Zehn Gebote: Bedeutung, Inhalt und Auslegung
Die Zehn Gebote sind religiöse und ethische Grundregeln der biblischen Überlieferung. Sie betreffen die Beziehung zu Gott und das Zusammenleben der Menschen. Du lernst hier ihren Inhalt, ihre Einordnung in die Exodus-Erzählung, unterschiedliche Zählweisen und eine begründete Anwendung auf den Alltag kennen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Woher kommen die Zehn Gebote?
Die Zehn Gebote heißen auch Dekalog. Das Wort setzt sich aus den griechischen Wörtern für „zehn“ und „Wort“ zusammen und bedeutet sinngemäß Zehnwort.
Nach der biblischen Überlieferung führte Mose das Volk aus Ägypten fort. Auf dem Berg Sinai empfing er von Gott die Gebote auf zwei Steintafeln. Damit stehen die Gebote in einer Befreiungsgeschichte: Zuerst wird von Gottes befreiendem Handeln erzählt, danach folgen Regeln für das Leben mit Gott und miteinander.
Biblische Überlieferung
Eine biblische Überlieferung ist eine in der Bibel erzählte Glaubensgeschichte. Die Aussage, Mose habe die Gebote von Gott auf dem Sinai empfangen, beschreibt zunächst diese religiöse Überlieferung und nicht einen unabhängig bewiesenen historischen Vorgang.
Im Alten Testament sind zwei weitgehend übereinstimmende Fassungen überliefert: im Buch Exodus, Kapitel 20, Verse 2 bis 17, und im fünften Buch Mose, Kapitel 5, Verse 6 bis 21. Im hebräischen Text stehen die Gebote nicht als modern nummerierte Liste. Die Einteilung in zehn nummerierte Gebote entstand durch verschiedene Auslegungstraditionen.
Was sagen die zehn Gebote?
Die folgende Kurzfassung entspricht einer verbreiteten lutherischen Zähltradition. Andere Traditionen können einzelne Gebote anders formulieren oder gliedern.
- Du sollst keine anderen Götter neben Gott haben.
- Du sollst Gottes Namen nicht missbrauchen.
- Du sollst den Feiertag heiligen.
- Du sollst Vater und Mutter ehren.
- Du sollst nicht töten.
- Du sollst nicht ehebrechen.
- Du sollst nicht stehlen.
- Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
- Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren.
- Du sollst nicht die Frau oder das übrige Eigentum deines Nächsten begehren.
Begehren bedeutet hier nicht nur, etwas schön zu finden. Gemeint ist ein Verlangen, das darauf zielt, einem anderen Menschen etwas wegzunehmen, das zu ihm gehört.
Einige ältere Fassungen verwenden Wörter wie „Weib“, „Knecht“, „Magd“ oder „Vieh“. Diese Wörter stammen aus früheren Sprach- und Gesellschaftsformen. Der Grundgedanke richtet sich gegen den Versuch, Beziehungen oder Eigentum anderer an sich zu bringen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Die Zehn Gebote heißen auch . Nach der biblischen Überlieferung empfing sie auf dem Sinai. Zwei Fassungen stehen in Exodus und im .
Welche Beziehungen ordnen die Gebote?
In der dargestellten Zählung lassen sich zwei Bereiche erkennen:
- Die ersten drei Gebote betreffen die Beziehung des Menschen zu Gott: Vertrauen, Gottes Namen und den geheiligten Tag.
- Die übrigen sieben betreffen das Zusammenleben: Familie, Leben, Ehe, Eigentum, Wahrheit und den Umgang mit dem, was anderen gehört.
Die Zehn Gebote sind nicht nur eine Liste von Verboten. Sie schützen Beziehungen: zu Gott, zu anderen Menschen und zu deren Leben, Ansehen und Eigentum.
Luthers Auslegung im „Kleinen Katechismus“ macht aus mehreren Verboten zusätzlich positive Aufgaben:
- „Du sollst nicht töten“ bedeutet auch, einem Menschen in Not zu helfen.
- „Du sollst nicht stehlen“ bedeutet auch, fremdes Eigentum zu schützen.
- „Du sollst nicht falsch aussagen“ bedeutet auch, andere nicht zu verleumden oder schlechtzumachen.
Situation: Auf dem Schulhof liegt ein Portemonnaie. Niemand sieht, dass du es findest.
- Das siebte Gebot verbietet, fremdes Eigentum zu nehmen.
