Wechselkurs: Kurse lesen, rechnen und beurteilen
Ein Wechselkurs sagt dir, wie viel von einer Währung du für eine bestimmte Menge einer anderen Währung erhältst. Entscheidend ist immer die Einheit: Bei 1 EUR = 1,10 USD multiplizierst du Euro mit 1,10, um Dollar zu erhalten; in die Gegenrichtung teilst du Dollar durch 1,10. Kursänderungen haben keine einheitlichen Gewinner: Eine Euro-Aufwertung erleichtert zum Beispiel Importe in den Euroraum, kann aber Exporte aus dem Euroraum erschweren.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Einen Wechselkurs sicher lesen und umrechnen
Stell dir vor, ein Onlineshop nennt einen Preis in US-Dollar. Bevor du rechnest, musst du wissen: Welche Währung steht oben, und welche steht unten?
Wechselkurs
Der nominale Wechselkurs ist das Austauschverhältnis zweier Währungen. Die Angabe 1 EUR = 1,10 USD bedeutet: Für einen Euro erhältst du 1,10 US-Dollar. Aus Sicht des Euroraums ist das eine Mengennotierung, weil sie die Menge an Fremdwährung je Einheit der heimischen Währung nennt.
Die umgekehrte Sicht heißt Preisnotierung: Sie gibt den Preis einer Einheit Fremdwährung in heimischer Währung an. Zum Beispiel gehört zur Mengennotierung 1,25 USD je EUR die Preisnotierung 0,80 EUR je USD: Ein US-Dollar kostet dann 0,80 Euro. Preis- und Mengennotierung beschreiben dasselbe Austauschverhältnis aus entgegengesetzten Richtungen. Ihre Zahlenwerte sind deshalb Kehrwerte, sofern sie sich auf denselben Zeitpunkt und dieselben Bedingungen beziehen.
Der Einheiten-Check entscheidet die Rechenart
Schreibe den Kurs als Bruch. Dann siehst du, welche Einheit sich kürzt:
- Von Euro zu Dollar bei
1,10 USD je EUR:
$$250\,\mathrm{EUR}\cdot\frac{1{,}10\,\mathrm{USD}}{1\,\mathrm{EUR}}=275\,\mathrm{USD}$$
- Von Dollar zu Euro beim selben Kurs:
$$330\,\mathrm{USD}:\frac{1{,}10\,\mathrm{USD}}{1\,\mathrm{EUR}}=300\,\mathrm{EUR}$$
Multipliziere oder dividiere nicht nach einem auswendig gelernten Schlagwort. Wähle die Rechenart so, dass die Ausgangseinheit wegfällt und die gesuchte Einheit übrig bleibt.
Gebühren sowie Ankaufs- und Verkaufskurse können einen echten Banktausch verteuern. Die Rechnungen hier verwenden zur Klärung des Grundprinzips einen einzigen Kurs ohne Gebühren.
Wie flexible und feste Kurse entstehen
Warum bleibt ein Kurs nicht einfach immer gleich? Das hängt vom Wechselkurssystem ab.
Flexibler Wechselkurs
Bei einem flexiblen Wechselkurs bildet sich der Kurs am Devisenmarkt durch Angebot und Nachfrage nach Währungen. Steigt bei sonst gleichen Bedingungen die Nachfrage nach Euro, steigt tendenziell sein Preis: Der Euro wertet auf. Sinkt die Nachfrage oder steigt das Angebot an Euro, wertet er tendenziell ab.
Ein Grund für höhere Euro-Nachfrage kann sein, dass Menschen oder Unternehmen Euro benötigen, um Waren, Dienstleistungen oder Anlagen im Euroraum zu kaufen. Das ist ein vereinfachter Zusammenhang: In der Realität ändern sich Angebot und Nachfrage oft gleichzeitig.
Fester Wechselkurs
Bei einem festen Wechselkurs wird ein Zielkurs zu einer Ankerwährung institutionell vorgegeben. Die Zentralbank muss den Kurs durch Käufe oder Verkäufe von Währungen stützen. Das erhöht die Planbarkeit, begrenzt aber ihren geldpolitischen Handlungsspielraum und verlangt ausreichende Möglichkeiten zur Intervention.
| System | Kursbildung | mögliche Stärke | mögliche Grenze |
|---|---|---|---|
| flexibel | Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt | Anpassung an wirtschaftliche Veränderungen | Kursschwankungen erschweren Planung |
| fest | Zielkurs oder Bandbreite; Zentralbank greift ein | höhere Planbarkeit | Interventionspflicht und weniger eigener Spielraum |
Aufwertung und Abwertung aus mehreren Blickwinkeln
Eine Aufwertung bedeutet: Eine Währung kann im Verhältnis zur anderen mehr kaufen. Eine Abwertung bedeutet: Sie kann weniger von der anderen Währung kaufen.
Nimm als Ausgangspunkt 1 EUR = 1,00 USD. Steigt der Kurs auf 1 EUR = 1,20 USD, hat der Euro gegenüber dem Dollar um 20 Prozent aufgewertet.
