Informatik

Inferenzmaschine: Fakten, Regeln und Anfragen

Inferenzmaschine: Fakten, Regeln und Anfragen
Inferenzmaschine: Fakten, Regeln und Anfragen
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Eine Inferenzmaschine verarbeitet eine Wissensbasis: Sie verknüpft gespeicherte Fakten mit Regeln und leitet daraus Antworten auf Anfragen ab. Sie ergänzt dabei keine Voraussetzungen aus eigener Vermutung, sondern folgt den festgelegten Schlussregeln.

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Was macht eine Inferenzmaschine?

Stell dir ein System vor, das eine Frage beantworten soll. In seiner Wissensbasis stehen Aussagen und Regeln. Die Inferenzmaschine ist der Verarbeitungsteil: Sie sucht passende Regeln, prüft deren Voraussetzungen und erzeugt daraus eine Schlussfolgerung.

Definition

Inferenzmaschine

Eine Inferenzmaschine ist der Teil eines wissensbasierten Systems, der Fakten und Regeln aus einer Wissensbasis verarbeitet, um neue Aussagen oder Entscheidungen abzuleiten.

Der Grundzusammenhang lautet:

Fakten + Regeln → Inferenzmaschine → abgeleitete Aussage

Ein Expertensystem kann zusätzlich eine Benutzerschnittstelle, eine Erklärungskomponente und Werkzeuge zum Pflegen der Wissensbasis besitzen. Für das Schlussfolgern sind aber vor allem Wissensbasis und Inferenzmaschine entscheidend.

Beispiel

In der Wissensbasis stehen die Regel Wenn die Osterglocken blühen, dann ist Frühling und der Fakt Die Osterglocken blühen. Die Voraussetzung der Regel ist erfüllt. Deshalb leitet die Inferenzmaschine ab: Es ist Frühling.

Merke

Die Wissensbasis enthält Wissen. Die Inferenzmaschine verarbeitet dieses Wissen.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aufgabe hat die Inferenzmaschine?
Lösung: Sie wendet Regeln auf vorhandene Fakten an und leitet Aussagen ab. — Die Inferenzmaschine führt den festgelegten Schlussprozess aus. Ihr Ausgangsmaterial liegt in der Wissensbasis.
Wie werden Fakten, Regeln und Anfragen dargestellt?

Für eine überschaubare Wissensdomäne brauchst du drei Bausteine.

Definition

Fakt

Ein Fakt ist eine Aussage, die in der Wissensbasis als gegeben gespeichert ist. Beispiel: markiert(heft1).

Definition

Regel

Eine Regel verbindet Voraussetzungen mit einer Folgerung. Beispiel: Wenn markiert(x), dann pruefen(x). Das x steht für ein beliebiges Objekt.

Definition

Anfrage

Eine Anfrage ist die Frage, ob eine bestimmte Aussage aus der Wissensbasis folgt. Beispiel: pruefen(heft1)?

Die Ausdrücke markiert und pruefen beschreiben Eigenschaften oder Beziehungen. Solche Ausdrücke heißen Prädikate. Wird in der Regel x durch heft1 ersetzt, heißt diese Zuordnung Belegung.

Beispiel

Gegeben sind der Fakt markiert(heft1) und die Regel Wenn markiert(x), dann pruefen(x). Für die Belegung x = heft1 ist die Voraussetzung erfüllt. Die Inferenzmaschine darf deshalb pruefen(heft1) ableiten. Die Anfrage pruefen(heft1)? wird mit Ja beantwortet.

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Frage 1 von 2LeichtWelche Zeile ist eine Regel?
Lösung: Wenn markiert(x), dann pruefen(x). — Eine Regel erkennst du an der Verbindung von mindestens einer Voraussetzung mit einer Folgerung.
Frage 2 von 2MittelWelche Belegung macht die Regel für den Fakt markiert(heft2) anwendbar?
Lösung: x = heft2 — Die Variable x übernimmt das konkrete Objekt aus dem passenden Fakt, hier heft2.
Wie funktioniert Vorwärtsverkettung?

Bei der Vorwärtsverkettung beginnt die Inferenzmaschine mit vorhandenen Fakten. Sie wendet passende Regeln an, fügt neue Aussagen hinzu und wiederholt diesen Vorgang.

