Politik

EU-Institutionen: Aufgaben und Zusammenspiel

EU-Institutionen: Aufgaben und Zusammenspiel
EU-Institutionen: Aufgaben und Zusammenspiel
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Die EU verteilt politische Leitung, Gesetzgebung und Kontrolle auf mehrere Institutionen. Im vereinfachten Grundmuster schlägt die Europäische Kommission neue Rechtsvorschriften vor. Das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union beraten und beschließen sie gemeinsam. Andere Organe setzen politische Ziele, sichern das Recht, prüfen die Finanzen oder gestalten die Geldpolitik.

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Die sieben Organe teilen sich die Aufgaben

Die EU besitzt sieben Organe. Sie sind rechtlich gleichrangig, übernehmen aber verschiedene Aufgaben und haben politisch unterschiedlich großen Einfluss.

OrganKernaufgabe
Europäisches Parlamentvertritt die Bürgerinnen und Bürger; beschließt mit dem Rat der EU Rechtsvorschriften und den Haushalt
Europäischer Ratlegt die allgemeine politische Richtung und wichtige Prioritäten fest
Rat der Europäischen Unionvertritt die Regierungen der Mitgliedstaaten; beschließt mit dem Parlament Rechtsvorschriften
Europäische Kommissionvertritt gemeinsame EU-Interessen; schlägt meist Rechtsvorschriften vor und überwacht die Anwendung des EU-Rechts
Gerichtshof der Europäischen Unionsichert die einheitliche Auslegung und Anwendung des EU-Rechts
Europäische Zentralbankgestaltet die Geldpolitik des Euroraums und soll dort Preisstabilität sichern
Europäischer Rechnungshofprüft Einnahmen, Ausgaben und den wirtschaftlichen Einsatz von EU-Mitteln
Merke

Kein einzelnes Organ ist einfach „die EU-Regierung“. Die Aufgaben sind auf mehrere Organe verteilt, die zusammenarbeiten und einander kontrollieren.

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Frage 1 von 2LeichtWelches Organ prüft, ob EU-Mittel ordnungsgemäß verwendet werden?
Lösung: Europäischer Rechnungshof — Der Rechnungshof kontrolliert Einnahmen und Ausgaben der EU sowie deren wirtschaftliche Verwendung.
Frage 2 von 2MittelEine nationale Richterin benötigt eine verbindliche Auslegung des EU-Rechts. Welches Organ ist dafür zuständig?
Lösung: Gerichtshof der Europäischen Union — Der Gerichtshof sorgt dafür, dass EU-Recht in der Union einheitlich ausgelegt und angewendet wird.
Drei ähnlich klingende Namen unterscheiden

Besonders leicht werden Europäischer Rat und Rat der Europäischen Union verwechselt. Sie sind zwei verschiedene EU-Organe.

NameWer kommt zusammen?Was geschieht dort?
Europäischer RatStaats- und Regierungschefinnen und -chefsSie bestimmen politische Ziele und Prioritäten. Der Europäische Rat erlässt im Grundmuster keine Gesetze.
Rat der Europäischen Union, auch MinisterratFachministerinnen und Fachminister der MitgliedstaatenSie beraten und beschließen gemeinsam mit dem Parlament Rechtsvorschriften. Die Zusammensetzung richtet sich nach dem Thema.

Der Europarat ist mit keinem dieser beiden Namen gleichzusetzen und gehört nicht zu den sieben Organen der EU.

Beispiel

Geht es um die langfristige politische Richtung der EU, ist der Europäische Rat gefragt. Wird anschließend über eine konkrete Umweltregel beraten, treffen sich im Rat der Europäischen Union die dafür zuständigen Ministerinnen und Minister.

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Frage 1 von 2LeichtWer legt die allgemeine politische Richtung der EU fest?
Lösung: der Europäische Rat — Im Europäischen Rat treffen sich die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs, um Ziele und Prioritäten festzulegen.
Frage 2 von 2MittelWer vertritt bei der Beratung einer EU-Umweltregel die Regierungen der Mitgliedstaaten?
Lösung: die zuständigen Ministerinnen und Minister im Rat der Europäischen Union — Der Rat der EU tagt je nach Thema in unterschiedlicher Zusammensetzung, hier also mit den zuständigen Fachministerinnen und Fachministern.
So entsteht eine EU-Regel im Grundmuster

Die genauen Verfahren unterscheiden sich je nach Politikbereich. Für einen ersten Überblick hilft dieses vereinfachte Grundmuster:

