Informatik

DNS einfach erklärt: Auflösung, Cache und Sicherheit

DNS einfach erklärt: Auflösung, Cache und Sicherheit
DNS einfach erklärt: Auflösung, Cache und Sicherheit
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Das Domain Name System (DNS) übersetzt Namen wie lernportal.example.org in technische Angaben, zum Beispiel eine IP-Adresse. Dadurch musst du dir keine Zahlenfolgen merken. DNS stellt aber nur die Information für den nächsten Schritt bereit: Die Verbindung zur Website beginnt erst nach der Namensauflösung.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wer beantwortet eine DNS-Anfrage?

Stell dir vor, du gibst lernportal.example.org in den Browser ein. Dein Gerät kennt die passende IP-Adresse noch nicht. Es übergibt die Frage normalerweise an einen vorkonfigurierten rekursiven Resolver. Das ist ein DNS-Dienst, der im Auftrag deines Geräts eine abschließende Antwort beschafft.

Definition

DNS

DNS ist ein hierarchisches, verteiltes System für Namen und zugehörige Datensätze. Es kann einen Namen einer IPv4- oder IPv6-Adresse zuordnen, speichert aber auch Angaben zu Mailservern, Nameservern und weiteren Diensten.

Bei einer vollständig ungecachten Suche arbeiten mehrere Rollen zusammen:

  1. Der Stub-Resolver auf deinem Gerät sendet die Frage an einen rekursiven Resolver.
  2. Ein Root-Nameserver verweist den Resolver auf die zuständige Top-Level-Domain, hier .org.
  3. Ein TLD-Nameserver für .org verweist auf die autoritativen Nameserver von example.org.
  4. Ein autorativer Nameserver liefert den maßgeblichen Datensatz für die Zone, zum Beispiel einen A- oder AAAA-Record.
  5. Der rekursive Resolver gibt die Antwort an dein Gerät zurück. Erst jetzt kann der Browser eine Verbindung zur Zieladresse aufbauen.

Ein Verweis enthält NS-Einträge und bei Bedarf zusätzliche A- oder AAAA-Adressen der genannten Nameserver. Diese zusätzlichen Adressen heißen Glue Records. Ohne sie müsste der Resolver unter Umständen erst den Namen des nächsten Nameservers auflösen.

Beispiel

Eine fiktive Antwort lautet lernportal.example.org. 3600 IN A 192.0.2.42.

  • lernportal.example.org. ist der vollständige Name.
  • 3600 ist die TTL in Sekunden.
  • IN bezeichnet die Internet-Klasse.
  • A steht für eine IPv4-Adresse.
  • 192.0.2.42 ist hier eine Beispieladresse.

Der Punkt am Ende kennzeichnet formal die Wurzel des DNS-Namensraums. In Browsern wird er meist weggelassen.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Dienst liefert die maßgeblichen Daten für seine eigene Zone?
Lösung: Der autoritative Nameserver — Autoritative Nameserver verwalten die verbindlichen Datensätze ihrer Zone. Resolver und Caches können Kopien davon liefern.
Frage 2 von 2MittelWas geschieht direkt nach einer erfolgreichen DNS-Auflösung eines Webnamens?
Lösung: Der Browser kann eine Verbindung zur ermittelten Zieladresse aufbauen. — DNS liefert einen passenden Datensatz. Der eigentliche Webabruf folgt anschließend mit anderen Protokollen.
Rekursiv und iterativ richtig unterscheiden

Die Wörter rekursiv und iterativ beschreiben nicht zwei konkurrierende Wege für denselben Teilnehmer. Eine typische Auflösung verbindet beide Formen.

  • Rekursive Anfrage: Dein Gerät verlangt vom rekursiven Resolver eine abschließende Antwort oder eine Fehlermeldung. Es verfolgt die DNS-Hierarchie nicht selbst.
  • Iterative Anfrage: Der Resolver fragt andere Nameserver nacheinander. Ein Server antwortet mit den besten Informationen, die er hat: dem Datensatz, einem Fehler oder einem Verweis auf einen näher zuständigen Server.
  • Nichtrekursive Anfrage: Ein Server kann sofort antworten, weil er selbst autoritativ ist oder einen noch gültigen Cacheeintrag besitzt.
Merke

Der Client fragt meist rekursiv beim Resolver. Der Resolver verfolgt iterativ die Verweise von Root, TLD und autoritativem Nameserver – sofern sein Cache die Antwort nicht schon enthält.

