Aktienindex einfach erklärt: Aufbau und Aussage
Ein Aktienindex macht die Entwicklung einer festgelegten Gruppe von Aktien als Kennzahl sichtbar. Er ist ein vereinfachtes Marktmodell: Seine Auswahl- und Gewichtungsregeln bestimmen, welche Unternehmen den Index besonders stark bewegen.
Auf dieser Seite lernst du, einen Indexstand richtig zu deuten, Kurs- und Performanceindizes zu unterscheiden und die Aussagekraft eines Index kritisch zu prüfen.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was zeigt ein Aktienindex?
Stell dir vor, du möchtest wissen, wie sich nicht nur eine einzelne Aktie, sondern ein ganzer Marktbereich entwickelt. Ein Aktienindex fasst dafür ausgewählte Aktien nach festen Regeln zu einem Indexstand zusammen.
Aktienindex
Ein Aktienindex ist eine statistisch berechnete Kennzahl für die Wertentwicklung einer festgelegten Gruppe von Aktien. Die Gruppe kann etwa ein Land, eine Region, eine Branche oder ein Börsensegment abbilden.
Der Index erhält zu einem Ausgangszeitpunkt einen Basiswert, zum Beispiel 100 oder 1.000 Punkte. Spätere Werte zeigen die Veränderung gegenüber dieser Basis. Die Punkte sind keine Geldbeträge.
Ein Index startet bei 100 Punkten und steigt auf 110 Punkte.
Die Veränderung beträgt 10 Punkte. Relativ zur Ausgangsbasis sind das:
$$\frac{110-100}{100}\cdot 100\,\% = 10\,\%$$
Der Index ist also seit dem Ausgangszeitpunkt um 10 Prozent gestiegen. Daraus folgt noch nicht, dass jede enthaltene Aktie um 10 Prozent zugelegt hat.
Ein Index zeigt die zusammengefasste Entwicklung seiner ausgewählten Werte. Er zeigt nicht automatisch den gesamten Aktienmarkt und auch nicht die Entwicklung jeder einzelnen Aktie.
Wie entstehen Auswahl und Gewichtung?
Bevor ein Index berechnet werden kann, legt der Indexanbieter sein Ziel fest: Soll er beispielsweise große deutsche Unternehmen, eine bestimmte Branche oder einen breiten internationalen Markt abbilden?
Danach bestimmt ein Regelwerk:
- welche Aktien grundsätzlich infrage kommen;
- welche Aufnahmekriterien gelten;
- wie stark jede Aktie gewichtet wird;
- wann die Zusammensetzung überprüft und angepasst wird.
Mögliche Auswahlkriterien sind Unternehmensgröße, Streubesitz, Handelsvolumen, Liquidität sowie die Zugehörigkeit zu einem Land, einer Region oder Branche. Ein Börsengang führt deshalb nicht automatisch zur Aufnahme in einen Index.
Gewichtung
Die Gewichtung legt fest, wie stark die Kursentwicklung einer Aktie den Indexstand beeinflusst.
Häufige Verfahren sind:
- Gleichgewichtung: Jede enthaltene Aktie erhält das gleiche Gewicht.
- Preisgewichtung: Eine Aktie mit höherem Stückkurs hat mehr Einfluss.
- Marktkapitalisierungsgewichtung: Ein Unternehmen mit höherem Börsenwert hat mehr Einfluss. Seine Marktkapitalisierung ergibt sich aus Aktienzahl × aktuellem Aktienkurs.
Bei einer hohen Einzelgewichtung kann ein Unternehmen den gesamten Index stark bewegen. Das nennt man ein Klumpenrisiko.
Zwei Aktien steigen am selben Tag jeweils um 2 Prozent. In einem gleichgewichteten Index wirken beide Bewegungen gleich stark. In einem marktkapitalisierungsgewichteten Index trägt die Aktie des höher gewichteten Unternehmens stärker zur Indexbewegung bei.
Kursindex oder Performanceindex?
