Evolution: Faktoren, Belege und Artbildung
Evolution bedeutet: In einer Population verändern sich vererbbare Merkmale über viele Generationen. Dabei entstehen nicht einzelne Lebewesen absichtlich „passender“. Vielmehr verändern Evolutionsfaktoren die Häufigkeit genetischer Varianten in der Population.
Auf dieser Seite lernst du, wie Variation entsteht, wie Selektion und Zufall wirken, welche Belege Evolution stützen und wie neue Arten entstehen können.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Was verändert sich bei der Evolution?
Eine Population umfasst Lebewesen derselben Art, die zur gleichen Zeit in einem Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen können. Ihre vererbbaren Merkmale kommen oft in unterschiedlichen Varianten vor.
Evolution
Evolution ist die Veränderung vererbbarer Merkmale beziehungsweise der Häufigkeiten von Allelen in einer Population von Generation zu Generation. Ein Allel ist eine Variante eines Gens.
Der Genpool umfasst die Gesamtheit der genetischen Varianten einer Population. Ändert sich die Häufigkeit eines Allels im Genpool, findet Evolution statt.
In einer Käferpopulation kommen ein helles und ein dunkles Allel für die Körperfarbe vor. Nach mehreren Generationen ist das dunkle Allel häufiger als zuvor. Damit hat sich die Population evolutionär verändert – unabhängig davon, welcher Evolutionsfaktor die Änderung verursacht hat.
Evolution betrifft also Populationen über Generationen. Ein einzelner Käfer entwickelt während seines Lebens nicht erblich eine neue Körperfarbe, nur weil sich seine Umwelt verändert.
Individuen können wachsen, lernen oder sich kurzfristig an Bedingungen gewöhnen. Evolution liegt erst vor, wenn sich vererbbare Varianten einer Population über Generationen verändern.
Wie entsteht genetische Vielfalt?
Evolution benötigt Unterschiede, an denen weitere Faktoren ansetzen können. Zwei wichtige Quellen dieser Vielfalt sind Mutation und Rekombination.
Mutation
Eine Mutation ist eine Veränderung des genetischen Materials. Vererbbare Mutationen können neue Allele hervorbringen. Sie entstehen beispielsweise durch Kopierfehler bei der DNA-Verdopplung oder durch erbgutverändernde Einflüsse.
Nicht jede Mutation wird weitergegeben. Eine Mutation in einer Körperzelle gelangt normalerweise nicht direkt in die nächste Generation. Mutationen in Fortpflanzungszellen oder deren Vorläufern können dagegen vererbbar sein.
Rekombination
Bei der Rekombination werden bereits vorhandene genetische Varianten neu kombiniert. Bei sexueller Fortpflanzung entstehen dadurch Nachkommen mit neuen Merkmalskombinationen.
Mutation und Rekombination erfüllen verschiedene Aufgaben:
- Mutation erzeugt neue genetische Varianten.
- Rekombination mischt vorhandene Varianten neu.
In einer Population existieren bereits verschiedene Allele für mehrere Merkmale. Durch Rekombination kann ein Nachkomme eine Kombination erhalten, die bei seinen Eltern nicht in genau dieser Form vorkam. Erst eine Mutation kann dagegen ein zuvor nicht vorhandenes Allel erzeugen.
Wie wirkt natürliche Selektion?
Natürliche Selektion ist keine bewusste Auswahl. Sie entsteht, wenn vererbbare Merkmalsvarianten unter bestimmten Umweltbedingungen zu unterschiedlichem Fortpflanzungserfolg führen.
Für Selektion müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
- Ein Merkmal kommt in verschiedenen Varianten vor.
- Die Varianten sind zumindest teilweise vererbbar.
- Die Varianten führen unter den herrschenden Bedingungen zu Unterschieden im Fortpflanzungserfolg.
Fitness
Fitness bezeichnet in der Evolutionsbiologie den relativen Fortpflanzungserfolg. Eine Variante besitzt eine höhere Fitness, wenn ihre Träger unter bestimmten Bedingungen im Verhältnis mehr fortpflanzungsfähige Nachkommen hinterlassen.
In einer Population unterscheiden sich Tiere in einem vererbbaren Merkmal. Unter neuen Umweltbedingungen finden Träger einer Variante häufiger Nahrung und hinterlassen im Durchschnitt mehr Nachkommen. Diese Nachkommen erben die Variante teilweise. Nach vielen Generationen kann sie deshalb häufiger sein.
