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Entscheidungsbaum: Aufbau, Lernen und Grenzen

Entscheidungsbaum: Aufbau, Lernen und Grenzen
Entscheidungsbaum: Aufbau, Lernen und Grenzen
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Ein Entscheidungsbaum führt dich Schritt für Schritt durch Fragen zu einem Ergebnis. Er kann von Menschen als Entscheidungshilfe entworfen oder beim maschinellen Lernen aus Trainingsdaten gelernt werden. In beiden Fällen liest du einen vollständigen Pfad von der Wurzel bis zu einem Blatt.

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Zwei Arten von Entscheidungsbäumen unterscheiden

Stell dir zuerst eine Entscheidung vor: Soll eine neue Technologie in einem Projekt eingesetzt werden? Ein Team kann nacheinander nach Mehrwert, Kompatibilität, Kosten und Implementierungszeit fragen. Die Antworten bilden einen manuell entworfenen Entscheidungsbaum. Seine Regeln stammen von Menschen und machen den Entscheidungsweg sichtbar.

Ein gelernter Entscheidungsbaum ist dagegen ein Modell des maschinellen Lernens. Ein Computer leitet seine Regeln aus Beispieldaten ab. Er kann Objekte Klassen zuordnen, etwa „Spam“ oder „kein Spam“, oder einen Zahlenwert vorhersagen, etwa einen Preis.

Definition

Entscheidungsbaum

Ein Entscheidungsbaum ist eine hierarchische Struktur aus Fragen oder Tests, Antwortwegen und Endergebnissen. Jeder vollständige Weg beschreibt eine Folge von Entscheidungen bis zu einem Ergebnis.

Bei einer manuellen Entscheidung können auch Umweltzustände vorkommen. Das sind äußere Bedingungen, die das Ergebnis beeinflussen, aber nicht von der entscheidenden Person kontrolliert werden, zum Beispiel das Wetter in der Landwirtschaft.

Merke

Frage immer zuerst: Wer legt die Regeln fest? Menschen entwerfen die Regeln einer Entscheidungshilfe; ein Lernalgorithmus gewinnt die Regeln eines ML-Baums aus Trainingsdaten.

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Frage 1 von 1LeichtWoran erkennst du einen gelernten Entscheidungsbaum?
Lösung: Seine Regeln wurden aus Trainingsdaten abgeleitet. — Entscheidend ist nicht die Zahl der Fragen, sondern die Herkunft der Regeln: Ein ML-Baum lernt sie aus Beispieldaten.
Einen Baum von der Wurzel zum Blatt lesen

Der Wurzelknoten ist der Startpunkt. Ein Entscheidungsknoten prüft eine Bedingung oder ein Merkmal. Von ihm führen Zweige weiter; sie stehen für mögliche Antworten. Ein Blattknoten, kurz Blatt, enthält das Endergebnis.

Die Formen der Knoten sind nicht überall gleich. Rechtecke, Rauten, Kreise oder Dreiecke sind mögliche Darstellungskonventionen. Verlasse dich deshalb auf Beschriftung und Funktion, nicht allein auf die Form.

Beispiel

Ein vereinfachter Baum beginnt mit dem Test Zucker > 15 g.

  1. Bei einem Objekt mit 18 g Zucker ist die Bedingung erfüllt, denn 18 liegt 3 über 15. Du folgst dem Ja-Zweig zum Blatt „mehr als 15 g“.
  2. Bei einem Objekt mit 12 g Zucker ist die Bedingung nicht erfüllt, denn 12 liegt 3 unter 15. Du folgst dem Nein-Zweig zum Blatt „höchstens 15 g“.

Der entscheidende Gedanke lautet: An jedem Knoten prüfst du nur die dort genannte Bedingung. Danach gehst du genau auf dem passenden Zweig weiter.

Gut zu wissen

Ein binärer Entscheidungsbaum hat an jedem Entscheidungsknoten genau zwei Ausgänge, häufig Ja und Nein. Andere Bäume können mehr als zwei Zweige besitzen.

