Eigenfertigung oder Fremdbezug: Make or Buy
Eigenfertigung oder Fremdbezug ist keine reine Preisfrage. Du vergleichst zuerst die Gesamtkosten von Make und Buy. Danach prüfst du, ob Ressourcen, Qualität, Zeit, Risiken, Abhängigkeit und Know-how die rechnerische Entscheidung bestätigen oder verändern.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Worum geht es bei Make or Buy?
Ein Unternehmen benötigt zum Beispiel Fahrradrahmen. Es kann die Rahmen selbst herstellen oder bei einem Lieferanten einkaufen.
Eigenfertigung
Bei der Eigenfertigung oder Make stellt das Unternehmen das benötigte Produkt selbst her. Dafür braucht es passende Anlagen, Personal, Räume, Kapital und Know-how.
Fremdbezug
Beim Fremdbezug oder Buy kauft das Unternehmen das Produkt bei einem externen Anbieter. Dadurch kann es eigene Ressourcen sparen, wird aber vom Lieferanten abhängig.
Die günstigere Alternative ist nicht automatisch die bessere. Ein niedriger Kaufpreis hilft wenig, wenn Lieferungen unzuverlässig sind oder die Qualität nicht genügt. Umgekehrt kann Eigenfertigung trotz guter Qualitätskontrolle an fehlendem Kapital oder fehlenden Kapazitäten scheitern.
Wie vergleichst du die Kosten?
Bei der Eigenfertigung fallen meist Fixkosten und variable Kosten an. Fixkosten bleiben innerhalb des betrachteten Bereichs von der Menge unabhängig, zum Beispiel die jährliche kalkulatorische Abschreibung einer Maschine. Variable Kosten verändern sich mit der Menge, zum Beispiel Materialkosten je Stück.
Beim Fremdbezug wird im einfachen Modell ein Bezugspreis je Stück angesetzt. Zusätzliche Bezugskosten wie Transport müssen einbezogen werden, wenn sie anfallen.
Kostenfunktionen
Für eine Menge $x$ lauten die einfachen Kostenfunktionen:
$$K_M(x)=FK+vK\cdot x$$
$$K_B(x)=P\cdot x$$
Dabei sind $FK$ die Fixkosten der Eigenfertigung, $vK$ die variablen Eigenfertigungskosten je Stück und $P$ der Bezugspreis je Stück.
Bei Investitionen können auch kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen zu den Fixkosten gehören. Die Abschreibung bildet den Wertverzehr einer Anlage ab; die Zinsen berücksichtigen die Bindung des eingesetzten Kapitals.
Vergleiche Gesamtkosten mit Gesamtkosten für denselben Zeitraum und dieselbe Menge. Ein Stückpreisvergleich ist nur korrekt, wenn alle verursachten Kosten enthalten sind.
Wann ist die kritische Menge erreicht?
Die kritische Menge oder Indifferenzmenge ist die Menge, bei der Make und Buy gleich hohe Gesamtkosten verursachen. Du setzt deshalb beide Kostenfunktionen gleich:
$$FK+vK\cdot x_0=P\cdot x_0$$
Falls $P>vK$ gilt, kannst du nach $x_0$ auflösen:
$$x_0=\frac{FK}{P-vK}$$
Diese Bedingung ist wichtig: Ist der Bezugspreis nicht höher als die variablen Eigenfertigungskosten, kann Make in diesem einfachen Modell seinen Fixkostennachteil durch eine größere Menge nicht aufholen.
Ein Fahrradhersteller vergleicht folgende Werte:
- Fremdbezugspreis: $P=100\,€$ je Rahmen
- Fixkosten der Eigenfertigung: $FK=800\,€$
- variable Eigenfertigungskosten: $vK=50\,€$ je Rahmen
Die kritische Menge ist:
$$x_0=\frac{800}{100-50}=16$$
Probe bei 16 Rahmen:
$$K_M(16)=800+50\cdot16=1.600\,€$$
$$K_B(16)=100\cdot16=1.600\,€$$
Bei genau 16 Rahmen besteht Indifferenz. Unter 16 Rahmen ist Buy günstiger; oberhalb von 16 Rahmen ist Make im Kostenmodell günstiger. „Ab 16“ wäre ungenau, weil bei 16 noch kein Kostenvorteil besteht.
Wie triffst du die vollständige Entscheidung?
Ein Kostenvergleich liefert ein wichtiges Teilergebnis. Eine belastbare Make-or-Buy-Entscheidung verbindet dieses Ergebnis mit qualitativen und strategischen Kriterien.
- Lege Produkt, Zeitraum und erwartete Menge fest.
- Ermittle alle relevanten Eigenfertigungs- und Fremdbezugskosten.
- Vergleiche die Gesamtkosten und berechne bei Bedarf die kritische Menge.
- Prüfe, ob die erwartete Menge tatsächlich produziert und abgesetzt werden kann.
- Bewerte Ressourcen, Liquidität, Zeit, Qualität, Flexibilität, Risiken, Know-how, Lieferabhängigkeit und strategische Bedeutung.
- Begründe die Entscheidung aus beiden Teilen.
| Kriterium | Frage an Make | Frage an Buy |
|---|---|---|
| Ressourcen | Sind Anlagen, Personal, Räume und Kapital vorhanden? | Welche eigenen Ressourcen werden frei? |
| Qualität | Kann das Unternehmen die Qualität sicher steuern? | Erfüllt der Lieferant die Anforderungen dauerhaft? |
| Zeit und Flexibilität | Wie schnell kann die Fertigung angepasst werden? | Wie flexibel und zuverlässig liefert der Anbieter? |
| Risiko | Welche Folgen haben Maschinen- oder Personalausfälle? | Welche Folgen haben Verzögerungen oder Lieferausfälle? |
| Know-how | Wird wichtiges Wissen intern aufgebaut oder geschützt? | Geht Wissen verloren oder entsteht Abhängigkeit? |
Die Donna GmbH hat jährliche Fixkosten der Eigenfertigung von 212.000 €, variable Kosten von 300 € je Stück und einen Fremdbezugspreis von 480 € je Stück.
Bei 1.000 Stück gilt:
$$K_M(1.000)=212.000+300\cdot1.000=512.000\,€$$
$$K_B(1.000)=480\cdot1.000=480.000\,€$$
Buy ist damit um 32.000 € günstiger. Die kritische Menge folgt aus:
$$300x+212.000=480x$$
$$x=\frac{212.000}{180}\approx1.177{,}78$$
Da nur ganze Stücke möglich sind, ist Buy bis 1.177 Stück günstiger. Ab 1.178 Stück ist Make im Kostenmodell günstiger. Vor der Entscheidung muss das Unternehmen dennoch prüfen, ob diese Menge erreichbar ist und wie Qualität, Kapazität, Lieferausfälle und Know-how zu bewerten sind.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Make-or-Buy-Entscheidung
- quantitativ prüfen
- Kostenfunktionen aufstellen
- kritische Menge berechnen
- erwartete Menge vergleichen
- qualitativ prüfen
- Ressourcen und Liquidität
- Qualität und Flexibilität
- Risiken und Abhängigkeit
- Entscheidung begründen
- Rechenergebnis nennen
- Kriterien gewichten
- Tragfähigkeit prüfen
- quantitativ prüfen
Mit Google fortfahren