Ein Verweis bedeutet nicht, dass der Root- oder TLD-Server die Anfrage heimlich weiterleitet. Er nennt dem Resolver die nächste zuständige Stelle. Der Resolver stellt dann selbst die nächste Anfrage.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Resolver hat keinen passenden Cacheeintrag. Der .org-Server nennt ihm die Nameserver für example.org. Was liegt vor?
Lösung: Eine iterative Antwort mit einem Verweis — Der TLD-Server verweist auf die autoritativen Nameserver. Der Resolver setzt die Suche selbst fort.
Frage 2 von 2SchwerEin Schulrechner sendet eine rekursive Anfrage an seinen Resolver. Muss der Resolver deshalb immer Root, TLD und autoritativen Server befragen?
Lösung: Nein, ein gültiger Cacheeintrag kann für die Antwort genügen. — Der Resolver darf eine noch gültige gespeicherte Antwort verwenden. Erst ohne passenden Cacheeintrag verfolgt er weitere Verweise.
Wie der DNS-Cache Zeit spart

Ein DNS-Cache speichert Datensätze vorübergehend. Das beschleunigt wiederholte Anfragen und entlastet Nameserver und Netzverbindungen. Die TTL (Time to Live) gibt in Sekunden an, wie lange ein Datensatz höchstens im Cache bleiben darf.

Beispiel

Ein A-Record hat eine TTL von 3600 Sekunden. Ein Resolver speichert ihn um 10:00 Uhr.

  • Um 10:20 Uhr darf er die gespeicherte Antwort noch verwenden.
  • Spätestens um 11:00 Uhr ist diese Cachekopie abgelaufen und muss für eine neue Anfrage erneuert werden.

Ändert die zuständige Stelle den Record schon um 10:10 Uhr, kann der Resolver bis zum Ablauf seiner Kopie noch die alte Adresse liefern.

Auch negative Antworten können gespeichert werden. NXDOMAIN bedeutet, dass der angefragte Name nicht existiert. NODATA bedeutet, dass der Name existiert, aber keinen Datensatz des gefragten Typs besitzt. Die Dauer negativer Cacheeinträge wird mit Angaben aus dem SOA-Record der Zone begrenzt.

Die TTL erzeugt einen Zielkonflikt:

TTLVorteilNachteil
eher langweniger Anfragen, viele schnelle CachetrefferÄnderungen werden in manchen Caches erst später sichtbar
eher kurzÄnderungen werden nach Ablauf schneller neu abgefragtmehr DNS-Anfragen und weniger Cachetreffer
Merke

Eine DNS-Änderung wird nicht gleichzeitig an jeden Cache „geschoben“. Jeder Cache verwirft seine Kopie nach deren eigener Restlaufzeit.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelEin Resolver hat einen Record mit 600 Sekunden TTL gespeichert. Nach 700 Sekunden kommt dieselbe Frage. Was muss er tun?
Lösung: Den abgelaufenen Cacheeintrag verwerfen und die Information neu beschaffen. — Nach Ablauf der TTL ist die Cachekopie nicht mehr gültig. Der Resolver braucht eine neue Antwort.
Frage 2 von 2SchwerEine Domain wechselt häufig ihre IP-Adresse. Welche Abwägung spricht für eine kürzere TTL?
Lösung: Caches fragen früher neu, dafür steigt die Zahl der DNS-Anfragen. — Eine kurze TTL verkürzt die mögliche Lebensdauer alter Cachekopien, erhöht aber die Last durch häufigere Abfragen.
Welche Resource Records wofür stehen

DNS liefert nicht einfach „die eine Adresse“. Eine Anfrage nennt einen Namen und einen Recordtyp. Der Typ legt fest, welche Art von Information gesucht wird.