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Frage 1 von 1MittelEin Testobjekt enthält 12 g Zucker. Welchem Zweig des Tests Zucker > 15 g folgst du?
Lösung: Dem Nein-Zweig, weil 12 nicht größer als 15 ist. — Vergleiche den Merkmalswert exakt mit dem Schwellenwert. Für 12 ist 12 > 15 falsch.
Wie ein Baum aus Trainingsdaten lernt

Beim überwachten Lernen sind die richtigen Zuordnungen der Trainingsbeispiele bekannt. Jedes Beispiel besitzt Merkmale, also beobachtbare Eigenschaften wie Zuckergehalt oder Vertragsdauer. Das Label ist die vorgegebene Zielklasse, etwa „Kauf“ oder „kein Kauf“.

Der Lernalgorithmus sucht Tests, welche die Beispiele möglichst gut trennen. Bei Zahlen kann das ein Schwellenwert sein. Er teilt den Datensatz am Wurzelknoten, wiederholt das Verfahren in den entstandenen Teilmengen und erzeugt so weitere Knoten. Dieses wiederholte Teilen heißt rekursive Partitionierung.

Wenn der fertige Baum ein unbekanntes Objekt erhält, folgt er dessen Merkmalswerten bis zu einem Blatt. Die dort ausgegebene Klasse oder Zahl ist die Vorhersage.

Trainingsdaten dienen zum Aufbau des Modells. Getrennte Testdaten werden erst danach verwendet. So lässt sich prüfen, ob der Baum nicht nur bekannte Beispiele beherrscht, sondern auch auf unbekannte Daten übertragbar ist. Diese Übertragbarkeit heißt Generalisierung.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Beim überwachten Lernen bestehen Beispiele aus und bekannten . Aus den wird der Baum aufgebaut. Getrennte prüfen anschließend die Generalisierung.

Lösungen: Lücke 1: Merkmalen; Lücke 2: Labeln; Lücke 3: Trainingsdaten; Lücke 4: Testdaten. Merkmale beschreiben ein Beispiel, das Label nennt die bekannte Zielklasse. Trainiert wird mit Trainingsdaten; unbekannte Testdaten prüfen danach die Übertragbarkeit.
Klassifikation, Regression und gute Aufteilungen

Bei einer Klassifikation sagt ein Blatt eine Klasse voraus, zum Beispiel „Regen“ oder „kein Regen“. Bei einer Regression sagt es einen numerischen Wert voraus, zum Beispiel einen Preis. Der Aufgabentyp bestimmt deshalb, was die Blätter enthalten und wie Aufteilungen bewertet werden.

Für die Klassifikation sollen nach einer guten Aufteilung möglichst homogene Gruppen entstehen: In einem Kindknoten liegen dann überwiegend Beispiele derselben Klasse. Gini-Verunreinigung und Entropie messen die Unreinheit eines Knotens; niedrigere Werte bedeuten homogenere Gruppen. Der Informationsgewinn beschreibt, wie stark eine Aufteilung die Unsicherheit verringert.

Bei einer Regression kann der mittlere quadratische Fehler (MSE) als Kriterium dienen. Große Abweichungen gehen dabei wegen des Quadrierens besonders stark ein.

Merke

Ein Splitkriterium wählt eine vielversprechende Aufteilung aus. Es garantiert aber nicht, dass der gesamte Baum auf neuen Daten gut arbeitet. Das muss mit Testdaten geprüft werden.

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Frage 1 von 1MittelEin Baum soll Immobilienpreise vorhersagen. Welche Aufgabe liegt vor?
Lösung: Regression, weil ein numerischer Wert vorhergesagt wird. — Klassen wie „Spam“ gehören zur Klassifikation; Zahlenwerte wie Preise gehören zur Regression.
Qualität und Grenzen beurteilen

Ein sehr tiefer Baum kann Besonderheiten und Rauschen seiner Trainingsdaten auswendig lernen. Er erzielt dann möglicherweise gute Ergebnisse auf Trainingsdaten, aber deutlich schlechtere auf Testdaten. Das heißt Overfitting oder Überanpassung.

