Zwei-Naturen-Lehre einfach erklärt

Zwei-Naturen-Lehre einfach erklärt
Zwei-Naturen-Lehre einfach erklärt
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Die Zwei-Naturen-Lehre beantwortet eine Grundfrage der Christologie, also der Lehre über Jesus Christus: Wie kann Jesus zugleich göttlich und menschlich sein? Ihre Antwort lautet: Jesus Christus ist eine Person mit einer göttlichen und einer menschlichen Natur. Beide bleiben verschieden und sind dennoch untrennbar verbunden.

Die Formel beschreibt ein christliches Glaubensbekenntnis. Sie ist keine naturwissenschaftliche Erklärung dafür, wie die Verbindung funktioniert.

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Eine Person mit zwei Naturen

Mit Natur ist hier gemeint, was Christus wirklich ist: göttlich und menschlich. Die Lehre behauptet nicht, Jesus sei halb Gott und halb Mensch. Sie bezeichnet ihn als wahren Gott und wahren Menschen.

Definition

Zwei-Naturen-Lehre

Die Zwei-Naturen-Lehre ist das christologische Bekenntnis, dass in der einen Person Jesus Christus eine vollständig göttliche und eine vollständig menschliche Natur verbunden sind.

Die beiden Naturen behalten nach dieser Lehre ihre jeweiligen Eigenschaften:

  • Zur göttlichen Natur gehören Eigenschaften wie Ewigkeit, Allwissenheit, Allgegenwart und Allmacht.
  • Zur menschlichen Natur gehören wirkliche menschliche Begrenzungen. Sie ist endlich, nicht gleichzeitig an mehreren Orten und in Wissen sowie Macht begrenzt.

Bei der Fleischwerdung nimmt der göttliche Sohn eine menschliche Natur an. Nach der chalcedonischen Lehre hört er dabei nicht auf, göttlich zu sein. Zugleich wird seine menschliche Natur nicht in eine göttliche Natur verwandelt.

Beispiel

Die Aussage „Jesus ist wahrer Mensch“ bedeutet innerhalb dieser Lehre mehr als „Jesus sieht menschlich aus“. Sein Menschsein gilt als wirklich und vollständig. Die Aussage „Jesus ist wahrer Gott“ bedeutet zugleich, dass seine Göttlichkeit nicht durch die Menschwerdung verschwindet.

Der entscheidende Gedanke lautet deshalb nicht entweder Gott oder Mensch, sondern wahrer Gott und wahrer Mensch.

Merke

Eine Person, zwei Naturen: vollständig göttlich und vollständig menschlich.

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Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage trifft den Kern der Zwei-Naturen-Lehre?
Lösung: Jesus Christus ist eine Person mit einer göttlichen und einer menschlichen Natur. — Die Lehre hält vollständige Göttlichkeit und vollständiges Menschsein zugleich fest.
Vier Wörter schützen die Kernaussage

Das Konzil von Chalcedon beschrieb das Verhältnis der beiden Naturen im Jahr 451 mit vier Abgrenzungen. Je nach deutscher Übersetzung werden leicht unterschiedliche Wortformen verwendet.

AbgrenzungWas wird ausgeschlossen?Was wird festgehalten?
unvermischtDie Naturen verschmelzen nicht zu einer dritten Natur.Göttlichkeit und Menschlichkeit bleiben unterscheidbar.
unverändert oder unverwandeltEine Natur verwandelt sich nicht in die andere.Jede Natur behält ihre Eigentümlichkeit.
ungetrenntGöttliche und menschliche Natur werden in Christus nicht voneinander gelöst.Beide gehören immer zu der einen Person.
ungeteilt oder unzerteiltChristus wird nicht in zwei getrennte Teile oder Personen zerlegt.Jesus Christus bleibt eine Person.

Die ersten beiden Wörter schützen also die Unterscheidung der Naturen. Die letzten beiden schützen ihre Einheit in Christus.

Beispiel

Behauptung: „In Jesus verbinden sich Göttliches und Menschliches zu einer neuen dritten Natur.“

Diese Behauptung widerspricht unvermischt und unverändert. Eine dritte Mischform würde gerade nicht festhalten, dass die göttliche und die menschliche Natur jeweils vollständig erhalten bleiben.

