Geldpolitik: Ziele, Instrumente und Wirkung
Mit Geldpolitik beeinflusst eine Zentralbank die Kosten und die Verfügbarkeit von Geld. Im Euroraum soll das Eurosystem damit vor allem für stabile Preise sorgen. Sein mittelfristiges Inflationsziel liegt bei 2 %.
Auf dieser Seite verfolgst du den Weg vom geldpolitischen Beschluss über Banken, Kredite und Nachfrage bis zur Preisentwicklung. Dabei lernst du auch, warum die Wirkung weder sofort noch sicher eintritt.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wer macht Geldpolitik – und mit welchem Ziel?
Wenn viele Preise über längere Zeit steigen, verliert Geld an Kaufkraft. Inflation bezeichnet einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus – nicht bloß die Verteuerung eines einzelnen Produkts.
Geldpolitik
Geldpolitik umfasst die Maßnahmen einer Zentralbank, mit denen sie die Geld-, Kredit- und Finanzierungsbedingungen in einer Volkswirtschaft beeinflusst.
Im Euroraum beschließt der EZB-Rat die gemeinsame Geldpolitik. Er besteht aus den Mitgliedern des Direktoriums der Europäischen Zentralbank, kurz EZB, und den Präsidentinnen und Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Euro-Länder. Das Eurosystem aus EZB und nationalen Zentralbanken führt die gemeinsame Geldpolitik aus. Die Deutsche Bundesbank gehört dazu und setzt die Beschlüsse in Deutschland mit um.
Das vorrangige Ziel ist Preisstabilität. Die EZB strebt dafür mittelfristig eine Inflationsrate von 2 % an. „Mittelfristig“ ist wichtig: Geldpolitik kann Preisentwicklungen nicht von heute auf morgen verändern.
Geldpolitik soll Geld nicht einfach möglichst knapp oder möglichst reichlich machen. Sie soll Preisstabilität sichern und zugleich ermöglichen, dass Zahlungen und Kreditgeschäfte funktionieren.
Wie wirkt eine Änderung der Leitzinsen?
Unter normalen Umständen sind die Leitzinsen das wichtigste geldpolitische Instrument. Sie beeinflussen die Bedingungen, zu denen Geschäftsbanken Zentralbankgeld erhalten oder bei der Zentralbank anlegen können.
Geldpolitische Transmission
Transmission ist die Übertragung eines geldpolitischen Beschlusses auf Bankzinsen, Kredite, Konsum, Investitionen, gesamtwirtschaftliche Nachfrage und schließlich die Preisentwicklung.
Eine Zinserhöhung kann typischerweise so wirken:
- Die Zentralbank erhöht ihre Leitzinsen.
- Die Finanzierung von Geschäftsbanken wird tendenziell teurer.
- Banken verlangen häufig höhere Zinsen für neue Kredite.
- Haushalte und Unternehmen nehmen weniger Kredite auf.
- Konsum und Investitionen wachsen langsamer oder gehen zurück.
- Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wird schwächer.
- Der Preisdruck kann mit der Zeit nachlassen.
Ein Unternehmen plant den Kauf einer neuen Maschine auf Kredit. Nach einer Leitzinserhöhung steigt der angebotene Kreditzins. Das Unternehmen verschiebt die Investition, weil sie sich nun weniger lohnt.
Der entscheidende Gedanke lautet nicht „höherer Leitzins bedeutet sofort niedrigere Preise“. Zunächst verändern sich Finanzierungsbedingungen und Entscheidungen. Erst über die geringere Nachfrage kann der Preisdruck später sinken.
Bei einer Leitzinssenkung kann die Kette in die andere Richtung laufen: Kredite werden tendenziell günstiger, Konsum und Investitionen können zunehmen und die Nachfrage kann steigen. Eine solche expansive Geldpolitik soll die wirtschaftliche Aktivität stützen. Eine restriktive Geldpolitik bremst dagegen die Nachfrage, etwa durch höhere Zinsen.
Welche Instrumente kann die Zentralbank einsetzen?
Leitzinsen sind besonders wichtig, aber nicht das einzige Instrument. In außergewöhnlichen Situationen kann eine Zentralbank weitere Maßnahmen einsetzen.
