Neuronales Netz: Aufbau, Berechnung und Training
Ein neuronales Netz wandelt Zahlen in andere Zahlen um. Dazu verarbeitet es Eingaben schrittweise mit Gewichten, Biaswerten und Aktivierungsfunktionen. Beim Training werden diese Parameter so angepasst, dass der Fehler für die Trainingsaufgabe kleiner wird.
Auf dieser Seite verfolgst du den Weg einer Eingabe durch ein Netz, berechnest ein einzelnes Neuron und beurteilst, was Training leisten kann – und was nicht.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Vom Eingang zur Ausgabe
Stell dir vor, ein Programm soll ein Bild als Apfel oder Birne einordnen. Das Netz sieht keine Frucht wie ein Mensch. Es erhält Zahlen, zum Beispiel Farbwerte einzelner Pixel.
Ein typisches neuronales Netz besitzt drei Arten von Schichten:
- Die Eingabeschicht nimmt die Merkmale auf.
- Eine oder mehrere verborgene Schichten verarbeiten und kombinieren die Werte.
- Die Ausgabeschicht liefert die Vorhersage, etwa zwei Werte für „Apfel“ und „Birne“.
Künstliches Neuron
Ein künstliches Neuron ist eine Recheneinheit. Es gewichtet seine Eingaben, addiert sie zusammen mit einem Bias und wendet anschließend eine Aktivierungsfunktion an.
Die Verbindungen zwischen Neuronen heißen Kanten. Jede Kante trägt ein Gewicht. Ein großes positives Gewicht verstärkt den Einfluss eines Eingangswerts. Ein kleines Gewicht schwächt ihn. Ein negatives Gewicht wirkt ihm entgegen.
Der Bias ist ein zusätzlicher einstellbarer Wert. Er verschiebt die Schwelle, ab der ein Neuron deutlich reagiert.
Bei einer Spam-Erkennung können Wörter und Ausdrücke als Eingabemerkmale dienen. Frühe Neuronen verarbeiten einzelne Signale. Spätere Schichten verbinden sie zu Hinweisen auf Kontext und Ton. Die Ausgabe kann schließlich einen Wert für die Wahrscheinlichkeit von Spam liefern.
Ein einzelnes Wort entscheidet dabei nicht automatisch über das Ergebnis. Sein Einfluss hängt von den gelernten Gewichten und den übrigen Merkmalen ab.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die nimmt Merkmale auf. Eine Verbindung beeinflusst die Rechnung durch ihr . Der verschiebt die Aktivierungsschwelle. Am Ende liefert die die Vorhersage.
So rechnet ein einzelnes Neuron
Ein Neuron führt zwei zentrale Schritte aus. Zuerst bildet es die gewichtete Summe:
$$z = w_1 x_1 + w_2 x_2 + ... + w_n x_n + b$$
Dabei sind $x_i$ die Eingaben, $w_i$ die Gewichte und $b$ der Bias. Danach berechnet die Aktivierungsfunktion aus $z$ die Ausgabe $a$:
$$a = sigma(z)$$
Die Aktivierungsfunktion legt fest, wie das Neuron auf die gewichtete Summe reagiert. Eine einfache Schwellenwertfunktion gibt nur 0 oder 1 aus. Andere Funktionen wie Sigmoid, tanh oder ReLU ermöglichen abgestufte Ausgaben oder nichtlineare Verarbeitung.
Zwei Neuronen liefern die Werte $1$ und $0{,}6$. Die zugehörigen Gewichte sind $0{,}4$ und $-0{,}5$. Für dieses Beispiel ist der Bias $0$.
Die gewichtete Summe lautet:
$$z = 1 \cdot 0{,}4 + 0{,}6 \cdot (-0{,}5) = 0{,}4 - 0{,}3 = 0{,}1$$
Die verwendete Aktivierungsfunktion lässt Werte ab 0 passieren und setzt negative Werte auf 0. Deshalb ist die Ausgabe des Neurons hier $0{,}1$.
Der entscheidende Gedanke: Das Neuron addiert nicht einfach die Eingaben. Es multipliziert jeden Eingangswert zuerst mit seinem Gewicht.
Ein Neuron „denkt“ nicht. Es führt eine festgelegte Rechnung mit veränderbaren Parametern aus.
Wie ein Netz trainiert wird
Zu Beginn sind die Gewichte häufig zufällig gewählt. Deshalb sind falsche Vorhersagen zunächst normal. Im Apfel-Birnen-Beispiel kann das Netz etwa $0{,}6$ für „Birne“ und $0{,}4$ für „Apfel“ ausgeben, obwohl das Bild einen Apfel zeigt.
Beim überwachten Lernen besitzt jedes Trainingsbeispiel eine bekannte Zielausgabe, das Label. Das Netz durchläuft wiederholt diesen Zyklus:
- Beim Vorwärtsdurchlauf berechnet es aus der Eingabe eine Vorhersage.
- Eine Verlustfunktion misst die Abweichung zwischen Vorhersage und Ziel.
- Die Backpropagation ermittelt rückwärts durch das Netz, wie die einzelnen Parameter zum Fehler beitragen.
- Der Gradientenabstieg verändert Gewichte und Biaswerte schrittweise in eine Richtung, die den Verlust verringern soll.
- Der Vorgang wird mit weiteren Trainingsbeispielen wiederholt.
