren
Eine Paraphrase gibt einen fremden Gedanken in eigenen Worten wieder. Sie steht nicht in Anführungszeichen, braucht aber trotzdem einen Beleg.
Paraphrase
Eine sinngemäße, eigenständig formulierte Wiedergabe eines fremden Gedankens. Sie unterscheidet sich sprachlich von der Vorlage, ohne deren Aussage zu verfälschen.
In vielen Fußnotensystemen beginnt der Beleg einer Paraphrase mit Vgl.. Bei direkten Zitaten steht dieses Signal gewöhnlich nicht. Prüfe auch hier, ob deine Fachvorgabe davon abweicht.
Vorlage:
„Zitate und Paraphrasen können die eigene Position absichern.“
Mögliche Paraphrase:
Zitate und sinngemäße Übernahmen können die eigene Argumentation durch den Bezug auf fremde Erkenntnisse stützen.
Die Formulierung wurde eigenständig aufgebaut. Der Gedanke bleibt jedoch fremd und benötigt deshalb einen Beleg.
Wenn du eine umstrittene Position klar einer Person zuordnen möchtest, kannst du die Autorschaft sprachlich hervorheben, zum Beispiel:
Die Autorin vertritt die These, dass …Nach Ansicht des Autors beruhe …Der Verfasser stellt heraus, dass …
Der Konjunktiv I kann die Distanz zu einer fremden Position verdeutlichen. Bei unstrittigen Daten oder bei Gedanken, die du ausdrücklich in die eigene Argumentation übernimmst, kann der Indikativ passen. Entscheidend ist, dass erkennbar bleibt, wem eine Behauptung zuzurechnen ist.
Eigene Wörter machen einen fremden Gedanken nicht zu deinem Eigentum. Auch eine Paraphrase braucht einen nachvollziehbaren Beleg.
Fußnoten eindeutig zuordnen
Fußnoten zeigen, woher eine Aussage stammt. Sie können außerdem kurze Erläuterungen enthalten, die den Gedankengang im Haupttext unterbrechen würden.
Die Fußnotenzahl steht unmittelbar bei dem Teil, den sie belegt:
- Bezieht sich der Nachweis auf den ganzen Satz, steht die Zahl gewöhnlich nach dem Satzzeichen.
- Bezieht er sich nur auf ein Wort, einen Satzteil oder ein eingefügtes Zitat, steht er unmittelbar danach.
- Jede Fußnote beginnt als eigener Satz und endet mit einem Satzzeichen.
Bei der ersten Nennung eines Werks steht gewöhnlich ein vollständiger Nachweis samt konkret verwendeter Seite. Spätere Nennungen werden nach einem stabilen System verkürzt.
Erstbeleg einer Monografie:
Tony Judt: Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart, München 2006, S. 35.
Späterer Kurzbeleg:
Judt, Geschichte Europas, S. 52.
Der Kurzbeleg enthält genug Informationen, um das Werk dem vollständigen Eintrag eindeutig zuzuordnen.
Für unmittelbar aufeinanderfolgende Verweise auf dasselbe Werk ist je nach Vorgabe Ebd. oder Ebda. möglich. Bei anderer Seite folgt die neue Seitenangabe. Verwende diese Abkürzung nicht, wenn der Bezug mehrdeutig wäre, etwa weil die vorherige Fußnote mehrere Werke nennt.
Gib Seiten möglichst genau an: S. 13–17 benennt den Umfang eindeutig. S. 18 f. kann nach manchen Regeln die Seiten 18 und 19 bezeichnen; andere Leitfäden verlangen auch hier die genaue Spanne. ff. solltest du vermeiden, weil das Ende offenbleibt.
Literatur und Quellen vollständig nachweisen
Ein Literaturverzeichnis enthält alle und nur die tatsächlich verwendeten und zitierten Darstellungen. Eine weiter gefasste Bibliografie kann dagegen auch Literatur erfassen, die für ein Thema relevant ist, aber nicht zitiert wurde.
In geschichtswissenschaftlichen Arbeiten werden häufig Quellen und Darstellungen getrennt. Quellen sind Überlieferungen, die als Material der historischen Untersuchung dienen. Darstellungen sind wissenschaftliche Untersuchungen und Deutungen.
Fußnoten und Verzeichnis müssen zusammenpassen: Was du zitierst, muss auffindbar sein; was als verwendete Literatur aufgeführt wird, muss tatsächlich benutzt worden sein.
Häufige Grundmuster sind:
- Monografie:
Nachname, Vorname: Titel. Untertitel, Ort Jahr. - Sammelbandbeitrag:
Nachname, Vorname: Beitragstitel, in: Herausgeber (Hrsg.): Bandtitel, Ort Jahr, S. Anfang–Ende. - Zeitschriftenaufsatz:
Nachname, Vorname: Titel, in: Zeitschrift Band (Jahr) Heft, S. Anfang–Ende. - Internetbeitrag: Verfasser, Titel, Publikationszusammenhang, Datum, Adresse und eigener letzter Zugriff.
Monografie:
Judt, Tony: Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart, München 2006.
Sammelbandbeitrag:
Siemann, Wolfram: Die deutsche Revolution von 1848/49, in: Wehler, Hans-Ulrich (Hrsg.): Scheidewege der deutschen Geschichte, München 1995, S. 91–102.
Beim Beitrag muss der vollständige Seitenumfang genannt werden. In der Fußnote kommt zusätzlich die konkret verwendete Seite hinzu.
