Informatik

Rechenschieber: Prinzip, Bedienung und Geschichte

Rechenschieber: Prinzip, Bedienung und Geschichte
Rechenschieber: Prinzip, Bedienung und Geschichte
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Ein Rechenschieber ist ein analoges Rechenhilfsmittel. Er macht aus Multiplikationen das Addieren und aus Divisionen das Subtrahieren von Strecken. Das gelingt mit logarithmisch eingeteilten Skalen. Du liest meist zwei bis drei signifikante Stellen ab; die Größenordnung bestimmst du durch Überschlag.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Wie werden Produkte zu Streckensummen?

Auf einem gewöhnlichen Lineal sind gleiche Zahlenabstände gleich lang. Auf einer logarithmischen Skala richtet sich die Position einer positiven Zahl nach ihrem Logarithmus. Deshalb liegen 1, 2, 3 und 4 nicht in gleichen Abständen.

Definition

Logarithmische Skala

Eine logarithmische Skala ordnet einer positiven Zahl $x$ eine Strecke zu, die proportional zu $\lg(x)$ ist. Für eine Skalenlänge $L$ mit einer Dekade gilt: $l(x)=L\cdot\lg(x)$.

Der entscheidende Zusammenhang lautet:

$$\lg(a\cdot b)=\lg(a)+\lg(b)$$

Für eine Division gilt entsprechend:

$$\lg\left(\frac{a}{b}\right)=\lg(a)-\lg(b)$$

Legst du zwei logarithmische Strecken hintereinander, addierst du ihre Längen. Auf der Zahlenskala erscheint dadurch das Produkt. Ziehst du eine Strecke ab, erscheint der Quotient. Das funktioniert für positive Zahlen.

Beispiel

Bei $2\cdot3$ werden die logarithmischen Strecken für 2 und 3 addiert. Die entstandene Gesamtstrecke gehört zur 6, denn $\lg(2)+\lg(3)=\lg(6)$.

Merke

Der Rechenschieber addiert nicht die Zahlen 2 und 3. Er addiert ihre logarithmischen Strecken und zeigt deshalb das Produkt 6.

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Frage 1 von 1LeichtWarum kann der Rechenschieber $a\cdot b$ mithilfe zweier Strecken darstellen?
Lösung: Weil die Summe der logarithmischen Strecken zum Logarithmus des Produkts gehört. — Es gilt $\lg(a\cdot b)=\lg(a)+\lg(b)$. Das mechanische Addieren der Strecken ersetzt die Multiplikation positiver Zahlen.
Welche Teile bewegst du?

Ein typischer gerader Rechenschieber hat drei wichtige Teile:

  • Der Körper trägt feste Skalen, darunter häufig die Grundskala D.
  • Die Zunge lässt sich im Körper verschieben und trägt häufig die Grundskala C.
  • Der Läufer mit einer Querlinie hilft beim genauen Einstellen, Ablesen und Übertragen eines Zwischenwerts.

C und D zeigen gewöhnlich dieselbe Zahlenfolge von 1 bis 10. Weil sie gegeneinander verschiebbar sind, kannst du ihre logarithmischen Strecken aneinanderlegen. Weitere Skalen können Quadrate, Kuben, Wurzeln oder trigonometrische Funktionen darstellen.

Gut zu wissen

Ein Rechenschieber ist nicht dasselbe wie Napiersche Rechenstäbchen. Beim Rechenschieber werden logarithmische Skalen verschoben; Napiersche Stäbchen unterstützen eine tabellarisch zerlegte schriftliche Multiplikation.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aufgabe hat die bewegliche Zunge?
Lösung: Sie verschiebt eine logarithmische Skala gegenüber einer festen Skala. — Durch das Verschieben der Zunge werden logarithmische Strecken passend aneinandergelegt. Die Größenordnung musst du selbst prüfen.
Wie multiplizierst du auf C und D?

Berechne zuerst $2\cdot3$:

  1. Stelle den C-Index 1 über die 2 auf D.
  2. Suche die 3 auf C und stelle den Läufer dorthin.
  3. Lies unter dem Läufer auf D die Ziffernfolge 6 ab.
  4. Überschlage: $2\cdot3$ liegt zwischen 4 und 8. Daher ist das Ergebnis 6 und nicht 0,6 oder 60.
Beispiel

Für $4\cdot8$ reicht die Skala bei dieser Anordnung nach rechts nicht aus. Stelle deshalb den C-Endindex 10 über die 4 auf D. Unter der 8 auf C liest du auf D die Ziffernfolge 3,2 ab. Der Überschlag $4\cdot8\approx4\cdot10=40$ zeigt: Gemeint ist 32, nicht 3,2. Dieses Umsetzen der Zunge heißt Rückschlag oder Durchschieben.

Merke

Die Skala liefert eine Ziffernfolge. Erst dein Überschlag liefert die passende Größenordnung und damit die Stellung des Dezimalpunkts.

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Frage 1 von 1MittelDu liest bei $3{,}4\cdot2{,}8$ ungefähr 9,5 ab. Welcher Überschlag bestätigt die Größenordnung?
Lösung: $3\cdot3\approx9$ — Runde die Faktoren auf nahe, leicht rechenbare Zahlen: $3{,}4\approx3$ und $2{,}8\approx3$. Das genaue Produkt ist 9,52; eine Ablesung von etwa 9,5 ist plausibel.
Wie dividierst du und prüfst das Ergebnis?

Bei einer Division ziehst du logarithmische Strecken voneinander ab. Für $5{,}5:2$ gehst du so vor:

  1. Stelle die 2 auf C über die 5,5 auf D.
  2. Bewege den Läufer zum C-Index 1.
  3. Lies auf D die Ziffernfolge 2,75 ab.
  4. Prüfe: $2\cdot2{,}75=5{,}5$. Der Quotient 2,75 passt.

