Messias: Bedeutung in drei Religionen
Messias bedeutet Gesalbter. Ursprünglich bezeichnete das Wort einen von Gott beauftragten Menschen, besonders einen König. Später verband sich damit die Hoffnung auf einen künftigen Retter und gerechten Herrscher. Judentum, Christentum und Islam deuten diese Vorstellung unterschiedlich.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet Messias?
Das deutsche Wort Messias geht auf das hebräische Maschiach zurück. Es bedeutet Gesalbter. Die griechische Entsprechung lautet Christos, daraus wurde Christus.
Messias
Ein Messias ist wörtlich ein Gesalbter. Im Tanach, der Hebräischen Bibel, kann damit ein von Gott erwählter und bevollmächtigter Mensch gemeint sein. In späteren religiösen Erwartungen bezeichnet der Begriff einen erhofften Heilsbringer.
Die Salbung mit Öl gehörte zu einem Einsetzungsritual. Sie zeigte: Dieser Mensch erhält ein besonderes Amt und soll es im Auftrag Gottes ausüben. Gesalbt wurden vor allem Könige, später wurde der Titel auch auf Hohepriester bezogen.
König Saul wird in der biblischen Darstellung durch den Propheten Samuel gesalbt. Die Salbung macht ihn nicht zu Gott. Sie kennzeichnet ihn als beauftragten Herrscher, der das Volk schützen und gerecht führen soll.
Sogar der persische König Kyros konnte als Gesalbter gelten, weil er als Werkzeug des göttlichen Willens für Israel verstanden wurde. Das zeigt: Der ältere Begriff meinte nicht automatisch einen endzeitlichen Welterlöser.
Christus ist kein gewöhnlicher Nachname Jesu. Die Bezeichnung Jesus Christus enthält das Bekenntnis: Jesus ist der Gesalbte beziehungsweise der Messias.
Wie wurde aus einem Amt eine Zukunftshoffnung?
Zunächst bezeichnete Maschiach vor allem einen rechtmäßigen Herrscher. Seine Macht war begrenzt: Er blieb Gott untergeordnet und sollte Recht schaffen, Unterdrückte schützen und Gottes Willen befolgen.
Mit dem Ende des Königtums von Juda im Jahr 586 v. Chr. veränderte sich die Hoffnung. Viele Menschen erwarteten nun einen künftigen Herrscher aus dem Haus Davids, der Israel sammelt, Fremdherrschaft beendet und Frieden sowie Gerechtigkeit bringt.
Prophetische Texte wie Jesaja 9 und 11 beschreiben einen gerechten Friedensherrscher. In Jesaja 11 urteilt er nicht nach Gerüchten oder äußerem Anschein. Er schützt Arme und setzt Recht durch. Bilder vom friedlichen Zusammenleben der Tiere verdeutlichen eine umfassende Überwindung von Gewalt.
Der Tanach enthält nicht eine einzige, vollständig ausformulierte Beschreibung einer konkreten zukünftigen Person namens der Messias. Verschiedene Texte handeln von gesalbten Königen, gerechten Herrschern, Dienern Gottes oder endzeitlichen Rettergestalten. Spätere Traditionen verbanden und deuteten diese Texte unterschiedlich.
Damit müssen zwei Bedeutungen auseinandergehalten werden:
- Ein historischer Gesalbter besitzt ein bestimmtes Amt in seiner Zeit.
- Ein erwarteter Heilsbringer soll eine zukünftige und umfassende Wende bewirken.
Was glauben Judentum, Christentum und Islam?
Die drei Religionen verwenden verwandte Bezeichnungen, verbinden damit aber nicht dieselben Aussagen.
| Perspektive | Wer ist der Messias? | Zeitliche Erwartung |
|---|---|---|
| Judentum | ein von Gott berufener, nichtgöttlicher Mensch | Nach vorherrschender Auffassung steht sein Kommen noch aus |
| Christentum | Jesus von Nazaret, der Christus und Sohn Gottes | Er ist bereits gekommen und wird zur Vollendung wiederkommen |
| Islam | Jesus, arabisch ʿĪsā, trägt den Titel al-Masīḥ, ist aber Prophet und Diener Gottes | Überlieferungen erwarten seine Wiederkehr; Einzelheiten unterscheiden sich |
In verbreiteten jüdischen Vorstellungen soll der Messias ein menschlicher Nachkomme Davids sein. Mit ihm werden unter anderem die Sammlung der jüdischen Exilierten, der Wiederaufbau des Tempels, Weltfrieden und die gemeinsame Anerkennung des einen Gottes verbunden. Er darf nicht als Gott angebetet werden.
