Religion

Kirche erklärt: Gebäude, Gemeinschaft und Auftrag

Kirche erklärt: Gebäude, Gemeinschaft und Auftrag
Kirche erklärt: Gebäude, Gemeinschaft und Auftrag
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Das Wort Kirche hat mehrere Bedeutungen. Es kann ein Gebäude, eine christliche Gemeinschaft oder eine organisierte Institution bezeichnen. Welche Bedeutung gemeint ist, erkennst du am Zusammenhang.

Auf dieser Seite lernst du außerdem, wie ein Kirchenraum genutzt wird, welche Aufgaben Kirchen übernehmen und wie christliche Konfessionen zusammenarbeiten.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was kann „Kirche“ bedeuten?

Wenn jemand sagt: „Wir gehen zur Kirche“, kann das Gebäude gemeint sein. Im Satz „Die Kirche hilft Menschen in Not“ geht es dagegen meist um eine Gemeinschaft oder eine Organisation.

Definition

Kirche

Kirche als Gebäude ist ein Gotteshaus, in dem Gottesdienste und andere Feiern stattfinden.

Kirche als Gemeinschaft meint Christinnen und Christen, die ihren Glauben miteinander leben. Das kann eine Gemeinde an einem Ort oder eine größere christliche Gemeinschaft sein.

Kirche als Institution bezeichnet eine dauerhaft organisierte Kirche mit Ämtern, Regeln, Leitungsformen und Einrichtungen.

Eine Konfession ist eine bestimmte christliche Glaubensgemeinschaft. Dazu gehören beispielsweise die evangelische und die römisch-katholische Kirche. Daneben gibt es unter anderem orthodoxe Kirchen und verschiedene Freikirchen.

Beispiel

Drei Sätze verwenden dasselbe Wort verschieden:

  1. „Die Kirche hat einen hohen Turm.“ – Gemeint ist das Gebäude.
  2. „Die Kirche feiert gemeinsam Gottesdienst.“ – Gemeint ist die Gemeinschaft.
  3. „Die Kirche betreibt Kindergärten und Pflegeeinrichtungen.“ – Gemeint ist die Institution mit ihren Einrichtungen.
Teste dich
Frage 1 von 2LeichtIn welchem Satz bezeichnet „Kirche“ eindeutig ein Gebäude?
Lösung: Die Kirche besitzt einen Turm mit Glocken. — Ein Turm ist ein Teil eines Bauwerks. Helfen und Beraten sind dagegen Handlungen einer Gemeinschaft oder Institution.
Frage 2 von 2MittelEine Ortsgemeinde sammelt Spenden und unterstützt damit eine soziale Einrichtung. Welche Bedeutungen von Kirche wirken hier zusammen?
Lösung: Gemeinschaft und Institution — Die Gemeinde handelt als Gemeinschaft. Das organisierte Hilfsangebot gehört zugleich zur institutionellen Seite von Kirche.
Wie ist ein Kirchenraum gegliedert?

Kirchen können sehr unterschiedlich aussehen. Größe, Form, Baustil und Material hängen unter anderem vom Ort, von der kirchlichen Zugehörigkeit und von der Gestaltung durch Architektinnen und Architekten ab. Viele Kirchen erkennt man schon von Weitem an ihrem Turm.

Im Turm hängen häufig Glocken. Sie können die Uhrzeit anzeigen, zum Gottesdienst rufen oder besondere Feiern ankündigen. Dazu gehören etwa Taufe, Hochzeit und Beerdigung.

Vom Eingang gelangst du oft in das Kirchenschiff mit den Sitzbänken. Der Blick ist auf die Apsis beziehungsweise den Altarraum gerichtet. Die Apsis ist der Abschluss des Kirchenschiffs. Eine Tür kann vom Altarraum in die Sakristei führen. Dort werden Gegenstände und Kleidungsstücke für Gottesdienste aufbewahrt.

Merke

Die Gliederung eines Kirchenraums zeigt seine Funktionen: Menschen kommen zusammen, hören, beten und feiern. Räume zur Vorbereitung unterstützen den Gottesdienst.

Beispiel

Du siehst in einem Kirchenraum Sitzbänke, einen Bereich für die Feier und eine Tür zur Sakristei.

  • Die Sitzbänke zeigen, wo die Gemeinde zusammenkommt.
  • Der vordere Bereich richtet die Aufmerksamkeit auf den Gottesdienst.
  • Die Sakristei dient der Aufbewahrung und Vorbereitung.

