Biologie

Angeborenes und erlerntes Verhalten erklärt

Angeborenes und erlerntes Verhalten erklärt
Angeborenes und erlerntes Verhalten erklärt
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Angeborenes Verhalten beruht auf genetischen Voraussetzungen. Erlerntes Verhalten entsteht durch individuelle Erfahrungen. Im wirklichen Leben wirken beide Anteile häufig zusammen.

Deine Lernziele

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Verhalten zuerst genau beschreiben

Ein Hund sieht einen Hasen und läuft los. Ist das angeboren oder erlernt? Bevor du diese Frage beantwortest, musst du das beobachtete Verhalten von seiner Deutung trennen.

Definition

Verhalten

Verhalten umfasst Handlungen und Reaktionen eines Lebewesens auf innere oder äußere Reize. Von außen sichtbares Verhalten lässt sich direkt beobachten. Seine Ursachen müssen dagegen erschlossen und geprüft werden.

Beobachtung: Der Hund richtet den Kopf auf den Hasen, beginnt zu laufen und verfolgt ihn.

Deutung: Der Hund zeigt Jagdverhalten, weil ein angeborener Anteil ausgelöst wurde.

Die Beobachtung beschreibt, was geschieht. Die Deutung bietet eine mögliche Erklärung. Sie kann zutreffen, muss aber durch weitere Beobachtungen oder Untersuchungen gestützt werden.

Merke

Beschreibe zuerst möglichst genau: Was geschieht? Frage erst danach: Warum geschieht es?

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage ist eine reine Beobachtung?
Lösung: Der Hund läuft dem Hasen hinterher. — Eine Beobachtung nennt nur das sichtbare Geschehen. Aussagen über Instinkt oder Lernen sind Erklärungen, die geprüft werden müssen.
Angeborene und erlernte Anteile unterscheiden
Definition

Angeborenes Verhalten

Angeborenes Verhalten beruht auf genetisch weitergegebenen Voraussetzungen und muss nicht individuell neu gelernt werden.

Definition

Erlerntes Verhalten

Erlerntes oder erworbenes Verhalten verändert sich durch individuelle Erfahrungen im Laufe des Lebens.

MerkmalAngeborenes VerhaltenErlerntes Verhalten
Grundlagegenetische Voraussetzungenindividuelle Erfahrung
Erwerbnicht individuell neu gelerntim Lebensverlauf erworben
BeispieleSaugbewegung eines Säuglings, artspezifische BewegungenNachahmung, Versuch und Irrtum, Konditionierung

Ein Reflex ist eine angeborene Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Die Saugbewegung eines Säuglings ist ein Beispiel: Sie steht unmittelbar nach der Geburt zur Verfügung und muss nicht erst durch Übung erworben werden.

Nicht jedes Verhalten passt jedoch vollständig in nur eine Spalte. Genetische Voraussetzungen können festlegen, was ein Lebewesen lernen kann. Erfahrungen und die jeweilige Situation beeinflussen dann, wann und wie es dieses Verhalten zeigt.

Beispiel

Ein Gänseküken besitzt eine angeborene Bereitschaft, einem geeigneten bewegten Objekt zu folgen. Welchem konkreten Objekt es folgt, wird während einer frühen Entwicklungsphase gelernt. Die Bereitschaft ist angeboren; das Bezugsobjekt wird erworben.

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Frage 1 von 1MittelEin Verhalten tritt ohne vorherige individuelle Übung auf. Was darfst du daraus zunächst folgern?
Lösung: Die Beobachtung spricht für einen angeborenen Anteil. — Verhalten ohne erkennbare Lernerfahrung ist ein Hinweis auf einen angeborenen Anteil. Eine einzelne Beobachtung beweist aber noch nicht, dass Erfahrung und Situation bedeutungslos sind.
Angeboren bedeutet nicht immer von Geburt an sichtbar

Eine angeborene Verhaltensweise muss bei der Geburt noch nicht vollständig auftreten. Genetische Voraussetzungen können sich erst im Verlauf der Entwicklung auswirken.

Definition

Reifung

Reifung bezeichnet Entwicklungsprozesse, durch die eine genetisch angelegte Fähigkeit oder Verhaltensweise erst später funktionsfähig wird.

Fortpflanzungsverhalten tritt beispielsweise erst auf, wenn die körperliche Entwicklung weit genug fortgeschritten ist. Sein später Beginn beweist deshalb nicht, dass es zuvor erlernt wurde.

Auch Umweltbedingungen können nötig sein, damit sich eine Anlage zeigt. Die menschliche Fähigkeit zum Spracherwerb beruht auf biologischen Voraussetzungen. Welche konkrete Sprache ein Kind spricht, hängt jedoch von seiner sprachlichen Umgebung ab.

