Biologie

Artbildung: Isolation und Evolution verstehen

Artbildung: Isolation und Evolution verstehen
Artbildung: Isolation und Evolution verstehen
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Neue Arten entstehen, wenn sich Populationen einer Ausgangsart getrennt entwickeln und schließlich keine fruchtbaren Nachkommen mehr miteinander hervorbringen können. Entscheidend sind unterbrochener Genfluss und das Zusammenwirken mehrerer Evolutionsfaktoren.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was macht aus Populationen verschiedene Arten?

Eine Population ist eine Gruppe von Individuen derselben Art, die in einem Gebiet lebt und sich untereinander fortpflanzen kann. Dabei werden Erbanlagen ausgetauscht. Dieser Austausch heißt Genfluss.

Definition

Biologischer Artbegriff

Zu einer Art gehören Populationen, deren Individuen sich miteinander fortpflanzen und dabei fruchtbare Nachkommen hervorbringen können. Zwischen verschiedenen Arten ist das nicht möglich.

Wird eine Population getrennt, nimmt der Genfluss ab oder endet. Die getrennten Genpools können sich nun unabhängig verändern. Ein Genpool umfasst die Erbanlagen einer Population.

Mehrere Evolutionsfaktoren treiben die Entwicklung auseinander:

  • Mutation: Das genetische Material verändert sich dauerhaft. Dadurch können neue Varianten entstehen.
  • Rekombination: Bei sexueller Fortpflanzung werden vorhandene Erbanlagen neu kombiniert.
  • Selektion: Umweltbedingungen begünstigen bestimmte vererbbare Merkmale.
  • Gendrift: Zufällige Vorgänge verändern, welche Erbanlagen in einer Population häufig sind.
Merke

Isolation allein erzeugt noch keine neue Art. Erst getrennte Genpools, Evolutionsfaktoren und schließlich eine Fortpflanzungsbarriere führen zur abgeschlossenen Artbildung.

Teste dich
Frage 1 von 2LeichtWoran erkennst du reproduktive Isolation?
Lösung: Die Populationen können miteinander keine fruchtbaren Nachkommen mehr hervorbringen. — Reproduktive Isolation betrifft die erfolgreiche Fortpflanzung. Eine räumliche Trennung kann ihr vorausgehen, ist aber nicht ihr Endpunkt.
Frage 2 von 2MittelZwei getrennte Populationen unterscheiden sich deutlich. Nach dem Entfernen der Barriere bekommen sie miteinander fruchtbare Nachkommen. Was folgt daraus?
Lösung: Die Artbildung ist nach dem biologischen Artbegriff noch nicht abgeschlossen. — Solange Genfluss durch erfolgreiche Fortpflanzung wieder möglich ist, besteht noch keine vollständige reproduktive Isolation.
Wie läuft allopatrische Artbildung ab?

Allopatrische Artbildung beginnt mit einer geografischen Trennung. Ein Gebirge, ein Gewässer, eine große Entfernung oder ein anderes Hindernis teilt eine Population.

Der typische Ablauf ist:

  1. Eine geografische Barriere trennt die Ausgangspopulation.
  2. Der Genfluss zwischen den Teilpopulationen endet oder wird stark eingeschränkt.
  3. Mutation und Rekombination erzeugen beziehungsweise kombinieren genetische Varianten.
  4. Gendrift verändert die Genpools zufällig.
  5. Unterschiedliche Umweltbedingungen führen zu unterschiedlicher Selektion.
  6. Die Populationen entwickeln sich immer weiter auseinander.
  7. Schließlich verhindert reproduktive Isolation die Entstehung fruchtbarer gemeinsamer Nachkommen.
Beispiel

Ein breiter Graben mit einem Fluss durchschneidet einen Lebensraum. Für einen Geier ist er kaum ein Hindernis, weil der Vogel ihn überfliegen kann. Für eine kleine, wenig mobile Zebraspinne kann dieselbe Struktur eine starke Barriere sein.

Treffen die Spinnenpopulationen beider Seiten über viele Generationen nicht mehr aufeinander, kann ihr Genfluss enden. Unterschiedliche Mutationen, Zufallsprozesse und Selektionsbedingungen können ihre Genpools auseinanderführen. Neue Arten wären aber erst entstanden, wenn eine erfolgreiche Fortpflanzung auch bei einem späteren Kontakt nicht mehr möglich wäre.

