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Neuronales Netz: Aufbau, Berechnung und Training

Neuronales Netz: Aufbau, Berechnung und Training
Neuronales Netz: Aufbau, Berechnung und Training
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Ein neuronales Netz wandelt Zahlen in andere Zahlen um. Dazu verarbeitet es Eingaben schrittweise mit Gewichten, Biaswerten und Aktivierungsfunktionen. Beim Training werden diese Parameter so angepasst, dass der Fehler für die Trainingsaufgabe kleiner wird.

Auf dieser Seite verfolgst du den Weg einer Eingabe durch ein Netz, berechnest ein einzelnes Neuron und beurteilst, was Training leisten kann – und was nicht.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Vom Eingang zur Ausgabe

Stell dir vor, ein Programm soll ein Bild als Apfel oder Birne einordnen. Das Netz sieht keine Frucht wie ein Mensch. Es erhält Zahlen, zum Beispiel Farbwerte einzelner Pixel.

Ein typisches neuronales Netz besitzt drei Arten von Schichten:

  1. Die Eingabeschicht nimmt die Merkmale auf.
  2. Eine oder mehrere verborgene Schichten verarbeiten und kombinieren die Werte.
  3. Die Ausgabeschicht liefert die Vorhersage, etwa zwei Werte für „Apfel“ und „Birne“.
Definition

Künstliches Neuron

Ein künstliches Neuron ist eine Recheneinheit. Es gewichtet seine Eingaben, addiert sie zusammen mit einem Bias und wendet anschließend eine Aktivierungsfunktion an.

Die Verbindungen zwischen Neuronen heißen Kanten. Jede Kante trägt ein Gewicht. Ein großes positives Gewicht verstärkt den Einfluss eines Eingangswerts. Ein kleines Gewicht schwächt ihn. Ein negatives Gewicht wirkt ihm entgegen.

Der Bias ist ein zusätzlicher einstellbarer Wert. Er verschiebt die Schwelle, ab der ein Neuron deutlich reagiert.

Beispiel

Bei einer Spam-Erkennung können Wörter und Ausdrücke als Eingabemerkmale dienen. Frühe Neuronen verarbeiten einzelne Signale. Spätere Schichten verbinden sie zu Hinweisen auf Kontext und Ton. Die Ausgabe kann schließlich einen Wert für die Wahrscheinlichkeit von Spam liefern.

Ein einzelnes Wort entscheidet dabei nicht automatisch über das Ergebnis. Sein Einfluss hängt von den gelernten Gewichten und den übrigen Merkmalen ab.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Die nimmt Merkmale auf. Eine Verbindung beeinflusst die Rechnung durch ihr . Der verschiebt die Aktivierungsschwelle. Am Ende liefert die die Vorhersage.

Lösungen: Lücke 1: Eingabeschicht; Lücke 2: Gewicht; Lücke 3: Bias; Lücke 4: Ausgabeschicht. Verfolge immer die Richtung des Datenflusses: Eingabe, Verarbeitung in verborgenen Schichten, Ausgabe.
So rechnet ein einzelnes Neuron

Ein Neuron führt zwei zentrale Schritte aus. Zuerst bildet es die gewichtete Summe:

$$z = w_1 x_1 + w_2 x_2 + ... + w_n x_n + b$$

Dabei sind $x_i$ die Eingaben, $w_i$ die Gewichte und $b$ der Bias. Danach berechnet die Aktivierungsfunktion aus $z$ die Ausgabe $a$:

$$a = sigma(z)$$

Die Aktivierungsfunktion legt fest, wie das Neuron auf die gewichtete Summe reagiert. Eine einfache Schwellenwertfunktion gibt nur 0 oder 1 aus. Andere Funktionen wie Sigmoid, tanh oder ReLU ermöglichen abgestufte Ausgaben oder nichtlineare Verarbeitung.

Beispiel

Zwei Neuronen liefern die Werte $1$ und $0{,}6$. Die zugehörigen Gewichte sind $0{,}4$ und $-0{,}5$. Für dieses Beispiel ist der Bias $0$.