TypAufgabeBeispielhafte Frage
AName → IPv4-AdresseWelche IPv4-Adresse hat dieser Host?
AAAAName → IPv6-AdresseWelche IPv6-Adresse hat dieser Host?
CNAMEAliasname → kanonischer NameAuf welchen eigentlichen Namen zeigt der Alias?
NSzuständige Nameserver einer ZoneWelche Server sind für die Zone zuständig?
MXMailserver einer DomainWohin soll E-Mail für die Domain zugestellt werden?
PTRAdresse → Name beim Reverse LookupWelcher Name ist dieser Adresse zugeordnet?
TXTTextdaten, oft für technische PrüfregelnWelche Textinformation ist hinterlegt?
SOAVerwaltungsdaten einer ZoneWelche grundlegenden Zonendaten gelten?

Ein Forward Lookup fragt typischerweise von einem Namen zur Adresse. Ein Reverse Lookup fragt in einem besonderen DNS-Namensraum von einer Adresse zu einem PTR-Eintrag. Eine erfolgreiche Rückauflösung beweist allein noch nicht, dass ein Dienst vertrauenswürdig ist.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelcher Recordtyp ordnet einem Hostnamen eine IPv6-Adresse zu?
Lösung: AAAAAAAA steht für die Zuordnung zu einer IPv6-Adresse.
Frage 2 von 2MittelDu willst herausfinden, welche Server E-Mails für eine Domain annehmen. Welchen Typ fragst du ab?
Lösung: MX — MX-Records nennen die Mailserver einer Domain. NS-Records haben eine andere Aufgabe: Sie beschreiben DNS-Zuständigkeit.
Fehler auf der richtigen Stufe suchen

Wenn eine Website nicht erreichbar ist, ist nicht automatisch DNS schuld. Verfolge den Ablauf in der richtigen Reihenfolge:

  1. Namensfrage: Ist der Name korrekt geschrieben und liefert DNS einen passenden Record?
  2. Cache: Wird möglicherweise noch eine nicht abgelaufene alte Antwort verwendet?
  3. Verbindung: Ist die ermittelte IP-Adresse erreichbar und kann eine Transportverbindung aufgebaut werden?
  4. Anwendung: Antwortet der Webserver mit dem erwarteten Inhalt?
Beispiel

Zwei Beobachtungen führen zu unterschiedlichen Diagnosen:

  • Der Resolver meldet NXDOMAIN: Der angefragte Name existiert laut maßgeblicher DNS-Antwort nicht. Das Problem liegt vor dem Verbindungsaufbau.
  • DNS liefert eine IP-Adresse, aber die Verbindung läuft in ein Timeout: Die Namensauflösung war erfolgreich. Nun muss die Störung bei Netzweg, Transport oder Zieldienst gesucht werden.

Auch unterschiedliche Antworten sind nicht automatisch ein Fehler. Ein Name kann mehrere A- oder AAAA-Records besitzen. Außerdem können interne und externe Resolver bei Split DNS absichtlich verschiedene Zonendaten verwenden.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerDNS liefert schnell eine IP-Adresse, doch der Webserver antwortet nicht. Welche Aussage ist am besten begründet?
Lösung: Die Namensauflösung war erfolgreich; die weitere Verbindung oder der Dienst kann gestört sein. — Trenne DNS-Auflösung, Netzwerkverbindung und Anwendung. Erst diese Trennung ermöglicht eine sinnvolle Diagnose.
Was DNS absichert – und was nicht

Klassisches DNS wurde nicht dafür entworfen, jede Antwort kryptografisch zu prüfen oder jede Anfrage zu verschlüsseln. Manipulierte Antworten können deshalb Nutzer zu einer falschen Adresse lenken. Bei Cache Poisoning landet eine falsche Information in einem Resolvercache und kann dort weitere Anfragen beeinflussen.

