Terzverwandtschaft: Medianten sicher analysieren
Zwei Dur- oder Molldreiklänge sind terzverwandt, wenn ihre Grundtöne eine kleine oder große Terz auseinanderliegen. Solche Klänge heißen im weiteren Sinn Medianten; manche Harmonielehren verwenden diesen Namen enger für leiterfremde Terzverwandte. Wie ein terzverwandter Akkord harmonisch wirkt, entscheidet jedoch nicht allein sein Aufbau, sondern vor allem sein musikalischer Zusammenhang.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran erkennst du eine Terzverwandtschaft?
Betrachte zuerst die Grundtöne der beiden Dreiklänge. Der Grundton ist der unterste Ton, wenn du den Akkord in Terzen zur Grundstellung ordnest. Bei einer Umkehrung muss er nicht im Bass liegen. Eine kleine Terz umfasst drei, eine große vier Halbtonschritte. Liegt der zweite Grundton eine kleine oder große Terz über oder unter dem ersten, besteht eine Terzverwandtschaft.
Mediante
Eine Mediante im hier verwendeten weiteren Sinn ist ein Dur- oder Molldreiklang, dessen Grundton vom Grundton des Bezugsklangs eine kleine oder große Terz entfernt liegt. Ein tieferer Grundton ergibt einen unteren Terzverwandten, ein höherer einen oberen Terzverwandten.
Zum Dreiklang C-Dur gehören beispielsweise diese vier Grundtonabstände:
- A liegt eine kleine Terz unter C.
- As liegt eine große Terz unter C.
- Es liegt eine kleine Terz über C.
- E liegt eine große Terz über C.
Damit können Dreiklänge auf A, As, Es und E Medianten zu C-Dur sein. Ob der jeweilige Dreiklang Dur oder Moll ist, bestimmt seine genauere Einordnung.
Prüfe zuerst den Abstand der Grundtöne. Die Zahl gemeinsamer Akkordtöne zeigt anschließend, wie eng die Beziehung ist.
Wie bildest du Parallele und Gegenklang?
Leitereigen bedeutet: Die Töne gehören zur betrachteten Tonleiter. Für die folgenden Bildungsregeln betrachtest du die Dur- beziehungsweise natürliche Molltonleiter des Bezugsklangs. Die engsten Terzverwandten heißen Parallele und Gegenklang. Sie haben jeweils zwei Töne mit dem Bezugsklang gemeinsam und besitzen das entgegengesetzte Tongeschlecht: Zu einem Durklang gehört ein Mollklang, zu einem Mollklang ein Durklang.
| Bezugsklang | Parallele | Gegenklang |
|---|---|---|
| Dur | kleine Terz tiefer, Moll | große Terz höher, Moll |
| Moll | kleine Terz höher, Dur | große Terz tiefer, Dur |
Vollständiges Beispiel mit C-Dur
Die Tonika ist der Akkord auf dem Grundton der Tonart und ihr harmonisches Zentrum. In C-Dur ist dies der C-Dur-Akkord.
C-Dur besteht aus C–E–G.
- Für die Parallele gehst du vom Grundton C eine kleine Terz abwärts zu A.
- Du bildest dort den Mollakkord
A–C–E. - C-Dur und a-Moll teilen die Töne C und E.
- a-Moll ist daher die Mollparallele der Tonika:
Tp.
Für den Gegenklang gehst du von C eine große Terz aufwärts zu E. Der Mollakkord E–G–H teilt mit C-Dur die Töne E und G. e-Moll ist deshalb der Mollgegenklang der Tonika: Tg.
Dasselbe Prinzip in Moll
c-Moll besteht aus C–Es–G.
- Die Parallele liegt eine kleine Terz höher: Es-Dur mit
Es–G–B. Das Symbol lautettP. - Der Gegenklang liegt eine große Terz tiefer: As-Dur mit
As–C–Es. Das Symbol lautettG.
Beim Funktionssymbol bezeichnet der erste Buchstabe den Bezugsklang: T steht für eine Durtonika, t für eine Molltonika. Der zweite bezeichnet Parallele (p/P) oder Gegenklang (g/G). Seine Groß- oder Kleinschreibung zeigt Dur oder Moll des abgeleiteten Akkords. Tp bedeutet also: Durtonika mit Mollparallele.