Die Einträge werden gewöhnlich alphabetisch nach Nachnamen geordnet und enden mit einem Punkt. Monografien stehen im Verzeichnis ohne benutzte Einzelseiten; Beiträge in Zeitschriften oder Sammelbänden erhalten ihren vollständigen Seitenumfang.
Einzelheiten unterscheiden sich: Manche Regeln nennen im Literaturverzeichnis alle beteiligten Personen, andere kürzen lange Namenslisten ab. Auch Zeichensetzung, Reihenangaben und die Form von Herausgeberkürzeln variieren. Entscheidend bleibt die geltende Vorgabe.
Besondere historische Materialien belegen
Nicht jede historische Quelle wird wie ein Buch zitiert. Der Beleg muss zu der Art des Materials passen und eine möglichst genaue Fundstelle liefern.
Archivquellen
Ein Archivbeleg führt vom Allgemeinen zum Besonderen:
Archiv → Bestand → Karton oder Signatur → Dokument → Datum → Seite oder Blatt
Bundesarchiv Berlin (BArch), R 57/6105, Schwäbisch-deutscher Kulturbund, Ortsgruppe Maribor, Bericht Nr. 3 über das Vereinsjahr 1933/34, Juni 1934.
Bei der ersten Nennung wird der Archivname ausgeschrieben und eine spätere Abkürzung eingeführt. Zusätzlich können Hausregeln des Archivs gelten.
Digitale Materialien
Bei digital abgerufenem Material gehören neben den üblichen Angaben die Fundadresse oder DOI und das Datum deines letzten Zugriffs in den Beleg. Prüfe, ob Autor, Datum, Version und Vollständigkeit erkennbar sind. Eine automatisch erzeugte Angabe solltest du mit dem tatsächlich sichtbaren Material abgleichen.
Bilder, Filme und Interviews
- Bildquelle: Urheber, Titel oder Beschreibung, Medientyp, Entstehungsort und -zeit sowie Überlieferungsort oder Signatur.
- Film: Regie oder produzierende Institution, Titel und Erscheinungsangaben; für eine bestimmte Szene tritt eine Zeitmarke an die Stelle der Seitenzahl.
- Interview: interviewte Person, Ort und Datum; bei fremden Interviews zusätzlich interviewende Person sowie Archiv oder Sammlung.
Antike Quellen
Für antike Texte gelten besondere Fachkonventionen. Ein Kurzbeleg nennt häufig den abgekürzten Autor, gegebenenfalls das Werk sowie Buch, Kapitel und Paragraph oder Vers, zum Beispiel Liv. 2,1,1 oder Verg. Aen. 4,126. Die tatsächlich benutzte Edition und Übersetzung wird vollständig im Quellenverzeichnis nachgewiesen.
Die Form des Belegs folgt dem Material: Bei einem Buch hilft die Seite, bei einem Archivstück die Signatur, bei einem Film die Zeitmarke und bei einem antiken Werk die normierte Stellenangabe.
Mit einem Prüfablauf Fehler vermeiden
Bevor du eine Arbeit abgibst, kannst du jeden Beleg mit demselben Ablauf kontrollieren:
- Urheberschaft prüfen: Ist klar, welche Aussage von dir und welche von anderen stammt?
- Übernahme bestimmen: Ist es ein direktes Zitat oder eine Paraphrase?
- Fundstelle sichern: Sind Seite, Signatur, Vers, Zeitmarke oder Zugriffsdatum so genau wie möglich angegeben?
- Erst- oder Folgebeleg wählen: Brauchst du den Vollbeleg oder den vereinbarten Kurzbeleg?
- Eindeutigkeit prüfen: Steht die Fußnotenzahl genau bei der belegten Aussage?
- Verzeichnis abgleichen: Ist das verwendete Werk dort vollständig und in passender Form enthalten?
- Einheitlichkeit prüfen: Stimmen Zeichensetzung, Namensform, Abkürzungen und Seitenformat mit den übrigen Belegen überein?
Typische Fehler sind:
- eine Paraphrase ohne Beleg;
- eine sinnverändernde Auslassung;
- ein direktes Zitat ohne genaue Fundstelle;
- ein mehrdeutiges
Ebd.; - unbestimmte Seitenangaben wie
ff.; - ein bloßer Verweis auf einen Sammelband statt auf den tatsächlich verwendeten Beitrag;
- eine Mischung verschiedener Zitierstile;
- ungeprüft übernommene Katalog- oder Softwareangaben.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Zitieren in Geschichte
- Vorgaben klären: Fachregel und Zitierstil festlegen
- Fremdes kennzeichnen: direkt zitieren oder paraphrasieren
- Fundstelle präzisieren: Seite, Signatur, Vers oder Zeitmarke
- Belege ordnen: Erstbeleg, Kurzbeleg und eindeutiges Ebd.
- Verzeichnis abgleichen: verwendete Quellen und Darstellungen vollständig erfassen
- Qualität sichern: Nachprüfbarkeit, Vollständigkeit und Einheitlichkeit prüfen
Abschluss-Check
Prüfe zum Schluss drei Fragen: Ist jeder fremde Gedanke gekennzeichnet? Führt jeder Beleg eindeutig zur verwendeten Stelle? Ist das gewählte System in der gesamten Arbeit einheitlich? Wenn du dreimal mit Ja antworten kannst, ist dein Zitierapparat nachvollziehbar aufgebaut.
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