Beispiel

In einer vereinfachten Wissensbasis gelten:

  • Fakt F1: A
  • Regel R1: Wenn A, dann B
  • Regel R2: Wenn B, dann C
  • Anfrage: C?

Die Ableitung verläuft in zwei Schritten:

  1. F1 erfüllt die Voraussetzung von R1. Daraus folgt B.
  2. Das neue B erfüllt die Voraussetzung von R2. Daraus folgt C.

Damit ist die Anfrage C? mit Ja beantwortet. Entscheidend ist, dass das Zwischenergebnis B weiterverwendet wird.

Enthält eine Regel mehrere Voraussetzungen, müssen alle erfüllt sein. Aus A und B → C darfst du C nicht schon allein aus A ableiten. Umgekehrt erlaubt die Und-Elimination, aus der gemeinsamen Aussage A und B jeweils A und B zu gewinnen.

Merke

Vorwärtsverkettung fragt: Was folgt aus den Fakten, die schon vorhanden sind?

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Frage 1 von 1MittelGegeben sind A, A → B und B → C. Welche Reihenfolge ist eine gültige Vorwärtsverkettung?
Lösung: Zuerst B aus A ableiten, danach C aus B ableiten. — Die erste Regel erzeugt das benötigte Zwischenergebnis B; erst dann ist die Voraussetzung der zweiten Regel erfüllt.
Wie funktioniert Rückwärtsverkettung?

Bei der Rückwärtsverkettung startet die Inferenzmaschine mit dem Ziel der Anfrage. Sie sucht eine Regel, deren Folgerung zum Ziel passt, und prüft deren Voraussetzungen als neue Teilziele.

Beispiel

Nutze wieder F1: A, R1: A → B und R2: B → C. Gesucht ist C.

  1. Für C passt R2. Dafür muss B gelten.
  2. Für B passt R1. Dafür muss A gelten.
  3. A ist als Fakt gespeichert.

Damit sind die Teilziele erfüllt, und C ist ableitbar. Die Rückwärtsverkettung erzeugt dieselbe begründete Antwort, beginnt aber beim Ziel.

Vorwärts- und Rückwärtsverkettung sind Suchstrategien für Regeln. Sie sind nicht dasselbe wie Induktion und Deduktion: Deduktion leitet aus allgemeinen Regeln konkrete Aussagen ab. Induktion bildet aus Beobachtungen allgemeinere Zusammenhänge. Eine klassische regelbasierte Inferenzmaschine arbeitet im gezeigten Lernweg deduktiv.

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Frage 1 von 2LeichtWo beginnt die Rückwärtsverkettung?
Lösung: Bei der zu prüfenden Zielaussage — Rückwärtsverkettung sucht vom Ziel aus nach Regeln und den dafür nötigen Voraussetzungen.
Frage 2 von 2MittelFür die Regel P und Q → R ist P bekannt, Q aber nicht ableitbar. Was gilt für R?
Lösung: R ist mit dieser Regel nicht ableitbar. — Die Regel liefert R nur, wenn sowohl P als auch Q ableitbar sind. Aus dem Scheitern der Ableitung folgt noch nicht automatisch, dass R falsch ist.
Was bedeutet eine fehlende oder fehlerhafte Antwort?

Eine Inferenzmaschine kann nur mit den vorhandenen Fakten und Regeln arbeiten. Ist eine Anfrage nicht ableitbar, können verschiedene Ursachen vorliegen:

  • Ein benötigter Fakt fehlt.
  • Keine Regel führt zur Zielaussage.
  • Eine Regel verwendet das falsche Prädikat oder verbindet die Bedingungen falsch.
  • Eine mehrstufige Ableitung bricht an einem unerfüllten Teilziel ab.

Nicht ableitbar bedeutet zunächst nur: Aus dieser Wissensbasis lässt sich die Aussage mit den verwendeten Regeln nicht herleiten. Das ist nicht automatisch ein Beweis für das Gegenteil.

Beispiel

Gegeben sind markiert(heft1) und die fehlerhafte Regel Wenn markiert(x), dann ablegen(x). Die Anfrage lautet pruefen(heft1)?. Sie ist nicht ableitbar, weil keine Regel zur Folgerung pruefen(x) führt.