- Die positive Auslegung geht weiter: Du sollst dem anderen helfen, sein Eigentum zu behalten.
- Deshalb lässt du das Portemonnaie nicht einfach liegen und behältst es auch nicht. Du gibst es an einer verlässlichen Stelle ab, damit die Besitzerin oder der Besitzer es zurückbekommen kann.
Die Anwendung zeigt den entscheidenden Gedanken: Das Gebot fordert nicht nur, einen Schaden zu vermeiden. Es kann auch zu schützendem Handeln anleiten.
Warum gibt es verschiedene Zählungen?
Alle Traditionen sprechen von zehn Geboten, teilen den überlieferten Text aber nicht überall an denselben Stellen. Deshalb kann dieselbe Nummer unterschiedliche Inhalte bezeichnen.
In der lutherischen und katholischen Tradition wird das Verbot anderer Götter am Anfang zusammengefasst. Die lutherische Zählung trennt am Ende das Begehren des Hauses vom Begehren der Frau und des übrigen Besitzes. Die katholische Kurzfassung trennt dort das Begehren der Frau vom Begehren des Gutes.
Anglikanische, reformierte und orthodoxe Traditionen zählen das Bilderverbot „Du sollst dir kein Bildnis machen“ als zweites Gebot. Damit die Zahl zehn erhalten bleibt, fassen sie die beiden Gebote zum Begehren am Ende zusammen.
Auch jüdische und christliche Traditionen gliedern den hebräischen Text unterschiedlich. Eine Nummer allein reicht deshalb bei einem Vergleich nicht aus: Entscheidend ist immer der Wortlaut.
Unterschiedliche Zählungen bedeuten nicht automatisch, dass eine Tradition ein zentrales Anliegen ausgelassen hat. Häufig wird derselbe Text nur anders gegliedert. Wortlaut und Zusammenhang sind deshalb aussagekräftiger als die Nummer.
Wie helfen die Gebote bei heutigen Entscheidungen?
Ein Gebot nennt einen religiös-ethischen Maßstab. Für einen konkreten Fall musst du klären, was geschehen ist, wer betroffen ist und welche Handlung dem Grundgedanken des Gebots entspricht.
Gehe dabei in vier Schritten vor:
- Sachlage klären: Was ist tatsächlich passiert?
- Betroffene erkennen: Wessen Leben, Eigentum, Beziehung oder Ansehen steht auf dem Spiel?
- Gebot zuordnen: Welcher Grundgedanke hilft bei der Beurteilung?
- Handlung begründen: Wie verhindert deine Entscheidung Schaden oder schützt die betroffene Person?
Situation: In einer Klassengruppe wird behauptet, Amir habe ein Tablet beschädigt. Niemand hat gesehen, wie es passiert ist. Du sollst die Behauptung weiterleiten.
Sachlage: Die Schuld ist nicht geklärt. Es gibt nur eine Behauptung.
Betroffene: Amirs Ansehen kann beschädigt werden. Außerdem braucht die Klasse eine ehrliche Klärung des Schadens.
Passendes Gebot: Das achte Gebot richtet sich gegen falsche Aussagen über andere. Seine positive Auslegung fordert, Menschen nicht zu verleumden oder ohne Grund schlechtzumachen.
Begründete Handlung: Du leitest die unbestätigte Behauptung nicht als Tatsache weiter. Stattdessen sagst du, dass erst geklärt werden muss, was wirklich geschehen ist.
Damit schützt du Amir vor einer unbegründeten Beschuldigung, ohne die Suche nach der Wahrheit zu verhindern.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Zehn Gebote
- Ursprung: biblische Überlieferung von Mose, Sinai und Befreiung
- Texte: Fassungen in Exodus und im fünften Buch Mose
- Gottesbeziehung: Vertrauen, Name Gottes und geheiligter Tag
- Zusammenleben: Leben, Familie, Ehe, Eigentum, Wahrheit und Begehren
- Auslegung: Verbote verhindern Schaden und können zu Hilfe verpflichten
- Zählungen: gleiche Gesamtzahl, aber unterschiedliche Gliederungen
- Anwendung: Sachlage klären, Betroffene beachten und Handlung begründen
Abschluss-Check
Du hast das Ziel erreicht, wenn du die Gebote nicht nur aufzählen, sondern ihre biblische Einordnung, die unterschiedlichen Zählungen und ihren Grundgedanken an einem neuen Fall erklären kannst.
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