Weitere Risiken betreffen die Verfügbarkeit. Bei einer DNS-Amplification sendet ein Angreifer kleine Anfragen mit gefälschter Absenderadresse. Größere Antworten treffen dann das Opfer. Öffentlich erreichbare Resolver sollten Rekursion deshalb nicht wahllos für beliebige Clients anbieten.

Drei Schutzideen lösen unterschiedliche Probleme:

  • DNSSEC versieht DNS-Datensätze mit digitalen Signaturen. Ein validierender Resolver kann damit Herkunft und Unverändertheit signierter Daten prüfen und auch signierte Nichtexistenz nachweisen. DNSSEC verschlüsselt die Anfrage nicht und sagt nicht, ob der Inhalt einer Website harmlos ist.
  • DNS over TLS (DoT) verschlüsselt DNS-Verkehr zwischen Client und gewähltem Resolver mit TLS.
  • DNS over HTTPS (DoH) transportiert DNS-Anfragen und -Antworten über HTTPS und schützt auf diesem Abschnitt ebenfalls Vertraulichkeit und Integrität.

DoT und DoH verbergen die Anfrage vor Mitlesenden auf dem geschützten Weg, aber nicht vor dem gewählten Resolver. Sie signieren auch nicht automatisch die autoritativen DNS-Daten. DNSSEC und verschlüsselter Transport ergänzen sich deshalb, statt dass eines das andere vollständig ersetzt.

Merke

DNSSEC prüft Daten. DoT und DoH schützen einen Transportweg. HTTPS schützt anschließend die Webverbindung. Keine einzelne Technik löst alle Vertrauens-, Datenschutz- und Verfügbarkeitsprobleme.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage zu DNSSEC ist richtig?
Lösung: DNSSEC kann Herkunft und Integrität signierter DNS-Daten überprüfbar machen. — DNSSEC schützt die Authentizität und Integrität von DNS-Daten. Es bewertet nicht den Inhalt des Zielsystems.
Frage 2 von 2SchwerEin Gerät nutzt DoH zu einem Resolver, aber keine DNSSEC-Validierung. Welche Grenze bleibt bestehen?
Lösung: Der Resolver sieht die Anfrage, und die autoritativen DNS-Daten sind dadurch nicht automatisch signiert geprüft. — DoH schützt einen Übertragungsabschnitt. Vertrauen in den Resolver und die Prüfung der DNS-Daten sind davon getrennte Fragen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • DNS-Namensauflösung
    • Teilnehmer
      • Stub-Resolver
      • rekursiver Resolver
      • Root-, TLD- und autoritativer Nameserver
    • Antworten
      • Resource Record
      • Verweis
      • Fehler wie NXDOMAIN
    • Beschleunigung
      • Cache
      • TTL
      • negative Antwort
    • Sicherheit
      • DNSSEC für Datenprüfung
      • DoT und DoH für Transportverschlüsselung
      • Grenzen durch Resolververtrauen und Verfügbarkeit
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Reihenfolge beschreibt eine vollständig ungecachte Auflösung am besten?
Lösung: Client → rekursiver Resolver → Root → TLD → autoritativer Nameserver → Client — Der Client bittet seinen Resolver um die abschließende Antwort. Der Resolver folgt ohne Cachetreffer den Verweisen durch die Hierarchie.
Frage 2 von 3MittelEin Unternehmen ändert einen A-Record. Einige Nutzer erhalten kurz danach noch die alte Adresse. Was ist eine plausible Erklärung?
Lösung: Ihre Resolver besitzen noch nicht abgelaufene Cachekopien. — Caches werden nicht gleichzeitig aktualisiert. Entscheidend ist die jeweilige Restlaufzeit der gespeicherten Antwort.
Frage 3 von 3SchwerOrdne die Schutzaufgaben richtig zu.
Lösung: DNSSEC prüft signierte DNS-Daten; DoT oder DoH verschlüsseln den Weg zum Resolver; HTTPS schützt die spätere Webverbindung. — Eine sichere Diagnose fragt immer: Sollen DNS-Daten geprüft, DNS-Transport geschützt oder Webdaten verschlüsselt werden?

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