Merke

Eine Barriere wirkt nicht für jede Art gleich. Entscheidend ist, ob die betroffenen Organismen sie tatsächlich überwinden und dadurch Gene austauschen können.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelEin neuer Fluss trennt flugfähige Vögel und wenig mobile Bodenspinnen. Bei welcher Gruppe ist geografische Isolation wahrscheinlicher?
Lösung: Bei den Bodenspinnen, wenn sie den Fluss nicht überwinden können. — Nur eine tatsächlich wirksame Barriere unterbricht den Genfluss. Flugfähige Vögel können den Fluss möglicherweise weiterhin überqueren.
Wie entstehen Arten ohne vollständige Raumtrennung?

Populationen müssen nicht immer durch eine unüberwindbare geografische Barriere getrennt sein.

Sympatrische Artbildung

Bei der sympatrischen Artbildung leben die entstehenden Arten im selben geografischen Gebiet. Der Genfluss wird durch andere Fortpflanzungsbarrieren eingeschränkt.

Mögliche Wege sind:

  • unterschiedliche Paarungs- oder Blühzeiten,
  • unterschiedliches Paarungsverhalten,
  • die Nutzung verschiedener Lebensräume oder Nahrungsquellen,
  • Polyploidie, besonders bei Pflanzen.
Definition

Polyploidie

Polyploidie ist die Vervielfachung des vollständigen Chromosomensatzes. Sie kann dazu führen, dass sich polyploide Pflanzen nicht mehr erfolgreich mit der Ursprungspopulation fortpflanzen können.

Auch hier gilt: Eine unterschiedliche Lebensweise allein ist noch keine neue Art. Sie muss den Genfluss langfristig so weit verringern, dass reproduktive Isolation entsteht.

Parapatrische Artbildung

Bei der parapatrischen Artbildung leben Populationen in benachbarten Gebieten. Zwischen ihnen kann zunächst eine Kontakt- oder Hybridzone mit begrenztem Genfluss bestehen. Unterschiedliche Umweltbedingungen auf beiden Seiten können verschiedene Merkmale begünstigen und die Populationen auseinanderführen.

FormRäumliche SituationAusgangspunkt der Trennung
allopatrischgeografisch getrennte Gebietewirksame räumliche Barriere
sympatrischdasselbe GebietFortpflanzungsbarriere ohne geografische Trennung
parapatrischbenachbarte Gebietebegrenzter Kontakt und unterschiedliche Umweltbedingungen
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Frage 1 von 2LeichtEine Pflanzenpopulation lebt im selben Gebiet. Nach einer Vervielfachung des Chromosomensatzes kann sich ein Teil nicht mehr erfolgreich mit der Ursprungspopulation fortpflanzen. Welche Form passt?
Lösung: sympatrische Artbildung — Die Fortpflanzungsbarriere entsteht hier im selben Gebiet durch Polyploidie.
Frage 2 von 2MittelZwei Populationen leben an entgegengesetzten Enden eines zusammenhängenden Gebiets. In der Mitte besteht noch eine Hybridzone. Welche Form passt am besten?
Lösung: parapatrische Artbildung — Benachbarte Verbreitungsgebiete und begrenzter Genfluss in einer Hybridzone kennzeichnen die parapatrische Artbildung.
Wann ist Artbildung wirklich abgeschlossen?

Unterarten oder verschieden aussehende Populationen sind nicht automatisch verschiedene Arten. Der entscheidende Test des biologischen Artbegriffs ist die Fortpflanzung: Können die Populationen miteinander fruchtbare Nachkommen hervorbringen?

Beispiel

Zwei getrennte Populationen entwickeln verschiedene Fellfarben. Nach einem späteren Kontakt paaren sie sich und ihre Nachkommen sind fruchtbar. Dann gehören sie nach dem biologischen Artbegriff weiterhin derselben Art an.

Bleiben Paarungen aus, entstehen keine Nachkommen oder sind gemeinsame Nachkommen unfruchtbar, besteht eine Fortpflanzungsbarriere. Dann kann die Artbildung abgeschlossen sein.

Der biologische Artbegriff hat Grenzen:

  • Bei Fossilien lässt sich nicht prüfen, ob die früher lebenden Organismen miteinander fruchtbare Nachkommen erzeugen konnten.
  • Bei ungeschlechtlich fortpflanzenden Organismen ist Fortpflanzung zwischen zwei Individuen kein geeignetes Kriterium.

In solchen Fällen müssen Fachleute andere Merkmale und Verwandtschaftshinweise heranziehen. Gleiches Aussehen allein bleibt jedoch unsicher: Mitglieder einer Art können verschieden aussehen, und verschiedene Arten können einander ähneln.