Merke

Zeitpunkt und Ursache sind nicht dasselbe: Was erst später auftritt, kann trotzdem angeborene Grundlagen besitzen.

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Frage 1 von 1MittelEine Verhaltensweise erscheint erstmals nach der Pubertät. Welche Erklärung ist fachlich möglich?
Lösung: Eine angeborene Grundlage wird erst durch Reifung und passende Bedingungen sichtbar. — Angeboren beschreibt die Grundlage, nicht den Zeitpunkt des ersten Auftretens. Reifung kann eine genetisch angelegte Verhaltensweise später sichtbar machen.
Erfahrungen verändern künftiges Verhalten

Lernen zeigt sich daran, dass Erfahrungen das spätere Verhalten beeinflussen. Dafür gibt es verschiedene Wege.

Versuch und Irrtum

Ein Lebewesen probiert mehrere Handlungen aus. Führt eine davon zum Erfolg, wird sie bei einer ähnlichen Situation eher erneut eingesetzt.

Beispiel

Eine Krähe versucht auf verschiedene Arten, eine Nuss zu öffnen. Eine erfolgreiche Handlung führt zur Nahrung. Dadurch kann sich genau diese Vorgehensweise festigen.

Nachahmung

Beim Nachahmen beobachtet ein Lebewesen eine Handlung und übernimmt Teile davon. Schimpansen können beispielsweise den Werkzeuggebrauch anderer Tiere beobachten und selbst ausführen.

Klassische Konditionierung

Bei der klassischen Konditionierung werden Reize miteinander verknüpft.

Beispiel

Nahrung löst bei einem Hund Speichelfluss aus. Wird vor der Fütterung wiederholt ein Glockenton dargeboten, kann später bereits der Ton Speichelfluss auslösen. Der ursprünglich neutrale Ton wurde mit der Nahrung verknüpft.

Operante Konditionierung

Bei der operanten Konditionierung verändern die Folgen einer Handlung deren künftige Häufigkeit. Eine belohnte Handlung wird meist häufiger gezeigt; eine unangenehme Folge kann sie seltener machen.

Merke

Bei der klassischen Konditionierung werden Reize verknüpft. Bei der operanten Konditionierung beeinflussen Folgen einer Handlung das weitere Verhalten.

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Frage 1 von 2LeichtWas kennzeichnet Versuch und Irrtum?
Lösung: Mehrere Handlungen werden erprobt, und eine erfolgreiche wird später eher wiederholt. — Beim Versuch-und-Irrtum-Lernen wird der Erfolg verschiedener eigener Handlungen erprobt.
Frage 2 von 2MittelEin Hund setzt sich häufiger auf ein Signal, weil er danach Futter erhält. Welche Lernform passt am besten?
Lösung: Operante Konditionierung — Das Futter folgt auf das Hinsetzen und erhöht dessen künftige Häufigkeit. Damit wirkt die Folge auf das Verhalten.
Prägung verbindet Anlage und Erfahrung
Definition

Prägung

Prägung ist ein Lernvorgang in einer begrenzten Entwicklungsphase, der sensiblen Phase. Eine angeborene Bereitschaft wird dabei auf ein bestimmtes Objekt oder Signal ausgerichtet.

Bei Enten- und Gänseküken liegt die sensible Phase kurz nach dem Schlüpfen. Die Küken besitzen eine angeborene Bereitschaft zum Folgen. In dieser Phase lernen sie, welchem konkreten Objekt sie folgen.

Ist statt des Muttertiers ein Mensch oder ein bewegter Gegenstand anwesend, kann das Küken diesem folgen. Das nennt man Fehlprägung, weil die angeborene Bereitschaft auf ein unpassendes Bezugsobjekt gerichtet wurde.

Prägung ist daher weder rein angeboren noch gewöhnliches Lernen zu einem beliebigen Zeitpunkt:

  1. Eine angeborene Verhaltensbereitschaft ist vorhanden.
  2. Während der sensiblen Phase wirkt ein geeignetes Objekt oder Signal.
  3. Das Tier lernt die konkrete Ausrichtung seines Verhaltens.
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Frage 1 von 1MittelWarum ist Prägung ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken von Anlage und Umwelt?
Lösung: Eine angeborene Bereitschaft wird durch eine Erfahrung in der sensiblen Phase auf ein konkretes Objekt ausgerichtet. — Bei der Prägung liefert die Anlage die Lernbereitschaft, während die Umwelt bestimmt, auf welches Objekt oder Signal sie ausgerichtet wird.
Verhalten untersuchen und Erklärungen prüfen

Um die Ursache eines Verhaltens zu beurteilen, vergleichst du mehrere mögliche Erklärungen:

  • angeborener Anteil: Das Verhalten beruht auf genetischen Voraussetzungen;
  • erlernter Anteil: Frühere Erfahrungen haben das Verhalten verändert;
  • situativer Einfluss: Der aktuelle innere Zustand oder ein Umweltreiz beeinflusst das Verhalten;
  • Zusammenwirken: Mehrere dieser Faktoren sind gleichzeitig beteiligt.