- Refinanzierungsgeschäfte: Die Zentralbank stellt Geschäftsbanken für eine bestimmte Zeit Zentralbankgeld bereit. Der verlangte Zins beeinflusst die Finanzierungskosten der Banken.
- Ständige Fazilitäten: Banken können unter festgelegten Bedingungen kurzfristig Zentralbankgeld aufnehmen oder bei der Zentralbank anlegen.
- Mindestreserve: Geschäftsbanken müssen einen vorgeschriebenen Teil bestimmter Einlagen als Guthaben bei der Zentralbank halten. Änderungen beeinflussen ihre verfügbare Zentralbankliquidität.
- Wertpapierkäufe: Die Zentralbank kauft Vermögenswerte und bezahlt mit Zentralbankgeld. Dadurch kann sie Liquidität bereitstellen und auch längerfristige Finanzierungsbedingungen beeinflussen.
- Forward Guidance: Die Zentralbank informiert über ihre voraussichtliche zukünftige Geldpolitik. Dadurch versucht sie, Erwartungen und heutige Entscheidungen zu beeinflussen.
- Transmission Protection Instrument, kurz TPI: Es soll verhindern, dass sich ein geldpolitischer Beschluss in den Euro-Ländern übermäßig unterschiedlich überträgt.
Zentralbankgeld und das Buchgeld auf Kundenkonten sind nicht dasselbe. Mehr Zentralbankgeld führt deshalb nicht automatisch zu entsprechend mehr Buchgeld. Für neue Bankkredite müssen unter anderem Kreditnachfrage, Kreditwürdigkeit, Risiken sowie Eigenkapital- und Liquiditätsregeln passen.
Warum wirkt Geldpolitik nicht wie ein Schalter?
Eine Zentralbank beeinflusst wirtschaftliche Entscheidungen, aber sie kann sie nicht befehlen. Zwischen einem Beschluss und seiner Wirkung liegen mehrere unsichere Schritte.
- Zeitverzug: Banken, Haushalte und Unternehmen passen Verträge und Entscheidungen nicht gleichzeitig an.
- Kreditnachfrage: Auch günstige Kredite werden nicht aufgenommen, wenn Haushalte oder Unternehmen keine Ausgaben planen.
- Kreditwürdigkeit und Risiken: Banken vergeben nicht jeden gewünschten Kredit.
- Erwartungen: Wer mit einer schlechten Wirtschaftslage rechnet, kann trotz niedriger Zinsen auf Investitionen verzichten.
- Ursache der Inflation: Höhere Zinsen können Nachfrage bremsen. Eine fehlende Ware oder unterbrochene Lieferkette beseitigen sie jedoch nicht unmittelbar.
- Weitere Einflüsse: Kosten, Wechselkurse und wirtschaftspolitische Entscheidungen können die Preisentwicklung zusätzlich verändern.
Durch eine Angebotsverknappung steigen zahlreiche Preise. Eine Zinserhöhung kann verhindern, dass eine zusätzlich starke Nachfrage den Preisdruck weiter verstärkt. Sie stellt das knappe Angebot aber nicht selbst wieder her. Außerdem können höhere Kreditkosten Investitionen belasten.
Ein begründetes Urteil muss deshalb mindestens Ziel, Ursache, Wirkungskette, Zeitverzug und mögliche Nebenwirkungen berücksichtigen.
Geldpolitik verändert Bedingungen. Ob und wie stark Menschen und Unternehmen darauf reagieren, bleibt unsicher.
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Alles auf einen Blick
- Geldpolitik im Euroraum
- Entscheidung: EZB-Rat beschließt die gemeinsame Geldpolitik
- Ausführung: Eurosystem aus EZB und nationalen Zentralbanken
- Ziel: Preisstabilität mit mittelfristig 2 % Inflation
- Hauptinstrument: Leitzinsen
- Weitere Instrumente: Refinanzierung, Mindestreserve, Wertpapierkäufe, Kommunikation und TPI
- Übertragung: Bankzinsen, Kredite, Konsum, Investitionen, Nachfrage und Preise
- Grenzen: Zeitverzug, Erwartungen, Kreditrisiken und unterschiedliche Inflationsursachen
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