Beispiel

Behauptung: „Der göttliche Christus und der menschliche Jesus sind zwei voneinander getrennte Personen.“

Diese Behauptung widerspricht ungetrennt und ungeteilt. Die Lehre spricht von einer Person, nicht von zwei unabhängig handelnden Personen.

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Frage 1 von 2MittelEine Schülerin sagt: „Die menschliche Natur wird bei der Fleischwerdung göttlich.“ Welche Abgrenzung widerspricht dieser Aussage am deutlichsten?
Lösung: unverändert beziehungsweise unverwandelt — „Unverändert“ beziehungsweise „unverwandelt“ bedeutet, dass keine Natur in die andere übergeht.
Frage 2 von 2MittelWelche beiden Begriffe betonen vor allem die bleibende Einheit Christi?
Lösung: ungetrennt und ungeteilt — „Ungetrennt“ und „ungeteilt“ verhindern, dass aus der einen Person zwei voneinander gelöste Größen werden.
Warum entstand die Formel von Chalcedon?

In den ersten Jahrhunderten des Christentums war umstritten, wie Göttlichkeit und Menschlichkeit Jesu zusammengehören. Das Konzil von Chalcedon wurde 451 einberufen, um diesen Konflikt zu klären.

Eine wichtige Gegenposition wurde in den ausgewerteten Darstellungen als Monophysitismus bezeichnet. Das Wort verbindet mono für „einzig“ mit physis für „Natur“. Gemeint ist dort die Auffassung, Christus besitze nur eine Natur, etwa eine vergöttlichte menschliche oder eine vermenschlichte göttliche Natur.

Aus chalcedonischer Sicht gefährdete diese Auffassung sowohl das vollständige Menschsein als auch die vollständige Göttlichkeit Christi. Die Vier-Wörter-Formel sollte deshalb Einheit und Unterscheidung gleichzeitig sichern.

Das Konzil war nicht nur eine theologische Beratung. Der oströmische Kaiser Markian berief es ein und verfolgte auch politische Ziele: Er wollte seine Stellung festigen, die christlichen Untertanen durch einen einheitlichen Glauben verbinden und die Kirche besser lenken.

Gut zu wissen

Historische Erklärung und religiöses Bekenntnis sind zwei verschiedene Ebenen. Historisch lässt sich untersuchen, wann, wo und unter welchen politischen Bedingungen die Formel beschlossen wurde. Ob Jesus tatsächlich wahrer Gott und wahrer Mensch ist, ist dagegen eine Glaubensaussage.

Die Beschlüsse schufen keine vollständige kirchliche Einigkeit. Mehrere orientalische Kirchen lehnten Chalcedon aus theologischen und kirchenpolitischen Gründen ab. Verständigungserklärungen im 20. Jahrhundert näherten einige Kirchen einander an, ohne eine vollständige Kirchengemeinschaft herzustellen.

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Frage 1 von 1MittelWelche Erklärung berücksichtigt die Entstehung des Konzils am vollständigsten?
Lösung: Das Konzil reagierte auf einen theologischen Streit und stand zugleich unter politischen Interessen. — Chalcedon war zugleich Ort theologischer Klärung und kaiserlicher Kirchenpolitik.
Was die Lehre erklärt und was offenbleibt

Die Zwei-Naturen-Lehre ist vor allem eine Abgrenzungsformel. Sie legt fest, welche Aussagen zusammengehören und welche Deutungen ausgeschlossen werden sollen:

  1. Christus ist wirklich göttlich.
  2. Christus ist wirklich menschlich.
  3. Beide Naturen bleiben unterscheidbar.
  4. Beide sind in einer Person untrennbar verbunden.

Damit klärt die Formel das Verhältnis durch Grenzen. Sie erklärt jedoch nicht den inneren Mechanismus, durch den zwei Naturen in einer Person verbunden sein können. In der zugrunde liegenden theologischen Darstellung bleibt dies ein Geheimnis der Menschwerdung.

Beispiel

Die Formel ähnelt einer Leitplanke: Sie zeigt, welche Wege nach chalcedonischem Verständnis nicht weiterführen. „Nur göttlich“, „nur menschlich“, „zu einer dritten Natur vermischt“ und „in zwei Personen getrennt“ liegen außerhalb dieser Leitplanken.

