Biologie

Keimung: Ablauf, Bedingungen und Keimversuch

Keimung: Ablauf, Bedingungen und Keimversuch
Keimung: Ablauf, Bedingungen und Keimversuch
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Bei der Keimung beginnt der Embryo in einem keimfähigen Samen zu wachsen. Zuerst nimmt der Samen Wasser auf und quillt. Danach tritt meist die Keimwurzel aus. In Schulversuchen mit Kresse oder Senf sind Wasser, Sauerstoff und eine geeignete Temperatur notwendig. Ob Licht die Keimung beeinflusst, hängt dagegen von der Pflanzenart ab.

Auf dieser Seite lernst du den Ablauf der Keimung kennen und planst einen Versuch, bei dem sich Beobachtungen eindeutig auswerten lassen.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst — und komm am Ende hierher zurück!

Was steckt in einem Samen?

Ein Samen enthält bereits den Embryo, also die Anlage der neuen Pflanze. Dazu gehören die Keimwurzel und der Keimspross mit den Anlagen der ersten Blätter. Je nach Pflanzenart besitzt der Embryo ein oder mehrere Keimblätter.

Definition

Samen

Ein Samen ist ein Fortpflanzungskörper einer Pflanze. Eine Samenschale schützt den Embryo. Keimblätter oder anderes Speichergewebe enthalten Reservestoffe für die erste Entwicklung.

Im trockenen Samen laufen die Lebensvorgänge nur sehr langsam ab. Der Samen befindet sich in einem Ruhe- oder Überdauerungszustand. Erst wenn er keimfähig ist und passende Bedingungen vorfindet, kann seine Entwicklung weitergehen. Manche Arten benötigen zuvor einen besonderen Umweltreiz, etwa eine längere Kältephase.

Beispiel

Bei einem Bohnensamen schützt die Samenschale den Embryo. Die Keimblätter enthalten Vorratsstoffe. Von diesen Reserven lebt der junge Keimling, solange seine Laubblätter noch nicht selbst genügend energiereiche Stoffe durch Fotosynthese herstellen.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtWelche Aussage beschreibt einen Samen am besten?
Lösung: Er enthält einen geschützten Embryo und gespeicherte Reservestoffe. — Die Keimwurzel ist bereits im Embryo angelegt. Während der Keimung wächst diese vorhandene Anlage weiter.
Wie beginnt die Keimung?

Der erste sichtbare Weg zur Keimung beginnt mit der Quellung: Der Samen nimmt Wasser auf. Sein inneres Gewebe vergrößert sich, die Samenschale wird weich und kann aufbrechen.

Definition

Quellung

Quellung ist die Wasseraufnahme eines Samens und die dadurch verursachte Volumenzunahme. Sie bereitet die weitere Entwicklung vor, ist aber nicht dasselbe wie das Wachstum des Embryos.

Danach laufen die typischen Schritte in dieser Reihenfolge ab:

  1. Der keimfähige Samen nimmt Wasser auf und quillt.
  2. Der Stoffwechsel wird stärker aktiv; gespeicherte Reservestoffe werden verfügbar.
  3. Meist durchbricht zuerst die Keimwurzel, auch Radicula genannt, die Samenschale.
  4. Die Keimwurzel verankert den Keimling und nimmt Wasser auf. Später entstehen Wurzelhaare und Seitenwurzeln.
  5. Der Keimspross wächst weiter, und die ersten Blätter entwickeln sich.
  6. Sobald grüne Laubblätter ausreichend Fotosynthese betreiben, wird die junge Pflanze zunehmend unabhängig von den Reservestoffen.
Merke

Quellung bedeutet Wasseraufnahme. Keimung bedeutet, dass der Embryo seine Entwicklung wieder aufnimmt und zum Keimling heranwächst.

Lückentext

Wähle in jeder Lücke die passende Form und prüfe anschließend deine Antworten.

Zuerst nimmt der Samen auf und beginnt zu quellen. Meist tritt als erstes die aus der Samenschale. Anfangs liefern die Energie und Baustoffe für das Wachstum. Später übernehmen grüne die Herstellung energiereicher Stoffe durch Fotosynthese.

Lösungen: Lücke 1: Wasser; Lücke 2: Keimwurzel; Lücke 3: Reservestoffe; Lücke 4: Laubblätter. Prüfe die zeitliche Reihenfolge: Wasseraufnahme, Austritt der Keimwurzel, Nutzung der Reserven und schließlich Versorgung durch grüne Laubblätter.
Welche Bedingungen braucht ein Samen?

Bei Schulversuchen mit Kresse, Senf oder Bohnen zeigen sich drei zentrale Bedingungen:

BedingungBedeutung für die untersuchte Keimung
Wasserermöglicht die Quellung und aktiviert die weiteren Lebensvorgänge
geeignete Temperaturermöglicht die nötigen Stoffwechselvorgänge; „geeignet“ ist artspezifisch
Sauerstoffwird bei der Energiebereitstellung aus Reservestoffen benötigt

Erde ist für den Keimungsbeginn nicht grundsätzlich erforderlich. Samen können beispielsweise auf feuchter Watte keimen. Die Reservestoffe im Samen versorgen den jungen Keimling zunächst.

