Informatik

Wissensbasiertes System: Fakten, Regeln, Inferenz

Wissensbasiertes System: Fakten, Regeln, Inferenz
Wissensbasiertes System: Fakten, Regeln, Inferenz
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Ein wissensbasiertes System speichert Fachwissen ausdrücklich als Fakten und Regeln. Eine Inferenzmaschine wendet diese Regeln auf passende Fakten an und leitet daraus Antworten oder neue Fakten ab.

Du lernst dies an einer kleinen, abgeschlossenen Thermostat-Domäne. Dabei verwendest du eine vereinfachte Lernnotation, keine bestimmte Programmiersprache.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie arbeitet ein wissensbasiertes System?

Stell dir ein Heizungsprogramm vor: Es kennt die aktuelle Situation und Regeln zur Steuerung der Heizung. Aus diesem Wissen soll es eine begründete Handlung ableiten.

Definition

Wissensbasiertes System

Ein wissensbasiertes System ist ein Computerprogramm, das ausdrücklich gespeichertes Wissen zur Problemlösung nutzt. Sein funktionaler Kern besteht aus einer Wissensbasis und einer Inferenzmaschine.

  • Die Wissensbasis enthält das Wissen: Fakten und Regeln.
  • Die Inferenzmaschine verarbeitet dieses Wissen und leitet Schlussfolgerungen ab.
  • Eine Benutzerschnittstelle kann Anfragen entgegennehmen und Ergebnisse anzeigen.
  • Eine Erklärungskomponente kann bei umfangreicheren Systemen zeigen, wie eine Antwort entstanden ist.

Wissensbasierte Systeme gehören zur künstlichen Intelligenz. Sie sind eng mit Expertensystemen verbunden, aber die Begriffe sind nicht völlig gleich: Nicht jedes wissensbasierte System besitzt alle zusätzlichen Eigenschaften, die ein Expertensystem zur Unterstützung oder Übernahme anspruchsvoller Expertenaufgaben benötigt.

Merke

Die Wissensbasis enthält das Was. Die Inferenzmaschine bestimmt das Wie des Ableitens.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelcher Bestandteil wendet Regeln auf Fakten an?
Lösung: die Inferenzmaschine — Die Inferenzmaschine sucht passende Regeln und gewinnt daraus Schlussfolgerungen.
Wie formulierst du Fakten, Regeln und Anfragen?

Für unsere Lernnotation gelten drei einfache Formen:

  • Fakt: temperatur_unter_20 – eine Aussage, die in der Wissensbasis als gegeben gespeichert ist.
  • Regel: WENN temperatur_unter_20 DANN waermebedarf – aus einer Bedingung folgt eine Schlussfolgerung.
  • Anfrage: ? waermebedarf – die Frage, ob sich diese Aussage aus der Wissensbasis ableiten lässt.

Mehrere Wörter verbinden wir mit einem Unterstrich. Jede Regel besitzt mindestens eine Bedingung und genau die hier notierte Schlussfolgerung.

Definition

Faktenwissen

Faktenwissen beschreibt gegebene Aussagen über einen konkreten Fall, zum Beispiel fenster_geschlossen.

Definition

Regelwissen

Regelwissen beschreibt allgemeine Beziehungen in der Form „Wenn Bedingungen erfüllt sind, dann gilt eine Schlussfolgerung“.

Das Thermostat-Beispiel enthält zunächst:

  • Fakt F1: temperatur_unter_20
  • Fakt F2: fenster_geschlossen
  • Regel R1: WENN temperatur_unter_20 DANN waermebedarf
  • Regel R2: WENN waermebedarf UND fenster_geschlossen DANN heizung_einschalten
  • Anfrage A1: ? heizung_einschalten
Gut zu wissen

Die Namen und Regeln bilden nur eine bewusst kleine Übungsdomäne ab. Sie sind kein vollständiges Modell einer realen Heizungssteuerung.

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Frage 1 von 1MittelWelche Zeile ist in unserer Lernnotation eine Regel?
Lösung: WENN waermebedarf DANN heizung_einschalten — Eine Regel verbindet mindestens eine Bedingung nach WENN mit einer Schlussfolgerung nach DANN.
Wie entsteht eine mehrstufige Ableitung?

Die Anfrage ? heizung_einschalten lässt sich nicht in einem einzigen Schritt beantworten. Die Inferenzmaschine muss eine Zwischenfolgerung bilden.

Beispiel

Gegeben: F1 temperatur_unter_20, F2 fenster_geschlossen, R1 und R2 aus dem vorherigen Kapitel.

  1. R1 verlangt den Fakt temperatur_unter_20. F1 erfüllt diese Bedingung.
  2. Deshalb wird waermebedarf abgeleitet.
  3. R2 verlangt waermebedarf und fenster_geschlossen.
  4. Der erste benötigte Fakt stammt aus Schritt 2, der zweite ist als F2 gegeben.
  5. Deshalb wird heizung_einschalten abgeleitet.
  6. Die Anfrage ? heizung_einschalten wird mit ableitbar beantwortet.

Die Ableitungskette lautet kurz: temperatur_unter_20waermebedarfheizung_einschalten. Für den letzten Schritt wird zusätzlich fenster_geschlossen benötigt.

Merke

Bei jedem Ableitungsschritt nennst du drei Dinge: die verwendete Regel, die erfüllten Bedingungen und die neue Schlussfolgerung.

