Physik

Relativitätstheorie: Raum, Zeit und Gravitation

Relativitätstheorie: Raum, Zeit und Gravitation
Relativitätstheorie: Raum, Zeit und Gravitation
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Die Relativitätstheorie beschreibt Raum und Zeit nicht als starre Bühne. Gleichförmige Bewegung verändert gemessene Zeitspannen, Längen und Gleichzeitigkeit; Masse und Energie krümmen die Raumzeit und erzeugen so Gravitation.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Zwei Theorien für unterschiedliche Fragen

Ein Raumschiff fliegt gleichförmig an der Erde vorbei. Ein Planet verändert dagegen die Bewegung eines Satelliten. Für die erste Situation brauchst du die spezielle Relativitätstheorie, für die zweite die allgemeine Relativitätstheorie.

Definition

Inertialsystem

Ein Inertialsystem ist ein Bezugssystem, in dem sich ein kräftefreier Körper geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit bewegt. Gleichförmig relativ zueinander bewegte Inertialsysteme sind gleichberechtigt.

TheorieLeitfrageGeltungsbereich
Spezielle RelativitätstheorieWie hängen Raum- und Zeitmessungen von gleichförmiger Relativbewegung ab?Inertialsysteme; keine Gravitation
Allgemeine RelativitätstheorieWie beeinflussen Materie und Energie die Raumzeit?Gravitation und beschleunigte Bezugssysteme
Merke

„Relativ“ bedeutet nicht „beliebig“. Unterschiedliche Messwerte sind durch genaue Gesetze verknüpft.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Theorie erklärt die Krümmung der Raumzeit durch einen Stern?
Lösung: Die allgemeine Relativitätstheorie — Gravitation gehört zur allgemeinen Relativitätstheorie.
Zwei Postulate ändern Raum und Zeit

Warum kann niemand einen Lichtstrahl einholen? Die spezielle Relativitätstheorie beginnt mit zwei Postulaten:

  1. Relativitätsprinzip: Die Naturgesetze haben in allen Inertialsystemen dieselbe Form.
  2. Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: Alle Beobachtenden in Inertialsystemen messen für Licht im Vakuum $c = 299\,792\,458\,\text{m/s}$, unabhängig von der Bewegung der Lichtquelle.

Klassisch würdest du Geschwindigkeiten addieren. Für Licht funktioniert das nicht. Damit beide Postulate gelten, müssen räumliche und zeitliche Abstände vom Inertialsystem abhängen.

Beispiel

Eine Person am Gleis und eine Person im gleichförmig fahrenden Zug messen denselben Lichtpuls. Obwohl sie sich relativ zueinander bewegen, erhalten beide den Wert $c$. Deshalb ordnen sie Ereignissen unterschiedliche Raum- und Zeitkoordinaten zu.

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Frage 1 von 1MittelEin Raumschiff fliegt einer Lichtquelle entgegen. Was misst die Besatzung für Licht im Vakuum?
Lösung: Die Lichtgeschwindigkeit $c$ — Die Konstanz von $c$ gilt in jedem Inertialsystem. Unterschiede zeigen sich in Raum- und Zeitmessungen.
Gleichzeitigkeit hängt vom Inertialsystem ab

Können zwei räumlich getrennte Ereignisse für alle gleichzeitig sein? Nein. Gleichzeitigkeit hängt davon ab, wie Uhren im jeweiligen Inertialsystem synchronisiert sind.

Beispiel

Zwei Blitze treffen Vorder- und Hinterende eines fahrenden Zuges, im Gleissystem gleichzeitig. Eine Person in der Mitte am Gleis empfängt beide Lichtsignale gleichzeitig, weil die Einschlagorte gleich weit entfernt sind.

Die Person in der Zugmitte bewegt sich dem vorderen Signal entgegen und vom hinteren weg. Sie empfängt das vordere Signal zuerst. Da Licht in ihrem System aus beiden Richtungen gleich schnell ist, folgert sie: Die Einschläge waren im Zugsystem nicht gleichzeitig.

Das ist nicht bloß ein verzögerter Blick. Nach Berücksichtigung der Lichtlaufzeit bleiben die Urteile über Gleichzeitigkeit verschieden.

Merke

Trenne das Ereignis, die Laufzeit seines Lichtsignals und die Zeitkoordinate, die ein Inertialsystem dem Ereignis zuordnet.

