Wirtschaft

Eigenfertigung oder Fremdbezug: Make or Buy

Eigenfertigung oder Fremdbezug: Make or Buy
Eigenfertigung oder Fremdbezug: Make or Buy
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Eigenfertigung oder Fremdbezug ist keine reine Preisfrage. Du vergleichst zuerst die Gesamtkosten von Make und Buy. Danach prüfst du, ob Ressourcen, Qualität, Zeit, Risiken, Abhängigkeit und Know-how die rechnerische Entscheidung bestätigen oder verändern.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Worum geht es bei Make or Buy?

Ein Unternehmen benötigt zum Beispiel Fahrradrahmen. Es kann die Rahmen selbst herstellen oder bei einem Lieferanten einkaufen.

Definition

Eigenfertigung

Bei der Eigenfertigung oder Make stellt das Unternehmen das benötigte Produkt selbst her. Dafür braucht es passende Anlagen, Personal, Räume, Kapital und Know-how.

Definition

Fremdbezug

Beim Fremdbezug oder Buy kauft das Unternehmen das Produkt bei einem externen Anbieter. Dadurch kann es eigene Ressourcen sparen, wird aber vom Lieferanten abhängig.

Die günstigere Alternative ist nicht automatisch die bessere. Ein niedriger Kaufpreis hilft wenig, wenn Lieferungen unzuverlässig sind oder die Qualität nicht genügt. Umgekehrt kann Eigenfertigung trotz guter Qualitätskontrolle an fehlendem Kapital oder fehlenden Kapazitäten scheitern.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt Fremdbezug?
Lösung: Das Unternehmen kauft das benötigte Produkt bei einem externen Anbieter. — Buy bedeutet, dass die Leistung von außen bezogen wird. Ob Buy sinnvoll ist, zeigt erst der Kosten- und Kriterienvergleich.
Wie vergleichst du die Kosten?

Bei der Eigenfertigung fallen meist Fixkosten und variable Kosten an. Fixkosten bleiben innerhalb des betrachteten Bereichs von der Menge unabhängig, zum Beispiel die jährliche kalkulatorische Abschreibung einer Maschine. Variable Kosten verändern sich mit der Menge, zum Beispiel Materialkosten je Stück.

Beim Fremdbezug wird im einfachen Modell ein Bezugspreis je Stück angesetzt. Zusätzliche Bezugskosten wie Transport müssen einbezogen werden, wenn sie anfallen.

Definition

Kostenfunktionen

Für eine Menge $x$ lauten die einfachen Kostenfunktionen:

$$K_M(x)=FK+vK\cdot x$$

$$K_B(x)=P\cdot x$$

Dabei sind $FK$ die Fixkosten der Eigenfertigung, $vK$ die variablen Eigenfertigungskosten je Stück und $P$ der Bezugspreis je Stück.

Bei Investitionen können auch kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen zu den Fixkosten gehören. Die Abschreibung bildet den Wertverzehr einer Anlage ab; die Zinsen berücksichtigen die Bindung des eingesetzten Kapitals.

Merke

Vergleiche Gesamtkosten mit Gesamtkosten für denselben Zeitraum und dieselbe Menge. Ein Stückpreisvergleich ist nur korrekt, wenn alle verursachten Kosten enthalten sind.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEine Maschine verursacht 20.000 € Fixkosten. Die variablen Eigenfertigungskosten betragen 30 € je Stück. Welche Kostenfunktion ist richtig?
Lösung: $K_M(x)=20.000+30x$ — Fixkosten stehen als fester Betrag in der Funktion. Nur die variablen Stückkosten werden mit $x$ multipliziert.
Wann ist die kritische Menge erreicht?

Die kritische Menge oder Indifferenzmenge ist die Menge, bei der Make und Buy gleich hohe Gesamtkosten verursachen. Du setzt deshalb beide Kostenfunktionen gleich:

$$FK+vK\cdot x_0=P\cdot x_0$$

Falls $P>vK$ gilt, kannst du nach $x_0$ auflösen:

$$x_0=\frac{FK}{P-vK}$$

Diese Bedingung ist wichtig: Ist der Bezugspreis nicht höher als die variablen Eigenfertigungskosten, kann Make in diesem einfachen Modell seinen Fixkostennachteil durch eine größere Menge nicht aufholen.

Beispiel

Ein Fahrradhersteller vergleicht folgende Werte:

  • Fremdbezugspreis: $P=100\,€$ je Rahmen
  • Fixkosten der Eigenfertigung: $FK=800\,€$
  • variable Eigenfertigungskosten: $vK=50\,€$ je Rahmen

Die kritische Menge ist:

$$x_0=\frac{800}{100-50}=16$$

Probe bei 16 Rahmen:

$$K_M(16)=800+50\cdot16=1.600\,€$$

$$K_B(16)=100\cdot16=1.600\,€$$

Bei genau 16 Rahmen besteht Indifferenz. Unter 16 Rahmen ist Buy günstiger; oberhalb von 16 Rahmen ist Make im Kostenmodell günstiger. „Ab 16“ wäre ungenau, weil bei 16 noch kein Kostenvorteil besteht.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWas bedeutet eine kritische Menge von 16 Stück?
Lösung: Bei genau 16 Stück sind die Gesamtkosten beider Alternativen gleich. — Die kritische Menge markiert die Kostengleichheit. Welche Alternative davor oder danach günstiger ist, erkennst du an den Fixkosten und den Kostensteigerungen.
Wie triffst du die vollständige Entscheidung?

