Wenn ein Streit mit einer Freundin lange nachwirkt, kann das sehr schwer sein. Vielleicht bist du verletzt, wütend oder denkst immer wieder daran. Im Religionsunterricht lernst du: Vergebung kann helfen, mit Verletzungen und Schuld anders weiterzuleben.
Was Vergebung bedeutet
Vergebung bedeutet: Du hältst einer Person ihr Unrecht nicht mehr dauerhaft vor. Du sagst damit nicht, dass ihr Verhalten richtig war. Du entscheidest vielmehr, dass Wut und der Wunsch nach Rache dein Leben nicht bestimmen sollen.
Wenn jemand dein Geheimnis weitererzählt, war das verletzend. Vergeben heißt nicht, so zu tun, als wäre nichts passiert. Du darfst den Fehler benennen und trotzdem versuchen, den Groll loszulassen.
Mila hat Leni vor der Klasse ausgelacht. Leni sagt später: „Das hat mich sehr verletzt. Ich möchte nicht, dass du das noch einmal tust.“ Nach einer Entschuldigung entscheidet Leni, Mila nicht bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern.
Vergebung nennt Unrecht beim Namen. Sie macht es nicht klein.
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Schuld und Groll
Schuld entsteht, wenn ein Mensch etwas tut, das einem anderen schadet oder gegen wichtige Regeln verstößt. Wer Schuld auf sich geladen hat, kann Verantwortung übernehmen, sich entschuldigen und etwas wiedergutmachen.
Jonas stößt im Flur aus Wut gegen Emmas Tasche. Ihr Tablet fällt herunter und geht kaputt. Jonas sagt nicht nur „Sorry“, sondern erzählt es einer Lehrkraft und hilft, eine Lösung zu finden.
Schuld wird nicht kleiner, wenn man sie versteckt. Verantwortung ist ein erster Schritt.
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Groll ist festgehaltene Wut auf eine Person. Er kann immer wieder hochkommen, obwohl der Streit schon vorbei ist. Groll zeigt zunächst: Dir ist etwas Wichtiges passiert. Wenn er lange bleibt, kann er dich aber viel Kraft kosten.
Tim wurde beim Fußball absichtlich ausgeschlossen. Noch Tage später hofft er, dass die anderen verlieren. Er merkt: Die Wut bestimmt seine Gedanken. Er spricht mit einer Vertrauensperson darüber und überlegt, was er braucht.
Gefühle wie Wut sind nicht falsch. Sie können dir zeigen, dass eine Grenze überschritten wurde. Vergeben ist oft ein Weg in mehreren kleinen Schritten.
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Vergebung ist nicht Versöhnung
Versöhnung bedeutet, dass zwei Menschen ihre Beziehung wieder aufbauen oder neu gestalten. Dafür müssen beide mitwirken. Sie brauchen Gespräche, Respekt und die Bereitschaft, etwas zu verändern.
Vergebung kann ein innerer Schritt von dir sein. Versöhnung ist dagegen ein gemeinsamer Schritt. Deshalb kann man vergeben, ohne wieder eng befreundet zu sein.
Noah entschuldigt sich bei Amir dafür, dass er dessen Fahrrad beschädigt hat. Amir vergibt ihm. Trotzdem leiht Amir Noah sein Fahrrad zunächst nicht mehr aus. Vertrauen muss erst wieder wachsen.
Vergebung ist nicht dasselbe wie Versöhnung. Vertrauen darf Zeit brauchen.
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Vergebung im Christentum
Im Christentum ist Vergebung besonders wichtig, weil Gott als barmherzig verstanden wird. Barmherzigkeit heißt: Not und Schuld eines Menschen wahrnehmen und ihm mit Güte begegnen.
Christinnen und Christen glauben, dass Gott Menschen ihre Sünde vergeben kann. Sünde ist im christlichen Glauben eine Bezeichnung für Schuld und für alles, was die Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen belastet oder verletzt.
Jesus erzählt und lebt Vergebung vor. Im Vaterunser, einem bekannten christlichen Gebet, bitten Christinnen und Christen Gott um Vergebung. Zugleich erinnern sie sich daran, anderen zu vergeben. Die Botschaft lautet: Wer selbst Vergebung empfängt, kann sie weitergeben.
Im Gleichnis vom verlorenen Sohn kehrt ein junger Mann nach Hause zurück, nachdem er vieles falsch gemacht hat. Sein Vater nimmt ihn wieder auf. Die Geschichte zeigt: Ein Neuanfang kann möglich sein.
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Christliche Vergebung verbindet einen Neuanfang mit der Aufgabe, anderen Menschen barmherzig zu begegnen.
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Wie Vergebung wachsen kann
Vergebung ist kein Knopf, den du einfach drückst. Bei kleinen Streitigkeiten kann ein Gespräch helfen. Bei schweren Verletzungen kann Vergebung lange dauern oder sich zunächst unmöglich anfühlen.
Ein möglicher Weg ist: Zuerst benennst du, was passiert ist. Dann nimmst du deine Gefühle ernst. Danach überlegst du, welche Grenze du brauchst. Wenn du bereit bist, kannst du den Wunsch loslassen, es der anderen Person heimzuzahlen. Christinnen und Christen können dabei beten und Gott um Kraft bitten.
Sofia wurde von einer Mitschülerin beleidigt. Sie sagt klar, dass sie das nicht akzeptiert. Sie spricht mit ihrer Lehrkraft. Später merkt sie, dass sie nicht mehr jeden Tag Rachefantasien haben möchte. Das ist ein möglicher Anfang von Vergebung.
Bei Gewalt, Mobbing, Missbrauch oder Angst musst du das nicht allein tragen. Wende dich an Erwachsene, denen du vertraust, oder an professionelle Hilfe. Deine Sicherheit ist wichtig.
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Zusammenfassung
Vergebung bedeutet, Schuld nicht dauerhaft gegen einen Menschen festzuhalten. Sie heißt nicht vergessen, Unrecht erlauben oder Vertrauen sofort zurückgeben.
Versöhnung braucht beide Seiten. Vergebung kann auch ohne eine neue Beziehung möglich sein. Im Christentum gehört sie zur Erfahrung von Gottes Barmherzigkeit und zu einem Leben, das anderen Menschen einen Neuanfang zutraut.
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