  1. Politische Orientierung: Der Europäische Rat kann Ziele und Prioritäten vorgeben.
  2. Initiative: Die Kommission erarbeitet und unterbreitet normalerweise einen Vorschlag.
  3. Beratung und Beschluss: Parlament und Rat der EU prüfen, verändern und beschließen die Rechtsvorschrift gemeinsam.
  4. Anwendung: Die Mitgliedstaaten und ihre Verwaltungen wenden das EU-Recht praktisch an.
  5. Überwachung und Rechtsschutz: Die Kommission kontrolliert die Anwendung. Der Gerichtshof sichert die richtige Auslegung und Einhaltung des EU-Rechts.
Definition

Initiativrecht

Das Initiativrecht ist das Recht, einen formellen Vorschlag für eine neue Rechtsvorschrift einzubringen. Im vereinfachten Grundmuster liegt diese Aufgabe bei der Europäischen Kommission.

Beispiel

Angenommen, die EU möchte gemeinsame Regeln für ein Umweltproblem schaffen:

  1. Der Europäische Rat kann den Umweltschutz als wichtige Priorität hervorheben.
  2. Die Kommission entwirft einen Regelungsvorschlag.
  3. Das direkt gewählte Parlament berät aus Sicht der Bürgervertretung darüber.
  4. Im Rat der EU beraten die zuständigen Ministerinnen und Minister aus Sicht der Mitgliedstaaten.
  5. Parlament und Rat müssen gemeinsam zu einem Beschluss kommen.
  6. Die Regel wird anschließend durch die zuständigen Verwaltungen angewendet; die Kommission überwacht die korrekte Anwendung.

Der entscheidende Gedanke lautet: Vorschlagen, beschließen und anwenden sind auf verschiedene Beteiligte verteilt.

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Frage 1 von 2MittelWelche Reihenfolge beschreibt das vereinfachte Grundmuster richtig?
Lösung: Kommission schlägt vor; Parlament und Rat der EU beschließen; Mitgliedstaaten wenden an. — Die Kommission übernimmt gewöhnlich die Initiative. Parlament und Rat der EU beschließen gemeinsam, während die praktische Anwendung überwiegend in den Mitgliedstaaten erfolgt.
Frage 2 von 2SchwerEin neuer Vorschlag wurde bereits von der Kommission vorgelegt. Welche Institutionen müssen ihn im beschriebenen Grundmuster gemeinsam beraten und beschließen?
Lösung: Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union — Gesetzgebung verbindet die Bürgervertretung im Parlament mit der Vertretung der Mitgliedstaaten im Rat der EU.
Entscheidungen entstehen auf mehreren Ebenen

Die EU ergänzt in Deutschland die politischen Ebenen von Kommunen, Ländern und Bund um eine europäische Ebene. Deshalb spricht man von einem Mehrebenensystem.

Definition

Mehrebenensystem

In einem Mehrebenensystem sind politische Zuständigkeiten und Entscheidungen über mehrere Ebenen verteilt und miteinander verflochten. Eine EU-Regel kann europäisch beschlossen, aber von nationalen, regionalen oder kommunalen Behörden praktisch umgesetzt werden.

Die Kommission überwacht die Anwendung des EU-Rechts, führt aber nicht jede Regel selbst vor Ort aus. In Deutschland übernehmen wegen des föderalen Aufbaus häufig Behörden des Bundes, der Länder oder der Kommunen die praktische Umsetzung.

Beispiel

Eine EU-Regel ist beschlossen. Damit sie im Alltag wirkt, müssen zuständige Verwaltungen sie anwenden. Die europäische Entscheidung und die örtliche Durchführung gehören also zu demselben politischen Vorgang, finden aber auf verschiedenen Ebenen statt.

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Frage 1 von 1MittelWarum ist die Kommission trotz ihrer Kontrollaufgabe keine vollständige europäische Regierung nach nationalem Vorbild?
Lösung: Weil viele Regeln durch Verwaltungen der Mitgliedstaaten praktisch umgesetzt werden. — Im Mehrebenensystem sind Kontrolle und praktische Durchführung verteilt: Die Kommission überwacht, während nationale und regionale Verwaltungen vieles umsetzen.
Macht wird verteilt und demokratisch verbunden
Definition

Institutionelles Gleichgewicht

Das institutionelle Gleichgewicht bedeutet, dass politische Leitung, Rechtsetzung, Ausführung, Rechtsprechung und Kontrolle nicht in einem einzigen Organ konzentriert sind. Die Organe sollen zusammenarbeiten und einander begrenzen.

EU-Entscheidungen besitzen mehrere demokratische Verbindungen:

  • Die Bürgerinnen und Bürger wählen das Europäische Parlament alle fünf Jahre direkt.
  • Die Regierungen der Mitgliedstaaten sind im Rat der EU vertreten.
  • Die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs bestimmen im Europäischen Rat politische Ziele und Prioritäten.
  • Der Europäische Rat schlägt die Person für das Amt an der Spitze der Kommission vor; das Parlament wählt diese Person.

