Kinderrechte: erkennen, unterscheiden, Hilfe holen
Kinderrechte sind besondere Menschenrechte für alle Menschen unter 18 Jahren. Sie schützen dich, fördern deine Entwicklung und sichern dir Beteiligung. Du musst dir diese Rechte nicht verdienen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woran du ein Kinderrecht erkennst
Stell dir vor, eine Klasse sammelt Wünsche für den Schulhof. Einige Kinder wünschen sich eine Rutsche, andere mehr Schatten. Ist jeder Wunsch automatisch ein Kinderrecht?
Kinderrecht
Ein Kinderrecht ist ein besonderer, für alle Kinder geltender Anspruch. Kinderrechte stehen in der UN-Kinderrechtskonvention, einem Vertrag zwischen Staaten. Sie gelten für jeden Menschen unter 18 Jahren – unabhängig zum Beispiel von Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion oder Behinderung.
Kinder sind damit Trägerinnen und Träger eigener Rechte. Staaten müssen diese Rechte achten, schützen und verwirklichen. Verantwortliche Erwachsene und staatliche Stellen müssen deshalb handeln, wenn ein Recht gefährdet ist. Ein Recht bedeutet aber nicht, dass jeder persönliche Wunsch erfüllt werden muss.
Vier Grundgedanken helfen beim Einordnen:
- Gleichheit: Die Rechte gelten für alle Kinder.
- Kindeswohl: Bei Entscheidungen über Kinder muss besonders beachtet werden, was ihnen guttut.
- Leben und Entwicklung: Kinder brauchen sichere Bedingungen, um sich zu entwickeln.
- Beteiligung: Kinder dürfen ihre Meinung zu Angelegenheiten äußern, die sie betreffen. Erwachsene müssen sie entsprechend Alter und Reife ernsthaft berücksichtigen.
Kinderrechte gelten für alle Kinder. Sie hängen weder von guten Noten noch von Wohlverhalten ab.
Drei Bereiche geben Orientierung
Viele Alltagssituationen lassen sich drei Bereichen zuordnen. Manche Rechte gehören zu mehr als einem Bereich; frage dann, was in der Situation im Mittelpunkt steht.
| Bereich | Worum geht es? | Beispiel |
|---|---|---|
| Schutzrechte | Gefahren, Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung verhindern | Ein Kind wird vor körperlicher und seelischer Gewalt geschützt. |
| Förderrechte | Entwicklung, Gesundheit, Bildung und Erholung ermöglichen | Ein Kind kann die Grundschule besuchen und lernen. |
| Beteiligungsrechte | Meinung, Information und Mitwirkung ermöglichen | Vor einer Entscheidung zur Klasse wird die Meinung der Kinder angehört. |
Situation: Ein Kind darf wegen einer Behinderung nicht an einem Lernangebot teilnehmen.
Denkweg: Das Kind wird benachteiligt, obwohl Kinderrechte für alle gelten. Außerdem wird seine Bildung und Entwicklung behindert. Im Mittelpunkt stehen Gleichheit und Förderung. Die Situation kann also mehrere Rechte berühren.
Wunsch, Bedürfnis oder Recht?
Ein Wunsch ist etwas, das du gern hättest. Ein Bedürfnis ist etwas, das du für dein Wohlergehen oder deine Entwicklung brauchst. Ein Recht ist ein anerkannter Anspruch, der für alle Kinder gilt.
Diese Begriffe können zusammenhängen: Das Bedürfnis zu lernen wird durch das Recht auf Bildung geschützt. Der Wunsch nach einem bestimmten Tablet ist dagegen kein eigenes Kinderrecht.
Aussage: „Ich möchte im Unterricht immer das Thema bestimmen.“
Das ist ein Wunsch. Das Beteiligungsrecht gibt dir das Recht, deine Meinung zu äußern und gehört zu werden. Es verpflichtet Erwachsene aber nicht dazu, jede Entscheidung genau nach deinem Wunsch zu treffen.
Prüfe eine Aussage mit drei Fragen:
- Gilt der Anspruch für alle Kinder?
- Schützt er Leben, Entwicklung, Gleichheit oder Beteiligung?
- Verlangt er mehr als die Erfüllung eines persönlichen Geschmacks?
Wenn ein Recht verletzt wird
Eine Rechtsverletzung ist nicht die Schuld des betroffenen Kindes. Du musst eine gefährliche oder belastende Situation nicht allein lösen.
Bei unmittelbarer Gefahr ist Sicherheit der erste Schritt: Entferne dich, wenn das gefahrlos möglich ist, und hole sofort Hilfe bei einer erreichbaren, vertrauenswürdigen erwachsenen Person oder einer zuständigen Stelle.
Ein sicherer Unterstützungsweg kann so aussehen:
- Situation benennen: Was ist passiert? Welches Recht könnte betroffen sein?
- Sicherheit prüfen: Besteht gerade Gefahr? Dann hole sofort Hilfe.
- Vertrauensperson wählen: Wende dich zum Beispiel an eine verlässliche Person in Familie, Schule, Betreuung oder Beratung.
- Klar berichten: Sage, was passiert ist, wann es geschah und welche Unterstützung du brauchst. Du darfst dir Notizen machen.
- Weiter Hilfe holen: Wenn die erste Person nicht hilft oder selbst beteiligt ist, wende dich an eine andere vertrauenswürdige Person oder zuständige Stelle.
Situation: Bei Entscheidungen über die Pausenfläche werden die Kinder nie gefragt, obwohl die Entscheidung ihren Alltag betrifft.
Plan: Die Kinder beschreiben die fehlende Beteiligung und sammeln konkrete Beispiele. Sie bitten eine vertrauenswürdige Lehrkraft oder die Schulleitung um ein Gespräch und schlagen eine sichere Form der Mitsprache vor, etwa eine Klassenbesprechung. Bleibt die Bitte unbeachtet, können sie eine weitere verantwortliche Person oder ein schulisches Gremium ansprechen.
Bei Unterstützung gilt: Sicherheit vor Alleingang. Wenn eine Ansprechperson nicht hilft, darfst du eine andere wählen.
Fälle selbst beurteilen
Ordne jeden Fall zuerst einem Recht zu. Begründe dann, woran du das erkennst, und wähle bei einer Verletzung einen sicheren nächsten Schritt.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Kinderrechte
- gelten für alle Menschen unter 18 Jahren
- folgen den Grundgedanken Gleichheit, Kindeswohl, Entwicklung und Beteiligung
- umfassen Schutzrechte
- schützen etwa vor Gewalt und Ausbeutung
- umfassen Förderrechte
- ermöglichen etwa Bildung, Gesundheit und Erholung
- umfassen Beteiligungsrechte
- sichern Meinungsäußerung und ernsthafte Berücksichtigung
- unterscheiden sich von persönlichen Wünschen
- brauchen bei Verletzungen sichere Unterstützung
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