Die gewichtete Summe lautet:

$$z = 1 \cdot 0{,}4 + 0{,}6 \cdot (-0{,}5) = 0{,}4 - 0{,}3 = 0{,}1$$

Die verwendete Aktivierungsfunktion lässt Werte ab 0 passieren und setzt negative Werte auf 0. Deshalb ist die Ausgabe des Neurons hier $0{,}1$.

Der entscheidende Gedanke: Das Neuron addiert nicht einfach die Eingaben. Es multipliziert jeden Eingangswert zuerst mit seinem Gewicht.

Merke

Ein Neuron „denkt“ nicht. Es führt eine festgelegte Rechnung mit veränderbaren Parametern aus.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWas bewirkt ein negatives Gewicht?
Lösung: Es lässt einen Eingangswert in entgegengesetzter Richtung auf die Summe wirken. — Das Vorzeichen des Gewichts bestimmt die Richtung des Einflusses auf die gewichtete Summe.
Frage 2 von 2MittelWelcher Rechenweg gehört zu den Werten $1$, $0{,}6$, $0{,}4$ und $-0{,}5$?
Lösung: $1 \cdot 0{,}4 + 0{,}6 \cdot (-0{,}5)$ — Jeder Eingangswert wird mit seinem zugehörigen Gewicht multipliziert. Hier ergibt sich $0{,}1$.
Wie ein Netz trainiert wird

Zu Beginn sind die Gewichte häufig zufällig gewählt. Deshalb sind falsche Vorhersagen zunächst normal. Im Apfel-Birnen-Beispiel kann das Netz etwa $0{,}6$ für „Birne“ und $0{,}4$ für „Apfel“ ausgeben, obwohl das Bild einen Apfel zeigt.

Beim überwachten Lernen besitzt jedes Trainingsbeispiel eine bekannte Zielausgabe, das Label. Das Netz durchläuft wiederholt diesen Zyklus:

  1. Beim Vorwärtsdurchlauf berechnet es aus der Eingabe eine Vorhersage.
  2. Eine Verlustfunktion misst die Abweichung zwischen Vorhersage und Ziel.
  3. Die Backpropagation ermittelt rückwärts durch das Netz, wie die einzelnen Parameter zum Fehler beitragen.
  4. Der Gradientenabstieg verändert Gewichte und Biaswerte schrittweise in eine Richtung, die den Verlust verringern soll.
  5. Der Vorgang wird mit weiteren Trainingsbeispielen wiederholt.

Eine mögliche Verlustfunktion ist die Summe der quadrierten Abweichungen:

$$L = (a_1-e_1)^2 + ... + (a_n-e_n)^2$$

$a_i$ bezeichnet eine Ausgabe des Netzes, $e_i$ den erwarteten Wert. Je näher $L$ an 0 liegt, desto näher liegen diese Ausgaben an den Zielwerten.

Definition

Backpropagation

Backpropagation ist das Verfahren, mit dem Fehlerinformationen von der Ausgabe zu früheren Schichten zurückgeführt werden. Es berechnet mithilfe der Kettenregel den Einfluss der Parameter auf den Verlust.

Gut zu wissen

Backpropagation berechnet die benötigten Änderungsrichtungen. Der Gradientenabstieg nutzt diese Information für kleine Parameteränderungen. Er garantiert nicht, dass das Netz danach jedes unbekannte Beispiel richtig behandelt.

Beim unüberwachten Lernen fehlen vorgegebene richtige Zielausgaben. Das Verfahren soll stattdessen selbst Muster oder Gruppen in den Daten finden. Der oben beschriebene direkte Vergleich mit einem korrekten Klassenlabel gehört daher zum überwachten Lernen.

Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWozu dient die Verlustfunktion?
Lösung: Sie misst die Abweichung zwischen Vorhersage und Ziel. — Ohne ein Maß für den Fehler fehlt beim überwachten Training die Zielgröße, die verringert werden soll.
Frage 2 von 3MittelWas geschieht unmittelbar vor der Backpropagation?
Lösung: Die Vorhersage wird mit dem Ziel verglichen und der Verlust bestimmt. — Die Reihenfolge lautet: Vorwärtsdurchlauf, Verlust bestimmen, Fehler rückwärts zuordnen, Parameter anpassen.
Frage 3 von 3SchwerEin Datensatz enthält Bilder, aber keine vorgegebenen Klassen. Welche Aussage passt?
Lösung: Eine unüberwachte Methode kann nach Mustern oder Gruppen suchen. — Entscheidend ist die verfügbare Rückmeldung: Beim überwachten Lernen gibt es Zielausgaben, beim unüberwachten Lernen nicht.
Welche Architektur passt zur Aufgabe?

