Geschöpflichkeit: Würde, Freiheit, Verantwortung
Geschöpflichkeit bedeutet im christlichen Glauben: Der Mensch verdankt sein Leben Gott. Er ist weder sein eigener Schöpfer noch der uneingeschränkte Herr über die Welt. Gerade deshalb gehören besondere Würde, Freiheit, Begrenztheit und Verantwortung zusammen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was Geschöpflichkeit bedeutet
Geschöpflichkeit
Geschöpflichkeit bezeichnet im christlichen Glauben die Beziehung des Menschen zu Gott: Der Mensch ist von Gott geschaffen, gewollt und in die gesamte Schöpfung eingebunden. Er besitzt sein Leben nicht aus eigener Macht.
Daraus folgt ein doppelter Blick auf den Menschen:
- Er ist besonders, weil er als Gottes Ebenbild bezeichnet wird.
- Er ist begrenzt, weil er ein Geschöpf unter vielen Geschöpfen bleibt.
Diese Aussagen widersprechen sich nicht. Die besondere Stellung bedeutet keinen Freibrief zur Ausbeutung. Sie begründet einen Auftrag: Menschen sollen das eigene Leben, andere Menschen, Tiere und die Umwelt verantwortlich behandeln.
Geschöpflichkeit verbindet vier Gedanken: verdanktes Leben, unverlierbare Würde, begrenzte Freiheit und Verantwortung.
Warum Gottesebenbildlichkeit Würde begründet
Genesis 1 bezeichnet Menschen als Bild Gottes. Gemeint ist keine körperliche Ähnlichkeit. Die Bezeichnung beschreibt eine besondere Beziehung und Aufgabe: Der Mensch soll Gott in der Welt vertreten und sich für Frieden, Gerechtigkeit und die Schöpfung einsetzen.
Gottesebenbildlichkeit
Gottesebenbildlichkeit bedeutet: Jeder Mensch besitzt eine besondere, von Gott zugesprochene Würde und soll verantwortlich handeln. Diese Würde hängt nicht von Leistung, Gesundheit, Intelligenz, Stärke oder sozialem Ansehen ab.
Die Würde bleibt daher auch bestehen, wenn jemand scheitert, Unterstützung benötigt oder falsch handelt. Man kann eine Handlung deutlich verurteilen, ohne der handelnden Person ihren menschlichen Wert abzusprechen.
Colombin wird am Königshof ausgelacht, weil er die Erwartungen an einen Hofnarren nicht erfüllt. Andere beschreiben ihn nur durch vermeintliche Schwächen. Colombin antwortet jedoch sinngemäß: Er müsse nichts werden, denn er sei bereits Colombin.
Der entscheidende Gedanke lautet: Sein Wert entsteht nicht erst durch Erfolg oder die Anerkennung anderer. Aus Sicht der Gottesebenbildlichkeit besitzt er Würde, weil er Mensch ist.
Wie Freiheit und Begrenztheit zusammengehören
Im christlichen Menschenbild ist Freiheit ein Geschenk. Menschen können ihr Leben und die Welt mitgestalten. Wirkliche Freiheit schließt jedoch die Möglichkeit ein, sich falsch zu entscheiden und anderen zu schaden.
Geschöpfliche Freiheit ist deshalb keine Allmacht:
- Du findest Bedingungen vor, die du nicht selbst geschaffen hast.
- Du kannst zwischen Handlungsmöglichkeiten wählen.
- Dein Handeln hat Folgen für dich und andere.
- Du bist für deine Entscheidung verantwortlich, obwohl du nicht alle Folgen beherrschst.
Angenommen, jemand erhält ein peinliches Foto einer Mitschülerin. Die Person kann es weiterleiten, löschen oder der Absenderin widersprechen. Sie hat also einen Handlungsspielraum.
Ihre Freiheit bedeutet aber nicht, dass jede Wahl gleich gut ist. Beim Weiterleiten verliert sie die Folgen schnell aus der Hand: Das Bild kann viele Menschen erreichen und die Mitschülerin verletzen. Verantwortliches Handeln berücksichtigt daher ihre Würde und verzichtet auf die Verbreitung.