Die Leitplanke ersetzt aber keine vollständige Erklärung dafür, wie die Verbindung möglich ist.

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Frage 1 von 1SchwerEin Schüler kritisiert: „Die vier Begriffe erklären gar nicht genau, wie zwei Naturen in einer Person verbunden sind.“ Wie ist diese Beobachtung zu bewerten?
Lösung: Sie trifft eine Grenze der Formel: Diese grenzt Deutungen ab, beschreibt aber keinen vollständigen Mechanismus. — Die Stärke der Formel liegt in ihrer doppelten Abgrenzung: keine Vermischung und keine Trennung. Das Wie der Verbindung bleibt offen.
Vertiefung: Eigenschaften und ganze Person

Die lateinische Wendung Communicatio idiomatum bedeutet „Austausch der Eigenschaften“. Sie ergänzt die Zwei-Naturen-Lehre durch die Frage: Wie kann man über die eine Person Jesus Christus sprechen, wenn ihre beiden Naturen unterschiedliche Eigenschaften besitzen?

Definition

Communicatio idiomatum

Eigenschaften der göttlichen und der menschlichen Natur können der ganzen Person Jesus Christus zugeschrieben werden, ohne dass die beiden Naturen deshalb zu einer Natur verschmelzen.

In späteren theologischen Traditionen wurde diese Lehre unterschiedlich entfaltet. In der Reformationszeit nutzte Martin Luther sie zur Begründung seiner Auffassung von der leibhaftigen Gegenwart Christi im Abendmahl: Die menschliche Natur Christi habe Anteil an der göttlichen Allgegenwart.

Diese Anwendung geht über den Grundsatz „eine Person, zwei Naturen“ hinaus. Sie zeigt, wie der Lehrsatz in einem späteren Streit weitergedacht wurde.

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Frage 1 von 1SchwerWarum ist die Communicatio idiomatum keine Lehre von einer dritten Misch-Natur?
Lösung: Weil Eigenschaften der einen Person zugeschrieben werden, während die beiden Naturen unterschieden bleiben. — Die Zuschreibung an die ganze Person hebt die chalcedonische Unterscheidung der Naturen nicht auf.
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Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Zwei-Naturen-Lehre
    • Kernaussage
      • wahrer Gott und wahrer Mensch
      • eine Person mit zwei Naturen
    • Unterscheidung
      • unvermischt
      • unverändert oder unverwandelt
    • Einheit
      • ungetrennt
      • ungeteilt oder unzerteilt
    • Historischer Kontext
      • Konzil von Chalcedon 451
      • theologischer Konflikt
      • politische Interessen
    • Aussagegrenze
      • grenzt Deutungen ab
      • erklärt nicht den Mechanismus
    • Vertiefung
      • Communicatio idiomatum
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Kurzformel fasst die Zwei-Naturen-Lehre korrekt zusammen?
Lösung: Eine Person, zwei Naturen: wahrer Gott und wahrer Mensch. — Die Lehre verbindet die Einheit der Person mit der bleibenden Unterscheidung zweier Naturen.
Frage 2 von 3MittelJemand sagt: „Wenn Jesus Mensch wird, verliert er seine göttlichen Eigenschaften.“ Welcher Teil der Lehre widerspricht dem?
Lösung: Die göttliche Natur bleibt göttlich und wird nicht in die menschliche Natur verwandelt. — „Unverändert“ beziehungsweise „unverwandelt“ hält fest, dass die göttliche Natur nicht aufhört, göttlich zu sein.
Frage 3 von 3SchwerWelche Beurteilung der chalcedonischen Formel ist am treffendsten?
Lösung: Sie beantwortet einen historischen Deutungskonflikt durch Abgrenzungen, lässt aber das genaue Wie der Verbindung offen. — Die Formel verbindet vier Grenzaussagen. Ihre Wirkung war bedeutend, doch mehrere Kirchen lehnten den Beschluss ab und die Art der Verbindung blieb ein theologisches Geheimnis.

Prüfe zum Schluss, ob du den Lehrsatz ohne die vier Fachwörter erklären kannst: Jesus Christus soll nach chalcedonischem Verständnis ganz göttlich und ganz menschlich sein. Seine beiden Naturen werden weder vermischt noch getrennt. Genau dieses doppelte Festhalten ist der Kern der Zwei-Naturen-Lehre.

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