Der entscheidende Gedanke: Die Umwelt erzeugt die benötigte Variante nicht zielgerichtet. Sie beeinflusst, welche bereits vorhandenen vererbbaren Varianten häufiger weitergegeben werden.
Angepasstheit ist daher kein endgültiger Idealzustand. Der Vorteil eines Merkmals hängt von der jeweiligen Umwelt ab. Verändern sich die Bedingungen, kann auch sein relativer Vorteil steigen, sinken oder verschwinden.
Evolution plant nicht voraus. Mutation und Rekombination liefern Variation; Selektion verändert deren Häufigkeit abhängig von Umwelt und Fortpflanzungserfolg.
Wann entscheidet der Zufall?
Nicht jede Veränderung des Genpools beruht auf einem Vorteil. Bei der Gendrift ändern sich Allelhäufigkeiten zufällig. Dieser Einfluss ist besonders in kleinen Populationen stark.
Gendrift
Gendrift ist die zufällige Veränderung von Allelhäufigkeiten. Allele können dabei unabhängig von ihrem Nutzen häufiger werden, verschwinden oder vollständig fixiert werden.
Eine Überschwemmung tötet wahllos einen großen Teil einer kleinen Population. Unter den zufällig Überlebenden ist ein zuvor seltenes Allel überrepräsentiert. In den folgenden Generationen kann es deshalb deutlich häufiger sein, obwohl es keinen Überlebensvorteil bot.
Eine starke, vorübergehende Verkleinerung einer Population heißt Flaschenhalseffekt. Dabei kann viel genetische Vielfalt verloren gehen. Beim Gründereffekt entsteht eine neue Population aus wenigen Mitgliedern einer Ausgangspopulation. Auch ihre Allelhäufigkeiten können zufällig von denen der Ausgangspopulation abweichen.
Selektion und Drift lassen sich durch eine Leitfrage unterscheiden:
- Hängt die unterschiedliche Weitergabe mit dem Merkmal und dem Fortpflanzungserfolg zusammen? Dann spricht das für Selektion.
- Entsteht die Veränderung durch eine zufällige Stichprobe der Population? Dann spricht das für Gendrift.
Welche weiteren Faktoren verändern Populationen?
Neben Mutation, Rekombination, Selektion und Gendrift beeinflussen Genfluss und Isolation die genetische Entwicklung von Populationen.
Genfluss
Genfluss ist der Austausch genetischer Varianten zwischen Populationen, wenn Individuen oder ihre Fortpflanzungszellen zwischen ihnen gelangen und sich erfolgreich fortpflanzen.
Genfluss kann Unterschiede zwischen Populationen verringern, weil Allele ausgetauscht werden.
Isolation
Isolation schränkt den Genfluss zwischen Populationen ein oder verhindert ihn. Sie kann beispielsweise durch räumliche Trennung entstehen.
Nach einer Trennung wirken Mutation, Rekombination, Selektion und Gendrift in den Teilpopulationen weiter. Da Umweltbedingungen und Zufallsereignisse verschieden sein können, entwickeln sich ihre Genpools zunehmend auseinander.
Ein Gebirge trennt eine Ursprungspopulation in zwei Teilpopulationen. Zwischen ihnen findet kein Genfluss mehr statt. In beiden Gruppen entstehen Mutationen und neue Kombinationen. Unterschiedliche Bedingungen führen zu unterschiedlicher Selektion; zusätzlich verändert Gendrift die Allelhäufigkeiten. Nach langer getrennter Entwicklung können Fortpflanzungsbarrieren entstehen.
Entstehen neue Arten durch eine geographische Trennung, spricht man von allopatrischer Artbildung. Artbildung ohne geographische Trennung heißt sympatrische Artbildung.
Der biologische Artbegriff fasst Populationen als eine Art zusammen, wenn sie sich unter natürlichen Bedingungen miteinander fortpflanzen und fruchtbare Nachkommen hervorbringen können. Er lässt sich bei Fossilien oder ungeschlechtlich lebenden Organismen jedoch nicht unmittelbar anwenden.
Isolation allein erzeugt nicht sofort eine neue Art. Sie unterbricht zunächst den Genfluss. Erst die weitere Auseinanderentwicklung kann zu Fortpflanzungsbarrieren führen.
Woran lässt sich Evolution erkennen?