Ein Kostenvergleich liefert ein wichtiges Teilergebnis. Eine belastbare Make-or-Buy-Entscheidung verbindet dieses Ergebnis mit qualitativen und strategischen Kriterien.

  1. Lege Produkt, Zeitraum und erwartete Menge fest.
  2. Ermittle alle relevanten Eigenfertigungs- und Fremdbezugskosten.
  3. Vergleiche die Gesamtkosten und berechne bei Bedarf die kritische Menge.
  4. Prüfe, ob die erwartete Menge tatsächlich produziert und abgesetzt werden kann.
  5. Bewerte Ressourcen, Liquidität, Zeit, Qualität, Flexibilität, Risiken, Know-how, Lieferabhängigkeit und strategische Bedeutung.
  6. Begründe die Entscheidung aus beiden Teilen.
KriteriumFrage an MakeFrage an Buy
RessourcenSind Anlagen, Personal, Räume und Kapital vorhanden?Welche eigenen Ressourcen werden frei?
QualitätKann das Unternehmen die Qualität sicher steuern?Erfüllt der Lieferant die Anforderungen dauerhaft?
Zeit und FlexibilitätWie schnell kann die Fertigung angepasst werden?Wie flexibel und zuverlässig liefert der Anbieter?
RisikoWelche Folgen haben Maschinen- oder Personalausfälle?Welche Folgen haben Verzögerungen oder Lieferausfälle?
Know-howWird wichtiges Wissen intern aufgebaut oder geschützt?Geht Wissen verloren oder entsteht Abhängigkeit?
Beispiel

Die Donna GmbH hat jährliche Fixkosten der Eigenfertigung von 212.000 €, variable Kosten von 300 € je Stück und einen Fremdbezugspreis von 480 € je Stück.

Bei 1.000 Stück gilt:

$$K_M(1.000)=212.000+300\cdot1.000=512.000\,€$$

$$K_B(1.000)=480\cdot1.000=480.000\,€$$

Buy ist damit um 32.000 € günstiger. Die kritische Menge folgt aus:

$$300x+212.000=480x$$

$$x=\frac{212.000}{180}\approx1.177{,}78$$

Da nur ganze Stücke möglich sind, ist Buy bis 1.177 Stück günstiger. Ab 1.178 Stück ist Make im Kostenmodell günstiger. Vor der Entscheidung muss das Unternehmen dennoch prüfen, ob diese Menge erreichbar ist und wie Qualität, Kapazität, Lieferausfälle und Know-how zu bewerten sind.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerEin Unternehmen erwartet 1.300 Stück; oberhalb von 1.178 Stück ist Make rechnerisch günstiger. Der einzige Lieferant arbeitet jedoch zuverlässiger und erfüllt höhere Qualitätsanforderungen. Welche Begründung ist fachlich am stärksten?
Lösung: Make hat den Kostenvorteil, aber Qualität und Zuverlässigkeit müssen bewertet werden, bevor die Entscheidung fällt. — Eine vollständige Entscheidung trennt zuerst das quantitative Ergebnis von der qualitativen Bewertung und führt beide anschließend begründet zusammen.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Make-or-Buy-Entscheidung
    • quantitativ prüfen
      • Kostenfunktionen aufstellen
      • kritische Menge berechnen
      • erwartete Menge vergleichen
    • qualitativ prüfen
      • Ressourcen und Liquidität
      • Qualität und Flexibilität
      • Risiken und Abhängigkeit
    • Entscheidung begründen
      • Rechenergebnis nennen
      • Kriterien gewichten
      • Tragfähigkeit prüfen
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Größe steht in $K_M(x)=FK+vK\cdot x$ für die mengenunabhängigen Kosten?
Lösung: $FK$ — $FK$ sind die Fixkosten. Sie werden im einfachen Modell als fester Betrag addiert.
Frage 2 von 3MittelEin Betrieb hat $FK=24.000\,€$, $vK=60\,€$ und $P=100\,€$. Wie groß ist die kritische Menge?
Lösung: 600 Stück — $x_0=24.000:(100-60)=24.000:40=600$. Bei 600 Stück sind die Gesamtkosten gleich.
Frage 3 von 3SchwerBei 750 Stück ist Make im Kostenmodell günstiger. Welche Aussage ist eine vollständige Entscheidung?
Lösung: Make ist rechnerisch günstiger; zusätzlich werden Kapazität, Qualität, Risiken und strategische Folgen geprüft. — Die tragfähige Entscheidung nennt das Kostenergebnis und bewertet anschließend die relevanten qualitativen Kriterien.

Passend dazu