Spezielle Relativitätstheorie einfach erklärt
Die spezielle Relativitätstheorie beschreibt, wie bewegte Beobachter Zeit, Länge und Gleichzeitigkeit messen. Ihr überraschender Ausgangspunkt: In allen gleichförmig bewegten Bezugssystemen gelten dieselben Naturgesetze, und alle Inertialbeobachter messen für Licht im Vakuum dieselbe Geschwindigkeit.
Auf dieser Seite lernst du, daraus Zeitdilatation und Längenkontraktion abzuleiten, einfache Aufgaben mit dem Lorentzfaktor zu lösen und Masse und Energie zu verknüpfen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Warum bleibt die Lichtgeschwindigkeit gleich?
Stell dir einen gleichmäßig fahrenden Zug vor. In einem geschlossenen Wagen kannst du durch ein mechanisches Experiment nicht feststellen, ob der Zug ruht oder sich geradlinig mit gleichbleibender Geschwindigkeit bewegt. Beide Zustände gehören zu Inertialsystemen.
Inertialsystem
Ein Inertialsystem ist ein Bezugssystem, das ruht oder sich geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit bewegt. Es ist nicht beschleunigt.
Die spezielle Relativitätstheorie beruht auf zwei Grundprinzipien:
- Relativitätsprinzip: Die physikalischen Gesetze haben in allen Inertialsystemen dieselbe Gestalt.
- Konstanz der Lichtgeschwindigkeit: Jeder Inertialbeobachter misst für Licht im Vakuum den Wert $c=299\,792\,458\,\mathrm{m/s}$ – unabhängig von der Bewegung der Lichtquelle oder des Beobachters.
Das widerspricht der klassischen Addition von Geschwindigkeiten. Relativistisch gilt für gleichgerichtete Bewegungen:
$$u=\frac{u'+v}{1+\frac{u'v}{c^2}}$$
Setzt du für $u'$ die Lichtgeschwindigkeit $c$ ein, erhältst du wieder $u=c$. Kein Inertialbeobachter kann einen Lichtstrahl einholen.
Die Lichtgeschwindigkeit ist nicht relativ zum Beobachter. Raum- und Zeitmessungen passen sich so an, dass jeder Inertialbeobachter denselben Wert für $c$ erhält.
Warum ist Gleichzeitigkeit relativ?
Zwei räumlich getrennte Ereignisse sind in einem Inertialsystem gleichzeitig, wenn synchronisierte Uhren dieses Systems für beide Ereignisse dieselbe Zeit anzeigen. Ein anderes, relativ dazu bewegtes Inertialsystem kann den Ereignissen unterschiedliche Zeiten zuordnen.
Beim bekannten Zuggedankenexperiment treffen Blitze das vordere und das hintere Zugende. Eine Person an der Strecke befindet sich genau in der Mitte der Einschlagorte und empfängt beide Lichtsignale gleichzeitig. Sie beurteilt die Einschläge als gleichzeitig.
Eine Person in der Zugmitte bewegt sich dem Licht vom vorderen Ende entgegen und vom Licht des hinteren Endes weg. Das vordere Signal erreicht sie zuerst. Da Licht in ihrem System aus beiden Richtungen gleich schnell ist und sie von beiden Zugenden gleich weit entfernt ist, folgert sie: Der vordere Blitz schlug in ihrem Inertialsystem früher ein.
Der bloße Empfang zu verschiedenen Zeiten beweist noch keine unterschiedliche Ereigniszeit. Entscheidend ist, dass die Person Laufzeiten mithilfe der Lichtgeschwindigkeit und synchronisierter Uhren berücksichtigt. Erst dieser Vergleich zeigt die Relativität der Gleichzeitigkeit.
„Gleichzeitig“ ist bei räumlich getrennten Ereignissen keine absolute Aussage. Du musst immer angeben, in welchem Inertialsystem die Zeiten gemessen werden.
Wie berechnest du die Zeitdilatation?
Der Lorentzfaktor beschreibt die Stärke relativistischer Effekte:
$$\gamma=\frac{1}{\sqrt{1-\left(\frac{v}{c}\right)^2}}$$
Für $v=0$ gilt $\gamma=1$. Wenn sich $v$ der Lichtgeschwindigkeit nähert, wird $\gamma$ immer größer. Massebehaftete Körper können $c$ nicht erreichen.
Eigenzeit
Die Eigenzeit $\Delta\tau$ ist die Zeit zwischen zwei Ereignissen, die am selben Ort einer mitbewegten Uhr stattfinden. Diese eine Uhr ist bei beiden Ereignissen dabei.
Die Koordinatenzeit $\Delta t$ wird im anderen Inertialsystem mit dort synchronisierten Uhren bestimmt. Für die Zeitdilatation gilt:
$$\Delta t=\gamma\,\Delta\tau=\frac{\Delta\tau}{\sqrt{1-\left(\frac{v}{c}\right)^2}}$$
Da $\gamma\geq 1$ ist, gilt $\Delta t\geq\Delta\tau$. Die bewegte Uhr sammelt zwischen den betrachteten Ereignissen weniger Zeit an.
Ein schnelles Teilchen bewegt sich mit $v=0{,}6c$. Seine mitbewegte Uhr misst eine Eigenzeit von $8\,\mathrm{\mu s}$.