Wenn die beabsichtigte Bedeutung lautet „Markierte Hefte werden geprüft“, muss die Regel lauten: Wenn markiert(x), dann pruefen(x). Nun ergibt die Belegung x = heft1 die gesuchte Aussage.

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Frage 1 von 2MittelDie Anfrage C? scheitert bei den Fakten A und den Regeln A → B, D → C. Welche Diagnose ist richtig?
Lösung: Für C wird D benötigt, aber D ist nicht ableitbar. — Prüfe die Kette rückwärts: C braucht D. Weder ein Fakt noch eine Regel liefert D.
Frage 2 von 2SchwerWelche zusätzliche Regel repariert die Kette, ohne einen neuen Fakt einzuführen?
Lösung: B → D — Aus A folgt bereits B. Mit B → D folgt anschließend D und über D → C schließlich C.
Warum ist Inferenz nicht immer dasselbe?

Der Begriff Inferenz wird in der Informatik in zwei nah verwandten, aber technisch unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet.

ZusammenhangWas liegt vorher vor?Was geschieht bei der Inferenz?
Regelbasiertes SystemFakten und ausdrücklich formulierte RegelnDie Maschine wendet Regeln an und leitet Aussagen ab.
Maschinelles LernenEin zuvor trainiertes ModellDas Modell wird auf einen konkreten neuen Fall angewandt und erzeugt ein Ergebnis.

Beim maschinellen Lernen ist Training die Lernphase: Aus Daten werden Muster oder Modellparameter gewonnen. Inferenz ist die spätere Anwendung dieses trainierten Modells, etwa wenn ein System ein Schriftzeichen erkennt.

Beide Bedeutungen betreffen die Anwendung vorhandenen Wissens auf einen Fall. Trotzdem darfst du eine regelbasierte Wissensbasis nicht einfach mit einem trainierten neuronalen Netz gleichsetzen. Auf dieser Seite steht die nachvollziehbare regelbasierte Ableitung im Mittelpunkt.

Gut zu wissen

Auch ein korrekt ausgeführtes Schlussverfahren ist nur so brauchbar wie seine Wissensbasis. Fehlende Fakten, unpassende Regeln oder eine schwer wartbare Regelmenge begrenzen die Ergebnisse.

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Frage 1 von 1LeichtWas unterscheidet Training und Inferenz im Machine Learning?
Lösung: Beim Training wird ein Modell aus Daten gewonnen; bei der Inferenz wird das trainierte Modell auf einen Fall angewandt. — Training ist die Lernphase. Inferenz bezeichnet hier die anschließende Anwendung des Modells.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Inferenzmaschine
    • verarbeitet eine Wissensbasis mit Fakten und Regeln
    • beantwortet Anfragen durch Ableitung
    • verkettet vorwärts von Fakten zu Folgerungen
    • verkettet rückwärts vom Ziel zu Teilzielen
    • meldet nicht ableitbar bei einer fehlenden Kette
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas gehört zur Wissensbasis und was zur Inferenzmaschine?
Lösung: Fakten und Regeln gehören zur Wissensbasis; die Inferenzmaschine verarbeitet sie. — Trenne Inhalt und Verarbeitung: Die Wissensbasis enthält das deklarierte Wissen, die Inferenzmaschine leitet daraus Antworten ab.
Frage 2 von 3MittelGegeben sind start(ana) sowie start(x) → bereit(x) und bereit(x) → zugang(x). Welche Anfrage ist ableitbar?
Lösung: zugang(ana)? — Mit der Belegung x = ana folgt zuerst bereit(ana) und danach zugang(ana).
Frage 3 von 3SchwerGegeben sind der Fakt P, die Regeln P → Q und R → S sowie die Anfrage S?. Welche Verbesserung schließt die Ableitungskette?
Lösung: Q → R — Aus P folgt Q. Mit Q → R entsteht R; anschließend liefert R → S die Zielaussage.

Wenn du bei jeder Antwort die verwendete Regel, die Belegung und mögliche Zwischenergebnisse nennen kannst, hast du die Arbeit einer einfachen Inferenzmaschine nachvollzogen.

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