Nicht jedes neuronale Netz verbindet seine Neuronen auf dieselbe Weise. Die Architektur bestimmt, wie Informationen weitergegeben und kombiniert werden.

Perzeptron

Die Grundform des Perzeptrons besteht aus einem künstlichen Neuron. Es addiert gewichtete Eingaben und trifft mit einer Schwellenwertfunktion eine binäre Entscheidung, zum Beispiel 0 oder 1.

Feed-Forward-Netz

In einem Feed-Forward-Netz laufen Signale nur von der Eingabe zur Ausgabe. Es gibt keine zurückgerichteten Verbindungen. Viele verborgene Schichten ermöglichen eine tiefe Verarbeitung; solche tiefen Netze gehören zum Deep Learning.

Convolutional Neural Network

Ein Convolutional Neural Network, kurz CNN, ist besonders für gitterartige Daten wie Bilder geeignet. Filter werden über die Eingabe geschoben und erfassen räumliche Merkmale. Pooling kann die Darstellung verkleinern und dabei wichtige Informationen erhalten.

Recurrent Neural Network

Ein Recurrent Neural Network, kurz RNN, führt Informationen aus früheren Verarbeitungsschritten weiter. Dieses Gedächtnis hilft bei Sequenzen. So kann der vorausgehende Satzteil entscheiden, ob „Bank“ eine Sitzgelegenheit oder ein Geldinstitut meint. LSTM-Einheiten sind eine Variante für längerfristige Abhängigkeiten.

Transformer

Transformer verwenden Aufmerksamkeitsmechanismen, um datenabhängige Beziehungen zwischen Teilen einer Eingabe zu gewichten. Sie haben RNNs bei vielen Sequenzaufgaben ersetzt und bilden eine Grundlage moderner Sprachmodelle.

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Frage 1 von 3LeichtWelche Architektur ist besonders auf räumliche Muster in Bildern ausgerichtet?
Lösung: CNN — CNNs nutzen Faltungen, um räumlich benachbarte Werte gemeinsam zu verarbeiten.
Frage 2 von 3MittelEin Wort soll mithilfe vorhergehender Wörter gedeutet werden. Welche Eigenschaft ist dafür nützlich?
Lösung: Ein weitergeführter Zustand oder ein Aufmerksamkeitsmechanismus — RNNs führen Zustände über Verarbeitungsschritte weiter; Transformer erfassen Beziehungen durch Attention.
Frage 3 von 3SchwerEin Netz soll handschriftliche Ziffern in Bildern erkennen. Welche Wahl ist am besten begründet?
Lösung: Ein CNN, weil Faltungsfilter räumliche Bildmerkmale erfassen können — Die Datenstruktur leitet die Wahl: Bilder besitzen räumliche Nachbarschaften, für die CNNs ausgelegt sind.
Trainingserfolg und Grenzen beurteilen

Ein kleiner Trainingsfehler beweist noch nicht, dass ein Netz seine Aufgabe allgemein gelernt hat. Es kann die Trainingsbeispiele zu genau nachbilden und bei neuen Daten versagen. Das heißt Überanpassung oder Overfitting.

Deshalb werden Trainings- und Testdaten getrennt:

  • Mit Trainingsdaten werden Gewichte und Biaswerte angepasst.
  • Mit zuvor nicht zum Anpassen verwendeten Testdaten wird geprüft, wie gut das Modell auf unbekannte Beispiele überträgt.

Eine deutlich bessere Trainingsgüte als Testgüte ist ein Warnzeichen für mögliche Überanpassung. Sie zeigt einen Prüfbedarf, erklärt aber noch nicht allein die genaue Ursache.

Auch die Qualität der Daten zählt. Sind Beispiele einseitig oder enthalten sie unerwünschte Muster, kann das Netz diese Muster lernen. Bei Bildern könnte es etwa die Helligkeit statt der eigentlich wichtigen Form verwenden.