Wie unterscheiden sich die vier Grade?
Die hier verwendete viergradige Systematik betrachtet den Bezugsklang als Tonika seiner eigenen Dur- oder natürlichen Molltonart. Sie ordnet Terzverwandte nach drei Fragen: Ist der Grundton leitereigen? Haben beide Akkorde dasselbe Tongeschlecht? Wie viele Töne stimmen überein?
| Grad | Herkunft des Grundtons | Tongeschlecht | Gemeinsame Töne |
|---|---|---|---|
| 1. Grad | leitereigen | entgegengesetzt | 2 |
| 2. Grad | leitereigen | gleich | 1 |
| 3. Grad | aus der gleichnamigen Varianttonart | gleich | 1 |
| 4. Grad | aus der gleichnamigen Varianttonart | entgegengesetzt | 0 |
Die Varianttonart besitzt denselben Grundton, aber das andere Tongeschlecht: C-Dur und c-Moll sind beispielsweise Varianten voneinander. Die Grade 2 bis 4 werden als entfernte Terzverwandtschaft zusammengefasst.
Die Grade am Bezugsklang C-Dur
- 1. Grad: a-Moll (
A–C–E) und e-Moll (E–G–H) besitzen jeweils zwei gemeinsame Töne mit C-Dur. - 2. Grad: A-Dur (
A–Cis–E) und E-Dur (E–Gis–H) haben leitereigene Grundtöne und dasselbe Tongeschlecht wie C-Dur. Jeweils nur E ist gemeinsam. - 3. Grad: As-Dur (
As–C–Es) und Es-Dur (Es–G–B) stammen mit ihren Grundtönen aus c-Moll. Sie teilen mit C-Dur den Ton C beziehungsweise G. Hier gilt die deutsche Notennamenschreibweise: B ist das erniedrigte H. - 4. Grad: as-Moll (
As–Ces–Es) und es-Moll (Es–Ges–B) haben das entgegengesetzte Tongeschlecht und keinen Ton mit C-Dur gemeinsam.
Die Benennung der Grade ist nicht einheitlich. Manche Harmonielehren verwenden nur drei Grade. Nenne deshalb bei einer Analyse zusätzlich die überprüfbaren Merkmale: Grundtonabstand, Tongeschlecht, gemeinsame Töne und Herkunft des Grundtons.
Warum entscheidet der harmonische Kontext?
Eine Funktion beschreibt die Aufgabe eines Akkords in der Tonart. Neben der Tonika sind die Subdominante auf Stufe IV (S/s) und die Dominante auf Stufe V (D für Dur) Hauptfunktionen. In C-Dur sind das F-Dur und G-Dur. Eine Kadenz ist eine harmonische Wendung, die eine Tonart bestätigt, etwa S–D–T.
Ein Akkord kann vom Tonmaterial her zu mehreren Funktionen passen. Seine tatsächliche Deutung hängt unter anderem von Vorgänger, Nachfolger, metrischer Betonung, Stimmführung und bestätigenden Kadenzen ab.
Stellvertreter
Ein terzverwandter Akkord ist ein Stellvertreter, wenn er im Verlauf die Aufgabe einer Hauptfunktion übernimmt. Besonders überzeugend ist dies, wenn er den Grundton des ersetzten Akkords enthält.
Untere Terzverwandte 1. Grades enthalten den Grundton des Bezugsklangs. Daher eignen sie sich besonders gut als Stellvertreter. a-Moll enthält beispielsweise den Ton C und kann in C-Dur die Tonika vertreten.
Konstruiertes Beispiel: Trugschluss in C-Dur
In einer üblichen Schlusswendung führt die Dominante G-Dur zur Tonika C-Dur. Folgt stattdessen a-Moll, entsteht ein Trugschluss:
- G-Dur (
G–H–D) erzeugt die Erwartung der Tonika. - Statt C-Dur erklingt a-Moll (
A–C–E). - a-Moll ist die Tonikaparallele
Tpund enthält den Tonikagrundton C. - Die erwartete Auflösung wird ersetzt, ohne dass der tonikale Bezug vollständig verloren geht.