Bei Experimenten mit stark eingeschränkter Lernerfahrung wird geprüft, ob ein Verhalten auch ohne bestimmte Erfahrungen auftritt. Zeigt es sich dennoch, spricht das für einen angeborenen Anteil. Ein solcher Versuch ist aber nicht automatisch ein eindeutiger Beweis: Unbemerkte Erfahrungen, Reifung und Versuchsbedingungen müssen mitbedacht werden.

Auch Kreuzungen zwischen Arten und die künstliche Auswahl vererbbarer Merkmale können Hinweise auf genetische Verhaltensanteile geben. Aussagekräftig werden solche Untersuchungen erst durch passende Vergleiche und eine vorsichtige Auswertung.

Gut zu wissen

Bei Untersuchungen an Tieren gehört das Tierwohl zur Versuchsplanung. Ein Erkenntnisgewinn rechtfertigt nicht automatisch starke Belastungen oder vollständigen Erfahrungsentzug.

Beispiel

Beobachtung: Ein frisch geschlüpftes Küken folgt einem bewegten Objekt.

Mögliche Erklärung: Eine angeborene Nachfolgebereitschaft wurde durch den Bewegungsreiz aktiviert.

Zu prüfende Ergänzung: Welchem Objekt das Küken dauerhaft folgt, kann von Erfahrungen während der sensiblen Phase abhängen.

Begründetes Ergebnis: Die Beobachtung passt zu einem Zusammenwirken von angeborener Bereitschaft, aktuellem Reiz und Lernen.

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Frage 1 von 1SchwerZwei Tiere derselben Art reagieren unterschiedlich auf denselben Reiz. Welche Schlussfolgerung ist am besten begründet?
Lösung: Genetische Voraussetzungen können ähnlich sein, während Erfahrungen, Entwicklung oder aktuelle Situation verschieden sind. — Eine einzelne Abweichung entscheidet die Anlage-Umwelt-Frage nicht. Für eine gute Erklärung musst du Voraussetzungen, Erfahrungen und Situation gemeinsam prüfen.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Verhalten
    • angeborene Anteile: genetische Voraussetzungen, Reflex, Reifung
    • erlernte Anteile: Erfahrung, Nachahmung, Versuch und Irrtum
    • Konditionierung: Reizkopplung oder Folgen einer Handlung
    • Prägung: angeborene Bereitschaft und Lernen in sensibler Phase
    • Untersuchung: Beobachtung beschreiben und Erklärungen vergleichen
    • Ergebnis: Anlage, Entwicklung, Umwelt und Situation wirken häufig zusammen
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWelche Aussage unterscheidet angeborenes und erlerntes Verhalten korrekt?
Lösung: Angeborenes Verhalten beruht auf genetischen Voraussetzungen; erlerntes Verhalten verändert sich durch individuelle Erfahrung. — Die Begriffe beschreiben unterschiedliche Grundlagen. Beim tatsächlich gezeigten Verhalten können diese Grundlagen zusammenwirken.
Frage 2 von 3MittelEin Küken besitzt eine angeborene Bereitschaft zum Folgen und lernt kurz nach dem Schlüpfen sein Bezugsobjekt. Welcher Begriff passt?
Lösung: Prägung — Prägung verbindet eine angeborene Bereitschaft mit einer besonderen Lernerfahrung während der sensiblen Phase.
Frage 3 von 3SchwerEine Krähe öffnet eine Nuss nach mehreren erfolglosen Versuchen auf eine neue Art und nutzt diese Methode später erneut. Welche Erklärung passt am besten?
Lösung: Der Erfolg hat eine durch Versuch und Irrtum gefundene Handlung gefestigt. — Die Krähe probierte verschiedene Handlungen aus. Der Erfolg beeinflusste ihr späteres Verhalten; das kennzeichnet Lernen durch Versuch und Irrtum und seine Folgen.

Prüfe bei jedem neuen Beispiel drei Fragen: Was beobachte ich? Welche angeborenen, erlernten oder situativen Erklärungen sind möglich? Welche Beobachtung würde diese Erklärungen stützen oder schwächen?

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