Eine mögliche Verlustfunktion ist die Summe der quadrierten Abweichungen:
$$L = (a_1-e_1)^2 + ... + (a_n-e_n)^2$$
$a_i$ bezeichnet eine Ausgabe des Netzes, $e_i$ den erwarteten Wert. Je näher $L$ an 0 liegt, desto näher liegen diese Ausgaben an den Zielwerten.
Backpropagation
Backpropagation ist das Verfahren, mit dem Fehlerinformationen von der Ausgabe zu früheren Schichten zurückgeführt werden. Es berechnet mithilfe der Kettenregel den Einfluss der Parameter auf den Verlust.
Backpropagation berechnet die benötigten Änderungsrichtungen. Der Gradientenabstieg nutzt diese Information für kleine Parameteränderungen. Er garantiert nicht, dass das Netz danach jedes unbekannte Beispiel richtig behandelt.
Beim unüberwachten Lernen fehlen vorgegebene richtige Zielausgaben. Das Verfahren soll stattdessen selbst Muster oder Gruppen in den Daten finden. Der oben beschriebene direkte Vergleich mit einem korrekten Klassenlabel gehört daher zum überwachten Lernen.
Welche Architektur passt zur Aufgabe?
Nicht jedes neuronale Netz verbindet seine Neuronen auf dieselbe Weise. Die Architektur bestimmt, wie Informationen weitergegeben und kombiniert werden.
Perzeptron
Die Grundform des Perzeptrons besteht aus einem künstlichen Neuron. Es addiert gewichtete Eingaben und trifft mit einer Schwellenwertfunktion eine binäre Entscheidung, zum Beispiel 0 oder 1.
Feed-Forward-Netz
In einem Feed-Forward-Netz laufen Signale nur von der Eingabe zur Ausgabe. Es gibt keine zurückgerichteten Verbindungen. Viele verborgene Schichten ermöglichen eine tiefe Verarbeitung; solche tiefen Netze gehören zum Deep Learning.
Convolutional Neural Network
Ein Convolutional Neural Network, kurz CNN, ist besonders für gitterartige Daten wie Bilder geeignet. Filter werden über die Eingabe geschoben und erfassen räumliche Merkmale. Pooling kann die Darstellung verkleinern und dabei wichtige Informationen erhalten.
Recurrent Neural Network
Ein Recurrent Neural Network, kurz RNN, führt Informationen aus früheren Verarbeitungsschritten weiter. Dieses Gedächtnis hilft bei Sequenzen. So kann der vorausgehende Satzteil entscheiden, ob „Bank“ eine Sitzgelegenheit oder ein Geldinstitut meint. LSTM-Einheiten sind eine Variante für längerfristige Abhängigkeiten.
Transformer
Transformer verwenden Aufmerksamkeitsmechanismen, um datenabhängige Beziehungen zwischen Teilen einer Eingabe zu gewichten. Sie haben RNNs bei vielen Sequenzaufgaben ersetzt und bilden eine Grundlage moderner Sprachmodelle.
Trainingserfolg und Grenzen beurteilen
Ein kleiner Trainingsfehler beweist noch nicht, dass ein Netz seine Aufgabe allgemein gelernt hat. Es kann die Trainingsbeispiele zu genau nachbilden und bei neuen Daten versagen. Das heißt Überanpassung oder Overfitting.
Deshalb werden Trainings- und Testdaten getrennt:
- Mit Trainingsdaten werden Gewichte und Biaswerte angepasst.
- Mit zuvor nicht zum Anpassen verwendeten Testdaten wird geprüft, wie gut das Modell auf unbekannte Beispiele überträgt.
Eine deutlich bessere Trainingsgüte als Testgüte ist ein Warnzeichen für mögliche Überanpassung. Sie zeigt einen Prüfbedarf, erklärt aber noch nicht allein die genaue Ursache.
Auch die Qualität der Daten zählt. Sind Beispiele einseitig oder enthalten sie unerwünschte Muster, kann das Netz diese Muster lernen. Bei Bildern könnte es etwa die Helligkeit statt der eigentlich wichtigen Form verwenden.
Mehr Parameter ermöglichen komplexere Zusammenhänge, erhöhen aber ohne passende Daten und Kontrolle auch das Risiko der Überanpassung.
Die inneren Wechselwirkungen vieler Neuronen sind oft schwer nachzuvollziehen. Diese eingeschränkte Interpretierbarkeit wird häufig als Black-Box-Problem beschrieben. Eine hohe ausgegebene Wahrscheinlichkeit ist außerdem keine Garantie für eine richtige Entscheidung.
Ein neuronales Netz ist ein Modell innerhalb eines KI-Systems. Für die Folgen einer Anwendung sind zusätzlich die Daten, die gewählte Aufgabe, Entscheidungsschwellen, organisatorische Abläufe und die betroffenen Menschen wichtig.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Neuronales Netz
- Aufbau: Eingabe, verborgene Schichten, Ausgabe
- Neuron: Eingaben, Gewichte, Bias, Aktivierung
- Training: Vorhersage, Verlust, Backpropagation, Parameterupdate
- Architekturen: Perzeptron, Feed Forward, CNN, RNN, Transformer
- Prüfung: getrennte Testdaten und Generalisierung
- Grenzen: Datenqualität, Überanpassung, Interpretierbarkeit
Abschluss-Check
Du hast den Kern verstanden, wenn du nicht nur Netztypen benennen kannst, sondern den vollständigen Zusammenhang erklären kannst: Eingaben werden vorwärts verarbeitet, der Fehler wird bewertet, Parameter werden angepasst und die Übertragung auf unbekannte Daten wird getrennt geprüft.
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