Zuerst bestimmst du den Lorentzfaktor:
$$\gamma=\frac{1}{\sqrt{1-0{,}6^2}}=\frac{1}{0{,}8}=1{,}25$$
Dann berechnest du die Zeit im Laborsystem:
$$\Delta t=1{,}25\cdot 8\,\mathrm{\mu s}=10\,\mathrm{\mu s}$$
Im Laborsystem vergehen also $10\,\mathrm{\mu s}$, während die Uhr des Teilchens $8\,\mathrm{\mu s}$ misst.
Bei gleichförmiger Relativbewegung ist die Zuordnung gegenseitig: Jeder Inertialbeobachter kann sich selbst als ruhend ansehen und der jeweils anderen Uhr eine langsamere Rate zuordnen. Das ist kein Widerspruch, weil die Beobachter unterschiedliche Paare räumlich getrennter Ereignisse als gleichzeitig vergleichen. Ein späterer direkter Uhrenvergleich nach Umkehr und Wiederbegegnung enthält dagegen eine Beschleunigung und ist keine rein symmetrische Situation zweier unveränderter Inertialsysteme.
Wie berechnest du die Längenkontraktion?
Die Ruhelänge $l_0$ ist die Länge eines Gegenstands in dem Inertialsystem, in dem er ruht. Bewegt er sich relativ zu einem Beobachter, misst dieser in Bewegungsrichtung die kürzere Länge $l$:
$$l=\frac{l_0}{\gamma}=l_0\sqrt{1-\left(\frac{v}{c}\right)^2}$$
Für eine Längenmessung müssen Vorder- und Hinterende im System des Messenden gleichzeitig erfasst werden. Deshalb hängen Längenkontraktion und Relativität der Gleichzeitigkeit eng zusammen.
Ein Raumschiff besitzt eine Ruhelänge von $80\,\mathrm{m}$ und fliegt mit $0{,}6c$ an einer Raumstation vorbei. Für diese Geschwindigkeit gilt $\gamma=1{,}25$.
$$l=\frac{80\,\mathrm{m}}{1{,}25}=64\,\mathrm{m}$$
Die Raumstation misst in Flugrichtung eine Länge von $64\,\mathrm{m}$. Quer zur Bewegung tritt keine Längenkontraktion auf.
Zeitdilatation betrifft Zeitintervalle, Längenkontraktion betrifft Längen in Bewegungsrichtung. Beide sind Messergebnisse eines festgelegten Inertialsystems – keine bloßen optischen Täuschungen.
Wie hängen Masse, Impuls und Energie zusammen?
Ein Körper mit der unveränderlichen Masse $m$ besitzt bereits in Ruhe Energie:
$$E_0=mc^2$$
$E_0$ heißt Ruheenergie. Wegen des großen Faktors $c^2$ entspricht schon eine kleine Masse einer großen Energiemenge.
Für einen bewegten Körper gelten:
$$E=\gamma mc^2$$
$$p=\gamma mv$$
Dabei ist $E$ die Gesamtenergie und $p$ der relativistische Impuls. Die kinetische Energie ist der Unterschied zwischen Gesamt- und Ruheenergie:
$$E_{\mathrm{kin}}=E-E_0=(\gamma-1)mc^2$$
Energie und Impuls erfüllen außerdem:
$$E^2=E_0^2+(pc)^2$$
Ein Körper bewegt sich mit $0{,}6c$. Dann ist $\gamma=1{,}25$.
Seine Gesamtenergie beträgt:
$$E=1{,}25mc^2$$
Davon ist $mc^2$ Ruheenergie. Somit bleibt als kinetische Energie:
$$E_{\mathrm{kin}}=(1{,}25-1)mc^2=0{,}25mc^2$$
Die kinetische Energie entspricht in diesem Fall einem Viertel der Ruheenergie.
Manche Darstellungen sprechen von einer geschwindigkeitsabhängigen „relativistischen Masse“. Übersichtlicher ist es, $m$ als unveränderliche Masse zu verwenden und die Geschwindigkeitsabhängigkeit durch $\gamma$ in Energie und Impuls auszudrücken.
Wenn sich $v$ dem Wert $c$ nähert, wächst $\gamma$ ohne Grenze. Deshalb wäre unendlich viel Energie nötig, um einen massebehafteten Körper auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Spezielle Relativitätstheorie
- Grundprinzipien: Relativitätsprinzip und konstante Lichtgeschwindigkeit
- Raum und Zeit: Gleichzeitigkeit hängt vom Inertialsystem ab
- Zeitdilatation: $\Delta t=\gamma\Delta\tau$
- Längenkontraktion: $l=l_0/\gamma$
- Energie: $E_0=mc^2$ und $E=\gamma mc^2$
- Grenze: Massebehaftete Körper erreichen $c$ nicht
Die spezielle Relativitätstheorie ersetzt die klassische Mechanik nicht vollständig. Bei Geschwindigkeiten, die sehr klein gegenüber $c$ sind, liegt $\gamma$ nahe bei $1$ und die klassischen Näherungen funktionieren gut. Gravitation und großräumig gekrümmte Raumzeit gehören dagegen zur allgemeinen Relativitätstheorie.
Abschluss-Check
Wenn du bei einer Aufgabe zuerst das Inertialsystem, die Eigen- oder Ruhegröße und den Lorentzfaktor bestimmst, kannst du die passende Formel begründet auswählen und dein Ergebnis auf Plausibilität prüfen.
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