Teste dich
Frage 1 von 1MittelWarum lässt sich der biologische Artbegriff auf Fossilien nur eingeschränkt anwenden?
Lösung: Die Fruchtbarkeit gemeinsamer Nachkommen kann nicht beobachtet oder geprüft werden. — Der biologische Artbegriff benötigt Informationen über erfolgreiche Fortpflanzung. Diese lassen sich bei Fossilien nicht direkt prüfen.
Einen Artbildungsweg selbst modellieren

Stell dir folgende Situation vor: Eine Population flugunfähiger Käfer wird durch einen neu entstandenen breiten Wasserlauf getrennt. Auf einer Seite ist der Boden überwiegend hell, auf der anderen dunkel. In beiden Teilpopulationen gibt es vererbbare Unterschiede in der Färbung.

Aufgabe: Entwickle einen plausiblen allopatrischen Artbildungsweg. Erkläre auch, welche Beobachtung am Ende noch nötig ist, bevor du von zwei Arten sprichst.

Lösung

  1. Weil die Käfer weder fliegen noch den breiten Wasserlauf überqueren können, wirkt er als geografische Barriere.
  2. Der Genfluss zwischen den beiden Teilpopulationen wird unterbrochen.
  3. Mutation und Rekombination erzeugen beziehungsweise kombinieren unterschiedliche Varianten. Gendrift kann die Genpools zusätzlich zufällig verändern.
  4. Auf hellem Boden können andere Färbungen begünstigt sein als auf dunklem Boden. Die Selektion wirkt deshalb in verschiedene Richtungen.
  5. Über viele Generationen sammeln sich Unterschiede zwischen den Populationen an.
  6. Die unterschiedliche Färbung beweist allein noch keine Artbildung. Entscheidend ist, ob die Käfer bei erneutem Kontakt fruchtbare Nachkommen hervorbringen können.
  7. Ist das dauerhaft nicht möglich, besteht reproduktive Isolation: Nach dem biologischen Artbegriff sind zwei Arten entstanden.
Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Bei allopatrischer Artbildung unterbricht zuerst eine geografische Barriere den . Mutation und liefern genetische Unterschiede, während Selektion und die getrennten Genpools verändern können. Abgeschlossen ist die Artbildung erst bei .

Lösungen: Lücke 1: Genfluss; Lücke 2: Rekombination; Lücke 3: Gendrift; Lücke 4: reproduktiver Isolation. Die Kette lautet: geografische Trennung, verringerter Genfluss, unabhängige Veränderung der Genpools und schließlich reproduktive Isolation.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Artbildung
    • Ausgangspunkt: Populationen sind durch Genfluss verbunden
    • Trennung: geografisch, im selben Gebiet oder zwischen Nachbargebieten
    • Auseinanderentwicklung: Mutation, Rekombination, Selektion und Gendrift
    • Endpunkt: reproduktive Isolation
    • Prüfkriterium: keine fruchtbaren gemeinsamen Nachkommen
    • Grenze des Artbegriffs: Fossilien und ungeschlechtliche Fortpflanzung
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas kennzeichnet den Endpunkt einer Artbildung nach dem biologischen Artbegriff?
Lösung: reproduktive Isolation — Neue Arten liegen nach diesem Artbegriff vor, wenn keine erfolgreiche Fortpflanzung mit fruchtbaren gemeinsamen Nachkommen mehr möglich ist.
Frage 2 von 3MittelEine Population wird durch ein Gebirge getrennt. Warum entstehen nicht sofort zwei Arten?
Lösung: Die getrennten Genpools müssen sich erst auseinanderentwickeln und eine Fortpflanzungsbarriere ausbilden. — Die geografische Isolation eröffnet eine getrennte Entwicklung. Mutation, Rekombination, Selektion und Gendrift müssen über Generationen Unterschiede aufbauen; abgeschlossen ist der Prozess erst bei reproduktiver Isolation.
Frage 3 von 3SchwerZwei benachbarte Populationen unterscheiden sich in mehreren Merkmalen. In einer Kontaktzone entstehen weiterhin fruchtbare Nachkommen. Welche Beurteilung ist richtig?
Lösung: Eine parapatrische Auseinanderentwicklung ist möglich, aber die reproduktive Isolation ist noch nicht vollständig. — Benachbarte Gebiete mit Kontaktzone passen zur parapatrischen Artbildung. Solange fruchtbare gemeinsame Nachkommen entstehen, ist der Genfluss nicht vollständig beendet.

Du kannst Artbildung nun als Ursache-Wirkungs-Kette prüfen: Trennung des Genflusses → unabhängige Veränderung der Genpools → zunehmende Unterschiede → reproduktive Isolation.

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