Experimentieren: Versuche planen und auswerten
Beim Experimentieren stellst du eine prüfbare Frage, veränderst gezielt eine Bedingung und beobachtest, was geschieht. Ein vollständiges Experiment besteht nicht nur aus einem überraschenden Effekt: Du planst, dokumentierst und begründest deine Schlussfolgerung.
Auf dieser Seite entwickelst du am Beispiel schmelzender Eiswürfel eine faire Untersuchung. Das funktioniert mit einfachen Alltagsmaterialien und ohne gefährliche Hilfsmittel.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Aus einer Beobachtung wird eine Untersuchung
Ein Eiswürfel schmilzt. Das ist zunächst eine Beobachtung. Zum Experiment wird daraus eine planvolle Untersuchung mit einer Frage, zum Beispiel:
Schmilzt ein Eiswürfel im Sonnenlicht schneller als ein gleich großer Eiswürfel im Schatten?
Prüffrage
Eine Prüffrage nennt, was du gezielt veränderst und woran du einen Unterschied erkennst. Sie lässt sich durch Beobachten oder Messen beantworten.
Vor der Durchführung formulierst du eine Vermutung. In der Naturwissenschaft heißt eine begründete und prüfbare Vermutung auch Hypothese. Sie könnte lauten: „Ich vermute, dass der Eiswürfel im Sonnenlicht zuerst vollständig geschmolzen ist.“
Ob die Vermutung stimmt, entscheidet nicht dein Gefühl, sondern die Untersuchung.
Beobachtung → Frage → Vermutung → Planung → Durchführung → Ergebnis → Schlussfolgerung
So planst du einen fairen Vergleich
Ein Vergleich ist nur aussagekräftig, wenn du möglichst genau weißt, was den Unterschied verursacht haben könnte.
- Die Veränderungsgröße ist die eine Bedingung, die du bewusst änderst. Hier ist es der Standort: Sonnenlicht oder Schatten.
- Kontrollvariablen sind Bedingungen, die gleich bleiben. Dazu gehören beispielsweise gleich große Eiswürfel, gleiche Teller und ein gemeinsamer Startzeitpunkt.
- Die Messgröße zeigt das Ergebnis. Hier vergleichst du, welcher Eiswürfel zuerst vollständig geschmolzen ist.
Zwei Pläne sollen prüfen, ob der Standort das Schmelzen beeinflusst.
Plan A: Ein großer Eiswürfel liegt im Schatten auf einem Teller. Ein kleiner Eiswürfel liegt im Sonnenlicht in einer Schüssel.
Plan B: Zwei gleich große Eiswürfel liegen auf gleichen Tellern. Sie starten gleichzeitig. Nur der Standort unterscheidet sich.
Plan B ist geeigneter. Bei Plan A wurden Größe, Gefäß und Standort zugleich verändert. Du könntest deshalb nicht erkennen, welche Veränderung mit dem Ergebnis zusammenhängt. Bei Plan B wird nur der Standort gezielt verändert.
Für deinen eigenen Plan kannst du diese Tabelle verwenden:
| Teil der Planung | Festlegung |
|---|---|
| Prüffrage | Schmilzt Eis im Sonnenlicht schneller als im Schatten? |
| Veränderungsgröße | Standort |
| Gleich gehalten | Eiswürfelgröße, Teller, Startzeitpunkt |
| Beobachtung | Zustand beider Eiswürfel in gleichen Zeitabständen |
| Ende des Vergleichs | Ein Eiswürfel ist vollständig geschmolzen |
Führe nur sichere Versuche selbstständig durch. Bei Feuer, Elektrizität, Glas, scharfen Werkzeugen oder unbekannten Stoffen brauchst du eine geeignete Anleitung und Hilfe durch eine erwachsene Person.
So führst du den Versuch nachvollziehbar durch
Lege vor dem Start fest, in welchen gleichen Zeitabständen du beide Eiswürfel ansiehst. Verändere während des Versuchs weder die Standorte noch die Teller.
Ein übersichtliches Versuchsprotokoll enthält:
- Frage: Was möchtest du herausfinden?
- Vermutung: Welches Ergebnis erwartest du?
- Material und Aufbau: Was verwendest du, und wo liegt es?
- Durchführung: Was tust du in welcher Reihenfolge?
- Beobachtung: Was siehst oder misst du tatsächlich?
- Ergebnis: Wie beantwortest du die Prüffrage?
- Schlussfolgerung: Was folgt aus dem Ergebnis – und was noch nicht?
Notiere auch unerwartete Ereignisse. Zieht zum Beispiel eine Wolke vor die Sonne oder fällt ein Eiswürfel vom Teller, hat sich eine wichtige Bedingung verändert.
Ein gutes Protokoll ist so genau, dass eine andere Person den Aufbau versteht und die Untersuchung wiederholen könnte.
Beobachtung, Ergebnis und Erklärung trennen
Eine Beobachtung beschreibt nur, was du wahrgenommen oder gemessen hast. Sie beantwortet noch nicht die Frage nach dem Warum.
- Beobachtung: „Beim Eiswürfel auf dem ersten Teller ist kein festes Eis mehr zu sehen; auf dem zweiten liegt noch Eis.“
- Erklärung: „Die unterschiedliche Umgebung könnte den beobachteten Unterschied beeinflusst haben.“
Das Wort könnte ist wichtig. Ein einzelner Versuch gilt nur für den durchgeführten Aufbau. Vielleicht waren die Eiswürfel doch nicht genau gleich groß, die Standorte änderten sich oder eine weitere Bedingung wurde übersehen.
Vertiefung: Ergebnisse zuverlässiger machen
Für eine genauere Untersuchung kannst du:
- den Versuch unter denselben Bedingungen wiederholen;
- mehrere Beobachtungen in gleichen Zeitabständen notieren;
- Messbereich und Zeitabstände vor dem Start festlegen;
- Aufbau und Abweichungen vollständig dokumentieren;
- in einer neuen Versuchsreihe wieder nur eine Bedingung verändern.
Wenn zwei Veränderungen gemeinsam auftreten, besteht zunächst ein Zusammenhang. Eine Ursache ist erst dann gut begründet, wenn andere mögliche Einflüsse kontrolliert wurden. Auch dann gilt die Schlussfolgerung zunächst nur für die untersuchten Bedingungen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Experimentieren
- Orientierung: beobachten, fragen und vermuten
- Planung: eine Bedingung verändern und andere gleich halten
- Durchführung: sicher und nach festgelegten Schritten arbeiten
- Dokumentation: Aufbau, Beobachtungen und Abweichungen festhalten
- Auswertung: Beobachtung und Erklärung trennen
- Prüfung: wiederholen und vorsichtig schlussfolgern
Abschluss-Check
Du experimentierst wissenschaftlich, wenn du nicht nur etwas geschehen lässt, sondern gezielt fragst, fair vergleichst, genau beobachtest und deine Aussage auf das wirklich Untersuchte begrenzt.
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