Merke

Mehr Parameter ermöglichen komplexere Zusammenhänge, erhöhen aber ohne passende Daten und Kontrolle auch das Risiko der Überanpassung.

Die inneren Wechselwirkungen vieler Neuronen sind oft schwer nachzuvollziehen. Diese eingeschränkte Interpretierbarkeit wird häufig als Black-Box-Problem beschrieben. Eine hohe ausgegebene Wahrscheinlichkeit ist außerdem keine Garantie für eine richtige Entscheidung.

Ein neuronales Netz ist ein Modell innerhalb eines KI-Systems. Für die Folgen einer Anwendung sind zusätzlich die Daten, die gewählte Aufgabe, Entscheidungsschwellen, organisatorische Abläufe und die betroffenen Menschen wichtig.

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Frage 1 von 3LeichtWoran lässt sich mögliche Überanpassung erkennen?
Lösung: Das Netz ist auf Trainingsdaten deutlich besser als auf getrennten Testdaten. — Überanpassung bedeutet, dass das Modell die Trainingsdaten gut trifft, aber schlecht auf unbekannte Daten überträgt.
Frage 2 von 3MittelWarum sollen Testdaten nicht zum Einstellen der Gewichte verwendet werden?
Lösung: Sonst prüfen sie nicht mehr unabhängig die Übertragung auf unbekannte Daten. — Testdaten sollen eine neue Situation simulieren. Werden sie zum Anpassen genutzt, verliert die Prüfung ihre unabhängige Aussagekraft.
Frage 3 von 3SchwerEin Bilderkennungsnetz nutzt hauptsächlich die Bildhelligkeit statt der gesuchten Form. Was folgt daraus?
Lösung: Die Trainingsdaten oder Merkmale haben ein unerwünschtes Entscheidungsmuster ermöglicht. — Prüfe nicht nur die Trefferzahl, sondern auch unbekannte Daten und mögliche unerwünschte Merkmale.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Neuronales Netz
    • Aufbau: Eingabe, verborgene Schichten, Ausgabe
    • Neuron: Eingaben, Gewichte, Bias, Aktivierung
    • Training: Vorhersage, Verlust, Backpropagation, Parameterupdate
    • Architekturen: Perzeptron, Feed Forward, CNN, RNN, Transformer
    • Prüfung: getrennte Testdaten und Generalisierung
    • Grenzen: Datenqualität, Überanpassung, Interpretierbarkeit
Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelche Reihenfolge beschreibt die Rechnung eines Neurons?
Lösung: Eingaben gewichten, Produkte und Bias addieren, Aktivierungsfunktion anwenden — Erst entsteht die gewichtete Summe $z$; danach berechnet die Aktivierungsfunktion die Ausgabe $a$.
Frage 2 von 4MittelFür ein Neuron gelten $x_1=1$, $w_1=0{,}4$, $x_2=0{,}6$, $w_2=-0{,}5$ und $b=0$. Welches Ergebnis hat die gewichtete Summe?
Lösung: $0{,}1$ — Die Rechnung lautet $1 \cdot 0{,}4 + 0{,}6 \cdot (-0{,}5) + 0 = 0{,}1$.
Frage 3 von 4MittelWelche Aussage trennt überwachtes und unüberwachtes Lernen richtig?
Lösung: Beim überwachten Lernen stehen Zielausgaben bereit; beim unüberwachten Lernen nicht. — Die Art der Rückmeldung ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal.
Frage 4 von 4SchwerEin Netz erreicht auf Trainingsbildern fast perfekte Ergebnisse, scheitert aber häufig an neuen Bildern. Welche nächste Prüfung ist am sinnvollsten?
Lösung: Trainings- und Testdaten, gelernte Merkmale und mögliche Überanpassung untersuchen — Gute Generalisierung zeigt sich an zuvor nicht zum Training verwendeten Daten. Mehr Komplexität allein löst das Problem nicht.

Du hast den Kern verstanden, wenn du nicht nur Netztypen benennen kannst, sondern den vollständigen Zusammenhang erklären kannst: Eingaben werden vorwärts verarbeitet, der Fehler wird bewertet, Parameter werden angepasst und die Übertragung auf unbekannte Daten wird getrennt geprüft.

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