Bei Licht ist eine Einschränkung wichtig: Kressesamen können im Dunkeln keimen. Andere Pflanzenarten reagieren jedoch anders. Es gibt Arten, deren Samen Licht benötigen, und Arten, deren Keimung durch Licht gehemmt wird. Deshalb ist „Licht wird nie gebraucht“ ebenso falsch wie „Jeder Samen braucht Licht“.

Gut zu wissen

Eine allgemeine Liste ersetzt nicht die Prüfung einer bestimmten Pflanzenart. Auch die passende Temperatur und mögliche Reize zum Beenden der Samenruhe unterscheiden sich von Art zu Art.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelKressesamen keimen auf feuchter Watte bei geeigneter Wärme und vorhandener Luft. Welche Schlussfolgerung ist zulässig?
Lösung: Erde ist für die Keimung der untersuchten Kressesamen nicht notwendig. — Die Reservestoffe stammen zunächst aus dem Samen. Der Versuch zeigt nur, dass Erde unter diesen Bedingungen keine notwendige Keimungsbedingung ist.
Frage 2 von 2SchwerKressesamen keimen im Dunkeln. Was folgt daraus?
Lösung: Kresse benötigt unter den untersuchten Bedingungen kein Licht für den Keimungsbeginn. — Die Aussage gilt für den Keimungsbeginn. Für die weitere Entwicklung brauchen die grünen Pflanzenteile Licht zur Fotosynthese.
Wie unterscheiden sich Keimungsformen?

Die Keimblätter können sich während der Keimung unterschiedlich bewegen. Dabei werden zwei Formen unterschieden.

Definition

Epigäische Keimung

Bei der epigäischen Keimung streckt sich der Sprossabschnitt unterhalb der Keimblätter, das Hypokotyl. Dadurch gelangen die Keimblätter über die Erdoberfläche. Die Buche ist ein Beispiel.

Definition

Hypogäische Keimung

Bei der hypogäischen Keimung bleiben die Keimblätter im Boden. Der Sprossabschnitt oberhalb der Keimblätter, das Epikotyl, streckt sich. Die ersten Laubblätter erscheinen über der Erde. Die Stieleiche ist ein Beispiel.

Beide Formen unterscheiden sich in der Lage der Keimblätter. Bei beiden wächst jedoch zuerst ein Keimling aus dem Samen. Die Begriffe epigäisch und hypogäisch sagen nicht, welche Umweltbedingungen eine Art zum Keimen benötigt.

Teste dich
Frage 1 von 1LeichtBei einem Keimling bleiben die Keimblätter unter der Erde, während erste Laubblätter über dem Boden erscheinen. Welche Form liegt vor?
Lösung: hypogäische Keimung — Entscheidend ist die Lage der Keimblätter: Unterirdisch verbleibende Keimblätter kennzeichnen die hypogäische Keimung.
Wie planst du einen kontrollierten Keimversuch?

Ein Versuch soll zeigen, ob eine bestimmte Bedingung notwendig ist. Dafür vergleichst du mindestens zwei Ansätze, die sich in genau einer untersuchten Bedingung unterscheiden.

Definition

Kontrollansatz

Der Kontrollansatz enthält alle Bedingungen, unter denen die Samen voraussichtlich keimen. Er zeigt, ob die Samen keimfähig sind und der Versuchsaufbau grundsätzlich funktioniert.

Für einen Kresseversuch kannst du gleichartige Samen in gleich große Gefäße geben. Verwende in jedem Ansatz dieselbe Samenanzahl und beobachte über mehrere Tage immer zur gleichen Zeit.

AnsatzGegenüber der Kontrolle verändertErwartete Beobachtung
Kontrollenichts: feucht, warm, Luft vorhanden, hellSamen keimen
ohne Erdefeuchte Watte statt feuchter ErdeSamen keimen
ohne Wassertrockene statt feuchte UnterlageSamen keimen nicht
kaltdeutlich niedrigere Temperaturunter den beschriebenen Bedingungen keine Keimung
dunkellichtdicht abgedeckt, sonst gleichSamen keimen; Keimlinge werden später blass und schwach

Ein Sauerstoffversuch ist schwieriger eindeutig zu gestalten. Ein dicht verschlossener oder vollständig mit Wasser bedeckter Ansatz soll den Sauerstoffzugang verringern, kann aber zugleich weitere Bedingungen verändern. Deshalb musst du diese Einschränkung bei der Auswertung nennen.

Merke

Veränderst du zwei Bedingungen gleichzeitig, kannst du nicht erkennen, welche Bedingung den beobachteten Unterschied verursacht hat.