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Frage 1 von 1MittelWarum darf R2 im Beispiel angewendet werden?
Lösung: Beide Bedingungen von R2 sind als Fakt gegeben oder zuvor abgeleitet. — waermebedarf wurde mit R1 abgeleitet, und fenster_geschlossen war als F2 gegeben. Damit sind beide Bedingungen von R2 erfüllt.
Was bedeutet eine nicht ableitbare Anfrage?

Entfernen wir F2 fenster_geschlossen, kann R1 weiterhin waermebedarf ableiten. R2 benötigt jedoch zusätzlich fenster_geschlossen. Deshalb lässt sich heizung_einschalten aus dieser Wissensbasis nicht ableiten.

Nicht ableitbar bedeutet hier: Die vorhandenen Fakten und Regeln reichen für die Schlussfolgerung nicht aus. Daraus folgt nicht automatisch, dass die Aussage falsch ist. Das System kann sie mit seinem aktuellen Wissen lediglich nicht begründen.

Beispiel

Vorhanden: temperatur_unter_20, R1 und R2.

Anfrage: ? heizung_einschalten

Diagnose: R1 liefert waermebedarf. R2 bleibt dennoch gesperrt, weil fenster_geschlossen fehlt. Die Anfrage ist daher nicht ableitbar.

Mögliche Verbesserung der Wissensbasis: Prüfen und als Fakt erfassen, ob das Fenster geschlossen ist. Der fehlende Fakt darf nicht einfach erfunden werden.

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Frage 1 von 1Schwertemperatur_unter_20 ist gespeichert, aber fenster_geschlossen fehlt. Was ist die genaueste Antwort auf ? heizung_einschalten?
Lösung: Die Aussage ist mit der vorhandenen Wissensbasis nicht ableitbar. — R2 verlangt zwei Bedingungen. Solange eine davon weder gegeben noch ableitbar ist, reicht das Wissen für die angefragte Schlussfolgerung nicht aus.
Wie erkennst und verbesserst du fehlerhafte Regeln?

Eine Inferenzmaschine wendet auch eine fachlich falsche Regel folgerichtig an. Deshalb hängt die Qualität der Ergebnisse stark von der Qualität und Vollständigkeit der Wissensbasis ab.

Betrachte diese fehlerhafte Thermostat-Regel:

WENN temperatur_ueber_24 DANN heizung_einschalten

Für das zugrunde liegende Schwellenmodell lautet die vorgesehene Handlung oberhalb von 24 °C jedoch heizung_ausschalten. Die Bedingung ist verständlich formuliert, aber die Schlussfolgerung ist vertauscht.

Beispiel

Fehlerdiagnose: Bei temperatur_ueber_24 würde die fehlerhafte Regel heizung_einschalten ableiten.

Korrektur: WENN temperatur_ueber_24 DANN heizung_ausschalten

Erneute Prüfung: Mit dem Fakt temperatur_ueber_24 ist nun heizung_ausschalten ableitbar.

Für Temperaturen von 20 °C bis 24 °C enthält dieses kleine Modell keine Handlung. Eine zusätzliche Regel dürfte erst ergänzt werden, wenn die gewünschte Handlung festgelegt wurde.

Merke

Eine nachvollziehbare Ableitung kann trotzdem fachlich falsch sein, wenn eine gespeicherte Regel falsch ist. Prüfe daher sowohl den Ableitungsweg als auch den Inhalt der Regeln.

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Frage 1 von 1SchwerWas musst du bei einer unerwarteten Schlussfolgerung zuerst untersuchen?
Lösung: ob die verwendeten Fakten und Regeln den Ableitungsweg und die gewünschte Domäne korrekt abbilden — Trenne zwei Prüfungen: Hat die Inferenzmaschine die vorhandenen Regeln korrekt angewendet, und sind diese Regeln fachlich richtig modelliert?
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Wissensbasiertes System
    • Wissensbasis: Fakten und Regeln
    • Inferenzmaschine: Regeln anwenden
    • Anfrage: Ableitbarkeit prüfen
    • Ableitung: Regeln und Bedingungen nennen
    • Wissenslücke: keine unbegründete Ergänzung
    • Qualitätsprüfung: Fakten und Regeln kontrollieren
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas gehört zum funktionalen Kern eines wissensbasierten Systems?
Lösung: Wissensbasis und Inferenzmaschine — Die Wissensbasis speichert das Wissen; die Inferenzmaschine verarbeitet es.
Frage 2 von 3MittelGegeben sind a, WENN a DANN b und WENN b DANN c. Welche Anfrage ist mehrstufig ableitbar?
Lösung: ? c — Aus a folgt zuerst b; anschließend folgt aus b die Aussage c.
Frage 3 von 3SchwerEin System kann ziel nicht ableiten. Welche Diagnose ist fachlich angemessen?
Lösung: Prüfen, welche Bedingung der benötigten Regel fehlt und ob sie als gesicherter Fakt ergänzt oder durch eine andere Regel abgeleitet werden kann. — Verfolge die Ableitung rückwärts: Suche eine Regel mit ziel als Schlussfolgerung, prüfe jede Bedingung und ergänze nur gesichertes Wissen.

Du beherrschst den Kern, wenn du Fakten und Regeln sauber trennst, jeden Ableitungsschritt begründest und bei einer Lücke weder „falsch“ noch einen erfundenen Fakt annimmst.

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