Vergangene Evolution wird nicht aus einem einzigen Fund abgelesen. Besonders überzeugend ist das Zusammenwirken voneinander teilweise unabhängiger Beleglinien.
Fossilien zeigen zeitliche Abfolgen
Fossilien sind erhaltene Reste oder Spuren früherer Lebewesen. Ihre Lage in Gesteinsschichten kann eine relative Reihenfolge zeigen: Welche Formen traten früher oder später auf? Geeignete Materialien erlauben zusätzlich absolute Datierungen.
Die Fossilüberlieferung ist unvollständig. Organismen mit harten Strukturen werden eher erhalten als viele weichkörperige Lebewesen. Eine Lücke im Fossilbericht beweist deshalb nicht, dass es keine Zwischenformen gab.
Homologien weisen auf gemeinsame Abstammung
Homologie
Homologe Merkmale besitzen aufgrund gemeinsamer Abstammung denselben Grundbauplan, auch wenn sie heute verschiedene Funktionen erfüllen.
Die Vorderextremitäten von Wirbeltieren können trotz unterschiedlicher Aufgaben einen gemeinsamen Grundbauplan besitzen. Das stützt eine Verwandtschaftshypothese.
Analogie
Analoge Merkmale erfüllen eine ähnliche Funktion oder sehen ähnlich aus, besitzen aber unterschiedliche Grundbaupläne und entstanden unabhängig unter ähnlichen Umweltbedingungen.
Die Grabwerkzeuge von Maulwurf und Maulwurfsgrille erfüllen eine ähnliche Aufgabe. Der Maulwurf besitzt jedoch ein inneres Knochenskelett, die Maulwurfsgrille ein Außenskelett. Die Ähnlichkeit zeigt eine ähnliche Anpassung, aber keine enge Verwandtschaft aufgrund dieses Merkmals.
Weitere Beleglinien ergänzen sich
- Rudimente sind zurückgebildete homologe Strukturen, die auf Merkmale von Vorfahren hinweisen können.
- Embryonalentwicklung zeigt bei verwandten Arten Ähnlichkeiten in frühen Entwicklungsstadien.
- Biogeographie untersucht, wie die Verteilung von Arten mit ihrer Abstammung und geographischen Isolation zusammenhängt.
- Molekulare Vergleiche nutzen Ähnlichkeiten in DNA oder Proteinen, um Verwandtschaftshypothesen zu prüfen.
Welche Missverständnisse solltest du vermeiden?
„Theorie“ bedeutet nicht „bloße Vermutung“
Eine wissenschaftliche Theorie verbindet zahlreiche Beobachtungen, Messungen und überprüfbare Erklärungen. Die Entwicklung des Lebens nach evolutionären Prinzipien gilt als wissenschaftlich anerkannte Tatsache. Details einzelner Abläufe und Verwandtschaftsverhältnisse werden weiterhin erforscht.
Evolution kann beobachtet werden
Viele Veränderungen benötigen sehr lange Zeiträume. Bei Organismen mit kurzen Generationszeiten, etwa Bakterien, können sich Variantenhäufigkeiten aber innerhalb von Monaten verändern und experimentell untersuchen lassen.
Evolution verfolgt kein Ziel
Evolution strebt weder Vollkommenheit noch zwangsläufig größere Komplexität an. Merkmale können entstehen, umgewidmet oder verloren werden. Entscheidend ist ihr Einfluss unter den jeweiligen Bedingungen – oder bei Gendrift schlicht der Zufall.
Evolution erklärt nicht unmittelbar den Ursprung des ersten Lebens
Evolution setzt vermehrungsfähige Systeme voraus, die Varianten vererben können. Wie aus komplexen Molekülen die ersten Zellen entstanden, ist nicht vollständig geklärt. Vorgeschlagen wurden unter anderem selbstkopierende RNA-Moleküle und abgegrenzte Reaktionsräume, doch diese Möglichkeiten sind keine abgeschlossene Erklärung.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Evolution
- betrifft Populationen über Generationen
- beruht auf vererbbarer Variation
- wird durch Mutation und Rekombination vorbereitet
- wird durch Selektion, Gendrift und Genfluss verändert
- kann nach Isolation zur Artbildung führen
- wird durch Fossilien, Homologien, Embryologie, Biogeographie und Moleküldaten belegt
- ist nicht zielgerichtet und keine notwendige Höherentwicklung
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