Beobachtung und Deutung trennen

Schreibe zuerst auf, was du wahrnimmst: etwa „In Ansatz 3 ist keine Keimwurzel sichtbar.“ Erst danach deutest du: „Ohne Wasser fand unter diesen Versuchsbedingungen keine Keimung statt.“

Keimt auch der Kontrollansatz nicht, kannst du die anderen Ansätze nicht sicher auswerten. Vielleicht waren die Samen nicht keimfähig oder der Aufbau war ungeeignet.

Teste dich
Frage 1 von 2MittelZwei Ansätze stehen auf feuchter Erde. Einer steht warm und hell, der andere kalt und dunkel. Im zweiten Ansatz keimt nichts. Was ist das Problem?
Lösung: Temperatur und Licht wurden gleichzeitig verändert. — Weil sowohl Temperatur als auch Licht verschieden sind, lässt sich die fehlende Keimung keinem einzelnen Faktor zuordnen.
Frage 2 von 2SchwerDer Kontrollansatz keimt nicht. Wie gehst du mit den übrigen Ergebnissen um?
Lösung: Du wertest sie nicht als sicheren Nachweis und prüfst Samen sowie Versuchsaufbau. — Die Kontrolle prüft die Keimfähigkeit und die grundsätzliche Funktion des Aufbaus. Fällt sie aus, fehlt die Vergleichsgrundlage.
Warum sind Keimung und Wachstum nicht dasselbe?

Die Keimung ist nur der erste Abschnitt der Pflanzenentwicklung. Anfangs nutzt der Keimling gespeicherte Reservestoffe. Für ein dauerhaftes Wachstum reichen diese Vorräte nicht.

Grüne Laubblätter benötigen Licht, um bei der Fotosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Wasser energiereiche Stoffe aufzubauen. Wurzeln nehmen Wasser und Mineralstoffe auf. Deshalb kann ein Kressesamen im Dunkeln zwar keimen, der entstehende Keimling bleibt jedoch blass und schwach und geht später ein.

Beispiel

Ein Sonnenblumensame liegt auf einem Schotterweg. Nach Regen keimt er bei geeigneter Temperatur, weil Wasser und Sauerstoff vorhanden sind. Daraus folgt nicht, dass der Schotterweg dauerhaft gute Wachstumsbedingungen bietet. Für die weitere Entwicklung braucht die Pflanze unter anderem Licht und eine ausreichende Versorgung mit Wasser und Mineralstoffen.

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Frage 1 von 1MittelEin Samen bildet im Dunkeln eine Keimwurzel und einen blassen Spross. Welche Aussage passt?
Lösung: Die Keimung hat begonnen, aber für die weitere Entwicklung fehlt Licht. — Austretende Keimwurzel und wachsender Spross zeigen die Keimung. Die blasse Entwicklung weist auf fehlendes Licht für die weitere Versorgung durch Fotosynthese hin.
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Überlege zuerst selbst und drehe die Karte anschließend zum Prüfen um.

Alles auf einen Blick
Mindmap
  • Keimung
    • Samen mit Embryo und Reservestoffen
    • Quellung durch Wasseraufnahme
    • Keimwurzel tritt meist zuerst aus
    • Wasser, Sauerstoff und geeignete Temperatur
    • Lichtbedarf hängt von der Pflanzenart ab
    • Erde für den Keimungsbeginn nicht grundsätzlich nötig
    • Keimblätter versorgen den jungen Keimling
    • Kontrollversuch verändert nur eine Bedingung
    • Weiteres Wachstum braucht Licht und Mineralstoffe
Abschluss-Check
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Frage 1 von 3LeichtWas geschieht bei der Quellung?
Lösung: Der Samen nimmt Wasser auf und vergrößert sein Volumen. — Quellung bezeichnet die Wasseraufnahme. Das Anschwellen kann die Samenschale aufweichen und öffnen.
Frage 2 von 3MittelWelche Versuchsanordnung prüft den Einfluss von Wasser am eindeutigsten?
Lösung: Zwei sonst gleiche Ansätze unterscheiden sich nur durch eine feuchte oder trockene Unterlage. — Für eine eindeutige Prüfung wird nur die Wasserversorgung verändert. Alle anderen Bedingungen bleiben gleich.
Frage 3 von 3SchwerZwei Gruppen untersuchen dieselbe Samenart. Bei Gruppe A keimen feuchte Samen warm und hell. Bei Gruppe B keimen feuchte Samen warm und dunkel. Was lässt sich begründet sagen?
Lösung: Licht war unter diesen Versuchsbedingungen für den Keimungsbeginn dieser Samen nicht notwendig. — Da sich die Ansätze nur im Licht unterscheiden und beide keimen, war Licht hier für den Keimungsbeginn nicht erforderlich. Über andere Arten oder langfristiges Wachstum sagt der Vergleich nichts Sicheres aus.

Du kannst Keimung nun als überprüfbare Wirkungskette beschreiben: Ein keimfähiger Samen nimmt unter passenden Bedingungen Wasser auf, der Embryo wächst und meist tritt zuerst die Keimwurzel aus. Mit einem Kontrollansatz und nur einer veränderten Bedingung kannst du untersuchen, welche Faktoren dafür notwendig sind.

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