Geldpolitik der EZB: Ziele, Instrumente und Wirkung
Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank soll vor allem für stabile Preise im Euroraum sorgen. Dafür beeinflusst das Eurosystem die Zinsen und Finanzierungsbedingungen. Die Wirkung verläuft indirekt über Banken, Kredite, Ersparnisse, Konsum und Investitionen.
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Was Preisstabilität bedeutet
Das wichtigste geldpolitische Ziel ist Preisstabilität: Der Euro soll seine Kaufkraft möglichst stabil behalten. Der EZB-Rat strebt dafür mittelfristig eine jährliche Inflationsrate von 2 % an.
Inflation
Inflation ist ein anhaltender Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Im Euroraum wird sie anhand der Veränderungsrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex, kurz HVPI, gemessen.
Das Ziel ist symmetrisch. Negative und positive Abweichungen von 2 % sind gleichermaßen unerwünscht. Gemeint ist außerdem nicht, dass jeder einzelne Preis unverändert bleiben muss. Entscheidend ist die Entwicklung des allgemeinen Preisniveaus.
Der EZB-Rat entscheidet über den geldpolitischen Kurs. Er tritt gewöhnlich alle sechs Wochen zu einer geldpolitischen Sitzung zusammen.
Das Ziel lautet nicht „möglichst niedrige Preise“, sondern mittelfristig 2 % Inflation im Euroraum.
Wie geldpolitische Entscheidungen die Preise erreichen
Die EZB legt weder die Preise im Supermarkt noch die Kreditzinsen für einzelne Kunden fest. Sie beeinflusst zunächst die Bedingungen, zu denen Banken Zentralbankgeld aufnehmen oder anlegen können.
Eine typische Transmission, also Übertragung der Geldpolitik, verläuft so:
- Das Eurosystem verändert seine Leitzinsen oder setzt andere Instrumente ein.
- Dadurch verändern sich die Finanzierungskosten und Anlagemöglichkeiten der Banken.
- Marktzinssätze sowie Kredit- und Einlagenzinsen der Banken können sich verändern.
- Haushalte und Unternehmen passen Kreditaufnahme, Sparen, Konsum oder Investitionen an.
- Dadurch verändert sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
- Die veränderte Nachfrage wirkt schließlich auf die Preisentwicklung.
Der EZB-Rat erhöht den Zinssatz für Refinanzierungsgeschäfte. Solche Kredite des Eurosystems werden für Banken teurer. Geben Banken diese höheren Kosten weiter, steigen auch manche Kreditzinsen für Unternehmen und private Haushalte. Einige geplante Käufe oder Investitionen werden dann weniger attraktiv. Die Nachfrage kann sinken und der Preisanstieg kann gebremst werden.
Das Ergebnis ist nicht automatisch garantiert: Die Wirkung läuft über mehrere Zwischenstufen.
Welche Instrumente das Eurosystem nutzt
Das Eurosystem besteht aus der EZB und den nationalen Zentralbanken des Euroraums. Dazu gehört auch die Deutsche Bundesbank. Der Präsident der Bundesbank besitzt Sitz und Stimme im EZB-Rat; die Bundesbank beteiligt sich außerdem an der praktischen Umsetzung der Beschlüsse.
Leitzinsen und Refinanzierung
Bei Refinanzierungsgeschäften leihen sich Banken Zentralbankgeld. Ein wichtiger Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Traditionell waren wöchentliche Hauptrefinanzierungsgeschäfte mit sieben Tagen Laufzeit bedeutsam.
Banken müssen für solche Kredite ausreichende notenbankfähige Sicherheiten hinterlegen. Das können zugelassene Wertpapiere oder Kreditforderungen sein.
Wertpapierankäufe
Das Eurosystem kann marktfähige Wertpapiere kaufen. Solche Käufe können insbesondere längerfristige Marktzinssätze und die Übertragung der Geldpolitik beeinflussen. Seit 2009 wurden dafür verschiedene Programme eingesetzt.
Mindestreserve und ständige Fazilitäten
Banken müssen Mindestreserven auf Konten bei den nationalen Zentralbanken halten. Über ständige Fazilitäten können sie außerdem kurzfristig Zentralbankgeld aufnehmen oder überschüssige Liquidität anlegen.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Der beeinflusst die Finanzierungskosten der Banken. Für Kredite des Eurosystems benötigen Banken . Die muss auf Zentralbankkonten gehalten werden.
Wie lockere und restriktive Geldpolitik wirken sollen
Eine lockere oder expansive Geldpolitik soll die Finanzierung erleichtern. Niedrigere Zinsen können Kredite günstiger machen und Investitionen anregen.
Eine restriktive Geldpolitik soll den Preisauftrieb bremsen. Höhere Zinsen können Kredite verteuern, die Nachfrage dämpfen und dadurch den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus abschwächen.
Zinsänderungen wirken nicht direkt auf Preise. Sie verändern zunächst Finanzierungsbedingungen und wirtschaftliche Entscheidungen.
Ein vereinfachtes Mindestreserve-Beispiel
Angenommen, auf ein Guthaben von 5.000 € wird in einem vereinfachten Beispiel ein Mindestreservesatz von 1 % angewendet.
$$5.000\,€ \times 1\,\% = 50\,€$$
Die erforderliche Mindestreserve beträgt 50 €. Nach der vereinfachten Rechnung verbleiben:
$$5.000\,€ - 50\,€ = 4.950\,€$$
Das Beispiel zeigt nur die Prozentrechnung und die Bindung eines Guthabenanteils. Es bildet nicht den gesamten Prozess der Kreditvergabe oder Geldschöpfung ab.
Wie du eine geldpolitische Entscheidung beurteilst
Eine gute Beurteilung nennt nicht nur „richtig“ oder „falsch“. Prüfe nacheinander:
- Ausgangslage: Weicht die Inflation vom mittelfristigen 2-%-Ziel ab?
- Maßnahme: Welches Instrument setzt das Eurosystem ein?
- Wirkungskette: Wie soll die Maßnahme über Banken, Zinsen und Nachfrage wirken?
- Grenze: Warum ist die erwartete Wirkung nicht sicher oder unmittelbar?
- Urteil: Passt die Maßnahme unter diesen Bedingungen zum Preisstabilitätsziel?
Die Preise steigen zu schnell, und der EZB-Rat erhöht den Zinssatz für Refinanzierungsgeschäfte.
Die Maßnahme passt grundsätzlich zum Preisstabilitätsziel: Höhere Finanzierungskosten können Kredite verteuern und die Nachfrage dämpfen. Das Urteil muss aber eingeschränkt werden, weil die EZB die Endkundenpreise nicht direkt steuert und die Übertragung mehrere Zwischenstufen hat.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Geldpolitik der EZB
- Ziel: mittelfristig 2 % Inflation
- Messung: HVPI
- Entscheidung: EZB-Rat
- Instrument: Leitzinsen und Refinanzierung
- Instrument: Wertpapierankäufe
- Instrument: Mindestreserve und Fazilitäten
- Übertragung: Banken, Zinsen, Nachfrage, Preise
- Grenze: indirekte und nicht garantierte Wirkung
Abschluss-Check
Du kannst die Geldpolitik der EZB erklären, wenn du Ziel, Instrument und Wirkungskette sauber trennst. Für eine Beurteilung musst du zusätzlich berücksichtigen, dass die Wirkung auf das Preisniveau indirekt ist.
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