Volkslied: Merkmale, Wandel und Kontext verstehen
Ein Volkslied ist ein Lied, das von vielen Menschen gesungen, weitergegeben und oft verändert wird. Es kann aus der Bevölkerung hervorgehen, aber auch einen bekannten Dichter oder Komponisten haben. Entscheidend ist deshalb nicht nur, wer es geschaffen hat, sondern auch, wie Menschen es verwenden und weitertragen.
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Woran erkennst du ein Volkslied?
Viele Volkslieder haben schlichte, einprägsame Melodien und lassen sich leicht mitsingen. Das erleichtert die Weitergabe: Menschen lernen das Lied voneinander, singen es bei verschiedenen Gelegenheiten und verändern manchmal Text, Melodie oder Aufführungsweise.
Volkslied
Ein Volkslied ist ein überliefertes Lied, das in einer Gemeinschaft gesungen und weitergegeben wird. Seine Urheber können unbekannt oder bekannt sein. Im Lauf der Überlieferung können unterschiedliche Fassungen und neue Verwendungen entstehen.
Nicht jedes Volkslied erfüllt jedes Merkmal. Ein bekanntes Volkslied muss also weder anonym noch sehr alt sein. Auch eine einfache Melodie allein beweist nicht, dass ein Lied ein Volkslied ist.
„Das Wandern ist des Müllers Lust“ zeigt, warum eine starre Definition nicht genügt. Der Text geht auf Wilhelm Müllers Gedicht „Wanderschaft“ von 1821 zurück. Franz Schubert vertonte ihn 1823; weitere Komponisten schufen andere Melodien. Besonders Carl Friedrich Zöllners Fassung wurde populär. Das Lied hat damit bekannte Urheber und wurde trotzdem als Volkslied verbreitet.
Welche Themen und Funktionen gibt es?
Volkslieder begleiten sehr unterschiedliche Lebensbereiche. Häufige Themen sind Natur, Wandern, Heimat, Liebe, Abschied, Jahreszeiten, Feste und die Kinderwelt. Die Überlieferung umfasst aber ebenso Lieder über Arbeit, Armut und Reichtum, Politik, Selbstbestimmung, Solidarität, Gewalt, Tanz, Komik oder Trinken.
Ein Thema beantwortet die Frage: Wovon handelt das Lied? Eine Funktion beschreibt dagegen: Wozu wird es in einer bestimmten Situation gesungen oder genutzt?
„Alle Vögel sind schon da“ behandelt Frühling und Natur. Es wird zugleich als Kinderlied gesungen. „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ war ursprünglich ein Tanzlied und wird heute häufig in Kindergärten und Grundschulen genutzt, um Farben und Berufe zu verbinden. Thema und Funktion sind also nicht dasselbe.
Frage getrennt: Was erzählt das Lied? Das ist sein Thema. Was tun Menschen mit dem Lied? Das ist seine Funktion.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Natur, Liebe oder Arbeit bezeichnen meist das eines Liedes. Ein Lied beim Tanzen oder Lernen einzusetzen, beschreibt seine . Dasselbe Lied kann im Lauf der Zeit eine erhalten.
Wie verändern sich Volkslieder?
Weitergabe bedeutet nicht bloßes Kopieren. Menschen können ein Gedicht vertonen, eine regionale Fassung anderswo bekannt machen oder ein Lied in einer neuen Situation verwenden. So entsteht eine Überlieferungsgeschichte: eine Folge verschiedener Fassungen, Aufführungen und Funktionen.
Vier belegte Veränderungswege zeigen die Vielfalt:
- Gedicht wird Lied: Aus Gedichten wie „Der Lindenbaum“ oder „Der Mond ist aufgegangen“ wurden durch Vertonungen bekannte Lieder.
- Funktion wechselt: „Ein Heller und ein Batzen“ entstand als Studentenlied und wurde später auch als Soldaten- und Marschlied verwendet.
- Regionales Lied wird international bearbeitet: Aus dem schwäbischen „Muss i denn“ entstand mit Elvis Presleys „Wooden Heart“ eine international bekannte englische Fassung.
- Tanzlied wird Lernlied: „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ wird heute oft mit Farben und Berufen verbunden.
Bei einem Funktionswechsel verschwindet die frühere Verwendung nicht automatisch. Mehrere Bedeutungen und Gebrauchsweisen können nebeneinander bestehen. Deshalb solltest du immer angeben, auf welche Zeit und Aufführungssituation du dich beziehst.
Wie untersuchst du ein Lied respektvoll?
Ein einzelnes hörbares Merkmal verrät nicht eindeutig, zu welcher Kultur ein Lied „gehört“. Beschreibe deshalb zuerst, was du tatsächlich hörst. Verbinde diese Beobachtungen erst danach mit bekannten Angaben zu Herkunft, Funktion und Aufführungssituation.
Gehe in vier Schritten vor:
- Hören: Notiere etwa Besetzung, Tempo, Grundschlag, Melodieverlauf, Wiederholungen und Art des Singens.
- Beschreiben: Formuliere Beobachtungen ohne vorschnelle Herkunftsetiketten.
- Kontext ergänzen: Ordne belegte Angaben zu Region, Zeit, Funktion oder Überlieferungsweg zu.
- Vergleichen: Prüfe, was zwischen zwei Fassungen gleich bleibt und was sich verändert.
Du hörst eine Aufnahme in tiefer Stimmlage ohne Instrumentalbegleitung. Zunächst kannst du genau diese Merkmale festhalten. Aus ihnen allein folgt keine sichere kulturelle Herkunft. Als Kontext ist belegt, dass die CDs zu Hause, in Kindergärten und beim gemeinsamen Singen mit Menschen mit Sprachverlust verwendet werden.
Erst hören, dann zuordnen: Eine Beobachtung beschreibt das Klangbeispiel. Eine Kontextangabe erklärt Herkunft oder Verwendung. Eine Vermutung muss als Vermutung erkennbar bleiben.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Volkslied
- wird in Gemeinschaften gesungen und weitergegeben
- kann bekannte oder unbekannte Urheber haben
- behandelt vielfältige Themen
- erfüllt unterschiedliche Funktionen
- verändert sich durch Fassungen und neue Verwendungen
- wird zuerst hörend beschrieben und danach eingeordnet
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