Monotheismus: Bedeutung und historische Grenzformen
Monotheismus bedeutet Eingottglaube: Nur ein Gott wird als Gott anerkannt. Historisch ist die Einordnung jedoch oft schwierig. Manche Menschen verehrten nur einen Gott, ohne die Existenz anderer Götter auszuschließen.
Auf dieser Seite lernst du, solche Unterschiede zu erkennen und religiöse Aussagen mit passenden Prüffragen einzuordnen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was bedeutet Monotheismus?
Das Wort Monotheismus stammt aus dem Griechischen: mónos bedeutet allein und theós bedeutet Gott. Der deutsche Ausdruck lautet Eingottglaube.
Monotheismus
Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen, umfassenden Gott. Die Existenz anderer Götter wird ausgeschlossen.
Das Gegenstück heißt Polytheismus.
Polytheismus
Polytheismus ist der Glaube an mehrere Götter. Diese können unterschiedliche Aufgaben, Eigenschaften und Beziehungen haben.
Die Aussage „Es gibt nur einen Gott“ ist monotheistisch. Die Aussage „Mehrere Götter wirken in verschiedenen Lebensbereichen“ ist polytheistisch.
Entscheidend ist nicht nur, wie viele Götter verehrt werden. Du musst auch fragen, wie viele Götter als wirklich existent anerkannt werden.
Monotheismus: ein Gott wird anerkannt. Polytheismus: mehrere Götter werden anerkannt.
Welche Grenzformen gibt es?
Die einfache Frage „Ein Gott oder viele Götter?“ reicht nicht immer aus. Anerkennung und Verehrung sind zwei verschiedene Dinge.
Henotheismus
Beim Henotheismus wird zeitweise ein Gott aus mehreren Göttern ausgewählt und besonders verehrt. Die anderen Götter werden nicht geleugnet.
Monolatrie
Monolatrie bedeutet die dauerhafte Alleinverehrung eines Gottes, obwohl weitere Götter als existent gelten.
| Vorstellung | Wie viele Götter gelten als existent? | Wer wird verehrt? |
|---|---|---|
| Monotheismus | einer | dieser eine Gott |
| Polytheismus | mehrere | mehrere Götter |
| Henotheismus | mehrere | zeitweise ein ausgewählter Gott |
| Monolatrie | mehrere | dauerhaft nur ein Gott |
Eine Gemeinschaft erkennt mehrere Götter an, verehrt aber dauerhaft nur ihren eigenen Landesgott. Das ist Monolatrie, nicht Monotheismus. Der Grund: Die anderen Götter werden weiterhin als existent anerkannt.
Wie unterscheiden sich monotheistische Religionen?
Judentum, Christentum, Islam und Bahaitum werden als monotheistische Religionen eingeordnet. Der gemeinsame Glaube an einen Gott bedeutet jedoch nicht, dass ihre Gottesvorstellungen gleich sind.
- Im Judentum wird der eine Gott als JHWH bezeichnet; die Tora ist eine heilige Schrift.
- Im Christentum wird der eine Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist verstanden. Diese Trinität meint nach christlichem Verständnis nicht drei Götter.
- Im Islam heißt Gott auf Arabisch Allah; der Koran ist die heilige Schrift.
- Im Bahaitum hat der eine Gott zu verschiedenen Zeiten durch unterschiedliche Propheten zu den Menschen gesprochen.
Dem einen Gott werden häufig Eigenschaften wie allmächtig, allwissend, allgegenwärtig und schöpferisch zugeschrieben. Solche Gemeinsamkeiten dürfen Unterschiede innerhalb und zwischen den Religionen aber nicht verdecken.
Die Einteilung als monotheistisch beantwortet nur eine bestimmte Vergleichsfrage: Wie viele Götter werden anerkannt? Für einen umfassenden Religionsvergleich müssten zusätzlich etwa Schriften, Rituale, Gottesvorstellungen und die Vielfalt innerhalb einer Religion untersucht werden.