Ein Produkt aus dem Euroraum kostet unverändert 100 EUR.
- Vor der Euro-Aufwertung zahlt eine Person in den USA: $100\,\mathrm{EUR}\cdot 1{,}00\,\mathrm{USD/EUR}=100\,\mathrm{USD}$.
- Danach zahlt sie: $100\,\mathrm{EUR}\cdot 1{,}20\,\mathrm{USD/EUR}=120\,\mathrm{USD}$.
Das Euro-Produkt ist für die US-Person in Dollar teurer geworden. Das kann die Nachfrage nach Exporten aus dem Euroraum dämpfen. Es muss sie aber nicht zwingend senken, weil etwa Qualität, Verträge und Konkurrenzpreise ebenfalls zählen.
Für einen Import in die Gegenrichtung wirkt derselbe Kurswechsel anders:
Eine Ware aus den USA kostet unverändert 120 USD.
- Vor der Aufwertung kostet sie im Euroraum: $120\,\mathrm{USD}:1{,}00\,\mathrm{USD/EUR}=120\,\mathrm{EUR}$.
- Danach kostet sie: $120\,\mathrm{USD}:1{,}20\,\mathrm{USD/EUR}=100\,\mathrm{EUR}$.
Die aufgewertete Währung besitzt mehr Kaufkraft gegenüber der anderen Währung. Der Import wird in diesem vereinfachten Fall günstiger.
| Euro-Kurs gegenüber dem Dollar | Reisende aus dem Euroraum in den USA | Importeur im Euroraum | Exporteur aus dem Euroraum mit festem Euro-Preis |
|---|---|---|---|
| Euro wertet auf | Dollar-Ausgaben werden in Euro tendenziell günstiger | Dollar-Waren werden tendenziell günstiger | Ware wird für US-Kundschaft tendenziell teurer |
| Euro wertet ab | Dollar-Ausgaben werden in Euro tendenziell teurer | Dollar-Waren werden tendenziell teurer | Ware wird für US-Kundschaft tendenziell günstiger |
„Starke Währung = gut“ und „schwache Währung = schlecht“ sind zu pauschal. Ob jemand gewinnt oder verliert, hängt von Zahlungsrichtung, Preiswährung, Verträgen und Rolle ab.
Warum Kurse schwanken und Prognosen unsicher bleiben
Bei flexiblen Kursen können viele Vorgänge Angebot und Nachfrage verändern. Häufig genannte Einflussfaktoren sind:
- relative Zinsen und erwartete Renditen: Höhere erwartete Renditen können Kapital anziehen und die Nachfrage nach einer Währung erhöhen;
- Inflation und Kaufkraft: Unterschiede bei Preisen international handelbarer Güter können Nachfrage verlagern und langfristig Anpassungsdruck erzeugen;
- Handel: Wer Waren eines Währungsraums kaufen will, benötigt meist dessen Währung;
- wirtschaftliche und politische Erwartungen: Unsicherheit kann Anlageentscheidungen und damit Währungsnachfrage verändern;
- Spekulation: Erwartungen über künftige Kurse können heutige Käufe und Verkäufe beeinflussen.
Zwei Erklärungsansätze
Die Kaufkraftparitätentheorie betrachtet Preisunterschiede. Vereinfacht: Sind handelbare Güter in einem Land deutlich günstiger, kann zusätzliche Nachfrage dort Preise und Währungsnachfrage verändern. Nicht handelbare Güter und Transportkosten begrenzen den Vergleich. Ein einzelner Restaurantpreis genügt daher nicht, um den „richtigen“ Kurs zu bestimmen.
Die Zinsparitätstheorie betrachtet Renditen vergleichbarer Anlagen. Erwartet ein Anleger in einem Währungsraum eine höhere Rendite, kann Kapital dorthin fließen. Dabei zählen jedoch nicht nur Zinsen, sondern auch erwartete Kursänderungen und Risiken.
Ein Einflussfaktor ist keine Kursprognose. Mehrere Faktoren wirken gleichzeitig, Erwartungen können sich ändern, und dieselbe Nachricht kann bereits im aktuellen Kurs enthalten sein. Formuliere deshalb „kann“, „tendenziell“ und die Bedingung „bei sonst gleichen Einflüssen“, statt einen sicheren Kurs vorherzusagen.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Wechselkurs
- Lesen und rechnen
- Kursrichtung und Einheiten prüfen
- passend multiplizieren oder dividieren
- Kursbildung
- flexibel durch Angebot und Nachfrage
- fest durch Zielkurs und Intervention
- Kursänderung
- Aufwertung verändert Import- und Exportpreise
- Abwertung wirkt tendenziell umgekehrt
- Einflussfaktoren
- Zinsen, Preise, Handel und Erwartungen
- keine sichere Einzelursachen-Prognose
- Lesen und rechnen
Abschluss-Check
Nutze bei jeder Aufgabe zuerst die Kursrichtung und nenne bei Wirkungen deine Bedingung.
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