MIDI einfach erklärt: Grundlagen und Anwendung
MIDI überträgt musikalische Steuerdaten, aber keinen fertigen Klang. Es teilt einem Klangerzeuger zum Beispiel mit, welche Note er wie stark und wie lange spielen soll. Dadurch kannst du eine Aufnahme später gezielt verändern oder mit einem anderen Instrument abspielen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was MIDI überträgt
MIDI ist die Abkürzung für Musical Instrument Digital Interface. Der Standard ermöglicht den Austausch musikalischer Steuerinformationen zwischen elektronischen Instrumenten, Computern und anderen Geräten.
MIDI
MIDI beschreibt Steuerinformationen wie Note, Anschlagstärke, Notenlänge, Klangwahl oder Reglerbewegung. Die eigentliche Schallwelle ist nicht enthalten.
Der grundlegende Ablauf lautet:
- Du drückst eine Taste auf einem Keyboard.
- Das Keyboard sendet MIDI-Daten.
- Ein Klangerzeuger empfängt und verarbeitet die Daten.
- Der Klangerzeuger erzeugt das hörbare Audiosignal.
Du spielst die Note C auf einem MIDI-Keyboard. Das Keyboard sendet unter anderem die Tonhöhe und die Anschlagstärke. Ein virtueller Flügel kann daraus einen Klavierton erzeugen. Wählst du stattdessen einen Synthesizer, bleiben die MIDI-Noten gleich, aber der hörbare Klang ändert sich.
MIDI beschreibt, was gespielt werden soll. Audio hält fest, wie es klingt.
Welche Nachrichten ein Instrument versteht
Beim Spielen entstehen einzelne MIDI-Nachrichten. Ein Empfänger reagiert nur, wenn er die jeweilige Nachricht unterstützt.
- Note On startet eine Note.
- Note Off beendet eine Note.
- Velocity beschreibt meist die Anschlagstärke.
- Program Change wählt ein Klangprogramm.
- Control Change, kurz CC, verändert einen Parameter. Das Haltepedal verwendet häufig CC 64.
- Pitch Bend verändert die Tonhöhe gleitend.
- Aftertouch übermittelt zusätzlichen Druck nach dem Anschlag.
Du schlägst eine Taste an. Eine Note-On-Nachricht nennt den MIDI-Kanal, die Tonhöhe und die Velocity. Der Klangerzeuger beginnt den Ton. Beim Loslassen folgt die passende Note-Off-Nachricht, und der Ton endet.
Fehlt Note Off, kann der Ton weiterklingen. Dieser Fehler wird oft als „hängende Note“ bezeichnet.
In einer Piano Roll erscheinen Noten als Balken: Ihre vertikale Lage zeigt die Tonhöhe, ihre horizontale Lage den Zeitpunkt und ihre Länge die Notendauer. In einem Velocity-Editor kannst du die Anschlagstärken verändern. Eine Ereignisliste zeigt die Nachrichten dagegen als Werte und Zeitangaben.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
MIDI überträgt . Eine Note beginnt mit und endet normalerweise mit . In der Piano Roll zeigt die Balkenlänge die .
Wie du MIDI-Geräte verbindest
Klassische MIDI-Geräte besitzen unterschiedliche Anschlüsse:
- MIDI-Out sendet die im Gerät erzeugten Daten.
- MIDI-In empfängt Daten.
- MIDI-Thru reicht am Eingang empfangene Daten unverändert weiter.
Für eine einfache Verbindung steckst du ein Kabel vom Out des Senders in den In des Empfängers. Die Audioausgänge des Klangerzeugers musst du zusätzlich mit Lautsprechern, Kopfhörern oder einem Mischpult verbinden.
MIDI-Kanal
Eine klassische MIDI-Verbindung führt bis zu 16 logisch getrennte Kanäle. Ein Kanal ist keine eigene Leitung, sondern eine Kennzeichnung innerhalb der übertragenen Daten.
Sender und Empfänger müssen auf zusammenpassende Kanäle eingestellt sein. Ein multitimbrales Gerät kann mehreren Kanälen verschiedene Klänge zuordnen. So kann etwa Kanal 1 ein Klavier und Kanal 10 ein Schlagzeug ansprechen.
Ein Keyboard sendet auf Kanal 1. Der Synthesizer empfängt auf Kanal 1 und spielt einen Flügelklang. Empfängt der Synthesizer nur auf Kanal 2, bleibt er stumm. Die Lösung ist nicht zwangsläufig ein neues Kabel: Zuerst prüfst du Sende- und Empfangskanal.
