Charles Darwin und die natürliche Selektion
Charles Darwin erklärte, wie sich Populationen über viele Generationen verändern: Individuen unterscheiden sich, manche Unterschiede sind vererbbar und beeinflussen unter bestimmten Umweltbedingungen den Fortpflanzungserfolg. Dadurch werden einige Merkmale in einer Population häufiger.
Du lernst außerdem, wie Darwin diese Erklärung entwickelte, welche Rolle Alfred Russel Wallace spielte und warum Evolution weder Absicht noch eine allgemeine Entwicklung zum „Besseren“ ist.
Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!
Wie entwickelte Darwin seine Erklärung?
Charles Robert Darwin lebte von 1809 bis 1882. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium schloss er 1831 ein Theologiestudium ab. Noch im selben Jahr begann seine fast fünfjährige Reise mit der HMS Beagle.
Darwin sammelte Tiere, Pflanzen, Fossilien und Gesteine. Er hielt seine Beobachtungen ausführlich fest und verglich viele Funde erst nach seiner Rückkehr. Entscheidend war deshalb nicht eine einzelne Entdeckung, sondern ein längerer Erkenntnisweg:
- Darwin beobachtete und sammelte.
- Er verglich ähnliche und unterschiedliche Formen.
- Er entwickelte eine mögliche Erklärung.
- Er prüfte sie an weiteren Beobachtungen und Experimenten.
- Er veröffentlichte sie nach jahrelanger Arbeit.
Auch die Geologie beeinflusste ihn. Langsame Vorgänge wie Erosion und Ablagerung zeigten, dass kleine Veränderungen über sehr lange Zeiträume große Wirkungen haben können. Darwin fragte, ob das auch für Lebewesen gilt.
Auf den Galápagos-Inseln bemerkte er Unterschiede zwischen Organismen verschiedener Inseln. Die Bedeutung der gesammelten Finken erkannte er jedoch nicht sofort. Erst die spätere Untersuchung durch den Ornithologen John Gould zeigte, wie eng diese Vögel miteinander verwandt waren.
Darwins Theorie entstand nicht durch einen einzigen Geistesblitz. Sie beruhte auf Beobachtungen, Vergleichen, Experimenten und langjähriger Prüfung.
Wie funktioniert natürliche Selektion?
Variation
Individuen einer Population sind nicht vollkommen gleich. Sie unterscheiden sich beispielsweise in Körperbau, Verhalten oder Färbung. Diese Unterschiede heißen Variation.
Eine Population umfasst Individuen derselben Art, die zur gleichen Zeit in einem Gebiet leben und sich untereinander fortpflanzen können. Für Evolution ist entscheidend, dass zumindest ein Teil der Variation vererbbar ist.
Darwins Erklärung lässt sich als Wirkungskette lesen:
- In einer Population bestehen Unterschiede.
- Einige Unterschiede können an Nachkommen weitergegeben werden.
- Es entstehen mehr Nachkommen, als unter den vorhandenen Bedingungen erfolgreich überleben und sich fortpflanzen können.
- Nahrung, Raum oder andere Ressourcen sind begrenzt.
- Bestimmte vererbbare Merkmale sind unter diesen Bedingungen vorteilhaft.
- Ihre Träger hinterlassen im Durchschnitt mehr fortpflanzungsfähige Nachkommen.
- Dadurch können diese Merkmale über Generationen häufiger werden.
Natürliche Selektion
Natürliche Selektion ist der Prozess, bei dem vererbbare Merkmale wegen unterschiedlichen Fortpflanzungserfolgs über Generationen häufiger oder seltener werden.
Darwin bezeichnete die Konkurrenz und die vielfältigen Herausforderungen des Lebens als „struggle for life“, also „Kampf ums Dasein“. Das bedeutet nicht, dass ständig alle Lebewesen direkt gegeneinander kämpfen. Auch Nahrungsknappheit, Krankheiten oder Umweltbedingungen können den Fortpflanzungserfolg beeinflussen.
Warum bedeutet „fit“ nicht „körperlich stark“?
Der Ausdruck „survival of the fittest“ wird oft missverstanden. „Fit“ bedeutet hier nicht unbedingt groß, kräftig oder schnell. Gemeint ist: unter den jeweiligen Umweltbedingungen so beschaffen, dass erfolgreicher Nachwuchs entsteht.
Biologische Fitness
Biologische Fitness beschreibt den relativen Fortpflanzungserfolg eines Individuums oder einer Merkmalsausprägung in einer bestimmten Umwelt.