Gegen Überanpassung helfen eine begrenzte Baumtiefe, eine Mindestzahl von Beispielen pro Blatt und Pruning. Beim Pruning werden Zweige entfernt, die die Leistung auf unbekannten Daten nicht wesentlich verbessern. Ein zu einfacher Baum kann dagegen wichtige Muster übersehen; das heißt Underfitting oder Unteranpassung.

Auch gute Einstellungen können schlechte Daten nicht ausgleichen. Einseitige oder falsch beschriftete Trainingsdaten können systematische Fehler erzeugen. Sind zum Beispiel nur Beispiele einer bestimmten Art vertreten, kann der Baum bei anderen Arten unzuverlässig sein. Deshalb prüfst du, ob wichtige Gruppen angemessen vorkommen, ob Labels eindeutig sind und ob die Testdaten wirklich getrennt geblieben sind.

Ein einzelner Baum kann außerdem instabil sein: Kleine Änderungen der Trainingsdaten können seine Struktur stark verändern. Ein Random Forest kombiniert viele Entscheidungsbäume und fasst ihre Vorhersagen zusammen. Das kann Genauigkeit und Stabilität erhöhen, ist aber weniger leicht als ein einzelner Baum zu erklären.

Manuell entworfene Bäume haben eine andere Grenze: Nicht alle Alternativen, Folgen, Risiken oder Umweltzustände sind immer bekannt. Ein übersichtlicher Baum beweist daher nicht, dass alle wichtigen Informationen enthalten sind.

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Frage 1 von 2SchwerEin Baum ist auf Trainingsdaten sehr gut, macht auf getrennten Testdaten aber viele Fehler. Welche Diagnose passt am besten?
Lösung: Mögliche Überanpassung; Baumtiefe oder Pruning sollten geprüft werden. — Testdaten müssen unbekannt bleiben. Eine stark abfallende Testleistung ist ein Warnsignal dafür, dass der Baum Trainingsbesonderheiten statt übertragbarer Muster gelernt hat.
Frage 2 von 2SchwerDie Trainingsdaten einer Lebensmittelklassifikation enthalten fast nur gesunde Lebensmittel. Was ist die sinnvollste Reaktion?
Lösung: Die fehlenden Arten angemessen in den Trainingsdaten vertreten und die Leistung mit getrennten Testdaten prüfen. — Einseitige Trainingsdaten können systematische Fehler verursachen. Prüfe deshalb die vertretenen Gruppen und Labels und verwende weiterhin getrennte Testdaten.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Entscheidungsbaum
    • Aufbau
      • Wurzel, Entscheidungsknoten, Zweige, Blätter
      • Pfad von einer Frage zum Ergebnis
    • Herkunft der Regeln
      • manuell durch Menschen entworfen
      • aus Trainingsdaten gelernt
    • Aufgaben
      • Klassifikation für Klassen
      • Regression für Zahlenwerte
    • Qualitätsprüfung
      • getrennte Testdaten
      • Datenqualität und Verzerrung
      • Overfitting und Underfitting
Abschluss-Check

Bearbeite die Fragen ohne zurückzublättern. Nutze die Erklärungen danach zur Kontrolle deines Denkwegs.

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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage beschreibt einen Blattknoten?
Lösung: Er enthält das Endergebnis eines vollständigen Pfads. — Ein Blatt ist ein Endpunkt. Bei Klassifikation enthält es eine Klasse, bei Regression einen Zahlenwert.
Frage 2 von 3MittelWarum werden Testdaten vom Training getrennt?
Lösung: Damit die Leistung an unbekannten Beispielen geprüft werden kann. — Getrennte Testdaten zeigen, ob das gelernte Muster generalisiert und nicht nur die Trainingsbeispiele trifft.
Frage 3 von 3SchwerZwei Bäume lösen dieselbe Klassifikationsaufgabe. Baum A ist sehr tief und auf Trainingsdaten besser, auf Testdaten aber schlechter als Baum B. Welche begründete Wahl ist sinnvoller?
Lösung: Baum B, weil seine bessere Testleistung für stärkere Generalisierung spricht. — Eine höhere Trainingsgüte kann durch Überanpassung entstehen. Für den Einsatz auf unbekannten Daten ist die Testleistung das wichtigere Signal.

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