Du deutest den Raum also nicht nur nach seinem Aussehen, sondern fragst: Was tun Menschen hier?

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Tür führt vom Altarraum in einen Nebenraum, in dem Gewänder und Gegenstände für den Gottesdienst liegen. Welcher Raum ist das?
Lösung: die Sakristei — Die Sakristei ist ein Raum für die Aufbewahrung und Vorbereitung von Dingen, die im Gottesdienst gebraucht werden.
Was tut Kirche?

Kirche zeigt sich nicht nur in Gebäuden. Kirchliches Leben lässt sich mit vier Grundvollzügen beschreiben. Ein Grundvollzug ist eine grundlegende Form des Handelns.

  • Leiturgia bedeutet Gottesdienst: Menschen beten und feiern ihren Glauben.
  • Martyria bedeutet Verkündigung: Der christliche Glaube wird bezeugt und weitergegeben.
  • Koinonia bedeutet Gemeinschaft: Menschen leben, lernen und feiern miteinander.
  • Diakonia bedeutet Dienst am Nächsten: Menschen helfen anderen praktisch.

Diakonie und Caritas verwirklichen den Dienst am Nächsten beispielsweise durch Seelsorge, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen oder Hilfe für Menschen in Not. Kirchliches Handeln umfasst außerdem Bildung, Betreuung und den Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.

Gut zu wissen

Die vier Grundvollzüge lassen sich unterscheiden, wirken aber oft zusammen. In einem Gottesdienst erlebt eine Gemeinde Gemeinschaft, hört eine Verkündigung und kann zugleich zu einer Hilfsaktion aufrufen.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Ein Gottesdienst gehört zur . Praktische Hilfe für Menschen in Not gehört zur . Das Weitergeben des Glaubens heißt . Das gemeinsame Leben einer Gemeinde gehört zur .

Lösungen: Lücke 1: Leiturgia; Lücke 2: Diakonia; Lücke 3: Martyria; Lücke 4: Koinonia. Entscheide nach der Handlung: feiern und beten – Leiturgia; helfen – Diakonia; den Glauben weitergeben – Martyria; Gemeinschaft leben – Koinonia.
Was verbindet und unterscheidet Konfessionen?

Evangelische und römisch-katholische Kirche teilen wichtige Grundlagen. Dazu gehören der Glaube an Gott, Sohn und Heiligen Geist, die Bibel, die Taufe, das Vaterunser, Gottesdienste, zahlreiche Feste und der soziale Einsatz. Beide feiern auch das Abendmahl beziehungsweise die Eucharistie und verstehen dabei Christus als gegenwärtig.

Unterschiede gibt es unter anderem bei Ämtern, Leitung und Sakramenten:

  • Die römisch-katholische Kirche besitzt mit dem Papst ein zentrales Oberhaupt. Evangelische Kirchen haben kein entsprechendes gemeinsames Oberhaupt.
  • In der römisch-katholischen Kirche gehören Bischof, Priester und Diakon zu einer festen Ämterordnung. Das evangelische Pfarramt beruht auf der Ordination, gilt aber nicht als Priesterweihe.
  • Die evangelische Kirche kennt Taufe und Abendmahl als Sakramente. Die katholische Kirche zählt sieben Sakramente.
  • Viele evangelische Kirchen, darunter die deutschen Landeskirchen, ordinieren heute Menschen unabhängig vom Geschlecht; weltweit gilt das nicht für alle evangelischen Kirchen. Die römisch-katholische Kirche ordiniert nur Männer zu Priestern.

Nicht jeder Unterschied muss eine Kirche von anderen trennen. Verschiedene Formen von Gebet, Kleidung oder Gottesdienst können als bereichernde Vielfalt verstanden werden.

Definition

Ökumene

Ökumene bezeichnet die Zusammenarbeit und Verständigung christlicher Kirchen. Sie sucht Gemeinsamkeiten und versucht, trennende Unterschiede zu überwinden, ohne alle Traditionen gleichzumachen.