Ob ein Merkmal günstig ist, hängt vom Zusammenhang ab. Eine auffällige Färbung kann bei der Partnersuche helfen, aber zugleich Fressfeinde anlocken. Ändert sich die Umwelt, kann auch der Vorteil eines Merkmals verschwinden.
Stell dir eine Giraffenpopulation vor, in der die Halslänge variiert und teilweise vererbbar ist. Während einer langen Trockenzeit sind vor allem hoch gelegene Blätter verfügbar. Tiere, die diese Nahrung besser erreichen, können unter diesen Bedingungen häufiger überleben und Nachwuchs bekommen.
Nicht die einzelne Giraffe verlängert absichtlich ihren Hals. Über viele Generationen kann vielmehr der Anteil einer bereits vorhandenen, vererbbaren Merkmalsausprägung in der Population steigen.
Die Umwelt erzeugt nicht zielgerichtet das passende Merkmal. Sie beeinflusst, welche bereits vorhandenen vererbbaren Unterschiede den Fortpflanzungserfolg erhöhen.
Wie können Populationen und Arten auseinandergehen?
Werden Populationen geografisch getrennt, tauschen sie weniger oder keine erblichen Merkmale mehr miteinander aus. Auf verschiedenen Inseln können zudem andere Nahrung, Fressfeinde oder Lebensräume vorkommen. Variation und Selektion wirken dann unter unterschiedlichen Bedingungen.
Bei den Galápagosfinken wurden verschiedene Schnabelformen mit unterschiedlichen Ernährungsweisen in Verbindung gebracht. Ein kräftiger Schnabel kann etwa beim Bearbeiten harter Nahrung nützlich sein, während ein schmaler Schnabel den Zugang zu anderer Nahrung erleichtern kann.
Das bekannte Finkenbeispiel wird manchmal zu stark vereinfacht: Darwin erkannte auf den Inseln noch nicht den gesamten Zusammenhang. Die genauere Einordnung seiner Sammlung nach der Reise war ein wichtiger Teil des Erkenntniswegs.
Über viele Generationen können getrennte Populationen immer unterschiedlicher werden. Schließlich kann Artbildung eintreten. Geografische Trennung allein erzeugt jedoch nicht sofort eine neue Art; sie schafft Bedingungen, unter denen getrennte Entwicklungen möglich werden.
Was gehört zu Darwin – und was kam später hinzu?
Darwin kannte den heutigen genetischen Mechanismus der Vererbung nicht. Seine eigene Vererbungshypothese, die Pangenesis, erwies sich später als falsch. Mutation und Rekombination erklären heute, wie neue erbliche Variation entstehen kann; sie sind spätere genetische Ergänzungen und nicht Darwins ursprüngliche Erklärung.
Die Synthetische Evolutionstheorie verband im 20. Jahrhundert natürliche Selektion mit genetischen Erkenntnissen. Darwins Grundgedanke des unterschiedlichen Fortpflanzungserfolgs blieb dabei wichtig.
Auch Alfred Russel Wallace entwickelte unabhängig ein ähnliches Selektionsmodell. 1858 wurden Texte von Wallace und Darwin gemeinsam vorgestellt. Darwins ausführliches Werk On the Origin of Species erschien am 24. November 1859.
Natürliche Selektion ist außerdem nicht der einzige Evolutionsmechanismus. Darwin arbeitete beispielsweise die sexuelle Selektion ausführlich aus: Ein Merkmal kann sich verbreiten, wenn es den Paarungserfolg erhöht, selbst wenn es für das Überleben keinen Vorteil bietet. Auffällige Pfauenfedern oder große Hirschgeweihe veranschaulichen diesen Gedanken.
Darwins Theorie bedeutet auch nicht, dass Menschen von heute lebenden Affen abstammen. Menschen und andere Menschenaffen teilen gemeinsame Vorfahren.
Karteikasten
Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.
Alles auf einen Blick
- Darwins Evolutionserklärung
- Erkenntnisweg
- Beobachten, vergleichen und prüfen
- Beagle-Reise und spätere Auswertung
- Natürliche Selektion
- vererbbare Variation
- unterschiedlicher Fortpflanzungserfolg
- Wirkung über Generationen
- veränderte Merkmalsverteilung
- mögliche Artbildung
- Einordnung
- Wallace entwickelte ein ähnliches Modell
- moderne Genetik ergänzte die Erklärung
- Erkenntnisweg
Abschluss-Check
Du hast Darwins Kerngedanken verstanden, wenn du eine neue Situation mit vier Fragen untersuchen kannst: Welche Variation besteht? Was davon ist vererbbar? Welche Umweltbedingungen wirken? Wer hinterlässt dadurch im Durchschnitt mehr Nachkommen?
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