Warum ist die Geschichte nicht geradlinig?
Monotheismus entstand nicht nach einem überall gültigen Stufenplan. Die Forschung diskutiert verschiedene Entwicklungen, Übergänge und Gegenbewegungen.
Die Religionsgeschichte des alten Israel zeigt diese Schwierigkeit besonders deutlich:
- Frühe Texte und Funde weisen auf Familien-, Lokal- und Staatskulte mit mehreren Gottheiten hin.
- JHWH gewann als Nationalgott und als bevorzugter Gott an Bedeutung.
- Bewegungen forderten zunehmend die alleinige Verehrung JHWHs.
- In der Exilszeit wurde stärker formuliert, dass JHWH universal gilt und andere Götter nicht existieren.
Diese Abfolge ist ein vereinfachter Überblick, keine lückenlose Entwicklung. Polytheistische, monolatrische und monotheistische Vorstellungen konnten nebeneinander bestehen. Auch der Zeitpunkt eines stabilen Monotheismus ist in der Forschung umstritten.
Das Gebot, keine anderen Götter neben JHWH zu haben, verlangt zunächst die alleinige Verehrung JHWHs. Im Wortlaut werden andere Götter nicht ausdrücklich für nichtexistent erklärt. Deshalb kann die Aussage eher auf Monolatrie als auf vollständig entwickelten Monotheismus hinweisen.
Auch Echnatons Erhebung Atons zum alleinigen Gott im Ägypten des 14. Jahrhunderts v. Chr. wird unterschiedlich bewertet. Weil traditionelle Gottheiten nicht eindeutig für nichtexistent erklärt wurden, sprechen manche Fachleute eher von Henotheismus oder einer Vorform des Monotheismus.
Übertrage heutige Begriffe nicht ungeprüft auf die Vergangenheit. Frage immer, was eine Aussage über Existenz, Vorrang und Verehrung anderer Götter erkennen lässt.
Wie ordnest du eine Aussage ein?
Nutze vier Prüffragen:
- Existenz: Wird nur ein Gott oder werden mehrere Götter anerkannt?
- Verehrung: Wird ein Gott oder werden mehrere Götter verehrt?
- Dauer: Ist die Alleinverehrung vorübergehend oder dauerhaft?
- Reichweite: Gilt der Anspruch nur für eine Gruppe oder für alle Menschen?
Die Reichweite bildet eine zusätzliche Achse:
- Universal bedeutet, dass der Anspruch für alle Menschen gelten soll.
- Partikular bedeutet, dass er sich vor allem auf eine bestimmte Gruppe bezieht.
- Exklusiv betont den Ausschluss anderer Götter.
- Inklusiv gibt einem Gott Vorrang, lässt aber andere Gottesvorstellungen fortbestehen.
Untersuche die erfundene Aussage: „Unser Volk verehrt dauerhaft nur Gott A. Andere Völker haben jedoch ihre eigenen wirklichen Götter.“
- Mehrere Götter werden als wirklich anerkannt.
- Die Gruppe verehrt nur Gott A.
- Diese Verehrung ist dauerhaft.
- Der Anspruch gilt nur für die eigene Gruppe.
Die passende Einordnung lautet daher: partikulare Monolatrie. Es handelt sich nicht um Monotheismus, weil andere Götter weiterhin als existent gelten.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Monotheismus untersuchen
- Anzahl: ein Gott oder mehrere Götter
- Verehrung: einer oder mehrere
- Dauer: vorübergehend oder dauerhaft
- Reichweite: universal oder partikular
- Grenzformen
- Henotheismus: zeitweise Vorrang eines Gottes
- Monolatrie: dauerhafte Alleinverehrung
- Historische Einordnung
- Übergänge statt einfacher Stufenfolge
- heutige Begriffe vorsichtig anwenden
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