Christinnen und Christen glauben, dass Jesus der erwartete Messias ist. Sie beziehen den Titel auf sein Leben, seine Botschaft vom Reich Gottes, sein Handeln, seinen Kreuzestod und seine Auferstehung. Weil der endgültige Weltfrieden noch aussteht, erwarten sie seine Wiederkunft.
Im Islam wird Jesus ebenfalls Messias genannt. Er gilt jedoch weder als Sohn Gottes noch als Teil Gottes, sondern als Prophet und Diener Gottes.
Dass Religionen dasselbe Wort verwenden, bedeutet nicht, dass sie damit dieselbe Vorstellung ausdrücken.
Warum gilt Jesus im Christentum als Messias?
Jesus verkündete das Reich Gottes. Er heilte nach den Evangelien Kranke, tröstete Menschen und nahm Ausgeschlossene an. Christinnen und Christen sehen darin Zeichen dafür, dass Gottes gerechte Herrschaft bereits sichtbar wird.
Nach Jesu Kreuzigung glaubten seine Anhänger, ihn auferstanden gesehen zu haben. Sie deuteten nun sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung mithilfe älterer biblischer Texte. Das Bekenntnis Jesus ist der Christus wurde zum Kern des christlichen Glaubens.
Die Kreuzigung kann entgegengesetzt gedeutet werden:
- Aus jüdischer oder skeptischer Sicht spricht der Tod Jesu dagegen, dass er die erwarteten Aufgaben des Messias erfüllt hat. Weltfrieden, Sammlung der Exilierten und Wiederaufbau des Tempels traten nicht ein.
- Aus christlicher Sicht ist das Kreuz kein endgültiges Scheitern. Jesu Tod und Auferstehung werden als Heilsereignis verstanden. Die noch ausstehende Vollendung wird mit seiner Wiederkunft verbunden.
Derselbe Vorgang erhält also durch unterschiedliche Voraussetzungen eine andere Bedeutung.
Diese christliche Deutung wird oft als Spannung zwischen schon und noch nicht beschrieben: Gottes Reich habe in Jesus begonnen, sei aber noch nicht vollständig verwirklicht.
Ob der historische Jesus selbst ausdrücklich den Messiasanspruch erhob, ist in der Forschung umstritten. Die Evangelien berichten, dass andere ihn Messias oder Sohn Davids nannten. Sie wurden jedoch von Menschen überliefert, die bereits an Jesus als auferstandenen Messias glaubten.
Wie prüfst du Aussagen über den Messias?
Bei diesem Thema begegnen dir verschiedene Arten von Aussagen. Prüfe zuerst, welche Art vorliegt:
- Begriffsgeschichte: Maschiach bedeutet Gesalbter und Christos ist die griechische Entsprechung.
- Historische Aussage: Jesus wurde unter römischer Herrschaft gekreuzigt. Ob er selbst einen ausdrücklichen Messiasanspruch erhob, bleibt umstritten.
- Glaubensaussage: Christinnen und Christen bekennen Jesus als auferstandenen Messias und Sohn Gottes.
- Religiöse Deutung: Ein biblischer Text wird auf eine spätere Person oder Erwartung bezogen.
Eine Glaubensaussage ist nicht automatisch eine historische Feststellung. Umgekehrt entscheidet historische Forschung nicht allein darüber, was ein Mensch glaubt.
Aussage: Jesus ist der Messias.
Als christliches Bekenntnis beschreibt der Satz den Glauben einer Religionsgemeinschaft. Als historische Behauptung müsste genauer gefragt werden: Wer bezeichnete Jesus wann als Messias? Welche Texte berichten davon? Welchen Messiasbegriff verwendeten die Beteiligten?
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Messias
- Wortbedeutung
- Maschiach: Gesalbter
- Christos: griechische Entsprechung
- Historische Entwicklung
- Salbung und Bevollmächtigung
- Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit
- Judentum
- menschlicher Messias
- Kommen überwiegend noch erwartet
- Christentum
- Jesus ist der Christus
- Wiederkunft vollendet das Heil
- Islam
- Jesus heißt al-Masīḥ
- Prophet und Diener Gottes
- Aussagen prüfen
- Geschichte von Glauben unterscheiden
- Deutungen begründen
- Wortbedeutung
Abschluss-Check
Du kannst den Begriff nun auf drei Ebenen erklären: als Gesalbten, als Hoffnung auf einen Heilsbringer und als unterschiedlich gedeuteten religiösen Titel. Der zentrale Streit dreht sich nicht nur um Jesus, sondern auch um die Frage, woran ein Messias erkannt werden soll.
Mit Google fortfahren