Freiheit ohne Verantwortung blendet die Folgen des eigenen Handelns aus. Verantwortung ohne Freiheit wäre sinnlos, weil keine echte Wahl bestünde.
Was Schöpfungsmythen erklären
Schöpfungsmythos
Ein Schöpfungsmythos ist eine religiöse Erzählung, die große Sinnfragen deutet: Woher kommt die Welt? Was ist der Mensch? Welche Stellung und Aufgabe hat er? Ein Mythos ist weder eine journalistische Meldung noch eine naturwissenschaftliche Versuchsbeschreibung.
Genesis 1 stellt die Schöpfung als geordneten Ablauf dar. Licht, Himmel, Land, Pflanzen und Tiere gehen dem Menschen voraus. Menschen werden als Gottes Ebenbilder geschaffen und erhalten Verantwortung für die Welt. Erst die gesamte Schöpfung wird als „sehr gut“ beurteilt. Am siebten Tag ruht Gott; dadurch erhält auch die Ruhe einen besonderen Wert.
Der Text macht damit Aussagen über Beziehung, Würde, Ordnung und Auftrag. Er beschreibt nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden, durch welche messbaren Prozesse Arten oder das Universum entstanden sind.
Naturwissenschaft und Schöpfungsglaube können deshalb unterschiedliche Fragen bearbeiten:
- Naturwissenschaft untersucht beobachtbare Abläufe und Entwicklungen.
- Theologische Schöpfungsdeutung fragt nach Sinn, Grund und Verantwortung.
Die Aussage, Evolution beschreibe eine Entwicklung, und die Glaubensaussage, das Leben sei Schöpfung, müssen daher nicht automatisch Gegensätze sein. Die Schöpferdeutung ist allerdings kein naturwissenschaftlicher Nachweis.
Wie du Geschöpflichkeit auf Entscheidungen anwendest
Bei einer ethischen Entscheidung kannst du vier Fragen stellen:
- Würde: Wessen unverlierbarer Wert ist betroffen?
- Begrenztheit: Was kann niemand vollständig beherrschen oder rückgängig machen?
- Freiheit: Welche echten Handlungsmöglichkeiten bestehen?
- Verantwortung: Welche Folgen haben diese Möglichkeiten für Menschen und die übrige Schöpfung?
In einem Klassenchat wird ein Schüler verspottet. Einige behaupten, es sei nur Spaß.
Prüfung:
- Seine Würde hängt nicht davon ab, ob die Gruppe ihn beliebt findet.
- Digitale Beleidigungen können viele Menschen erreichen und lassen sich oft nicht vollständig zurückholen.
- Die Beteiligten können mitmachen, schweigen, widersprechen oder den Betroffenen unterstützen.
- Verantwortlich ist eine Handlung, die die Herabsetzung nicht verbreitet, ihr widerspricht und den Betroffenen nicht alleinlässt.
Das Beispiel zeigt: Geschöpflichkeit bleibt keine abstrakte Aussage über den Ursprung. Sie verändert den Blick auf konkrete Entscheidungen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Im christlichen Menschenbild ist das Leben ein . Gottesebenbildlichkeit begründet die jedes Menschen. Freiheit eröffnet einen . Weil Entscheidungen andere betreffen, gehört zur Freiheit die .
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Geschöpflichkeit
- Beziehung zu Gott
- Leben ist verdankt
- Mensch ist Geschöpf
- Gottesebenbildlichkeit
- unverlierbare Würde
- Auftrag zu Frieden und Gerechtigkeit
- Freiheit und Begrenztheit
- echter Handlungsspielraum
- keine uneingeschränkte Selbstherrschaft
- Verantwortung
- Mitmenschen schützen
- Schöpfung bewahren
- Deutung der Welt
- Mythos fragt nach Sinn
- Naturwissenschaft untersucht Abläufe
- Beziehung zu Gott
Abschluss-Check
Du hast den Kerngedanken verstanden, wenn du diesen Zusammenhang erklären kannst: Weil der Mensch sein Leben nicht sich selbst verdankt, besitzt er Würde, gebraucht seine begrenzte Freiheit verantwortlich und achtet die gesamte Schöpfung.
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