Wirtschaft

Make-or-Buy-Analyse: Eigenfertigung oder Fremdbezug

Make-or-Buy-Analyse: Eigenfertigung oder Fremdbezug
Make-or-Buy-Analyse: Eigenfertigung oder Fremdbezug
Für Quiz, Lückentext, Lernkarten und Fortschritt ist JavaScript nötig. Alle Inhalte und Lösungen bleiben direkt lesbar.

Bei einer Make-or-Buy-Analyse prüfst du, ob ein Unternehmen eine Leistung selbst erstellt (Make/Eigenfertigung) oder extern bezieht (Buy/Fremdbezug). Eine belastbare Entscheidung verbindet den Kostenvergleich mit Qualität, Kapazität, Zeit, Know-how, Flexibilität, strategischer Bedeutung und Risiken.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Die Entscheidungsfrage richtig stellen

Make bedeutet: Das Unternehmen erstellt ein Produkt oder eine Dienstleistung mit eigenen Ressourcen. Buy bedeutet: Es beschafft die Leistung bei einem externen Anbieter.

Definition

Outsourcing

Outsourcing ist ein besonderer Fall von Buy: Eine bisher intern erbrachte Tätigkeit wird nach außen verlagert. Make or Buy ist weiter gefasst und betrifft auch neue Leistungen.

Die Frage lautet nicht einfach „Was ist billiger?“, sondern: Welche Option erfüllt die Anforderungen wirtschaftlich und strategisch am besten?

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWelche Aussage beschreibt eine Make-or-Buy-Entscheidung?
Lösung: Ein Unternehmen vergleicht Eigenfertigung und Fremdbezug. — Make or Buy stellt interne Leistungserstellung und externen Bezug gegenüber.
Frage 2 von 2MittelEin Unternehmen verlagert eine bisher intern erledigte Wartung an einen Dienstleister. Wie heißt dieser Vorgang?
Lösung: Outsourcing — Weil eine bestehende interne Tätigkeit nach außen verlagert wird, handelt es sich um Outsourcing.
Kosten vollständig vergleichen

Vergleiche dieselbe Leistung, dieselbe Menge und denselben Zeitraum. Sonst wirken Zahlen vergleichbar, obwohl sie unterschiedliche Bedingungen beschreiben.

Zu Make gehören beispielsweise Material, Arbeit, Maschinen, Verwaltung, Investitionen, Wartung und der Aufbau von Know-how. Zu Buy gehören Kaufpreis, Vertrags- und Abwicklungskosten sowie weitere Folgekosten des Fremdbezugs. Auch Opportunitätskosten zählen: Das ist der entgangene Nutzen, weil eine knappe Kapazität nicht für die beste Alternative eingesetzt wird.

Definition

Total Cost of Ownership

Die Total Cost of Ownership, kurz TCO, umfasst alle relevanten direkten und indirekten Kosten über den betrachteten Nutzungszeitraum. Sie verhindert, dass nur Stückkosten oder Kaufpreise verglichen werden.

Eine einfache Kostenratio lautet:

$$R=\frac{\text{Kosten der Eigenfertigung}}{\text{Kosten des Fremdbezugs}}$$

  • Bei $R<1$ sind die erfassten Make-Kosten niedriger.
  • Bei $R>1$ sind die erfassten Buy-Kosten niedriger.
  • Bei $R=1$ sind die erfassten Kosten gleich.
Beispiel

Die Eigenfertigung kostet 50.000 €, der Fremdbezug 30.000 €.

$$R=\frac{50.000}{30.000}=\frac{5}{3}\approx 1{,}67$$

Die Eigenfertigung kostet damit etwa das 1,67-Fache des Fremdbezugs. Unter den erfassten Kosten spricht das Ergebnis für Buy. Es entscheidet aber noch nicht über Qualität, Abhängigkeit oder strategische Bedeutung.