Wenn ein Keyboard seinen eigenen Klang direkt und zugleich über einen Sequenzer zurückgesendete MIDI-Daten spielt, kann eine störende Doppelung entstehen. Local Off trennt dann die Tastatur von der internen Klangerzeugung. Das ist nur nötig, wenn dein Signalweg die Daten tatsächlich zurückführt.
Ein reiner USB-MIDI-Controller lässt sich nicht mit einem passiven Steckeradapter direkt an ein DIN-MIDI-Gerät anschließen. USB benötigt einen aktiven Host, zum Beispiel einen Computer oder ein dafür gebautes USB-MIDI-Host-Gerät.
Wie du MIDI aufnimmst und bearbeitest
Ein Sequenzer zeichnet MIDI-Ereignisse auf, ordnet sie zeitlich und gibt sie wieder. Musiksoftware, die MIDI und Audio gemeinsam bearbeitet, wird häufig Digital Audio Workstation, kurz DAW, genannt.
Ein typischer Arbeitsweg besteht aus fünf Schritten:
- MIDI-Keyboard oder anderes Eingabegerät verbinden.
- Eine MIDI-Spur anlegen und einen Klangerzeuger wählen.
- Noten einspielen oder in der Piano Roll einzeichnen.
- Tonhöhe, Zeitpunkt, Länge und Velocity gezielt bearbeiten.
- Das Ergebnis als MIDI oder als Audio exportieren.
Quantisierung richtet gespielte Noten an einem zeitlichen Raster aus. Sie kann ungenaue Einsätze korrigieren. Eine zu starke Quantisierung kann aber gewollte kleine Timing-Unterschiede entfernen.
Eine Bassnote beginnt versehentlich zu früh und ist zu kurz.
- Du verschiebst den Notenbalken in der Piano Roll nach rechts, bis der Einsatz stimmt.
- Du ziehst seine rechte Kante nach außen, um die Note zu verlängern.
- Du hörst die Stelle im musikalischen Zusammenhang ab.
Der entscheidende Gedanke: Du bearbeitest die Steuerdaten der Note. Du musst den Klang nicht neu aufnehmen.
Wann MIDI und wann Audio sinnvoll ist
Ein MIDI-Export erhält die editierbaren Noten- und Steuerdaten. Der spätere Klang hängt weiterhin vom verwendeten Klangerzeuger ab. Auf einem anderen Gerät kann dieselbe Datei deshalb anders klingen.
Ein Audioexport schreibt den gewählten Instrumentenklang und die angewendeten Audioeffekte fest. Danach kannst du einzelne Noten jedoch nicht mehr so flexibel wie in der MIDI-Spur verschieben, verlängern oder neu instrumentieren.
| Ziel | Passendes Format | Begründung |
|---|---|---|
| Noten später weiterbearbeiten | MIDI | Steuerdaten bleiben einzeln veränderbar. |
| Anderen Klang ausprobieren | MIDI | Der Klangerzeuger lässt sich austauschen. |
| Ergebnis soll überall möglichst gleich klingen | Audio | Instrumentenklang und Audioeffekte werden festgeschrieben. |
| Einzelne falsche Tonhöhe korrigieren | MIDI | Die betreffende Note kann direkt verschoben werden. |
Klassisches MIDI überträgt seriell mit 31.250 Bit pro Sekunde. Ein gewöhnliches Ereignis aus drei Bytes benötigt dabei ungefähr 0,960 Millisekunden. Viele gleichzeitige Ereignisse, umfangreiche Steuerdaten oder lange Thru-Ketten können sich zeitlich bemerkbar machen. Parallele Ausgänge und kürzere Signalwege können die Belastung verteilen.
MIDI 1.0 verwendet für viele Werte den Bereich 0 bis 127 und stellt pro klassischer Verbindung 16 Kanäle bereit. MIDI 2.0 erweitert unter anderem Auflösung, Geräteabfrage und Timing, bleibt aber zu MIDI 1.0 abwärtskompatibel. Ein MIDI-1.0-Gerät kann weiter genutzt werden, erhält dadurch jedoch nicht automatisch die neuen Möglichkeiten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- MIDI
- überträgt Noten und Steuerdaten
- benötigt einen Klangerzeuger für hörbares Audio
- verbindet Sender-Out mit Empfänger-In
- trennt Geräte oder Klänge über bis zu 16 Kanäle
- erlaubt nachträgliche Bearbeitung im Sequenzer
- bleibt als MIDI flexibel oder wird als Audio klangfest exportiert
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