Ökumenische Gottesdienste und gemeinsame soziale Projekte zeigen bereits Zusammenarbeit. Ein gemeinsames Abendmahl ist jedoch nicht generell möglich. Christliche Vielfalt umfasst außerdem weit mehr als nur evangelische und katholische Kirchen. Deshalb betrachtet Ökumene auch orthodoxe Kirchen, Freikirchen und weitere christliche Gemeinschaften.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Grundlage teilen evangelische und katholische Kirche?
Lösung: die Taufe — Beide Kirchen erkennen die Taufe als grundlegend an. Bei Leitung und Zahl der Sakramente bestehen Unterschiede.
Frage 2 von 2MittelEvangelische und katholische Gemeinden veranstalten gemeinsam eine Hilfsaktion, feiern aber nicht gemeinsam das Abendmahl. Was zeigt dieses Beispiel?
Lösung: Ökumenische Zusammenarbeit kann trotz bleibender Unterschiede stattfinden. — Gemeinsames Handeln macht Verbundenheit sichtbar. Die Grenze beim Abendmahl zeigt zugleich, dass theologische Unterschiede fortbestehen.
Vertiefung: Kirche als öffentliche Institution

Kirchen handeln auch in der Gesellschaft. In Deutschland gibt es keine Staatskirche. Der Staat ist weltanschaulich neutral und schützt die Religionsfreiheit. Gleichzeitig kann er mit Religionsgemeinschaften zusammenarbeiten, etwa beim Religionsunterricht oder im Sozialwesen.

Kirchen können ihre Überzeugungen in öffentliche Debatten einbringen und Einrichtungen für Bildung, Betreuung und Pflege tragen. Dabei besitzen sie Macht und Verantwortung. Institutionelles Versagen, etwa im Umgang mit sexualisierter Gewalt, muss aufgearbeitet werden. Die Interessen und Erfahrungen betroffener Menschen müssen dabei im Mittelpunkt stehen.

Merke

Öffentliche Verantwortung bedeutet zweierlei: Kirchen können zum Gemeinwohl beitragen, müssen aber auch ihr eigenes Handeln kritisch prüfen und schädliche Strukturen verändern.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEine kirchliche Einrichtung hilft vielen Menschen, hat aber Beschwerden Betroffener lange nicht ernst genommen. Welche Beurteilung ist angemessen?
Lösung: Die Hilfe ist bedeutsam; zugleich muss das institutionelle Versagen betroffenenorientiert aufgearbeitet werden. — Eine begründete Beurteilung berücksichtigt Leistungen und Versagen. Aufarbeitung verlangt, Betroffene ins Zentrum zu stellen und schädliche Strukturen zu verändern.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Kirche
    • Gebäude: Turm, Glocken, Kirchenschiff, Apsis und Sakristei
    • Gemeinschaft: Menschen glauben, feiern und handeln zusammen
    • Institution: Ämter, Regeln und Einrichtungen
    • Grundvollzüge: Gottesdienst, Verkündigung, Gemeinschaft und Hilfe
    • Konfessionen: gemeinsame Grundlagen und unterschiedliche Traditionen
    • Ökumene: Zusammenarbeit bei bleibender Vielfalt
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWas unterscheidet Kirche als Gemeinschaft von Kirche als Gebäude?
Lösung: Die Gemeinschaft besteht aus Menschen; das Gebäude ist ein Gotteshaus. — Achte auf den Zusammenhang: Ein Gebäude kann betreten werden; eine Gemeinschaft glaubt und handelt miteinander.
Frage 2 von 3MittelEine Gemeinde feiert Gottesdienst, sammelt anschließend Spenden und unterstützt damit ein Pflegeheim. Welche Grundvollzüge sind besonders deutlich?
Lösung: Leiturgia und Diakonia — Der Gottesdienst gehört zur Leiturgia. Die Unterstützung des Pflegeheims ist Diakonia, also Dienst am Nächsten.
Frage 3 von 3SchwerEine Gruppe behauptet: „Weil evangelische und katholische Menschen gemeinsam helfen, gibt es zwischen ihren Kirchen keine Unterschiede mehr.“ Wie prüfst du die Aussage?
Lösung: Gemeinsame Hilfe zeigt Ökumene, beseitigt aber Unterschiede bei Leitung, Ämtern oder Sakramenten nicht automatisch. — Eine gute Beurteilung nennt beides: gemeinsame christliche Grundlagen und Zusammenarbeit sowie weiterhin bestehende konfessionelle Unterschiede.

Du hast das Ziel erreicht, wenn du bei einem neuen Beispiel zuerst klärst, welche Bedeutung von Kirche gemeint ist, anschließend die sichtbare Handlung oder Raumfunktion erklärst und mögliche konfessionelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede begründet einordnest.

Passend dazu