Merke

Eine Ratio über 1 ist bei dieser Formel kein Vorteil für Make. Der Zähler ist dann größer als der Nenner.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelDie Ratio Eigenfertigungskosten/Fremdbezugskosten beträgt 0,8. Was folgt unmittelbar?
Lösung: Die erfassten Make-Kosten sind niedriger als die erfassten Buy-Kosten. — Die Ratio beantwortet nur den Kostenvergleich der einbezogenen Positionen. Andere Kriterien müssen danach geprüft werden.
Die kritische Menge verstehen

Fixe Kosten fallen innerhalb des betrachteten Rahmens unabhängig von der Menge an; variable Kosten verändern sich mit der Menge. Für eine Menge $x$ lassen sich die Gesamtkosten allgemein schreiben als:

$$K_M(x)=F_M+v_M\cdot x$$

$$K_B(x)=F_B+v_B\cdot x$$

Dabei stehen $F_M$ und $F_B$ für fixe Kosten, $v_M$ und $v_B$ für variable Kosten je Stück. An der kritischen Menge sind beide Gesamtkosten gleich:

$$F_M+v_M\cdot x=F_B+v_B\cdot x$$

Für $v_M\ne v_B$ folgt:

$$x_{\text{krit}}=\frac{F_B-F_M}{v_M-v_B}$$

Die Formel allein sagt noch nicht, welche Option oberhalb der kritischen Menge günstiger ist. Setze deshalb eine Menge unterhalb und eine oberhalb des Schnittpunkts in beide Kostenfunktionen ein. Prüfe außerdem, ob die errechnete Menge im möglichen Kapazitätsbereich liegt.

Gut zu wissen

Sind die variablen Kosten je Stück gleich, gibt es keinen einzelnen Schnittpunkt: Dann ist immer die Option mit den niedrigeren Fixkosten günstiger, oder beide Kostenfunktionen sind identisch.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWas kennzeichnet die kritische Menge?
Lösung: Bei dieser Menge sind die Gesamtkosten von Make und Buy gleich. — Die kritische Menge ist der Schnittpunkt der beiden Gesamtkostenfunktionen. Qualitative Kriterien werden getrennt bewertet.
Qualitative Kriterien bewerten

Ein Kostenvorteil kann durch strategische Nachteile aufgewogen werden. Prüfe deshalb für beide Optionen dieselben Kriterien:

KriteriumLeitfrage
QualitätWelche Option erreicht und sichert das nötige Qualitätsniveau?
Kapazität und ZeitReichen Personal, Anlagen und Zeit aus?
Know-howMuss Wissen aufgebaut werden oder droht es verloren zu gehen?
FlexibilitätWie gut lässt sich auf Mengen- oder Anforderungsänderungen reagieren?
StrategieGehört die Leistung zur Kernkompetenz oder ist sie besonders schutzbedürftig?
AbhängigkeitWie schwer wäre ein Lieferantenausfall oder eine Preiserhöhung?
LiquiditätKann das Unternehmen hohe Anfangsinvestitionen tragen?
NachhaltigkeitWelche Umwelt- und Sozialanforderungen müssen beide Optionen erfüllen?

In einer Entscheidungsmatrix legst du zuerst Kriterien und Gewichte fest. Danach bewertest du Make und Buy nach derselben Skala, multiplizierst Bewertung und Gewicht und vergleichst die gewichteten Ergebnisse. Gewichte sind keine Naturgesetze: Sie müssen zum Ziel und zum Unternehmen passen und transparent begründet werden.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerMake ist etwas günstiger, aber die Leistung enthält besonders schützenswertes Unternehmenswissen. Was ist die beste Folgerung?
Lösung: Der Kostenvorteil unterstützt Make; zusätzlich muss geprüft werden, wie stark der Know-how-Schutz für Make spricht. — Eine begründete Entscheidung verbindet den quantitativen Befund mit der strategischen Bedeutung und dem Schutzbedarf.
In acht Schritten zur Entscheidung
  1. Ziel klären: Welche Leistung wird wofür benötigt?
  2. Anforderungen festlegen: Beschreibe Menge, Qualität, Termin und technische Eigenschaften.
  3. Machbarkeit prüfen: Bewerte interne Ressourcen, Know-how, Anlagen und mögliche Lieferanten.
  4. Kosten abgrenzen: Nutze für beide Optionen denselben Zeitraum, dieselbe Menge und vergleichbare Kostenbestandteile.
  5. Kosten auswerten: Vergleiche TCO, Ratio und – wenn Mengen entscheidend sind – die kritische Menge.
  6. Qualitative Kriterien bewerten: Prüfe Strategie, Qualität, Flexibilität, Abhängigkeit, Personal und Nachhaltigkeit.
  7. Risiken und Alternativen prüfen: Betrachte Lieferausfall, Auslastung, Investition, Kompetenzverlust und einen Plan B.
  8. Entscheiden und überprüfen: Dokumentiere Annahmen, Verantwortliche und Auslöser für eine spätere Neubewertung.