In c-Moll kann nach der Durdominante G-Dur der Akkord As-Dur folgen. As-Dur ist der Tonikagegenklang tG und bildet den typischen Moll-Trugschluss.
Zwischentonika
Ein terzverwandter Akkord wird zur Zwischentonika, wenn er vorübergehend als neues Zentrum bestätigt wird, etwa durch seine eigene Dominante, Subdominante oder eine vollständige Kadenz.
Eine Ausweichung bestätigt ein neues Zentrum vorübergehend; eine Modulation führt in eine neue Tonart. Ein einzelner fremder Akkord beweist also noch keine Modulation. Erst eine erkennbare Bestätigung des neuen Zentrums macht die Deutung als Ausweichung oder Tonartwechsel überzeugend.
Benenne nicht nur den Akkord. Begründe seine Funktion mit dem Verlauf: Woher kommt er, wohin führt er und wird ein neues Zentrum bestätigt?
Wie deutest du Nebenfunktionen in Dur und Moll?
Römische Zahlen bezeichnen hier die Tonleiterstufe, auf der der Grundton eines Akkords steht. In Dur bilden die leitereigenen Mollakkorde auf den Stufen II, III und VI wichtige Nebenfunktionen.
- II: meist
Sp, die Mollparallele der Subdominante. - III: je nach Kontext
Dp, die Dominantparallele, oderTg, der Tonikagegenklang. - VI: je nach Kontext
TpoderSg; wegen des enthaltenen Tonikagrundtons istTphäufig naheliegend.
Die III. und VI. Stufe sind mehrdeutig, weil sie jeweils zwei Töne mit zwei Hauptfunktionen teilen. Eine bloße Akkordliste reicht daher nicht für eine sichere Funktionsanalyse.
Beispiel für eine kontextabhängige Deutung
Der Akkord a-Moll ist in C-Dur sowohl Tp als auch Sg denkbar:
- Nach der Tonika oder als Ersatz der Tonika spricht der Verlauf meist für
Tp. - Nach einer betonten Subdominante F-Dur kann a-Moll die subdominantische Ebene erweitern und als
Sgwirken. - Vor F-Dur oder d-Moll liegt die Deutung von a-Moll als
Tpnahe. - Vor C-Dur kann die Deutung als
Sgüberzeugender sein.
In Moll hängt das verfügbare Akkordmaterial von der verwendeten Mollform ab. Besonders wichtig sind:
tP: Durparallele der Molltonika, etwa Es-Dur in c-Moll;tG: Durgegenklang der Molltonika, etwa As-Dur in c-Moll;sP: Durparallele der Mollsubdominante, etwa As-Dur als Parallele von f-Moll;- der Durakkord auf der erniedrigten zweiten Stufe als Neapolitaner
N.
In c-Moll ist der Neapolitaner Des-Dur (Des–F–As). Sein Grundton Des liegt eine große Terz unter F; er ist damit der Gegenklang der Mollsubdominante f-Moll (F–As–C). Wegen seiner besonderen harmonischen Wirkung wird er jedoch gewöhnlich mit der eigenen Funktion N bezeichnet.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Terzverwandtschaft
- Erkennen: Grundtöne im Abstand einer kleinen oder großen Terz
- Enge Beziehung: Parallele und Gegenklang mit zwei gemeinsamen Tönen
- Entfernte Beziehung: Grade 2 bis 4 mit weniger gemeinsamen Tönen
- Funktion: Stellvertretung oder Erweiterung einer harmonischen Ebene
- Tonaler Wechsel: bestätigter terzverwandter Klang als Zwischentonika
- Deutung: Akkordaufbau und musikalischen Kontext zusammen prüfen
Abschluss-Check
Du bist sicher, wenn du bei einer Analyse vier Schritte sichtbar machst: Grundtöne vergleichen, gemeinsame Töne bestimmen, mögliche Bezeichnungen nennen und die gewählte Funktion mit dem Verlauf begründen.
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