Ein Rechenschieber mit etwa 30 cm Länge liefert typischerweise zwei bis drei signifikante Stellen. Signifikante Stellen sind die aussagekräftigen Ziffern ab der ersten von null verschiedenen Ziffer. Die Werte 2,75 und 0,0275 haben daher beide drei signifikante Stellen.

Die Genauigkeit hängt unter anderem von Skalenlänge, Teilung, Einstellung und Ablesung ab. Mehr Ziffern vorzutäuschen wäre unredlich: Aus einer Ablesung von ungefähr 2,75 wird nicht plötzlich 2,750000.

Beispiel

Wenn du bei einer Rechnung die Ziffernfolge 6 abliest, kann sie je nach Aufgabe 0,06, 0,6, 6, 60 oder 600 bedeuten. Bei $20\cdot3$ zeigt der Überschlag $20\cdot3=60$, welche Größenordnung gemeint ist.

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Frage 1 von 1MittelAuf der Skala liest du bei $48:2$ die Ziffernfolge 2,4 ab. Welches Ergebnis ist richtig?
Lösung: 24 — Der Rechenschieber zeigt die Ziffernfolge. Der Überschlag $48:2\approx50:2=25$ ordnet sie als 24 ein.
Warum gehört der Rechenschieber zur Informatikgeschichte?

Der Rechenschieber verarbeitet Zahlen analog: Eine Zahl wird durch eine Position auf einer Skala dargestellt. Rechnen geschieht durch mechanisches Verschieben und Ablesen, nicht durch ein gespeichertes Programm.

Seine Entwicklung wurde durch Logarithmen zu Beginn des 17. Jahrhunderts möglich. 1630 veröffentlichte Richard Delamain einen kreisförmigen Rechenschieber mit verschiebbaren Skalen. Gerade Bauformen mit beweglicher Zunge sind aus den 1650er-Jahren bekannt. Besonders ab etwa 1850 wurde das Instrument in Technik, Naturwissenschaften, Studium und Schule verbreitet eingesetzt.

Seine technischen Eigenschaften prägten die Nutzung:

SystemeigenschaftFolge beim Arbeiten
ohne Strom nutzbarmobil und unabhängig von Batterien
logarithmische Skalenschnelle Multiplikation und Division
begrenzte Skalenlängemeist nur zwei bis drei signifikante Stellen
keine Anzeige der GrößenordnungÜberschlag und Kopfarbeit bleiben nötig
Zusatzskalenweitere Funktionen, aber mehr Platzbedarf und Komplexität

1972 erschien mit dem HP-35 ein erfolgreicher technisch-wissenschaftlicher elektronischer Taschenrechner. Als solche Rechner um 1975 günstiger wurden, stellten Schulen und viele Fachgebiete um; die allgemeine Produktion und Nutzung des Rechenschiebers endeten weitgehend.

Gut zu wissen

Der Rechenschieber ist ein Beispiel dafür, dass eine Rechentechnik nicht nur vom mathematischen Verfahren abhängt. Genauigkeit, Preis, Energiebedarf, Bedienbarkeit und verfügbare Funktionen beeinflussen, welches Werkzeug Menschen verwenden.

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Frage 1 von 1SchwerWelche Erklärung verbindet eine technische Eigenschaft mit der historischen Ablösung des Rechenschiebers?
Lösung: Elektronische wissenschaftliche Rechner boten mehr Funktionen und genauere Digitalanzeigen; mit sinkenden Preisen wurden sie alltagstauglich. — Die Ablösung lässt sich durch das Zusammenspiel von Funktionen, Genauigkeit und sinkenden Preisen elektronischer Rechner erklären. Der Rechenschieber selbst benötigt keine Batterie.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Rechenschieber
    • Mathematisches Prinzip
      • Multiplikation: logarithmische Strecken addieren
      • Division: logarithmische Strecken subtrahieren
    • Bedienung
      • Körper und Zunge gegeneinander verschieben
      • Läufer zum Einstellen und Ablesen nutzen
    • Ergebniskontrolle
      • Größenordnung überschlagen
      • begrenzte signifikante Stellen beachten
    • Historische Bedeutung
      • analoges Rechnen ohne Strom
      • Ablösung durch elektronische Taschenrechner
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas zeigt ein gewöhnlicher Rechenschieber nicht automatisch an?
Lösung: Die Größenordnung und damit die eindeutige Stellung des Dezimalpunkts — Die Skalen liefern eine Ziffernfolge. Ob sie etwa 0,6, 6 oder 60 bedeutet, entscheidest du durch Überschlag.
Frage 2 von 3MittelDu willst $4\cdot8$ einstellen, doch die Skala reicht nach rechts nicht. Was ist sinnvoll?
Lösung: Den C-Endindex 10 statt des C-Index 1 ansetzen und die Größenordnung überschlagen — Beim Rückschlag setzt du die Zunge am anderen Index an. Du liest 3,2 als Ziffernfolge und ordnest sie durch Überschlag als 32 ein.
Frage 3 von 3SchwerEin analoger Rechenschieber zeigt für eine technische Rechnung ungefähr 7,36. Welche Ergebnisangabe ist am glaubwürdigsten?
Lösung: ungefähr 7,36, ergänzt um eine Prüfung der Größenordnung — Die Skalen erlauben gewöhnlich zwei bis drei signifikante Stellen. Eine passende Ergebnisangabe wahrt diese Genauigkeit und prüft zusätzlich die Größenordnung.

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