Facharbeit Geschichte: Thema, Frage und Aufbau
In einer Geschichtsfacharbeit untersuchst du eine präzise historische Frage selbstständig und wissenschaftlich. Du sammelst also nicht nur Fakten: Du wertest Quellen und Fachliteratur aus, entwickelst eine begründete Argumentation und beantwortest am Ende deine Forschungsfrage.
Auf dieser Seite lernst du, ein machbares Thema auszuwählen, es einzugrenzen und daraus den roten Faden für deine Arbeit zu entwickeln.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vom Themenfeld zum machbaren Thema
„Die Weimarer Republik“, „die Französische Revolution“ oder „der Kalte Krieg“ sind noch keine geeigneten Themen für eine Facharbeit. Sie bezeichnen große Themenfelder, die für ungefähr 10 bis 12 Seiten meist zu breit sind.
Ein machbares Thema verbindet dein Interesse mit klaren Grenzen. Prüfe dazu:
- Welche Zeit untersuchst du?
- Auf welchen Raum beziehst du dich?
- Welche Personen, Gruppen oder Institutionen stehen im Mittelpunkt?
- Untersuchst du Ursachen, Folgen, Wandel, Einfluss oder einen Vergleich?
- Gibt es genügend historische Quellen und Fachliteratur?
- Passt das Vorhaben zu deinem Zeit- und Seitenrahmen?
Eingrenzung
Eingrenzen bedeutet, aus einem großen Themenfeld einen klar begrenzten Untersuchungsgegenstand zu machen. Dafür legst du beispielsweise Zeitraum, Raum, Personengruppe und Untersuchungsaspekt fest.
Themenfeld: Französische Revolution
Erste Eingrenzung: Frauen in der Französischen Revolution
Genauer Untersuchungsgegenstand: Die politische Beteiligung von Frauen während der Französischen Revolution in einem festgelegten Zeitraum
Jeder Schritt verkleinert den Gegenstand. Dadurch kannst du gezielter recherchieren und genauer argumentieren.
Ein bekanntes Ereignis ist ein Ausgangspunkt, aber noch keine fertige Facharbeitsfrage. Je klarer du Zeit, Raum, Akteure und Untersuchungsaspekt begrenzt, desto besser lässt sich das Vorhaben bearbeiten.
Die Forschungsfrage gibt die Richtung vor
Die Forschungsfrage ist die zentrale Frage deiner Facharbeit. Sie entscheidet, welches Material wichtig ist, wie du deinen Hauptteil gliederst und was du im Fazit beantworten musst.
Eine geeignete Forschungsfrage ist:
- konkret und verständlich formuliert;
- weder zu breit noch unnötig eng;
- mit den verfügbaren Quellen und der Fachliteratur beantwortbar;
- auf Analyse statt bloße Wiedergabe gerichtet;
- offen genug für eine begründete und differenzierte Antwort.
Fragen nach Ursachen, Folgen, Rollen, Veränderungen oder Vergleichen eignen sich häufig. Ob eine Frage wirklich trägt, hängt jedoch immer von Umfang und Materiallage ab.
Zu breit: Die Weimarer Republik
Als Forschungsfrage besser: Welche Faktoren führten zum Scheitern der Weimarer Republik?
Die zweite Formulierung verlangt mehr als eine chronologische Inhaltsangabe. Du musst mögliche Faktoren untersuchen, gewichten und zu einer begründeten Antwort verbinden.
Eine andere mögliche Frage lautet: „Wie beeinflusste der Kalte Krieg die Wirtschaft in Westeuropa?“ Sie begrenzt das historische Phänomen, den Wirkungsbereich und den geografischen Raum. Vor der endgültigen Wahl müsstest du zusätzlich prüfen, ob Zeitraum und Materialmenge zum Umfang deiner Arbeit passen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Aus einem breiten entsteht durch klare Grenzen ein bearbeitbarer . Die zentrale Frage der Arbeit heißt . Sie muss mit dem verfügbaren beantwortbar sein.
Quellen und Fachliteratur gezielt recherchieren
Nach der ersten Fragestellung suchst du Material. Historische Quellen sind Zeugnisse, die du für deine Untersuchung auswertest. Fachliteratur hilft dir, Forschungsergebnisse, Erklärungen und unterschiedliche Einordnungen kennenzulernen.
Gehe in drei Schritten vor:
- Leite Suchbegriffe aus Thema und Forschungsfrage ab.
- Beschaffe passende Bücher, Artikel und historische Quellen.
- Prüfe fortlaufend, ob das Material wirklich zur Beantwortung deiner Frage beiträgt.
Notiere die Angaben zu jedem verwendeten Werk und jeder Quelle von Anfang an vollständig. So kannst du Belege später nachvollziehbar zuordnen und dein Literaturverzeichnis erstellen.
Eine lange Trefferliste beweist noch nicht, dass dein Thema tragfähig ist. Allgemeine Themenvorschläge liefern meist weder ein fertiges Quellenkorpus noch eine ausgearbeitete Methode. Prüfe die Durchführbarkeit deshalb selbst und stimme das Vorhaben frühzeitig mit deiner Lehrkraft ab.
Konkrete Zitierweise, Layoutvorgaben und Bewertungskriterien können von der Schule abhängen. Kläre diese Vorgaben vor dem Schreiben und wende das festgelegte Verfahren anschließend einheitlich an.