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Frage 1 von 1SchwerDer Zugbeobachter empfängt das Licht vom vorderen Blitz zuerst. Welche Folgerung ist korrekt?
Lösung: Nach Korrektur der Lichtlaufzeiten sind die Einschläge in seinem Inertialsystem nicht gleichzeitig. — Beide Lichtstrahlen haben im Zugsystem die Geschwindigkeit $c$. Unterschiedliche Ankunftszeiten führen dort zu unterschiedlichen Ereigniszeiten.
Zeitdilatation und Längenkontraktion berechnen

Für eine Relativgeschwindigkeit $v$ verwendest du den Lorentzfaktor

$$\gamma = \frac{1}{\sqrt{1-\frac{v^2}{c^2}}}.$$

Für $0 \leq v \lt c$ gilt $\gamma \geq 1$. Bei Alltagsgeschwindigkeiten liegt $\gamma$ fast bei 1.

Definition

Eigenzeit

Die Eigenzeit $\Delta \tau$ misst eine Uhr zwischen zwei Ereignissen an ihrem eigenen Ort. In einem System, in dem diese Uhr bewegt ist, gilt $\Delta t = \gamma \Delta \tau$.

Definition

Eigenlänge

Die Eigenlänge $L_0$ ist die Länge eines Körpers in seinem Ruhesystem. Ein System, in dem er sich bewegt, misst parallel zur Bewegung gleichzeitig an beiden Enden $L = L_0/\gamma$.

Beispiel

Ein Raumschiff fliegt mit $v = 0{,}6c$. Seine Uhr misst $\Delta \tau = 4{,}0\,\mu\text{s}$.

$$\gamma = \frac{1}{\sqrt{1-0{,}6^2}} = \frac{1}{\sqrt{0{,}64}} = 1{,}25.$$

Damit misst das Erdsystem

$$\Delta t = 1{,}25 \cdot 4{,}0\,\mu\text{s} = 5{,}0\,\mu\text{s}.$$

Ist das Schiff in Ruhe $L_0 = 100\,\text{m}$ lang, misst die Erde parallel zur Bewegung

$$L = \frac{100\,\text{m}}{1{,}25} = 80\,\text{m}.$$

Die bewegte Uhr zeigt zwischen den gewählten Ereignissen weniger Zeit; die bewegte Länge ist nur in Bewegungsrichtung verkürzt.

Jedes Inertialsystem kann die jeweils andere bewegte Uhr als langsamer beurteilen. Das ist kein Widerspruch: Wegen der Relativität der Gleichzeitigkeit vergleichen die Systeme bei räumlich getrennten Uhren unterschiedliche Ereignispaare. Treffen Uhren wieder zusammen, lassen sich ihre Eigenzeiten direkt vergleichen; dafür muss mindestens eine Uhr ihr Inertialsystem wechseln.

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Frage 1 von 2MittelEin Teilchen bewegt sich mit $0{,}6c$. Seine Eigenlebensdauer beträgt $8\,\mu\text{s}$. Was misst das Labor?
Lösung: $10\,\mu\text{s}$ — $\Delta t = 1{,}25 \cdot 8\,\mu\text{s} = 10\,\mu\text{s}$.
Frage 2 von 2SchwerEin Stab ruht im Raumschiff und ist $50\,\text{m}$ lang. Das Schiff fliegt mit $0{,}6c$. Welche Länge misst das Labor parallel zur Bewegung?
Lösung: $40\,\text{m}$ — $L = L_0/\gamma = 50\,\text{m}/1{,}25 = 40\,\text{m}$.
Masse und Energie gehören zusammen

Für einen Körper der Ruhemasse $m$ lautet die Ruheenergie

$$E_0 = mc^2.$$

Die Formel beschreibt nicht einfach die gesamte Energie eines bewegten Körpers. Sie bezeichnet die Energie, die bereits zur Ruhemasse gehört.

Beispiel

Für $m = 1{,}0\,\text{g} = 0{,}001\,\text{kg}$ gilt

$$E_0 = 0{,}001\,\text{kg} \cdot (299\,792\,458\,\text{m/s})^2 \approx 8{,}99 \cdot 10^{13}\,\text{J}.$$

Der große Faktor $c^2$ erklärt, warum eine kleine Massedifferenz viel Energie entspricht. In realen Vorgängen wird gewöhnlich nur eine Massedifferenz umgewandelt, nicht die gesamte Masse eines Gegenstands.