Eine Dividende ist eine Ausschüttung eines Unternehmens an seine Aktionäre. Am Tag der Ausschüttung kommt es üblicherweise zu einem entsprechenden Kursabschlag. Indexarten gehen mit diesem Effekt unterschiedlich um.
| Indexart | Berücksichtigte Entwicklung | Aussage |
|---|---|---|
| Kursindex oder Preisindex | Kursveränderungen | Zeigt die reine Kursentwicklung ohne angenommene Wiederanlage der Dividenden |
| Performanceindex | Kursveränderungen und Dividenden | Zeigt eine Gesamtrendite unter der Annahme, dass Dividenden wiederangelegt werden |
Zwei ansonsten vergleichbare Indizes enthalten dieselben Aktien. Die Unternehmen zahlen Dividenden aus. Der Kursindex berücksichtigt diese Zahlungen nicht als wiederangelegte Erträge. Der Performanceindex rechnet dagegen so, als würden die Dividenden erneut investiert. Deshalb können beide Indizes unterschiedliche Verläufe zeigen.
Vergleiche Indexstände nur, wenn du weißt, ob du einen Kursindex oder einen Performanceindex vor dir hast.
Wie liest du Indexdaten kritisch?
Ein einzelner Indexstand sagt ohne Vergleich wenig aus. Prüfe deshalb vier Fragen:
- Was wird abgebildet? Land, Region, Branche oder anderes Segment?
- Welche Regeln gelten? Wie werden Werte ausgewählt und gewichtet?
- Womit wird verglichen? Basiswert, Vortag oder ein früherer Zeitpunkt?
- Für welchen Zeitraum gilt die Angabe? Zusammensetzung, Gewichte und Kursstände können sich ändern.
Ein Index vereinfacht die Wirklichkeit. Er zeigt die Entwicklung nach seinen Regeln, hält aber nicht alle Unternehmen für gleich wichtig und lässt Werte außerhalb seines Auswahlbereichs unberücksichtigt.
Ein steigender Index beweist für sich allein keine bestimmte Ursache. Für eine Ursachenerklärung wären zusätzliche Informationen nötig. Der Index beschreibt zunächst nur die zusammengefasste Entwicklung der enthaltenen Werte.
Beispiel für eine saubere Aussage
„Der Index stieg im betrachteten Zeitraum von 100 auf 110 Punkte und damit um 10 Prozent gegenüber seinem Ausgangswert.“
Diese Aussage nennt Messgröße, Zeitraumbezug und Vergleichsbasis. Die Behauptung „Der gesamte Markt läuft gut“ wäre ohne Kenntnis des abgebildeten Segments und der Gewichtung zu weitgehend.
Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.
Ein Indexstand braucht eine klare . Für die zeitliche Einordnung nennst du den . Ob einzelne Unternehmen den Index besonders stark bewegen können, erkennst du an der . Eine gemeinsame Bewegung beweist noch keine .
Kannst du direkt in einen Index investieren?
Ein Index ist nur eine rechnerische Kennzahl. Du kannst ihn daher nicht unmittelbar kaufen. Finanzprodukte können seine Entwicklung jedoch nachbilden.
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds. Er versucht, die Wertentwicklung eines Index möglichst genau abzubilden. Dafür gibt es verschiedene Wege:
- Bei der vollständigen Replikation kauft der ETF sämtliche Indexwerte.
- Bei der repräsentativen Replikation hält er eine ausgewählte Teilmenge.
- Bei der synthetischen Replikation bildet er die Entwicklung mithilfe eines Tauschgeschäfts, eines sogenannten Swaps, nach.
Die tatsächlichen ETF-Bestände müssen deshalb nicht immer genau mit allen Indexbestandteilen übereinstimmen.
Eine breite Aktiengruppe kann das Risiko einzelner Unternehmen verringern. Sie schützt aber nicht vor allgemeinen Marktverlusten. Länder- oder Branchenindizes bleiben zudem von ihrer Region oder Branche abhängig.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Aktienindex
- bildet eine festgelegte Aktiengruppe ab
- beginnt mit einem Basiswert
- folgt Auswahlregeln
- verteilt Einfluss durch Gewichtung
- erscheint als Kurs- oder Performanceindex
- dient als Benchmark
- kann durch Finanzprodukte nachgebildet werden
- vereinfacht den Markt und hat Aussagegrenzen
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