Die Arbeit entlang der Leitfrage aufbauen
Der Aufbau macht deinen Gedankengang nachvollziehbar. Üblicherweise gehören Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Einleitung, Hauptteil, Fazit und Literaturverzeichnis zur Facharbeit. Ein Anhang kann bei Bedarf Abbildungen oder Tabellen aufnehmen.
Einleitung
Die Einleitung führt in das Thema ein, erklärt dessen Relevanz und nennt die Forschungsfrage. Sie macht deutlich, was du untersuchen willst.
Hauptteil
Im Hauptteil wertest du Quellen und Fachliteratur aus. Du ordnest die Ergebnisse so, dass sich eine nachvollziehbare Argumentation entlang der Forschungsfrage entwickelt.
Fazit
Das Fazit bündelt die Ergebnisse und beantwortet die Forschungsfrage. Es eröffnet nicht einfach ein neues Hauptthema, sondern führt die vorherige Untersuchung zusammen.
Angenommen, du untersuchst Faktoren für das Scheitern der Weimarer Republik.
- In der Einleitung grenzt du Zeitraum und Frage ein.
- Im Hauptteil untersuchst du ausgewählte Faktoren anhand deines Materials.
- Du erklärst, wie die Belege deine Aussagen stützen, und vergleichst die Bedeutung der Faktoren.
- Im Fazit beantwortest du die Frage, indem du die Ergebnisse bündelst und begründet gewichtest.
Der entscheidende Gedanke lautet: Die Gliederung folgt nicht einfach der Reihenfolge deiner Fundstücke. Sie folgt der Forschungsfrage.
Historisch argumentieren statt Fakten aufzuzählen
Eine Facharbeit ist keine bloße Sammlung historischer Informationen. Eine überzeugende Argumentation verbindet vier Schritte:
- Du formulierst eine Aussage, die für die Forschungsfrage wichtig ist.
- Du führst einen passenden Beleg aus deinem Material an.
- Du erklärst, was der Beleg für deine Aussage zeigt.
- Du verbindest das Teilergebnis mit deiner Forschungsfrage.
Argumentation
Eine Argumentation ist eine nachvollziehbare Folge aus Aussagen, Belegen und Erklärungen. Sie zeigt nicht nur, was du herausgefunden hast, sondern auch, warum daraus eine bestimmte Antwort auf deine Forschungsfrage folgt.
Schwache Form: Mehrere Ereignisse und Jahreszahlen werden nacheinander genannt.
Stärkere Form: Ein untersuchter Faktor wird benannt, mit Material belegt und in seiner Bedeutung für die Forschungsfrage erklärt. Anschließend wird er mit weiteren Faktoren verglichen.
Die zweite Form ist überzeugender, weil zwischen Information und Schlussfolgerung ein sichtbarer Erklärungsschritt steht.
Ein Beleg spricht nicht von selbst. Erkläre immer, wie er deine Aussage stützt und welchen Beitrag er zur Beantwortung der Forschungsfrage leistet.
Den Arbeitsprozess sinnvoll planen
Eine Facharbeit entsteht in mehreren aufeinander bezogenen Schritten:
- Wähle ein Interessengebiet.
- Prüfe Umfang, Zeit und Materiallage.
- Grenze den Untersuchungsgegenstand ein.
- Formuliere eine beantwortbare Forschungsfrage.
- Recherchiere Quellen und Fachliteratur.
- Ordne das Material in einer vorläufigen Gliederung.
- Schreibe Einleitung, analytischen Hauptteil und Fazit entlang der Frage.
- Belege übernommene Informationen nach den geltenden Vorgaben.
- Überarbeite Inhalt, Sprache und Form.
Diese Schritte beeinflussen sich gegenseitig. Zeigt die Recherche beispielsweise, dass wichtiges Material fehlt, musst du möglicherweise die Forschungsfrage oder Eingrenzung anpassen.
Plane am Ende genügend Zeit für die Überarbeitung ein. Prüfe besonders:
- Beantwortet jeder Hauptabschnitt einen Teil der Forschungsfrage?
- Sind Aussagen, Belege und Erklärungen nachvollziehbar verbunden?
- Beantwortet das Fazit tatsächlich die Ausgangsfrage?
- Sind Zitate und Literaturverzeichnis vollständig?
- Sind Rechtschreibung und Formulierungen verständlich?
- Entsprechen Layout, Seitenzahlen und Zeilenabstand den Vorgaben deiner Schule?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Facharbeit Geschichte
- Thema auswählen und Machbarkeit prüfen
- Gegenstand nach Zeit, Raum, Akteuren und Aspekt eingrenzen
- beantwortbare Forschungsfrage formulieren
- Quellen und Fachliteratur gezielt auswählen
- Hauptteil als Argumentation aus Aussage, Beleg und Erklärung entwickeln
- Fazit als Antwort auf die Forschungsfrage schreiben
- Inhalt, Belege, Sprache und Form überarbeiten
Abschluss-Check
Prüfe zum Schluss deinen gesamten Plan in einem Satz: Passen Thema, Eingrenzung, Forschungsfrage, Material, Gliederung und verfügbare Zeit wirklich zusammen? Wenn du diese Frage begründet bejahen kannst, besitzt deine Facharbeit eine tragfähige Grundlage.
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