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Frage 1 von 2MittelWas berechnet $E_0 = mc^2$ unmittelbar?
Lösung: Die Ruheenergie zur Ruhemasse $m$ — Masse und Ruheenergie sind äquivalent. Die Formel ist keine Kraftgleichung.
Frage 2 von 2MittelWelche Ruheenergie gehört zu $m = 2{,}0\,\text{g}$? Nutze $c \approx 3{,}0 \cdot 10^8\,\text{m/s}$.
Lösung: $1{,}8 \cdot 10^{14}\,\text{J}$ — Zuerst $2{,}0\,\text{g} = 0{,}002\,\text{kg}$. Dann gilt $E_0 = 0{,}002 \cdot (3{,}0 \cdot 10^8)^2\,\text{J} = 1{,}8 \cdot 10^{14}\,\text{J}$.
Gravitation als Geometrie der Raumzeit

Warum kreist ein Planet um einen Stern? Materie und Energie beeinflussen die vierdimensionale Raumzeit. Körper und Licht folgen darin den geradestmöglichen Bahnen, den Geodäten. So beschreibt die allgemeine Relativitätstheorie Gravitation als Geometrie.

Beispiel

Ein gespanntes Tuch mit einer schweren Kugel kann veranschaulichen, dass Masse die Umgebung und dadurch andere Bahnen verändert. Die Analogie ist begrenzt: Das Tuch ist zweidimensional, wird durch irdische Gravitation nach unten gezogen und zeigt nicht die vollständige Raumzeit.

Die Theorie sagt unter anderem Lichtablenkung, schwarze Löcher, Gravitationswellen und unterschiedlich schnell gehende Uhren in unterschiedlich starken Gravitationsfeldern voraus.

Bei Satellitennavigation wirken beide Theorien: Bewegung erzeugt eine spezielle-relativistische Zeitabweichung, die andere Stärke des Gravitationsfeldes eine allgemeine-relativistische. Ohne Korrekturen würden sich Positionsfehler aufbauen.

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Frage 1 von 1SchwerEine Satellitenuhr weicht von einer Bodenuhr ab. Welche Analyse ist vollständig?
Lösung: Bewegung und unterschiedliche Gravitationsstärke können beide beitragen. — Für Satellitenuhren müssen spezielle und allgemeine Relativität gemeinsam berücksichtigt werden.
Karteikasten
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Relativitätstheorie
    • Spezielle Relativitätstheorie
      • Konstantes $c$ und Relativitätsprinzip
      • Gleichzeitigkeit, Zeitdilatation, Längenkontraktion
      • Ruheenergie
    • Allgemeine Relativitätstheorie
      • Materie und Energie krümmen Raumzeit
      • Materie und Licht folgen Geodäten
      • Gravitation beeinflusst Uhren
    • Prüfung und Anwendung
      • Teilchen und Präzisionsuhren
      • Satellitennavigation
      • Lichtablenkung und Gravitationswellen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 4LeichtWelche Größe misst eine Uhr direkt zwischen zwei Ereignissen an ihrem eigenen Ort?
Lösung: Die Eigenzeit $\Delta \tau$ — Eigenzeit ist die Zeitspanne entlang der Bewegung einer einzelnen Uhr.
Frage 2 von 4MittelEin Raumschiff fliegt mit $0{,}6c$. An Bord vergehen $12\,\text{s}$. Welche Zeit ordnet die Erde zu?
Lösung: $15\,\text{s}$ — $\Delta t = 1{,}25 \cdot 12\,\text{s} = 15\,\text{s}$.
Frage 3 von 4SchwerZwei Blitze gelten im Gleissystem als gleichzeitig. Welche Aussage passt zum Zugsystem?
Lösung: Es kann unterschiedliche Zeitkoordinaten zuordnen, obwohl es für beide Lichtsignale $c$ misst. — Gleichzeitigkeit räumlich getrennter Ereignisse ist relativ.
Frage 4 von 4SchwerEin Lichtstrahl wird nahe einem massereichen Stern abgelenkt. Welche Erklärung passt?
Lösung: Das Licht folgt einer Geodäte in gekrümmter Raumzeit. — Der Stern verändert die Raumzeitgeometrie. Darin folgt Licht der geradestmöglichen Bahn.

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