Diese Verteilung kann Entscheidungen absichern, macht das System aber auch schwerer zu überblicken. In der Debatte über ein Demokratiedefizit kritisieren manche besonders, dass das Parlament normalerweise kein eigenes Initiativrecht besitzt. Eine Gegenposition betont, dass Parlament und demokratisch verantwortliche nationale Regierungen gemeinsam an Entscheidungen beteiligt sind.

Merke

Unterscheide Beobachtung und Bewertung: Dass die Kommission normalerweise Vorschläge einbringt und Parlament sowie Rat beschließen, beschreibt das Verfahren. Ob diese Verteilung demokratisch ausreichend ist, ist eine begründungsbedürftige politische Bewertung.

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Frage 1 von 2MittelWelche Aussage beschreibt die doppelte demokratische Verbindung der EU-Gesetzgebung am besten?
Lösung: Das Parlament vertritt die direkt wählenden Bürgerinnen und Bürger; im Rat der EU wirken die Regierungen der Mitgliedstaaten mit. — Parlament und Rat verbinden zwei Vertretungswege: die direkte Wahl des Parlaments und die Beteiligung der nationalen Regierungen.
Frage 2 von 2SchwerJemand sagt: „Weil das Parlament Vorschläge normalerweise nicht selbst einbringen kann, ist eine EU-Regel überhaupt nicht demokratisch legitimiert.“ Welche Antwort ist am treffendsten?
Lösung: Die Kritik am fehlenden Initiativrecht ist nachvollziehbar, aber Parlament und Rat der EU wirken am Beschluss mit und besitzen unterschiedliche demokratische Verbindungen. — Eine begründete Bewertung berücksichtigt sowohl den Kritikpunkt am Initiativrecht als auch die Beteiligung des gewählten Parlaments und der nationalen Regierungen.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • EU-Institutionen
    • Politische Richtung: Europäischer Rat
    • Vorschlag und Überwachung: Europäische Kommission
    • Bürgervertretung und Beschluss: Europäisches Parlament
    • Staatenvertretung und Beschluss: Rat der Europäischen Union
    • Rechtliche Kontrolle: Gerichtshof der Europäischen Union
    • Geldpolitik des Euroraums: Europäische Zentralbank
    • Finanzkontrolle: Europäischer Rechnungshof
    • Praktische Anwendung: Verwaltungen der Mitgliedstaaten

Die Leitkette lautet: Der Europäische Rat gibt politische Orientierung, die Kommission schlägt vor, Parlament und Rat der EU beschließen, Verwaltungen wenden an und Kommission sowie Gerichtshof sichern Anwendung und Recht.

Abschluss-Check
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Frage 1 von 4LeichtWelches Organ vertritt die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar auf EU-Ebene?
Lösung: Europäisches Parlament — Das Europäische Parlament wird alle fünf Jahre direkt gewählt.
Frage 2 von 4MittelEine EU-Regel soll geändert werden. Wer bringt im vereinfachten Grundmuster den Vorschlag ein und wer beschließt?
Lösung: Die Kommission schlägt vor; Parlament und Rat der EU beschließen gemeinsam. — Initiative und Beschluss sind getrennt: Die Kommission schlägt gewöhnlich vor, die beiden gesetzgebenden Organe entscheiden gemeinsam.
Frage 3 von 4SchwerEine Regierung behauptet, eine EU-Regel sei allein von „Brüssel“ beschlossen worden und die Mitgliedstaaten hätten nichts damit zu tun. Was spricht im Grundmuster dagegen?
Lösung: Die Regierungen der Mitgliedstaaten wirken durch ihre Fachministerinnen und Fachminister im Rat der EU am Beschluss mit. — Der Rat der EU ist die institutionelle Verbindung zu den Regierungen der Mitgliedstaaten. Er beschließt Rechtsvorschriften gemeinsam mit dem Parlament.
Frage 4 von 4SchwerWarum kann dieselbe institutionelle Ordnung zugleich als demokratisch verbunden und schwer durchschaubar gelten?
Lösung: Weil mehrere gewählte oder demokratisch verantwortliche Akteure beteiligt sind, ihre unterschiedlichen Rollen und Ebenen das Verfahren aber komplex machen. — Die Verteilung von Macht schafft Beteiligung und gegenseitige Kontrolle. Zugleich verlangt sie, Institutionen, Schritte und politische Ebenen genau auseinanderzuhalten.

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