Betroffene Beschäftigte sollten früh einbezogen werden. Sie kennen Prozesse und Kapazitäten und können auf verdeckte Risiken hinweisen. Eine nachvollziehbare Begründung stärkt außerdem die Akzeptanz.

Merke

Eine gute Make-or-Buy-Analyse ist nachvollziehbar: Andere Personen können erkennen, welche Daten, Annahmen, Kriterien und Gewichte zur Entscheidung geführt haben.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum müssen die Anforderungen vor dem Kostenvergleich feststehen?
Lösung: Nur dann werden Make und Buy für dieselbe Leistung, Menge und Qualität verglichen. — Ohne einheitliche Anforderungen können unterschiedliche Leistungsumfänge wie gleichwertige Angebote wirken. Das würde den Kostenvergleich verzerren.
Risiken verteilen und Mischlösungen prüfen

Buy-Risiken sind unter anderem Lieferausfälle, Verzögerungen, Qualitätsprobleme, Preiserhöhungen, Abhängigkeit und Know-how-Verlust. Make-Risiken sind hohe Investitionen, fehlendes Personal, lange Aufbauzeit, schlechte Auslastung und technologische Veränderungen.

Die Wahl muss nicht binär sein. Ein hybrides Modell verbindet Eigenfertigung und Fremdbezug. Auch eine zweite Bezugsquelle, flexible Verträge oder ein vorbereiteter Alternativplan können Risiken verteilen.

Beispiel

Ein Automobilzulieferer plant 50.000 elektronische Steuergeräte im Jahr. Der Kostenvergleich spricht bei dieser Menge für Make, doch die Eigenfertigung verlangt 2 Millionen Euro Investition und neue Kompetenzen. Buy wäre bei Mengenänderungen flexibler und bietet Zugang zu aktueller Technologie.

Die gewählte Lösung lautet 70 % Make und 30 % Buy. So behält das Unternehmen strategische Kontrolle, begrenzt einen Teil des Investitionsrisikos und erhält eine externe Ausweichmöglichkeit. Das Beispiel zeigt: Ein rechnerischer Kostenvorteil muss nicht zu 100 % Eigenfertigung führen.

Teste dich
Frage 1 von 1SchwerWarum kann im Steuergerätefall die Mischlösung sinnvoller sein als 100 % Make?
Lösung: Sie verbindet interne Kontrolle mit externer Flexibilität und einer Ausweichmöglichkeit. — Hybride Modelle können Zielkonflikte ausgleichen, beseitigen aber weder Investitionen noch Lieferantenrisiken vollständig.
Karteikasten
Karteikasten

Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Make-or-Buy-Analyse
    • Kosten vergleichen
      • TCO und Ratio
      • kritische Menge
    • qualitative Kriterien prüfen
      • Qualität und Flexibilität
      • Know-how und Strategie
      • Kapazität und Liquidität
    • Risiken bewerten
      • Make: Investition und Auslastung
      • Buy: Abhängigkeit und Lieferausfall
    • Entscheidung gestalten
      • Make oder Buy
      • hybride Lösung
      • später neu bewerten
Abschluss-Check
Teste dich
Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage zur Kostenratio Eigenfertigungskosten/Fremdbezugskosten ist richtig?
Lösung: Ein Wert über 1 bedeutet, dass die erfassten Eigenfertigungskosten höher sind. — Lies die Ratio als Bruch: Zähler Make, Nenner Buy. Erst danach ergänzt du qualitative Kriterien.
Frage 2 von 3MittelWarum reicht ein niedriger Kaufpreis nicht für eine Buy-Entscheidung?
Lösung: Weil indirekte Kosten, Qualität, Abhängigkeit, Know-how und Risiken ebenfalls entscheidungsrelevant sein können. — Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Gesamtkosten und sagt nichts Sicheres über die strategischen Folgen aus.
Frage 3 von 3SchwerEine Leistung ist strategisch wichtig, interne Kapazität ist begrenzt und ein Lieferausfall wäre kritisch. Welche Analyse ist am überzeugendsten?
Lösung: Kosten und Kapazität vergleichen, Know-how- und Ausfallrisiko bewerten und zusätzlich eine hybride Lösung oder zweite Bezugsquelle prüfen. — Der Fall enthält einen Zielkonflikt. Eine gute Analyse verbindet Zahlen, strategische Kriterien und konkrete Maßnahmen zur Risikoverteilung.

Passend dazu